Todessehnsucht

Gothics suchen die Konfrontation mit dem Tod. Das bedeutet aber nicht, dass sie lebensmüde sind, oder den Tod besonders verehren. Sie sehen vielmehr Schönheit in der Vergänglichkeit und ermahnen sich selbst, das Leben zu genießen, weil jeder Tag der letzte sein könnte. In der Gothic Szene gibt es keine Stuhlkreise oder Podiumsdiskussionen, keine Meditationen oder Workshops, die den Tod zum Inhalt haben. Musik, Motive und Texte dienen der persönlichen Konfrontation und der stillen Reflexion.


Memento Mori


Denke daran, dass du sterben musst! Das ist die Übersetzung der Reimpredigt „Memento mori“.


Man kennt den Ausdruck von Todesanzeigen oder Grabsteinen. Im engen Zusammenhang stehen auch andere Sinnsprüche: „Media vita in morte sumus“, bedeutet „Mitten im Leben sind wir im Tode“. „Mors certa hora incerta“ heißt „Der Tod ist gewiss, die Stunde ungewiss“. Diese Sprüche sind in der Schwarzen Szene zum Beispiel bei Tattoos oder T-Shirt-Prints beliebt.


Vanitas


Auch Vanitas-Motive werden in der Gothic-Szene gerne verwendet. Vanitas steht für die Vergänglichkeit alles Irdischen und bedeutet so viel wie: Nichtigkeit, Eitelkeit, Lüge, Wertlosigkeit. Typische Motive hierfür sind Totenschädel, Sanduhren oder eben alles, was deutlich macht, dass der Mensch keine Gewalt über das Leben hat und unweigerlich gehen muss. Wissen, Reichtum, Schönheit, Macht: Mit dem Tod zerfällt alles. Ein Grundgedanke, den die Gothic-Szene sich gerne vor Augen führt. In der Ode „Vanitas! Vanitatum Vanitas!“ des Dichters Andreas Gryphius aus dem Jahr 1643 kommt man der Bedeutung auf die Spur.


Totentanz


Um Mitternacht kommen die Toten aus den Gräbern und tanzen. Dabei treten sie mit den Lebenden in Kontakt und verbreiten die Botschaft: "Was ihr seid, das waren wir, was wir sind, das werdet ihr!". Schon seit dem Mittelalter wird der Totentanz auf Gemälden und Mauern dargestellt. Die Bilder der tanzenden Skelette werden mit Versen untermauert. In der Schwarzen Szene ist der Totentanz oft Namensgeber für Partys. Auch zahlreiche Songs in der Szene beschreiben ihn, zum Beispiel der Song „Totentanz“ von Corvus Corax.

Memento Mori

Keine andere Subkultur beschäftigt sich so ausgiebig mit dem Tod wie die Gothic Szene. Kein Wunder also, dass der „Memento Mori“-Gedanke allgegenwärtig ist. Denke daran, dass du sterblich bist! Das ist die Aussage der alten Reimpredigt. Mit Todessehnsucht hat dieser Spruch rein gar nichts zu tun. Ganz im Gegenteil. Wer sich des eigenen Todes bewusst ist, der bringt dem Leben eine höhere Wertschätzung entgegen. Die Todessymbolik in der Gothic Szene beruht meist auf genau dieser Erkenntnis. Viele Namen von Gothic Partys und auch typische Gothic Tattoos bedienen sich aus dem Memento-Mori-Umfeld. So gibt es zum Beispiel den „Totentanz“ als Partynamen oder den Spruch „Der Tod ist gewiss, seine Stunde ist ungewiss“ als Tattoo.


Vanitas

Skelette tanzen auf dem Friedhof, Sanduhren laufen ab, Pflanzen verwelken, Kerzen erlöschen, Ratten, Fliegen und Spinnen laufen durchs Bild. Vanitas ist die Darstellung der Vergänglichkeit. Die Motive sind in der Gothic Szene sehr beliebt. Man findet sie auf Shirts und Taschen, auf Gemälden in der Grufti-Wohnung, als Tattoo-Motive oder Schmuckbilder. Dahinter steckt die Aussage, dass man nichts festhalten kann. Vergängliches in den Vordergrund zu rücken und zu zeigen, wird damit wertlos. „Hinter der Maske der Schönheit lauert der Tod“: Eines der beliebtesten Vanitas-Motive ist das Skelett, das sich eine Maske vors Gesicht hält.