Das Album der Woche: Crippled Black Phoenix mit Ellengæst

Crippled Black Phoenix - Banner

Crippled Black Phoenix und „Ellengæst“. Das Album der Woche steht fest und ja, die Band legt erneut wieder den Finger in die Wunde. Wo die Welt aus den Fugen gerät, da setzt die Band an, um einen einzigartigen Abgesang auf diese Menschheit loszulassen. Unser Album der Woche bei EMP.

Die Welt ist derzeit aus den Fugen geraten. Corona hier, menschliches Elend dort. Politik, die immer bizarrer wird, Verschwörungstheorien und die Ausbeutung des Planeten und der Tierwelt runden das Bild in negativer Art und Weise ab. Man steht fassungslos vor all den Nachrichten, will sie ausblenden und sucht vergeblich nach Ruhe. 2020 markiert sicher eines der schwierigsten Jahre für die gesamte Welt. Und dann erscheint da noch „Ellengæst“ von Crippled Black Phoenix. Bereits die Single Lost mit dem verstörenden Video macht klar, dass die Band um Justin Greaves sich wieder mit all diesen Dingen auseinandersetzt und den Finger geradezu in die Wunde legt. Doch Crippled Black Phoenix thematisieren schon lange Missstände und dies in einer Art und Weise, die gegensätzlicher nicht sein könnte. Das Elend dieser Welt wird mit anmutenden und faszinierender Hingabe musikalisch serviert. So auch jetzt? 2020? Oder kippt das musikalische Konzept wie die Lage dieses Planeten?

Crippled Black Phoenix - Band01

Wer ist denn aktuell in der Band? So genau weiß man dies nie bei Crippled Black Phoenix. (c) by Seasons Of Mist

Crippled Black Phoenix verloren ihren bisherigen Sänger…

Crippled Black Phoenix unterliegen immer einer gewissen Rotation. Das Personal-Karussell dreht sich ständig bei der Truppe und so auch dieses Mal. Änghede hat die Band verlassen, was den Kopf Greaves etwas in Bedrängnis brachte. Man musste improvisieren und sich neue Möglichkeiten erarbeiten. Man suchte sich Gastsänger, die – vorgegriffen – den Songs einen Stempel aufdrücken, aber Crippled Black Phoenix aber niemals das musikalische Zepter aus der Hand reissen. Bereits der Opener „House Of Fools“ macht klar, welch musikalische Großtat einen erwartet. Ein einsamer Ton einer Trompete wird abrupt durch eine tosende Wand aus Lärm zerfetzt, bevor ein Groove sich aufbaut, über welchen Belinda Kordic und Vincent Cavanagh von Anathema große Melodien legen. Insbesondere die Lebensgefährtin von Greaves ist es, die den vakanten Posten des Sängers stark besetzt, wenn auch in einer rollierenden Funktion. Glücklicherweise konnte man Cavanagh gewinnen, der wohl seinen epischsten Moment bei „Lost“ und dem anmutenden Refrain hat.  

Crippled Black Phoenix - Band02

„Ellengæst“ entstand mit einigen Gastsängern, nachdem der eigentliche Sänger das Handtuch warf. (c) by Seasons Of Mist

… und machen mit „Ellengæst“ doch Alles richtig

Der vertonte Abgesang auf diese Menschheit ist nicht ohne Grund als Single eingesetzt werden. In 8 Minuten steigt der Phoenix empor, streckt seine Flügel und schaut mit traurigen Augen auf diese Erde nieder. Doch wo andere Bands zerstörerisch unterwegs sind, wird hier mit großen Klängen gearbeitet, die der Sache eine bizarre und widersprüchliche Schönheit verleihen. Ähnlich ist es bei „In The Night“, welches mit einem Gesprächsprotokoll einer Frau beginnt, die von seelischen Verletzungen in der Kindheit berichtet. Gänsehaut macht sich unweigerlich breit und als Gaahl von Gorgoroth mit seinem dunklen Sprechgesang einsetzt, offenbart sich in Kombination mit dem anmutenden Gitarrenspiel des Kopfes Greaves unverblümt die ganz große Kunst des Songwritings. „Cry Of Love“ ist der gnadenlose Kontrast, welchen man so nicht von Crippled Black Phoenix erwartet hat. Die Mischung aus Goth und Punk erweist sich als tanzbares Monster, was hinsichtlich der Grundstimmung des Albums komisch erscheinen mag. 

Crippled Black Phoenix - Cover

Crippled Black Phoenix schaffen mit „Ellengæst“ ein großes Album. Beeindruckend von Vorne bis Hinten.

Wo das Elend dieses Planeten die Vorlage für Musik ist

„Everything I Say“ ist das Meisterstück von Belinda, welche sich leidend durch die 7:21 Minuten arbeitet. Die perfekte Endzeit-Ballade, welche mit viel Pracht und Dunkelheit gleichermaßen auffährt. Hoffnungsvoller geht es mit „The Invisible Part“ voran, welches auch mit 11 Minuten das längste Stück des Albums ist. Geradezu hoffnungsvolle Melodien setzen einen Kontrastpunkt zum restlichen Album. Das Bauhaus Cover „She’s In Parties“ schließt das Album ab, welches hymnischer, anmutender, fragiler und düsterer nicht hätte ausfallen können. Crippled Black Phoenix schaffen trotz des Wegfalls des Sängers ein Album, welches zu den besten der Band gehören dürfte. Magisch und in den Bann ziehend ist „Ellengæst“ eine Großtat, die keine Kritik zulässt. Ein Album, welches unser Album der Woche werden musste.

Kategorien: MUSIK Reviews Peter

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