Die EMP Plattenkiste zum 22. Mai 2015

EMP Plattenkiste Banner 2015Das Pfingstwochenende steht vor der Tür und der geneigte Metal-Head wird zum Rock Hard Festival wandern. Auch wir putzen uns erneut raus, ziehen den feinen Zwirn an und werden uns gepflegt unters Volk mischen. Klare Sache, wenn wir die Sause in Gelsenkirchen schon präsentieren und stolz wie Bolle darauf sind. Da wird zu Kreator gefeiert, Overkill werden uns wieder das Hirn wegblasen und Kataklysm durch Blastbeat die letzten müden Geister aus unseren Körpern vertreiben. Nichtsdestotrotz wollen wir auch diese Woche wieder unsere EMP Plattenkiste steigen lassen und hier ein paar schicke Feinheiten auffahren. Also: Schaut rein, bestellt noch das ein oder andere Scheibchen bevor man sich auf dem Rock Hard Festival sieht. Attacke!
CoalChamber

Drei Jahre nach ihrer Reunion haben Coal Chamber nun ein neues Album am Start.

Mittlerweile drei Jahre sind vergangen, als Coal Chamber sich auf dem Soundwave wieder dem Publikum gestellt haben. Das Konzept ging auf, die Leute hatten Bock auf die Band und dies sollte der Motor für ein Comeback darstellen. Man stellt sich nun auch der schweren Aufgabe um nach 13 Jahren ein neues Album vorzustellen. „Rivals“ so der schlichte Name, welcher aber nun den Wolf im Schafspelz symbolisieren soll. Meine Fresse, was ist das denn für ein Sound. Da bläst man aber amtlich durch und schnell wird klar, dass die alten Scheiben im direkten Vergleich um Längen geschlagen werden. Es rumpelt, kracht, die Double-Bass wird abgefeuert und man muss sich die Frage stellen, ob nicht der Teufel persönlich mit im Studio war. Komplett auf Synthesizer verzichtet, machen Coal Chamber hier sicher keine Gefangenen. Scheiss auf Geiselhaft und dergleichen, denn killen, umnieten und wie man es noch so nennen kann, ist dann doch eher das Steckenpferd der insgesamt 13 Songs. Auffällig ist auch, dass Coal Chamber Mut zu experimentellen Momenten haben und insgesamt dichter, atmosphärischer und dunkler erscheinen, als es vor ihrer Auszeit der Fall war. Ein fabelhaftes Album!

Anti-Flag

Nachhilfe im Polit-Punk gefällig? Anti-Flag sind die perfekten Lehrer für sowas.

Wo Anti-Flag draufsteht, ist zu 150% auch Polit-Punk drin. Mit einer grenzenlosen Ausdauer hauen die 4 Herren seit Jahren ihre Statements in den musikalischen Kosmos. Missstände werden aufgezeigt, Menschen zum Nachdenken angeregt und man hat hier und da sogar den Eindruck, dass ein politischer Bildungsauftrag den Herren zu ihrer Gründung erteilt wurde. Mit „American Spring“ geht es nun in die nächste Nachhilfestunde und wieder zeigen Anti-Flag mit erhobenem Zeigefinger auf die Gesellschaft und ihre bizarren Auswüchse. Doch bei Anti-Flag ist das Faszinierende, dass man die Musik auch genießen kann, denn ein krampfhaftes und übertriebenes Auftreten überlässt man anderen. Es steht - und so sollte es ja auch sein - die Musik im Vordergrund. Mit Clash-lastigen Ausflügen kann man bei „Low Expectaions“ oder „All Of The Poison, All Of The Pain“ punkten. „Walk Away“ zeigt, dass man immer noch in der Lage ist, schnellere Songs zu spielen, ohne dabei auf eine Eingängigkeit verzichten zu müssen. Klar, Anti-Flag sollte man alleine wegen ihrer Message schon lieben, aber mit Melodie, Eingängigkeit und einer gewissen Eigenständigkeit, macht diese Band einfach doppelt Spaß. 14 Songs, die zum Nachdenken aufrufen, aber auch locker bei einem Bier unter Freunden funktionieren.
WeButterTheBreadWithButter

We Butter The Breas With Butter konzentrieren sich auf ihre Anfangstage. Gut so!

We Butter The Bread With Butter griffen nach den Sternen. Man wollte die Anfangstage hinter sich lassen, eine Ernsthaftigkeit den Songs verpassen und sich eventuell sogar in von der breiten Masse abheben. Doch wer nach Sternen greift, kann auch tief fallen. Dies sollte eben genau der Band widerfahren und nach einem Zwischenfazit zum letzten Album, mussten neue Wege beschritten werden. „Wieder Geil!“ soll der Heilsbringer werden, welcher die Band zurück zu ihren Wurzeln katapultieren soll. Doch kann sowas aufgehen? Ist eine Kehrtwende nicht auch eine weitere Falle? Hier, bei Album Nummer Vier, sicher nicht! „Wieder Geil!“ strotzt vor Selbstbewusstsein, „Wieder Geil!“ ist der ausgestreckte Mittelfinger an all die Menschen, welche We Butter The Bread With Butter aufgegeben haben. „Wieder Geil!“ attestiert der Band eine kreative Meisterleistung, denn hier wird die Schmissigkeit der Anfangstage mit einer amtlichen Portion Ernsthaftigkeit verbunden. „Wieder Geil!“ sorgt für ein breites Grinsen, ein Zucken in den Gliedmaßen und amtliches Kopfnicken. „Wieder Geil!“ ist genau das Album, welches man sich bei der letzten Veröffentlichung versprochen hat. Tja, liebe We Butter The Bread With Butter. Wir finden euch nun ebenfalls wieder geil!

MonoInc

Mono Inc. bestechen ein weiteres mal, obwohl eine klassische Radiosingle sogar fehlt.

Mono Inc. mussten sich beim letzten Album „Nimmermehr“ mit gewissen Vorwürfen konfrontieren lassen. Man sei dem Mainstream in gewisser Art und Weise verfallen. Sogar Unkenrufe wie „Ausverkauf“ sollten die Runde machen. Doch damit sollte beim neuen Album „Terlingua“ Schluss sein. Befremdlich wirkt allerdings das Cover der Scheibe. Western? Wie kommen Engler und Co denn bitte auf diesen Trichter. Wir schauen darüber hinweg und konzentrieren uns auf die insgesamt 13 Songs. Und siehe da, das Cover macht auf einmal Sinn. Von Einsamkeit und ja, auch einer gewissen Verlorenheit singt man. Melancholisch geht man zur Sache und beschwört das Mystische hervor. Schau an, in Kombination mit dem Titel „Terlingua“ und dem Artwork macht das Ganze einen durchdachten Sinn. Um einen kleinen Ausflug in die Geografie zu machen: Terlingua ist eine kleine Stadt im Bundesstaat Texas, welche durch ihr Dasein als Geisterstadt sich einen (zweifelhaften) Namen machte. Rund 50 Menschen leben dort und können sicherlich ein Lied von Einsamkeit trällern. Doch Mono Inc. können dies wesentlich besser. Man wirkt in sich gekehrt ohne dabei den Mono Inc.-typischen Sound aus den Augen zu verlieren. Man hat sich ein Album zurechtgelegt, welches auf eine typische Radiosingle verzichtet und vielmehr durch Komplexität, Tiefgang und wahnsinnig viel Liebe zum Detail besticht! Mono Inc. zeigen in wirklich beeindruckender Manier, dass sie zu den wenigen Bands ins Deutschland gehören, die man bedingungslos empfehlen und lieben muss. Hier macht die deutsche Sprache Sinn, wie es bei ganz wenigen Bands zutreffend ist. Ein wahrlich ergreifendes Album!

FooFighters2

Die volle Dröhnung gibt es von den Foo Fighters. Man legt die Alben als schickes Doppel-Vinyl auf. So macht das Hören noch mehr Spaß!

Die Foo Fighters haben es endgültig in den Rockzirkus der Superlative geschafft. Restlos ausverkaufte Shows, das Wembley-Stadium bespielt man zwei Tage und die Tickets für die anstehende Tour erreichen exorbitante Preise auf dem Schwarzmarkt. Mit rund 20 Jahren auf dem Buckel kann man auch einige Alben vorweisen, die nun als Doppel-Vinyl aufgelegt werden. Sei es die Unplugged-Show „Skin And Bones“, welche zeigt, dass Grohl und Co auch ohne Bratgitarre funktioniert. Oder das Überalbum „The Colour And The Shape“, welches mit „Everlong“ wohl den Hit ihres Lebens den Foo Fighters beschert hat. Auch „Echoes, Silence, Patience & Grace“ verzückt den Fan, wenn man die Platte in den Händen hält. Selbst das raue und ungeschliffene Debütalbum „Foo Fighters“ macht sich gut auf dem heimischen Plattenspieler und zeigt klar auf, dass die Foo Fighters von Beginn an ein Konzept hatten: Geile Nummern spielen, die die Massen mitreissen. Passend zur Tour macht diese Veröffentlichungsreihe doppelt Sinn und wird dem Fan das Herz direkt höher schlagen lassen. Egal ob er ein Ticket für eines der Konzerte hat, oder nicht!

Kategorien: MUSIK Peter

Tags: American spring Anti-Flag Coal Chamber Foo Fighters Mono Inc. Reviews Rivals Terlingua We Butter The Bread With Butter Wieder Geil! | permalink

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