Das Album der Woche: Cult Of Luna mit A Dawn To Fear

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Cult Of Luna werden im Herbst durch Deutschland touren. Anschauen, sofern es irgendwie geht.

Album der Woche von Cult Of Luna? Nun, es könnte auch das Album des Jahres werden. Was Cult Of Luna hier abliefern sucht seinesgleichen. Kaum eine Band schafft es eine derart drückende und dunkle Atmosphäre zu schaffen, welcher man sich bedingungslos hingibt. Lest aber selbst!

Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Begegnung mit Cult Of Luna erinnern. 2001 erschien das gleichnamige Debüt der Truppe aus Umeå. Zur selben Zeit packte ich meine Koffer, um aus der schwäbischen Einöde das angesagte Berlin zu entdecken. Ein Freund arbeitete damals bei einer Promoagentur und hatte das Thema auf dem Tisch. Beim Label Rage Of Achilles unter Vertrag, sollten Cult Of Luna „ohrenbetörenden Lärm machen“, der mir ja immer so gefallen würde. OK, die Anpreisung der Band wäre ausbaufähig gewesen, aber der Kumpel aus Berlin hatte Recht. Tagelang lauschte ich diesem Album. Zum Einschlafen, zum Aufstehen, in der Bahn und leider auch zum Leidwesen meiner Mitbewohnerin tagsüber. Selten hat mich eine Band derart gefesselt und fasziniert. Selten war Dunkelheit so gnadenlos gut auf den Punkt gebracht und eine beklemmende Enge so präzise vertont. Cult Of Luna haben den Weg in meine „Liste für die Ewigkeit“ geschafft. 

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Cult Of Luna – man kann sich immer auf die Band verlassen

„The Beyond“ und das Überwerk „Salvation“ sollten die Liebe ausbauen. „Somewhere Along The Highway“ und „Eternal Kingdom“ dafür sorgen, dass ich jedem Menschen Cult Of Luna schmackhaft machen wollte. Alle, die mit Sludge, Post-Metal und Co etwas anfangen konnten, mussten Monologe zu dieser Band von mir erleben. Mit „Vertikal“ sollte 2013 der Höhepunkt in der Diskografie der Schweden erscheinen. Die Zusammenarbeit mit Julie Christmas auf „Mariner“ läuft heute noch jede Woche bei mir, soll aber eigenständig betrachtet werden. „A Dawn To Fear“, das siebte Album der Band, ist also der Nachfolger von „Vertikal“ und das erste Album der Schweden in 6 Jahren. Alle bisherigen Werke schafften es in die Top 3 des Jahres. Erwartungen an dieses Album? Unermesslich hoch, was die Sache wahrlich nicht einfacher macht. Wie so oft kann man auch bitter enttäuscht werden.

Cult Of Luna - Band

Anmutig auf dem Bild und auf der Platte. Cult Of Luna aus Schweden. (c) by Metal Blade

„A Dawn To Fear“ ist ein unfassbar komplexes Biest

Mit „Silent Man“ startet man eine 80-minütige Reise an die dunkelsten Stellen, die der Post-Metal zu bieten hat. „Auftürmend“ wäre wohl ein Adjektiv, welches das zu beschreiben versucht, was der 10-Minuten-Opener für einen bereithält. Ein subtiler Basslauf, der von einem treibenden Drum begleitet wird. Licht und Schatten werden durch Riff-Gewitter (oder eben dem Aussetzen der Gitarren) geformt, Melodien durch die Lead-Gitarre bzw. Keyboard-Einlagen geschmiedet. Man füllt die Spielzeit mit ruhigen Passagen, die auf Lärm, Krach und explosionsartige Ausbrüche treffen. Melodien, die behutsam eingesetzt werden um sie dann doch wieder zerschellen zu lassen. Eine wahnwitzige emotionale Achterbahnfahrt, die einem viel abverlangt. Ist ein solch massiver Song der passende Opener? Oder gar per se zu lange? Wer bei dieser Überlegung schon Kopfschmerzen bekommt, sollte sich mit Ibuprofen bewaffnen. Das Album hat noch 4 Songs in peto, die länger und komplexer agieren. 

Cult Of Luna - Live

Johannes Persson ist das letzte verbliebende Gründungsmitglied von Cult Of Luna. (c) by Peter Kupfer Photography

Album des Jahres? Vielleicht! Aber sicher unter den Top 3

Treibende Passagen, die einfach nur zum Niederknien sind, gibt es beispielsweise beim Titeltrack „A Dawn To Fear“. Während der Song dezent startet, heimlich den Schulterschluss zu Klosterklängen sucht, dreht sich das Blatt mit dem Einsetzen einer Melodie-Gitarre, die sich wie eine Säge durch das Fleisch des Hörers arbeitet. Johannes Persson dreht die Sache zu einem Sludge-Biest und zeigt deutlich, dass die Band nicht ohne Grund zu den wichtigsten Bands des Genre zählen. „Nightwalkers“ ist hypnotisch und zieht einen erbarmungslos in den Abgrund. Ohne eigenen Willen steuert man dem Dunklen entgegen und gibt sich dem sicheren Tod hin. Widerstand ist zwecklos! Wer Neurosis immer als die großen Meister deklarierte, darf nun eine Neubewertung vornehmen. Kaum eine Band ist so gnadenlos gut, dunkel, düster, zerstörend und doch mit Licht gesegnet wie Cult Of Luna. Jetzt schon unter den Top 3 des Jahres und der morbideste Soundtrack für den anstehenden Herbst. 

Kategorien: MUSIK Peter

Tags: A Dawn To Fear Album der Woche CD Cult Of Luna EMP Plattenkiste Plattenkiste Vinyl | permalink

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