Callejon - Ein Einblick zum kommenden Album

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Callejon haben mit „Blitzkreuz“ ein amtliches Album abgeliefert. Nach einem Ausflug in die Welt der Coverversionen und dem Album „Man spricht Deutsch“, ist 2014 das Jahr für ein neues Album. Fast zumindest. Wir haben das kommende Album "Wir sind Angst" angecheckt. 

Direkt vorweg eine schlechte Nachricht: Das neue Album der Metalcore-Band Callejon erscheint nicht mehr dieses Jahr. Nun aber zu einer guten Nachricht: „Wir sind Angst“ wird direkt am 19. Januar 2015 erscheinen. Wir haben uns die Scheibe direkt mal angehört und wollen euch einen Einblick verschaffen.

Berlin, 28. Oktober 2014. Man ist bereits in der Stadt, da neben Callejon auch noch Papa Roach die Hauptstadt unsicher machen. Nach getaner Arbeit bei den Herren Shaddix und Co macht man sich auf in Richtung Berlin-Mitte. Callejon haben geladen um im SOHO House der Presse das neue Album vorzustellen. Gediegene Atmosphäre und man kommt sich direkt zwei Nummern wichtiger vor. Die Jacke sitzt, die Mütze ebenfalls und die Tatsache, dass das Deo nach 12 Stunden auf den Beinen nicht die versprochenen 48 Stunden durchhält, muss nun als Nebensache  angesehen werden.

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Basti - oder auch BastiBasti - ist nicht nur live das Aushängeschild der Band.

Man betritt im Untergeschoss eine Bar, in welcher sich bereits die ersten Leute tummeln. Man reicht Bier und kleine Snacks bevor man im Nebenraum  - einem Kino - sich in einen Sessel fallen lässt. Die Herren von Callejon sind ebenfalls anwesend, wenn auch nervös am Rande stehend. „Was wird die Meute sagen?“ und ähnliche Fragen schiessen der Band durch den Kopf, wie sie nachher offen zugibt.

Zerstörende Bilder wischen über die Leinwand. Kriegsbilder, Umweltkatastrophen und Hungersnöte werden gezeigt und erinnern an die allabendlichen Nachrichten. Missstände weltweit und ja, man wird in einem kurzen Moment geerdet. Das Bier wird abgesetzt, die Reste der Snacks bleiben einem im Hals stecken. Muss solch ein Intro sein oder ist es angebracht? Wenn man sich den Titel „Wir sind Angst“ in Erinnerung ruft, dann machen gerade solche Bilder Sinn, sprechen aber auch von einer Band, die ihre Umwelt wahrnimmt und in die Musik einfließen lässt.

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Vorbei sind die spaßigen Tage von Callejon wie hier bei "Man spricht Deutsch".

Nach dem instrumentalen Intro, was lediglich einer Geräuschkulisse gleichkommt und an einen Endzeit-Film erinnert, starten Callejon mit „Wir sind Angst“ los. Der Titeltrack peitscht und löst einen Flächenbrand los. Musikalisch zwischen schrillen Gitarren und beatlastigen Parts, schreit sich BastiBasti mit „wir brauchen ein Gegengift“ die Seele aus dem Leib. „1000 PS“ dreht mit Motorengeräusch los, bevor es stampfend in die erste Strophe geht. „Wir sind der Motor… Simply The Best“. Nun, eine Ansage, die sich nur bestätigen lässt. Callejon sind gereift, wissen sich mehr in Szene zu setzen und insgesamt klingen die ersten zwei Tracks im Vergleich zu „Blitzkrieg“ runder - was das alte Werk keinesfalls in ein schlechteres Licht rücken soll. „Dunkelherz“ greift mit Staccato-Gitarren an, die von eine blechernen Schlagzeug begleitet werden. Während der 3:50 Minuten Spielzeit wandelt „Dunkelherz“ zwischen salvenartigen Elementen, die durch einen zweistimmigen und zuckersüßen Refrain gekoppelt wird. Oh ja, hier hat man sich einen Kopf gemacht und der Song entwickelt sich zu einem echten Ohrwurm.

„Babel“ ist ein rein instrumentales Stück, was einen Übergang zu „Raketen“ schaffen soll. Dieser Song geht auch direkt wie eine Rakete steil. In Cape Canaveral hätte es nicht besser machen können. Auch hier dominiert wieder der zweistimmige Refrain, welcher mit rhythmischer Gitarrenarbeit ins richtige Licht gesetzt wird. „Unsere Kinder können nichts dafür, dass die Welt so ist wie sie ist“ vernimmt man. Es macht Sinn! Bilder zu Beginn, Titel des Albums, Art und Weise, wie man sich präsentiert. Um das Gesamtbild komplett abzurunden, hätte Basti sich allerdings seine Haare nicht blondieren sollen. Vielleicht ein Gegenzeichen, dass trotz der Dunkelheit von „Wir sind Angst“ ein gewisser Optimismus zu vernehmen ist. „Unter Tage“ wirkt gemässigt im Tempo, geradezu ein Ruhepol, welcher sicherlich dem Hörer eine Pause zum Durchatmen verschafft. Doch damit soll direkt Schluss sein, denn „Neonblut“ setzt wieder zum Ausholen an. Mit einer solo-artiger Gitarrenarbeit, ist der Song zwar im Gesamten weniger druckvoll, aber nicht minder drückend. Dafür sorgt der Rest der Band!
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Damals, als Callejon noch ganz jung waren, schwamm man im Metalcore-Fahrwasser.

„Ich lehne leidenschaftlich ab“ macht aber direkt wieder Fahrwasser wett. Ruhiger Ausklang des Albums? Kannste vergessen! Wieso auch, wenn man noch Riffs und nochmals Riffs in der Schublade hat. Auf die Fresse galore! Und auch „Veni Vidi Vici“ macht direkt hier weiter: Man spielt sich in Rage während der ersten 25 Sekunden um mit einem Thrash-artigen Schlagzeug das Tempo komplett auf diesem Level zu halten. Abgeschaut bei den Titanen Kreator? Könnte sein, aber keine Sorge, denn Callejon sind immer noch Callejon. Der beeindruckendste Song soll aber „Krankheit Mensch“ sein, welcher mit einer Akustik-Gitarre beginnt um dann getragenen mit dem Rest der Band zum eigentlichen Song überzugehen. „Krankheit Mensch, wir haben die Krone nicht verdient“ ist zu vernehmen. Spätestens hier sollte klar werden, dass Callejon erwachsen geworden sind. Hüpfende Meute recht und schön, aber ein gewisser Bildungsauftrag hat noch keiner Band geschadet. Nein, keine Meinung aufdrücken, sondern vielmehr das Hier und Jetzt des eigenen Daseins überdenken. „Schreien ist Gold“ soll nochmal die Mission der Band aufzeigen: Schnell, laut, aggressiv und viel Metal! Der obligatorische ruhige Schlusssong von Callejon wird mit „Erst wenn Disneyland brennt“ serviert. Hat man in der Vergangenheit während der Spielzeit noch eine härtere Note in den Song gelegt, bekommt man nun einen durchweg gesungenen Song zu hören. Pop? Ja, aber gut! Wo Revolverheld und Co versagen, in Belanglosigkeit gepaart mit Schmalz sich verlieren, wird hier ein weiteres Mal aufgezeigt, wie sich Callejon über all die Jahre entwickelt haben.
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Doch mit "Wir sind Angst" schaffen sie den Sprung in eine neue Zeitrechnung.

Schluss, der Vorhang schließt sich und die Presse ist verstört: Wer hätte ein solches Album erwartet? Wer hätte gedacht, dass der Sprung aus dem Klischee-behafteten Metalcore-Gefilde Callejon so sauber und spielend gelingt. Zieht euch warm an, denn Callejon werden das Jahr in musikalischer Hinsicht eindrucksvoll beginnen!

Kategorien: MUSIK News Peter

Tags: Callejon Reviews Wir sind Angst | permalink

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