Interview
Inhumane Intensität
von Markus Eck (21.05.2012)Aus Knoxville im US-Bundesstaat Tennessee stammen diese wunderbar wilden Deathcore-Maniacs. Und das neue selbstbetitelte Hammer-Album "Whitechapel" zeigt auf, dass die ebenso quirligen wie hochgradig emotionalen Songs des Sextetts eindeutig aus einer...
WeiterlesenAus Knoxville im US-Bundesstaat Tennessee stammen diese wunderbar wilden Deathcore-Maniacs. Und das neue selbstbetitelte Hammer-Album "Whitechapel" zeigt auf, dass die ebenso quirligen wie hochgradig emotionalen Songs des Sextetts eindeutig aus einer gigantischen Vielzahl von sehr guten Ideen stammen. Doch auch auf instrumentellem Sektor hat es der verdammt fitte Haufen um den bösen Kehlenteufel Phil Bozeman hier mal wieder rundum optimal drauf. So wird es für die ultra-spielfreudigen Whitechapel mit diesem mächtigen vierten Langspiel-Streich ganz bestimmt ein Leichtes sein, alten und neuen Fans die Kinnladen sehr weit herunterklappen zu lassen.
"Wir investierten eine Unmenge an harter Arbeit in den neuen Brocken. Am meisten aber arbeiteten wir definitiv an den Riffs. Wir probierten dabei wirklich sehr viel aus, solange, bis die besten und am ergiebigsten zueinander passenden Ergebnisse vereint für das Album waren. Trotz der vielen Nerven, die wir dabei strapazierten, hatten wir alles in allem aber erneut sehr viel Spaß beim Erarbeiten der neuen Kompositionen. Jeder Song offenbart sich als eine prägnante Persönlichkeit für sich", resümiert Gitarrist Alex Wade zur Entstehung von "Whitechapel", mit einem fiesen Grinsen im Gesicht. Wie der Griffbrett-Artist dem Gesagten nachfolgend gut gelaunt anfügt, haben er und seine Jungs den musikalischen Stil glücklicherweise absolut gefunden. "Die neue Scheibe ist unsere bislang reifste Leistung, wie wir denken. Whitechapel in klarer Reinkultur sozusagen. Daher kam letztlich für uns auch gar kein anderer Titel in Frage, als die Veröffentlichung schlicht nach uns selbst zu benennen. Und obwohl die primäre Grundstimmung ja eigentlich wirklich stockdunkel ist, so offenbaren die zehn neuen Nummern auf der Platte vielerlei differierend interessante Facetten. Wir bemühen uns sowieso stets, nicht auf der Stelle zu treten, uns nach vorne zu entwickeln. Whitechapel engagieren sich sozusagen für sich selbst und die Leute und Fans, welche die Band unterstützen. Stilistisch sind wir aber vollauf gefestigt. So ist die einzige mögliche Weiterentwicklung, nach der wir derzeit Ausschau halten, noch dynamischer, noch frischer, noch abwechslungsreicher und vor allem immer noch härter zu werden." "Whitechapel" enthält gar das schnellste Material, was die Truppe jemals zustande brachte. "Doch werden die Hörer überrascht feststellen, dass auf der anderen Seiten auch die langsamsten Stücke mit von der Partie sind, die es von uns bislang zu erleben gab. Es ist einfach für jeden Geschmack etwas dabei."
Triple Axe Attack
von Jürgen Tschamler (24.03.2010)Die aus Knoxville, Tennessee, stammenden Deathcorler Whitechapel haben sich mit nur zwei Alben ziemlich hoch in der Szene etablieren können. Das Sextett setzt zudem auf drei Gitarristen, um ihre Wall Of Noise dem Hörer ganz massiv um die Ohren zu bla...
WeiterlesenDie aus Knoxville, Tennessee, stammenden Deathcorler Whitechapel haben sich mit nur zwei Alben ziemlich hoch in der Szene etablieren können. Das Sextett setzt zudem auf drei Gitarristen, um ihre Wall Of Noise dem Hörer ganz massiv um die Ohren zu blasen. Seit ihrem letzten Album "This is exile" sind satte zwei Jahre vergangen. Nun steht mit "A new era of corruption" der lang erwartete Nachfolger der Deathcore-Hopefulls in den Startlöchern. Flitzefinger Alex Wade saß auf dem heißen Stuhl.
Ihr habt euch für Jason Suecof (Trivium, DevilDriver, God Forbid, All That Remains, etc....) als Produzenten entschieden. War er euer Wunschproduzent oder nur der erstplazierte auf einer Liste von Produzenten, mit denen ihr gerne gearbeitet hättet? "Wir hatten schon lange ein Auge auf ihn, da wir alle große Fans seiner letzten Arbeiten sind. Gerade die letzten Produktionen von Bury You Dead und The Black Dahlia Murder gefallen uns sehr gut. Wir fanden, wenn wir den Sound von beiden Bands vereinen könnten, dann wäre das perfekt für uns. Das Album kommt fett rüber, es klingt super vernichtend und brutal, aber gleichzeitig auch sehr transparent." Haben sich also die Erwartungen erfüllt, die ihr von der Zusammenarbeit hattet? "Absolut. Musik und Produktion ergänzen sich perfekt. Mein Lieblingsalbum soweit. Ich denke, es repräsentiert den augenblicklichen Status der Whitechapel Musik sehr gut." Ich kenne momentan nur einige wenige Songs des neuen Albums. Wie würdest du die musikalische Entwicklung des Albums beschreiben? "Ich denke, es macht da weiter, wo wir mit ,This is exile' aufgehört haben und zeigt deutlich eine Weiterentwicklung. Es ist aber definitiv nicht ,This is exile part 2', allerdings hört man Elemente dieser Musik. Insgesamt wirkt ,A new era of corruption' schneller und viel aggressiver. Es ist super heavy. Bei einigen Songs haben wir 8-String-Gitarren benutzt, die super heavy rüberkommen. Wenn du ein Fan von ,This is exile' bist, wirst du das neue Album lieben. Der Name des Albums kommt übrigens von einer Textzeile aus dem Song ,Possession' vom letzten Album. Wir wollten zwischen den beiden Alben eine Verbindung aufbauen und auch den Status dieser "Neuen Ära" von Extreme Musik erwähnen. Die Szene ist ja geradezu am explodieren mit Bands wie Job ForA Cowboy oder Suicide Silence etc.... Kurzum, die elf neuen Songs sind extrem brutal." Ist Deathcore heutzutage die echte Untergrund Musik, so wie Black-/Death Metal es Ende der Achtziger war? "Ich denke es ist Untergrund, aber es wird mehr und mehr zum Mainstream. Viele der extrem harten Bands werden im Radio gespielt und tauchen sogar bei MTV2 und Fuse im TV auf. Anderseits werden auch mehr Bands zum Mainstream durch ihr mitwirken bei Tourneen wie der Warped Tour." Deathcore ist eine sehr extreme Musikart. Glaubst du, dass Leute das jeden Tag hören können oder nur wenn sie sich total abgefuckt fühlen? "Ich denke, es liegt an der Person die es hört. Ich selbst liebe Metal und muss da nicht in einer bestimmten Stimmungsphase zu sein. Das variiert wohl von Mensch zu Mensch." Wie sieht ein typischer Deathcore-Fans aus? "Umm I dunno hahaha, relativ normal denke ich. Insgesamt aber jünger, da ja auch die Musik relativ jung ist und die demografische Entwickelung junge Fans hervorbringt." Ihr kommt aus Tennessee, so ist Jack Daniels wohl euer Lieblingsgesöff!? "Hahaha, klar ist Jack einer unserer Favoriten. Unser Drummer Kevin loves Jack mit Coke, äh das Getränk, nicht die Droge, gemixt." Kurze knappe Lebensphilosophie? "Sei ehrlich zu dir selbst und lass dich von anderen nicht verändern. In dem Moment, wo du durch andere Leute dein Leben änderst, verlierst du deine eigene Identität."
Stacheldraht und Hurenblut
von Björn Thorsten Jaschinski (19.06.2008)Deathcore ist in den USA und England längst auf dem Weg aus dem Underground an die Spitze - hierzulande backen Bands, die dort Headlinerstatus genießen, allerdings noch kleinere Brötchen. Whitechapel aus dem verschlafenen Knoxville, Tennessee, sind m...
WeiterlesenDeathcore ist in den USA und England längst auf dem Weg aus dem Underground an die Spitze - hierzulande backen Bands, die dort Headlinerstatus genießen, allerdings noch kleinere Brötchen. Whitechapel aus dem verschlafenen Knoxville, Tennessee, sind mit ihrer technisch anspruchsvollen Derbmischung dabei, dies zu ändern. Innerhalb nur eines Jahrs feuern sie mit "This is exile" ihre zweite Garbe ab. "In unserer Gegend sind wir die einzige Band in dieser Härtedimension", berichtet Ben Savage, einer der drei (!) Gitaristen . "The Tony Danza Tapdance Extravaganza, Inferi und A Different Breed Of Killer sind die einzigen anderen brutalen Kaliber im Bundesstaat. Die eigenen Frauen zu vermöbeln steht hier offenbar eher auf der Tagesordnung, als Heavy fuckin' Metal zu spielen." Knoxville wird auch The Marble City genannt - besteht die Whitechapel aus weißem Marmor? Ben winkt ab. "Ein undurchdringliches schwarzes Marmortor, umgeben von Stacheldraht und gebadet in Hurenblut - und was innerhalb der Mauern abgeht ist nicht für die Augen gewöhnlicher Sterblicher bestimmt." Trotz dieser finsteren Beschreibung ist neben der Musik auch die Lyrik seit "The somatic defilement" greift. "Wir haben uns von den Gore-Themen emanzipiert und die neuen dunkleren Texte akzentuieren die Kompositionen besser." Die Besetzung mit drei Gitaristen birgt zwar kompositorisch viele Freiheiten, die Synchronisation im Zusammenspiel jedoch verlangt den Musikern alles ab - zumal sie momentan keinen eigenen Mischpultmann haben. "Zach und ich schleppen die meisten Riffs an und wir alle strukturieren die Songs gemeinsam. Unser Sänger Phil und Kevin, der Drummer, können auch Gitarre spielen, was die Sache vereinfacht. Wir vereinen sechs komplett verschiedene musikalische Hintergründe, unsere Reichweite umfasst daher Decapitated und Vital Remains bis Type O Negative und Bjork." Sollten sie mal ein Coveralbum einspielen, kämen da Songs von Dying Fetus bis ,Danger zone' von Kenny Logins drauf. "Auf "This is exile" sind keine Keyboards zu hören - das sind alles kombinierte Gitarrenharmonien", bemerkt der Fan von Emperors "In the nightside eclipse" stolz. "In ,Daemon' wollte ich ihnen Tribut zollen und es mit den Whitechapel-typischen fetten Riffs und dem gutturalen Gesang verbinden." Gekotzt wird dabei nicht nur am Gesangsmikrophon. "Während eines XM Radiointerviews haben wir jede Menge Royal Crown Whiskey gratis bekommen - und sowohl hinter die CDs im Aufnahmeraum als auch später in unseren Van gereihert."