Fans des amerikanischen Rockidols David De Feis müssen momentan tief in die Taschen greifen, denn seine Band Virgin Steele veröffentlicht mit "The book of burning" und "Hymns to victory" zeitgleich zwei neue Alben. Eines davon mit nagelneuem und unve...
Fans des amerikanischen Rockidols
David De Feis müssen momentan tief in die Taschen greifen, denn seine Band
Virgin Steele veröffentlicht mit
"The book of burning" und
"Hymns to victory" zeitgleich zwei neue Alben. Eines davon mit nagelneuem und unveröffentlichtem Material, das andere mit einer Art repräsentativer Rückschau auf die größten Hymnen (daher der Titel) der Bandgeschichte. Wir sprachen mit
De Feis, um die neuesten Informationen auch zu eventuellen Tourplanungen zu bekommen.
David, ist es nicht ein ziemlich riskantes Wagnis, zwei Alben am gleichen Tag zu veröffentlichen? Metalfans sind doch per se pleite und CD-Preise relativ hoch.
"Ja, das könnte eventuell ein Problem sein. Andererseits hatte ich Guns N'Roses vor Augen, die vor Jahre mit "Use your illusions" etwas Ähnliches gemacht haben. Außerdem sind beide Alben ja wirklich spannend. Für junge Fans sind vor allem die alten Aufnahmen, die sie zum Teil gar nicht kennen, sehr interessant, für unsere jahrelangen Anhänger wiederum sicherlich besonders die Songs auf "The book of burning". Die Plattenfirma wollte kein Doppelalbum herausbringen, also einigten wir uns auf zwei getrennte Veröffentlichungen."
Erzähl bitte etwas über die neuen Songs.
"Das aktuelle Material ist ein Produkt zweier unterschiedlicher Zeiten. "Rain of fire" und "The chosen ones" etwa stammen noch von den so genannten "Sacred demos" aus dem Jahre 1997, wurden aber im vergangenen Sommer von mir noch einmal komplett überarbeitet. Sie klingen simpler und roher als die Songs der letzten zwei Jahre. Mit ihnen dehne ich noch einmal kräftig den Virgin Steele-Bogen, der beispielsweise mit "Hellfire woman" oder "Children of the storm" brandaktuelle Stücke beinhaltet."
Wenn Du selbst neue Songs mit älterem Material vergleichst, wo siehst du die deutlichsten Unterschiede und wo den roten Faden deiner Karriere?
"Die spürbarsten Veränderungen gibt es hinsichtlich des Umgangs mit Harmonien und Arrangements. Ich habe viel dazu gelernt, ich habe die Architektur der Songs verbessern können. Außerdem sind meine Texte poetischer, gehaltvoller als früher. Geblieben ist die unvergleichliche Art unserer - wie ich es nenne - "noble heroic metal music", wie sie wohl nur bei Virgin Steele stattfindet."
War es früher einfacher für Dich, neue Sogs zu schreiben? Nutzt so etwas ab, oder wird es eher noch leichter?
"Eigentlich ist es im Laufe der Jahre für mich immer leichter geworden. Natürlich ist der Anfang immer schwer, es dauert immer einige Anläufe, bis man sich in einen kreativen Prozess hinein gefühlt hat. Doch wenn ich erst ein paar Mosaiksteinchen habe, wenn ich ein erstes vages Bild sehe, wird es spürbar leichter. Dann bin ich sogar manchmal kaum noch zu stoppen. Für die Produktion zu "The house of Atreus" komponierte ich vierzig Songs in nur vier Monaten. Vierzig komplette Songs! Ich konnte selbst kaum noch den
Überblick behalten, welche Songs anschließend in die engere Auswahl kommen sollten."
Brauchst Du eine bestimmte Umgebung, eine besondere Stimmung, um Songs schreiben zu können?
"Nein, ich bin wie der Postbote: Ich arbeite bei jedem Wetter. Allerdings reflektiert der jeweilige Song dann ziemlich genau meine Seele, meine Stimmung. Wenn ich traurig bin, kommen eher melancholische Songs aus mir heraus, wenn ich wütend oder aufgeregt bin, zumeist die harten, kompromisslosen Stücke."
Und wann bist Du besonders wütend und aufgeregt? Etwa beim Namen Jack Starr, mit dem du dich ja seit Monaten hinsichtlich der rechtlichen Zuständigkeiten für die beiden ersten Virgin Steele-Scheiben herumschlagen musst.
"Wie war der Name? Jack Starr? Kenne ich nicht, nie gehört. Nein, jetzt im Ernst: Ich verstehe die ganze Geschichte nicht. Was will er? Mit welchem Recht macht er sich Teile der Virgin Steele-Geschichte zu eigen? Wenn ich die Band nicht in all den Jahren weitergeführt und zu dem gemacht hätte, was wir heute sind, würde kein Hahn nach diesen Aufnahmen krähen. Dann würde er mit den Songs keine müde Mark machen können, dann würde auch niemand überhaupt etwas von Jack Starr wissen wollen. So gesehen pokert er mit einem Kapital, das ich aufgehäuft habe und nicht er. Aber ehrlich gesagt, es interessiert mich im Grunde genommen gar nicht. Von mir aus kann der Typ machen, was er will."
Das macht er ja offenbar auch. Hast Du ihm nicht deine Rechtsanwälte auf den Pelz gehetzt?
"Nein, weshalb auch. Ich wäre ja sogar bereit, mit ihm zu kooperieren. Er bräuchte mich nur anzurufen und die Sache mit mir besprechen, wir würden garantiert eine Lösung finden. Ich wäre dabei! Meine Tür steht offen!"
Die Tür zu deinem Haus, in dem du am liebsten selbst Hand anlegst. Ich hörte, du bist ein ziemlich guter Handwerker?
"Oh Mann, vor allem ein Handwerker, der sich immer zu viel auf einmal zumutet. Zur Zeit mache ich Malerarbeiten im ganzen Haus. Es sollte nur mit einem einzigen Zimmer beginnen, doch jetzt streiche ich die komplette Hütte."
Man munkelt, dass Du im kommenden Jahr dreistündige Shows in Europa spielen möchtest?
"Ja, das ist schon seit Jahren mein Ziel. Ich würde gerne einmal ohne Vorband auf Tour kommen, komplette drei Stunden spielen, damit jeder Fan auch wirklich alle seine Lieblingssongs zu hören bekommt und dann diese Shows filmen und aufzeichnen, um sie später für ein Live-Album oder eine DVD zu verwenden. Meine Plattenfirma findet die Idee reizvoll, mal schauen, ob es sich realisieren lässt."
Was heißt das konkret? Werden Virgin Steele ein solches Unternehmen auch in Deutschland präsentieren?
"Davon gehe ich jedenfalls ganz fest aus. Deutschland gehörte ja schon immer zu meinen wichtigsten Ländern, bei euch habe ich seit Jahren eine riesige Zahl an Fans. Darüber hinaus genießen Virgin Steele auch in Griechenland, Italien, Spanien und Frankreich einen glänzenden Ruf, deshalb denke ich, dass ich mindestens in fünf oder sechs Ländern auftauchen müsste, um die wichtigsten Märkte zu bedienen. Wenn es nach mir ginge, würde ich allerdings noch eine ganze Reihe anderer Länder zusätzlich bereisen."