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Unearth liefern mit "Darkness in the light" abermals einen absoluten Metalcore-Klassiker ab (der "The oncoming storm" aus dem Jahre 2004 noch übertrifft). Die elf gleichmäßig starken Stücke setzen neue Standards.
EMP Redaktion
von Matthias Mader(20.06.2011)Unearth ist eine Band, die bereits seit Jahren zur absoluten Spitzenklasse des Metalcore zählt, aber immer noch auf das Album wartet, das sie zu Superstars macht. Quasi ihr persönliches "Reign in blood". "Darkness in the light" bietet elf durchweg absolut hochklassige Songs, die mich stellenweise an den 2004er Klassiker "The oncoming storm" erinnern. Generell sind Unearth ein gutes Beispiel dafür, zu erörtern, wie viel Core denn eigentlich in Metalcore steckt. Ehrlich gesagt klingen Nummern wie "The fallen" oder "Coming of the dark" für mich nach reinrassigem, technisch extrem anspruchsvollen (Thrash) Metal mit sozialkritischen Lyrics. Die Produktion ist äußerst transparent und gitarrenbetont, ohne dabei übertrieben modern zu wirken! Mein Lieblingsstück nennt sich "Overcome", das mit seinem melodischen Gitarrenlead und einprägsamen Chorus mehr als flüchtig an alte Bay-Area-Klassiker erinnert. Im Quervergleich etwa zur letzten Caliban haben Unearth klar die Nase vorn...
Interview
Metal ohne Core
von Matthias Mader (22.06.2011)Die Stilbeschreibung Metalcore kann Trevor Phipps nicht ausstehen. 13 lange Jahre ist der Sänger mit seiner Band Unearth jetzt schon im Geschäft. Genau wie ich, vertritt er die Meinung, dass der fünfte Unearth-Longplayer "Darkness in the light" mittl...
WeiterlesenDie Stilbeschreibung Metalcore kann Trevor Phipps nicht ausstehen. 13 lange Jahre ist der Sänger mit seiner Band Unearth jetzt schon im Geschäft. Genau wie ich, vertritt er die Meinung, dass der fünfte Unearth-Longplayer "Darkness in the light" mittlerweile ausschließlich lupenreinen (absolut begnadeten) Metal bietet: "Wenn man immer neue, ultra-spezifische Subgenres im Metal erfindet, ist das doch kontraproduktiv. Judas Priest, Iron Maiden, Slayer und Metallica hatten fürwahr alle einen anderen Stil, aber in den Gründerzeiten wurden sie allesamt lediglich als Metal-Bands angesehen." Trevor meint: "Veränderungen des Sounds bringen frischen Wind ins Genre." Diesem Grundsatz ist er auch mit seiner eigenen Band gefolgt. Alle Stücke auf "Darkness in the light" sind sehr kurz, man kann also unterstellen, dass dies eine bewusste Entwicklung war? "Ja, das kann man unterstellen", weiß Trev zu berichten. "Unser Ziel war es, eine eingängige aber doch sehr aggressive Metal-Platte aufzunehmen. Während des Songwriting-Prozesses merkten wir dann sehr schnell, dass uns das am besten mit Stücken gelingt, die kürzer als vier Minuten sind. Nur wenn du eine wirklich epische Nummer schreiben willst, die den Hörer auf eine Reise mitnimmt, sollten deine Songs länger als fünf Minuten dauern. Anderenfalls nicht, weil der Hörer sich sonst schnell langweilt und das Interesse verliert. Natürlich braucht jede gute Metal-Band ihre epischen Stücke, Unearth haben davon in der Vergangenheit bereits einige gehabt und wir werden auch in der Zukunft weitere komponieren. Dieses Mal hatten wir indes ein anderes Ziel und das haben wir erreicht!" Bereits seit dem ersten Tag, arbeiten Unearth vor allem im Gitarrenbereich mit sehr melodischen Harmonien (Iron Maiden und In Flames gehören diesbezüglich zu ihren größten Inspirationsquellen), diesmal sind sie indes noch einen Schritt weiter gegangen. "Overcome" ist die vielleicht eingängigste Komposition in der Geschichte der Band (die mich ein ganz klein wenig an selige Bay-Area-Thrash-Zeiten erinnert). Trevor Phipps: "Yeah, das ist wirklich ein äußerst melodisches Stück, gerade im Gesangsbereich waren wir wohl noch nie eingängiger. Wir wollten auf diesem Album mal alle unsere Stärken ausspielen und eine Platte herausbringen, von der wir mit ehrlichem Gewissen sagen können: besser ging es nicht. Eine derartig hochgradig melodiebetonte Herangehensweise, ist nicht der Indikator für zukünftige Unearth-Scheiben, aber es ist immer gut, ein wenig zu experimentieren; gut für uns als Musiker und gut für die Fans." Wie bereits weiter oben erwähnt, sind Unearth bereits 13 Jahre im Musikbusiness tätig und innerhalb dieser Zeitspanne hat sich aufgrund moderner Kommunikationstechnologien so viel verändert, dass (fast) nichts mehr so ist, wie es einmal war! Natürlich hat das auch Rückwirkungen auf die Einkommenssituation von Profimusikern. Trev besitzt indes keinen Plan B außerhalb der Musik: "Musik ist mein Leben! Wenn Unearth sich auflösten, würde ich ein neues Projekt gründen. Wenn es als Musiker nicht mehr klappt, würde ich mir ein anderes Betätigungsfeld suchen: Im Management, als Booking Agent oder Songwriter. Ich betreibe bereits mein eigenes Label, Ironclad Recordings, dafür würde ich dann mehr Zeit investieren. Wenn all das nicht funktionieren sollte, kann ich immer noch auf meinen Uni-Abschluss in Journalismus und Kommunikation zurückgreifen."
Auf dem Weg nach oben
von Matthias Mader (19.09.2008)Es gibt Alben, die die Karriere einer Band auf die nächste Stufe der Erfolgsleiter transportieren und völlig neue Türen öffnen. Ohne Zweifel war "Reign in blood" für Slayer so ein Album. Trifft dasselbe gar für Unearth zu? Viele Kritiker und Fans sin...
WeiterlesenEs gibt Alben, die die Karriere einer Band auf die nächste Stufe der Erfolgsleiter transportieren und völlig neue Türen öffnen. Ohne Zweifel war "Reign in blood" für Slayer so ein Album. Trifft dasselbe gar für Unearth zu? Viele Kritiker und Fans sind jedenfalls der Meinung, deren Viertling "The march" sei die mit Abstand brutalste Platte der Band aus dem Norden Bostons. Sänger Trevor Phipps zögert indes ein wenig, sich auf diesen Superlativ einzulassen: "Alle unsere Alben sind heavy und brutal. Auf ,The march' gibt es aber mehr langsamere Groove-Parts und genau dieser Umstand könnte vielleicht für den Außenstehenden den Eindruck erwecken, die Scheibe sei noch heavier als unsere vorangegangenen CDs. Der Vorgänger ,Unearth III: In the eyes of fire' war nach meinem Empfinden ein wenig zu schnell, wodurch einiges an Härte verloren ging. Deswegen haben wir diesmal die bewusste Entscheidung getroffen, ein wenig langsamer zur Sache zu gehen." Und das obwohl Menschen wie der Slipknot-Frontmann Corey Taylor von "In the eyes of fire" öffentlich behaupteten, die Scheibe klinge wie Anthrax und Megadeth zusammengenommen. Ein Kompliment für Unearth? "Selbstverständlich", erwidert Trevor Phipps. "Corey ist ein toller Kerl, ein großer Supporter von Unearth. Wir waren zweimal kurz auf Tour mit Slipknot und sind sehr gut miteinander ausgekommen. Slipknot ist eine großartige Band. Es ist erstaunlich, wie populär sie sind, bei der harten Musik, die sie spielen. Nicht viele Bands können sich erlauben, so heavy zu sein und verkaufen dabei trotzdem Millionen von Alben." Vielleicht sind Unearth ja selbst auf dem Weg dorthin, wer weiß? Ihre letzte DVD holte in Kanada Gold ... Ihren Lebensunterhalt bestreiten die Musiker jedenfalls bereits zum jetzigen Zeitpunkt mit den Einnahmen, die in die Bandkasse fließen: "Wir sind sehr zufrieden damit, wie es läuft. Wenn es so weitergeht, dann können wir uns nicht beschweren. Sollten wir noch mehr Platten verkaufen, hätten wir aber natürlich auch nichts dagegen einzuwenden." Mit "The march" haben Unearth einen großen Schritt nach vorne gemacht, gerade auch, was das Songwriting betrifft, findet Trevor Phipps: "Es war viel einfacher, die neue Platte aufzunehmen. Das lag auch an einem Besetzungswechsel. An den Drums ist mittlerweile Derek Kerswill dabei. Da hatten wir auf der letzten Scheibe doch einige Probleme auf dieser Position. Als Endresultat sind die Arrangements auf ,The march' viel besser geworden. Derek hat ein paar gute Intros eingetrommelt und ist insgesamt wesentlich sicherer, was das Timing angeht."
Metal-Band mit Hardcore-Einstellung
von Matthias Mader (05.07.2006)Unearth sind der neuste Stern am amerikanischen Metalcore-Himmel, mit "In the eyes of fire" haben sie gerade via Metal Blade ihre dritte CD veröffentlicht. Diese gewinnt auf der ganzen Linie und besticht nicht zuletzt durch einen brettharten aber den...
WeiterlesenUnearth sind der neuste Stern am amerikanischen Metalcore-Himmel, mit "In the eyes of fire" haben sie gerade via Metal Blade ihre dritte CD veröffentlicht. Diese gewinnt auf der ganzen Linie und besticht nicht zuletzt durch einen brettharten aber dennoch voluminösen Sound. Kein Wunder, wenn eine Producer-Koryphäe wie Terry Date an den Reglern gedreht hat. Sänger Trevor Phipps klärte mich über das Zustandekommen jener Verbindung auf: "Terry war unser Wunschproduzent für das neue Album, da wir absolute Anhänger seiner Arbeit sind, ob es nun Pantera, The Deftones, Soundgarden oder Dredge waren. Es war natürlich von Vorteil für uns, dass er ein großer Unearth-Fan ist. Wir hatten ein total gutes Arbeitsverhältnis im Studio, was am Ende zu unserem besten Album führte, mit dem organischsten Sound. Das von Terry Date produzierte Album mit dem besten Sound ist meiner Meinung nach ,The great southern trendkill' von Pantera. Diese Platte fing die Live-Energie und den Geist der Gruppe minutiös ein. Wenn ich eine CD von Pantera auflege, ist dies in den meisten Fällen meine erste Wahl." Zurück zu Unearth, die, geht es allein um die musikalische Potenz, mit dem aktuellen Longplayer kurz vor dem absoluten Durchbruch stehen, sich anschicken, Metalcore-Marktführern wie Killswitch Engage, The Dillinger Escape Plan oder Hatebreed das Leben schwer zu machen. Dass sie aus Massachusetts stammen, der Metalcore-Hochburg der Vereinigten Staaten von Amerika, sieht die Band selbst als Vorteil an: "Es kommen so viele großartige Gruppen aus unserer Region: Killswitch Engage, Shadows Fall, The Red Chord, All That Remains, Since The Flood ... die Liste ist wirklich endlos. Die Szene in Massachusetts ist von einem riesigen Konkurrenzkampf gekennzeichnet, das steigert natürlich die Qualität." Es ist schon ein komischer Zufall, dass es, vor gut 20 Jahren, ebenfalls diese Region war, die ein musikalisches Erdbeben auslöste. Gemeint ist die Explosion des Bostoner Hardcores, mit Bands wie SS Decontrol, Slapshot, The F.U.'s, Straw Dogs, Seige oder Jerrry's Kids. Trevor Phipps kennt jene Zeiten nicht nur vom Hörensagen: "Wir sind nicht mehr ganz so jung, wie Du vielleicht annimmst, zwischen Mitte und Ende 20. Während unserer Teenager-Zeit waren wir Zeugen einiger legendärer Shows, haben ein paar Bands richtig groß werden sehen. Slapshot war zum Beispiel ein riesiger Einfluss auf uns." Unearth sehen sich ideologisch als "Metal-Band mit Hardcore-Einstellung", deswegen geht die Anonymisierung von Musik (mp3s, Downloads) auch nicht spurlos an ihnen vorbei: "Ich bevorzuge das komplette Package, also die fertige CD mit dem Booklet. Beseelt bin ich aber vom Vinyl. Lege eine alte Vinyl-Scheibe von Black Sabbath auf und du wirst unverzüglich die Seele und die Power der Musik spüren." Metal ist für Unearth, im Gegensatz zu vielen anderen jungen Bands, ganz und gar kein "dirty word", Trevor Phipps kommentiert bezüglich "Sanctity of brothers", einem absoluten Highlight der CD: "Diese Nummer erinnert mich an meine Jugendtage, als ständig Scheiben von Testament und Violence auf meinem Plattenteller liefen."