EMP Redaktion
von Jürgen TschamlerAuf Herrn Dirkschneider und seine Truppe ist einfach Verlass. Hatte schon die im Vorfeld veröffentlichte "24/7" EP immensen Appetit auf ein neues Album gemacht, liegt dieses nun vor und zeigt eine enthusiastisch agierende Truppe. Unter den 13 Tracks finden sich die beiden Stücke von der erwähnten "24/7" EP, "Mean streets" und "24/7", wie weitere elf Tracks welche die Prioritäten der Band voll in den Vordergrund stellen. Straighte, aber intensive Riffs, eine knackige Rhythmuseinheit und Songs bei den oft der Anspruch Hymne angebracht ist. Hervorzuheben auf alle Fälle "Eye of the Eagle", eine wunderbare Halbballade mit fettem Refrain und wohl ein zukünftiger Live-Smasher! Aber auch schnelle, harte Killertracks wie das knallige "Shell shock fever" , "Mad for crazy" (Hammer!) oder der mächtiger Banger "Stone hard" überzeugen auf Anhieb. Udo singt relativ vielseitig ohne seine Trademarks außen vor zu lassen und klingt dennoch ziemlich frisch. Nicht unerwähnt soll die klassische aber absolut hochwertige Ballade "Cry soldier cry" sein - sehr gelungen. Alles in Allem ein edel eingeschmiedetes Album aus dem Hause U.D.O. das jedem Metalfan voll bedient und beweißt, dass U.D.O. den ollen Accept schon lange den Rang abgegraben hat.
Interview
Udo, Udo, noch einmal!
von Oliver Kube (22.03.2011)Kultumwehter Metal-Veteran, dazu einer der coolsten Typen weit und breit: Ex-Accept-Frontmann Udo Dirkschneider ist eine lebende Legende. Anlässlich der Veröffentlichung von "Rev-raptor", des neuen Kracher-Albums seiner Sologruppe U.D.O. sprachen wir...
WeiterlesenKultumwehter Metal-Veteran, dazu einer der coolsten Typen weit und breit: Ex-Accept-Frontmann Udo Dirkschneider ist eine lebende Legende. Anlässlich der Veröffentlichung von "Rev-raptor", des neuen Kracher-Albums seiner Sologruppe U.D.O. sprachen wir mit dem passionierten Tarnanzugträger. Dabei erkundigten wir uns natürlich auch nach dem Befinden seines Gitarristen, Kompositionspartners, Produzenten und ehemaligen Accept-Bandkumpels Stefan Kaufmann.
EMP: Hallo Udo, die wichtigste Frage gleich zu Beginn: Wie geht es Stefan?
UD: Oh, er fühlt sich mittlerweile wieder deutlich besser. Noch ist er nicht ganz bei 100%, aber das kann nicht mehr lange dauern.
EMP: Seine Rückenbeschwerden waren der Grund dafür, dass sich die Veröffentlichung von "Rev-raptor" verschoben hatte...
UD: Ja, die CD hätte eigentlich schon zum Jahresbeginn kommen sollen. Stefan hatte aber erneut heftige Probleme mit der Bandscheibe. An Arbeit war monatelang nicht zu denken. Zuerst sollte es eine Operation geben. Nun hat er aber einen Arzt gefunden, der das Ganze weit weniger invasiv, aber noch effektiver behandelt. Das Einzige, was er sich in Zukunft wohl verkneifen muss, ist allzu intensives Headbanging.
EMP: Das dürfte bei einigen eurer neuen Nummern schwer fallen. So heftig, wie die abgehen...
UD: Tja, das hat er sich dann aber selbst mit eingebrockt. (lacht)
EMP: Spürt ein dermaßen erfahrener Musiker wie du tatsächlich noch einen gewissen Druck, wenn es darum geht, ein neues Album zu machen? Speziell, wenn die beiden Vorgänger eure erfolgreichsten Platten seit langem waren?
UD: Nein, die Zeiten sind zum Glück vorbei. Natürlich wollen wir immer besser, jedoch auch etwas anders sein, als zuvor. Uns nicht selbst zu kopieren - oder zumindest nicht auf allzu plumpe Art (grinst) - ist die einzige Beschränkung, die wir uns auferlegen. Wir haben uns ansonsten aus dieser letztlich viele Bands erdrückenden Termin-Mühle verabschiedet. Wir haben mittlerweile ein Label und ein Management, die uns keine Ultimaten mehr setzen.
EMP: Bisher sind von euch nur Festival-Termine im Sommer angekündigt. Wird es noch eine große Tour geben?
UD: Ganz sicher. September und Oktober sind für unsere Headliner-Reise durch Europa eingeplant. In Deutschland werden wir in etwa zehn Städten auftreten.
EMP: Zum Abschluss muss ich dann doch noch eines fragen: Wie gefällt dir "Blood of the nations", das Comeback-Album deiner ex-Band Accept?
UD: Eine gute Platte. Ansprechende Songs, geiler Sound - ich kann verstehen, dass sie bei den Leuten gut ankommt.
EMP: Du selbst wolltest aber nicht mehr bei Accept mitmachen?
UD: Nicht um jeden Preis. Ich bekam eine Anfrage und habe es mir gut überlegt. Den von mir an eine Rückkehr geknüpften Bedingungen wollten die anderen aber nicht zustimmen, was für mich völlig okay ist. Was mich allerdings enttäuscht hat, ist die Art, wie Wolf Hoffmann reagierte und nun in Interviews Unwahrheiten über mich verbreitet. Derlei haben Leute unseres Alters eigentlich nicht mehr nötig, finde ich...
Moderne Metal Game Show
von Lisa Hofer (28.03.2007)Er ist ein Urgestein der Metal-Szene und setzt mit seinen Alben immer wieder einen eigenen Maßstab. "Mastercutor" geht mit seiner modernen Produktion neue Wege ohne die Vergangenheit zu verleugnen und wird für reichlich frischen Wind sorgen. Aber las...
WeiterlesenEr ist ein Urgestein der Metal-Szene und setzt mit seinen Alben immer wieder einen eigenen Maßstab. "Mastercutor" geht mit seiner modernen Produktion neue Wege ohne die Vergangenheit zu verleugnen und wird für reichlich frischen Wind sorgen. Aber lassen wir den Meister selbst zu Wort kommen.
"Wir sind mit der neuen Platte mehr als zufrieden, wir haben U.D.O. was den Sound angeht ein wenig verändert. Musikalisch sind wir bei unseren Wurzeln geblieben, haben aber durch neue Arrangements einige moderne Aspekte in Angriff genommen. Es kommt viel Spielfreude und Spaß rüber", so Herr Dirkschneider über das jüngste Werk. Der rote Faden, der sich durch das Album zieht ist recht außergewöhnlich, der Albumtitel "Mastercutor" gibt einen Hinweis: "Der Mastercutor ist ein Showmaster, eine Zusammensetzung aus Master und Executor, der durch die Platte führt. Im Song ,Mastercutor' geht es um die ganzen bekloppten Game Shows. Mittlerweile bekommt man schon Punkte dafür, dass man seinen Freund umbringt." Doch nicht alle Texte widmen sich dieser Thematik, wie Udo erklärt: "Wir sind nach wie vor eine sozial angehauchte Band. Auf ,One lone vioce' geht es darum, dass wir vorsichtiger mit der Welt umgehen müssen, wenn wir nicht demnächst in Deutschland Bananen pflücken wollen. Auf ,Tears of a Clown' singe ich darüber, dass die Menschen immer nur einen gut gelaunten Künstler sehen wollen und dieser oft zum lächeln gezwungen ist, auch wenn es in ihm anders aussieht. ,Walker of the dark' beschäftigt sich mit der ganzen Bandbreite sexueller Perversionen, einmal die Reeperbahn rauf und runter. Mit ,We do - For you' zollen wir den Fans Tribut, die uns die Treue halten." Udo ist wahrlich schon lange im Geschäft, gibt es für einen routinierten Profi wie ihn noch Herausforderungen? "Jeden Abend auf der Bühne zu stehen und sein Bestes zu geben ist eine Herausforderung. Die Leute sollen eine gute Zeit haben, ihre Probleme für ein paar Stunden vergessen und eine Party mit uns feiern. Es ist schön lachende Gesichter zu sehen und vor allem festzustellen, dass in den letzten Jahren immer mehr junge Fans dazugekommen sind, die vor der Bühne richtig abgehen. Auch jedes neue Album ist eine Herausforderung. Ich bin immer gespannt wie es ankommen wird, etwas Aufregung gehört schon dazu. Wenn dieses Bauchkribbeln eines Tages verschwunden ist, befürchte ich, dass der Zeitpunkt gekommen ist, an dem man aufhören sollte." Daran denken U.D.O aber noch lange nicht, schließlich gehen sie mit "Mastercutor" neue Wege, die auch der Videoclip zur Single "The wrong side of midnight" widerspiegelt. "Wir haben einen sehr abgefahrenen Clip dazu gedreht, mit einer ganz jungen Künstlerin. Alles wirkt ultramodern und hat mit unseren früheren Videos kaum etwas zu tun. Ich bin gespannt, wie die Leute darauf reagieren!", so der Meister. Auch für die Zukunft hat Herr Dirkschneider reichlich Pläne: "Erst einmal geht es auf eine riesige Welt-Tournee. Auf lange Sicht würde ich gerne ein U.D.O. Klassik Album produzieren und unsere Musik für ein Orchester umschreiben." Man darf also gespannt sein.