Interview
Musikalisch auf Missstände aufmerksam machen! Serj Tankian regt mit Harakiri erneut zum Nachdenken
von Peter Kupfer (23.05.2012)Serj Tankian liebt es zu provozieren! Serj Tankian liebt es auf Missstände aufmerksam zu machen und auch alte geschichtliche Ereignisse sind ihm Worte wert! Serj Tankian geht auf die Barrikaden und dies in einem ruhigen und sachlichen Ton, wobei die ...
WeiterlesenSerj Tankian liebt es zu provozieren! Serj Tankian liebt es auf Missstände aufmerksam zu machen und auch alte geschichtliche Ereignisse sind ihm Worte wert! Serj Tankian geht auf die Barrikaden und dies in einem ruhigen und sachlichen Ton, wobei die Thematik bei vielen Mitmenschen Aggressionen hervorruft. Er agiert anders! Raumerfüllend erscheint er mit seiner Aura und verblüfft im ersten Moment, da er auch als Sänger von SOAD bekannt ist, die nun wiederum dafür bekannt sind, nicht mit Wattebällchen zu werfen, was die Musik betrifft.
Natürlich ist Tankian primär Musiker und das dritte Soloalbum "Harakiri" steht an. Der Titelsong beschäftigt sich mit "Animal suicide", einem biologischen Phänomen, welches sich Forscher nicht erklären können. "Harakiri", so Tankian am Telefon aus seinem Studio, "war der erste Song den ich geschrieben habe und mich hat einfach dieses Phänomen ergriffen". "Harakiri" fällt im Gegensatz zu seinen bisherigen Alben punkiger und weniger elektronisch aus, was Tankian darin begründet, dass seine anderen Aufnahmen, die im Laufe der nächsten Monate erscheinen werden, sich mit bisherigen Elementen beschäftigen. "Man kann in eine Rock-Platte eine andere Energie reinstecken, als in ein Jazz- Album, welches ja auch schon aufgenommen ist. Diese Platte passt von der Stimmung mehr zu der Thematik und ich denke, dass ich das, was ich ausdrücken wollte, nur mit einem Rock-Album machen konnte." "Harakiri" hat lyrische Tiefen, die man erfassen muss. "Ob die Fans die Intension und die Gedanken meinerseits erfassen können bei den einzelnen Songs? Nunja, ich hoffe es, kann es aber nicht garantieren. Sicherlich muss man sich mit den Themen auseinandersetzen und sich eventuell einarbeiten, aber darum geht es mir nicht. Ich möchte nicht als Lehrer dastehen und die Leute auf Themen hinweisen, die mich persönlich beschäftigen. Als ich zum Beispiel das erste mal RATM gehört habe, wusste ich auch nicht, was die Band damit ausdrücken will. Das war aber auch in diesem Moment egal, da es um die Energie und die Ausstrahlung der Musik ging. Es hat mich ergriffen und bewegt und das sollte auch bei ,Harakiri' im Vordergrund stehen."
"Harakiri" arbeitet, wie man es von Serj Tankian gewohnt ist, mit Stimmungen und Elementen, die er darin begründet sieht, dass man als Künstler natürlich versuchen muss, etwas Neues zu schaffen, was man bisher noch nicht geschrieben hat. "Musik spiegelt einfach in meinen Augen die Stimmung der Menschen wieder. Und gerade in diesen Tagen, in denen so viele Ereignisse auf der Welt stattfinden, kam eben eine Rockplatte mit einer gewissen Punk-Attitüde raus. Wieso genau, kann ich Dir nicht sagen". Tankian ist umtriebig und neben drei weiteren Alben, die fertig sind, sieht er immer noch kein Ende. Lachend sagt er: "Natürlich gibt es noch Vieles, was ich machen will. Denn ansonsten hätte ich es ja schon gemacht! Was aber genau, dass wird sich noch zeigen. Ideen gibt es aber schon." Man kann gespannt sein, was der Mann noch so von sich hören lässt!
Überrascht vom eigenen Sound
von Oliver Kube (20.09.2007)Als Frontmann von S.O.A.D. zählt der armenischstämmige US-Amerikaner Serj Tankian (40) zu den erfolgreichsten Musikern der letzten zehn Jahre. Mit "Elect the dead" legt der charismatische Musiker, der sich auch als Dichter und politischer Aktivist ei...
WeiterlesenAls Frontmann von S.O.A.D. zählt der armenischstämmige US-Amerikaner Serj Tankian (40) zu den erfolgreichsten Musikern der letzten zehn Jahre. Mit "Elect the dead" legt der charismatische Musiker, der sich auch als Dichter und politischer Aktivist einen Namen gemacht hat, nun sein Solodebut vor ...
Hallo Serj, zu allererst muss ich wissen, ob es S.O.A.D. wirklich noch gibt und ob du noch dabei bist. "Ja und ja (lacht). Wir nehmen uns einfach eine Auszeit. Keiner weiß, wie lang diese andauern wird. Vielleicht nur ein, zwei Jahre, vielleicht zehn oder noch mehr. Wir sind seit 1993 zusammen und arbeiteten beinahe ohne Pause. Um nicht kreativ auszubrennen, haben wir uns nach dem letzten Album dazu entschlossen, dass jeder von uns eine Zeit lang sein eigenes Ding fahren sollte. Ob das nun Musik, Urlaub machen oder sonst etwas ist." So mancher erwartete, dass dein erstes Solowerk sich doch stärker von S.O.A.D. unterscheiden würde, dass es sich dabei womöglich nicht einmal um Rock-Musik im weitesten Sinne handeln würde. Wie und wann hast du dich entschieden, welche musikalische Richtung du mit "Elect the dead" einschlagen würdest? "Ich habe mich überhaupt nicht entschieden, es ist einfach so passiert. Und ich selbst bin wohl am meisten überrascht, dass es ein Rock-Album geworden ist. Ich habe mein eigenes Studio und arbeite beinahe täglich an neuen Songs, neuen Sounds etc.! Dabei kann es sich um Metal handeln, aber auch um Filmmusik, klassische Instrumentale, Elektro-Experimente oder Folklore. Ich lege mir selbst keine Beschränkungen auf, lasse die Songs sich in die Richtung entwickeln, in die sie selbst gehen wollen. Mein nächstes Album kann und wird ganz anders klingen. Aktuell schreibe ich hauptsächlich Stücke, die mehr in die Zappa-Richtung von ,Praise the lord and pass the ammunition' gehen bzw. - wie der Titelsong - in die klassische Sparte zielen." Wann hast du denn begonnen, an dem Album zu arbeiten? "Aufgenommen habe ich die CD innerhalb des letzten Jahres, gearbeitet habe ich aber schon mein ganzes Leben daran. Einige der Tracks sind zwölf Jahre alt oder noch älter, andere brandneu. Ich wollte schon immer eine Platte ganz für mich allein machen. Es war eine sehr befreiende Erfahrung, und ich kann das jedem Musiker nur empfehlen." Wird es eine Tour geben, um das Album live vorzustellen? "Ja, definitiv. Das erste Line-Up an Musikern steht auch bereits; u. a. ist Primus-Gitarrist Larry Lalonde dabei. Ich plane, die Band im Laufe der Tour immer wieder zu erweitern oder zu verändern, um die Sache frisch zu halten. Im November kommen wir als Support der Foo Fighters für ein paar Shows nach Europa, werden aber spätestens zu den Festivals im nächsten Frühjahr eine komplette Tournee spielen."