EMP Redaktion
von Markus Wosgien(05.01.2011)Zugegeben, man darf die aktuelle Besetzung des finnischen Power Metal-Flaggschiffs nicht mehr mit der alten, klassischen Besetzung, um den Gitarristen und damaligen Hauptsongwriter Timo Tolkki, vergleichen. Heute schreiben, bis auf Drummer Jörg Michael, gleich vier Mitglieder die Songs, die dennoch im traditionellen, melodischen Metal verwurzelt sind und vor allem durch den klaren, hohen Gesang von Timo Kotipelto den unverwechselbaren Stratovarius-Stempel besitzen. War das Vorgängeralbum "Polaris" teilweise noch etwas sperrig und konstruiert, beginnen sich die Finnen auf "Elysium" zu öffnen und präsentieren ein unheimlich bombastisches Epos, das richtiggehend explodiert. Die düstere Single "Darkest hours" eröffnet den Reigen, gefolgt von dem schnellen, eingängigen "Infernal maze" bis hin zu der 18-minütigen Mini-Oper "Elysium", aus der Feder ihres neuen Saitenflitzers Matias Kupiainen. "Elysium" ist ein frisches und vor allem lebendiges Album, das Stratovarius langsam aber sicher wieder in Richtung Power Metal-Thron führt.
Interview
Die Qual der Wahl
von Oliver Kube (15.01.2013)Die finnischen Stars der melodischen und sinfonischen Power Metal-Szene haben ihr neues Album fertiggestellt. Wir sprachen mit Stratovarius-Frontmann Timo Kotipelto über den aktualisierten Sound seiner Band, die Entstehung der elf (bzw. 13 auf der Li...
WeiterlesenDie finnischen Stars der melodischen und sinfonischen Power Metal-Szene haben ihr neues Album fertiggestellt. Wir sprachen mit Stratovarius-Frontmann Timo Kotipelto über den aktualisierten Sound seiner Band, die Entstehung der elf (bzw. 13 auf der Limited Edition) Songs auf "Nemesis" und die Schwierigkeiten bei deren Auswahl für ihr kommendes Live-Set.
EMP: Timo, ihr klingt streckenweise düsterer und auch moderner als bisher. War das eine bewusste Entscheidung oder hat sich das erst während der Schaffensphase eures 14. Albums so ergeben?
Timo Kotipelto: "Diese leichte Stilkorrektur ist das Ergebnis des Zusammenspiels einiger Faktoren. Zum einen liegt es sicher daran, dass unser Gitarrist Matias Kupiainen selbst produziert und sich schon im Vorfeld einen etwas raueren, organischeren Vibe für sein Instrument vorgestellt hat. Was auf jeden Fall sein Writing beeinflusst hat. Zum anderen tendierten auch wir anderen unabhängig davon mit unseren Kompositionen in diese Richtung. Dazu kommt, dass wir in Rolf Pilve nun einen neuen, sehr versierten Drummer an Bord haben. Er gibt unserer Musik durch sein Spiel ebenfalls ein anderes, etwas progressiveres, technischeres Feeling, als das sein wunderbarer Vorgänger Jörg Michael tat, der ja ein echter ,Power-Hitter' war."
EMP: Habt ihr Bedenken, dass euer Publikum zu konservativ sein und diese Modifikation im Sound negativ aufnehmen könnte?
Timo: "Nein, über derlei Dinge kann und darf man sich während des Kreativprozesses keine Gedanken machen. Auch sind die Unterschiede ja eher subtiler Art. Wir sind also noch problemlos als Stratovarius zu identifizieren. Es ist nicht so, als würden wir plötzlich etwas ganz anderes machen. Außerdem denke ich, dass unsere Anhänger durchaus offen sind, was ihren Geschmack angeht. Diesbezüglich bin ich gerade erst durch die Reaktionen auf ,Blackoustic', mein akustisches Cover-Projekt mit Jani Liimatainen (Sonata Arctica, Cain's Offering) wieder bestätigt worden. Immer nur den exakt gleichen Kram zu hören wäre für sie ebenso langweilig, wie für uns diesen zu produzieren. Ich bin mir sicher, dass das überwältigende Gros der Fans mit ,Nemesis' mehr als happy sein und seine Vielseitigkeit und Dynamik zu schätzen wissen wird."
EMP: Hast du einen speziellen Lieblingstrack unter den neuen Nummern, auf den du dich besonders freust, ihn live zu performen?
Timo: "Uh, das ist schwierig. Ich mag wirklich alle Stücke auf der Platte und brenne darauf, sie auf der Bühne zu präsentieren. Was zu einem Problem werden wird, wenn wir die Auswahl für unser Live-Set treffen müssen. Momentan würde ich sagen ,Nemesis', ,Halcyon days', ,Unbreakable' und die Ballade ,If the story is over'. Das kann aber morgen schon wieder ganz anders aussehen..."
EMP: Wann kommt ihr denn nach Deutschland? Vielleicht könntet ihr ja an verschiedenen Abenden unterschiedliche Stücke spielen.
Timo: "Das ist eine gute Idee, auf die wir ebenfalls schon gekommen sind. Es wird ja eh mit jedem Album schwieriger, wirklich alles zu spielen, was wir möchten und was die Leute hören wollen. Wir starten unsere Deutschland-Tour am 20. März in München. Bis dahin haben wir einige Shows in Finnland und Russland gespielt und dürften sicher schon einen ersten Eindruck davon haben, welche Nummern besonders gut funktionieren."
EMP: Und dann ist es ja auch schon wieder Sommer und die Festivals stehen an...
Timo: "Eben. Da könnten wir dann wieder andere Lieder spielen. Ich bin selbst gespannt darauf, was passiert."
Keine Ruhe, sondern Sturm
von Markus Wosgien (20.12.2010)Wie nahe Genie und Wahnsinn oft beisammen liegen, durften Stratovarius, die finnischen Vorreiter des symphonischen Power Metals, am eigenen Leib erfahren. Dank zahlreicher musikalischer Meisterwerke standen sie ganz oben, fielen durch die jahrelangen...
WeiterlesenWie nahe Genie und Wahnsinn oft beisammen liegen, durften Stratovarius, die finnischen Vorreiter des symphonischen Power Metals, am eigenen Leib erfahren. Dank zahlreicher musikalischer Meisterwerke standen sie ganz oben, fielen durch die jahrelangen Eskapaden und die öffentliche Schlammschlacht mit ihrem ehemaligen Gitarristen und Hauptsongwriter Timo Tollki aber wieder bis ganz nach unten. Nach der Trennung folgte der Befreiungsschlag "Polaris" (2009), dem die Skandinavier nun das exquisite "Elysium" draufsetzen. "Als wir damals ,Polaris' aufnahmen, war unser neuer Gitarrist Matias Kupiainen erst wenige Wochen in der Band. Es war eine schwierige Phase, doch die überwiegend positiven Reaktionen darauf, haben den Fortbestand der Band gesichert", blickt Blondschopf Timo Kotipelto zurück und ergänzt: "Mittlerweile sind wir wieder eine Einheit und die daraus gewonnene Stärke und das Selbstvertrauen spiegelt sich in ,Elysium' wieder. Erst im vergangenen Sommer setzte sich das Quintett zusammen und wertete die gemeinsamen Kompositionen aus. Druck verspürte man dabei keinen, der kam jedoch nachdem sich die Chance bat, gemeinsam mit Helloween auf große Europatournee zu gehen. "Plötzlich wurde es hektisch und alles musste schnell gehen", erinnert sich der Sänger. "Daher beschlossen wir, zum Tourneestart die MCD ,Darkest hour' zu veröffentlichen, um den Fans einen Vorgeschmack zu bieten und nicht mit leeren Händen dazustehen." Doch zum Start der zweiten Tourhälfte, welche die beiden Acts vorwiegend auch in unsere Gefilde führt, steht "Elysium" pünktlich in den Läden. Und auf diesen Longplayer ist Timo super stolz. "Es ist ein unheimlich vielseitiges und lebendiges Album und meiner Meinung nach das Beste, das wir zumindest in den letzten zehn Jahren veröffentlicht haben. Die Songs sind großartig, mutig und innovativ. Einen großen Anteil daran hat sicherlich Matias." Dieser war wie Timo, an sechs der neun Kompositionen beteiligt, darunter auch das 18-minütige Herzstück "Elysium". Der Saitenvirtuose ist definitiv ein Glücksgriff für die Finnen. "Das Schöne an ihm ist, dass er seinen eigenen Stil hat, ein brillanter Gitarrist ist und seine Kompositionen perfekt zu uns passen. Er driftet gerne ins Progressive ab, bleibt aber dennoch melodisch und eingängig. Das gefällt mir persönlich sehr gut.". Auf den herausragenden Titelsong angesprochen, gerät Timo noch weiter ins Schwärmen: "Es ist eine fantastische Nummer, die ursprünglich sogar noch einige Minuten länger war. Matias saß mehrere Monate daran, anfangs war selbst der Track ,Infernal maze' ein Teil davon, woraus wir jedoch eine eigene Nummer gemacht haben. Ich finde es ein tolles Wagnis. Manch einer mag uns vorwerfen, dass die Nummer nicht kommerziell genug ist, doch was heißt das schon? Im Radio werden wir doch ohnehin nicht gespielt." Zu ihren alten Mentor, der jüngst mit Symfonia eine neue Band ankündigte, gibt es keinen Kontakt mehr. "Wir rannten uns einmal per Zufall auf dem Flughafen von Helsinki in die Arme", erinnert sich der Sänger. "Ansonsten haben wir keinen Kontakt, wünschen ihm aber trotzdem alles Gute."
Kontinuität zahlt sich aus
von Jürgen Tschamler (10.10.2003)Stratovarius braucht man eigentlich nicht mehr vorzustellen. Ihre
Stellung innerhalb der Metalszene ist hinlänglich bekannt. Daher sind lange
Einleitungen bei den Finnen inzwischen eigentlich unnötig. Kommen wir also gleich
zu Fakten. Ger...
WeiterlesenStratovarius braucht man eigentlich nicht mehr vorzustellen. Ihre
Stellung innerhalb der Metalszene ist hinlänglich bekannt. Daher sind lange
Einleitungen bei den Finnen inzwischen eigentlich unnötig. Kommen wir also gleich
zu Fakten. Gerade einmal neun Monate ist es her, dass die Jungs um Timo Tolkki
ihr Album "Elements P.1" veröffentlicht haben, da schieben sie schon
"Elements P.2" nach. Um näheres zu erfahren hielten wir Sänger Timo
Kotipelto zwischen Tür und Angel auf um ihm kurz auf den Zahn zu fühlen.Timo, es ist gerade einmal neun Monate her, dass man "Elements P.1"
veröffentlichte, da schiebt ihr schon Teil zwei nach. Wieso solch eine Eile?
"Da war keine Eile. Der ursprüngliche Plan war eigentlich ein Doppelalbum zu
veröffentlichen. Wir haben also zwei Alben zur gleichen Zeit aufgenommen. Well,
die Drums und Keyboards waren das erste was wir aufnahmen und den Rest ein bisschen
später. Die Songs wurden jedoch alle um die gleiche Zeit komponiert. Ok, als
klar war, dass wir kein Doppelalbum veröffentlichen konnten bestand Timo
Tolkki jedoch darauf, dass die beiden Alben in einem sehr kurzen Abstand
veröffentlicht werden, denn thematisch gehören sie eben zusammen."
"Elements P.1" enthält wesentlich mehr progressive Elemente als Part
zwei. Dagegen klingt Teil zwei härter und dunkler. Eine Aufnahmeperiode und
doch so zwei atmosphärisch andere Alben. Wie kam es dazu?
"Das stimmt, 'Elements P.1' ist progressiver und epischer ausgefallen.
Es hat auch die fetteren Chöre und Orchesterparts. Als Timo die Songs
für die Alben heraussuchte wollte er, dass Teil eins progressiver klingt. Ich
denke wir wollten unsere spielerischen Fähigkeiten bis zum Limit ausreizen auf
dem ersten Teil und als wir das getan haben bestand kein weiteres Interesse
mehr es auch auf Teil zwei zu tun (und lacht dabei). Ich mag die Stimmung
auf 'Elements P.2', gerade weil sie dunkler, heavier und weniger progressiv
ist."
Habt ihr überhaupt noch die Möglichkeit musikalische Veränderungen mit in
euren Stil mit einfließen zu lassen?
"Auf beiden 'Elements' Teilen hat Timo Tolkki alle Songs und
die meisten Texte alleine geschrieben. Er ist der Produzent und der Hauptsongschreiber
für die Band. Wir haben nie versucht von Album zu Album anders zu klingen, haben
jedoch versucht unseren Sound und die Songs weiter zu entwickeln. Ich persönlich
sehe keinen Bedarf eines größeren Stilwechsels, denn das ist unser Stil und
unsere echten Fans mögen diese Konstante. Bands wie AC/DC oder Iron
Maiden haben ihre loyalen Fans, gerade weil sie keine drastischen Wechsel
vornehmen und zu ihrem Stil stehen. Andererseits nehmen wir vielleicht ein paar
kleine Änderungen auf dem nächsten Album vor. Wann immer das auch veröffentlicht
wird."
Ist es war, dass ihr in den nächsten 12 Monaten nur ein paar Festivals spielen
wollt und jede Tour abgelehnt habt?
"Wir haben von März bis August für 'Elements P.1' getourt und sind der
Meinung das wir für Elements genug getourt haben. Wahrscheinlich spielen wir
ein paar Sommerfestivals, aber das war es auch schon. Keine Europatour oder
ähnliches!"
Dann hast du ja genug Zeit für ein neues Soloalbum, oder?
"Ich habe gerade angefangen das neue Album aufzunehmen! Die Drums wurden schon
in den Finnvox Studios in Helsinki aufgenommen und kommendes Wochenende
wird der Basspart eingespielt. Ich habe alle Songs zusammen, jedoch fehlen mir
noch einige Textteile. Es wird musikalisch ähnlich wie das erste Album sein,
nur eben kein Konzeptalbum. Die Songs sind härter, weniger progressiv als ein
Stratovarius Album. Auf meiner Homepage könnt ihr mitverfolgen wie es
mit den Aufnahmen vorwärts geht. Checkt kotipelto.com "