EMP Redaktion
von Andreas Reissnauer(21.03.2006)Fünf lange Jahre mussten Sodom Fans auf neues Material ihrer Lieblinge warten. Klar, es gab vor zwei Jahren die Live-CD und vor ein paar Monaten die großartige "Lords of depravity" DVD, doch nach dem Götteralbum "M-16" dürstete es der Fanschar natürlich nach neuem Material. Und das neue Langeisen wird keinen Freund von "M-16" enttäuschen! Mit "Blood on your lips" und "Wanted dead" gibt es zwei schnelle und harte Kracher in typischer Sodom-Manier gleich zu Beginn. Überraschend melodiös wird es in "Buried in the justice ground". Ein echter Hit mit melodischen Leads und Riffs, die - zumindest bei mir - ein ums andere Mal "Hangar 18" von Megadeth ins Gedächtnis rufen. Geil, aber kein Vergleich zu "City of God", das mit nahezu schwedisch anmutenden Gitarren den Hitfaktor over the top treibt und bereits jetzt mit zum Besten gehört, was Sodom je fabriziert haben! Traditionellen Ruhrpott-Thrash gibt es bei "Bibles and guns" zu beklatschen - inklusive eines Gänsehautsolos von Bernemann. Die nachfolgenden Nummern sind allesamt von gleichem Kaliber. Thrash Metal Nummern mit Klasse, samt und sonders mit sehr guten Choruslines versehen und den vermutlich besten Gitarrensoli, die Sodom je auf Platte hatten. Dazu passt die trockene, fette Produktion wie der Arsch auf den Eimer. Kaufen!
Interview

Bodenständig und erdverwachsen (aber keine Niedersachsen)
von Matthias Mader (11.03.2013)Eines kann man Sodom mit der neuen Scheibe "Epitome of torture" wirklich nicht vorwerfen, nämlich dass sie allzu sehr auf Nummer sicher gegangen wären. Natürlich klingt das Material schon irgendwie "typisch nach Sodom", aber geht man tiefer ins Detai...
WeiterlesenEines kann man Sodom mit der neuen Scheibe "Epitome of torture" wirklich nicht vorwerfen, nämlich dass sie allzu sehr auf Nummer sicher gegangen wären. Natürlich klingt das Material schon irgendwie "typisch nach Sodom", aber geht man tiefer ins Detail, werden nicht nur in der Produktion, sondern auch beim Songwriting evidente Unterschiede zu den Vorgängeralben deutlich. "Na klar, es wäre doch falsch, wenn wir versuchen würden, uns selbst zu kopieren", stimmt mir Tom Angelripper sogleich zu. "Die unnachahmlichen Sodom-Trademarks sollten aber immer drin sein. Ich persönlich finde die Produktion erdiger und authentischer als auf der ,In war & pieces'. Das war mir sehr wichtig, wieder mal in Richtung analog zu produzieren, was wir aber gut digital umsetzen konnten. Makkas Lombardo-Stil hat auch dazu beigetragen, mal wieder etwas flottere Nummern zu schreiben ..." Das sehr wohl. Aber auch eher Eingängiges hat "Epitome of torture" zu bieten, etwa die Hymne "S.O.D.O.M.". "Ja, es ist uns immer wichtig, eingängige Titel zu schreiben, die sich nach einmaligem Hören direkt ins Ohr fressen", weiß Tom zu berichten. ",S.O.D.O.M.' ist eine Art Tribute an uns selbst und an unsere treuen und loyalen Fans." Eine andere Art von Tribute stellt dagegen "Into the skies" dar, eine Nummer, die sehr stark nach Venom, Tank und der New Wave Of British Heavy Metal klingt. "Also, ich würde sagen, dass es eher etwas mit Tank zu tun hat", korrigiert mich Herr Angelripper. "Wir haben ja auf jedem Album immer ein bis zwei moderatere Nummern. Ich liebe die Bands aus dieser Zeit und werde oft, auch unbewusst, beim Songwriting davon inspiriert. Wir versuchen aber natürlich immer, egal was wir machen, den Sodom-Spirit mit einfließen zu lassen." Das gilt selbstredend auch für die Bearbeitung von Fremdkompositionen. Mit "Ace of spades" gibt es als Bonus-Nummer nämlich noch ein reinrassiges Cover einer Motörhead-Komposition auf "Epitome of torture". "Ja, endlich", juchzt Tom. "Wir hatten es ja schon unzählige Male live gespielt, aber bis jetzt nie die Gelegenheit gehabt, es im Studio einzudreschen. Für mich ist ,Ace of spades' immer noch der beste Motörhead-Titel aller Zeiten, mit dem hat für mich damals alles angefangen." Dass Tom Angelripper mit beiden Beinen im Leben steht, weiß ein jeder, der sich mit der deutschen Metal-Szene näher beschäftigt. Deswegen hat er auch die Kumpels aus alten Tagen nicht vergessen, etwa Bands wie Exumer oder Darkness, die zurzeit gerade ihre Comebacks starten: "Na klar, das bekomme ich mit. Sie machen das fantastisch. Ich selbst habe diese Bands ja auch früher gehört und freue mich, wenn ich mal wieder was Neues von ihnen auf die Ohren bekomme. Hoffentlich kommen sie nochmal richtig zurück. Aber die meisten dieser Bands machen es nur noch aus Leidenschaft und ohne große kommerzielle Interessen. Eine sehr gute Einstellung! Natürlich, gerade der Zusammenhalt in der Ruhrpott-Metal-Szene ist sehr groß, wahrscheinlich größer als woanders. Man kennt sich schon seit Urzeiten und unterstützt sich gegenseitig. Gemeinsam teilen wir die Liebe zu unserer Heimat und unserer musikalischen Herkunft. Und so wird es wohl immer bleiben ..."
Pfeiffen aufs Thrash-Revival
von Matthias Mader (01.09.2010)Seit 2006 warten die Fans nun schon auf ein neues Studioalbum von Sodom. Die lange Pause hatte bekanntlich unterschiedliche Gründe. Mir persönlich kam die Wartezeit indes gar nicht so lange vor, denn mit den vorzüglichen DVDs "Lords of depravity" (Te...
WeiterlesenSeit 2006 warten die Fans nun schon auf ein neues Studioalbum von Sodom. Die lange Pause hatte bekanntlich unterschiedliche Gründe. Mir persönlich kam die Wartezeit indes gar nicht so lange vor, denn mit den vorzüglichen DVDs "Lords of depravity" (Teil 1 und 2), der Neueinspielung "The final sign of evil" sowie den schnieken Vinyl Re-Releases von "Agent Orange" und kürzlich "Better of dead", waren Sodom immer wieder im Gespräch. Aber jetzt ist es endlich soweit: "War and pieces" heißt der brandneue Longplayer. Aus Tom sprudelt es dann auch nur so heraus. Zuerst erklärt er den Titel der Scheibe: "Inhaltlich ist Krieg leider immer ein aktuelles Thema, da braucht man ja nur den Fernseher anzuschalten oder die Zeitung aufzuschlagen. Da gibt es genug aufzuarbeiten. Wenn du Thrash Metal spielst, musst du eben auch dementsprechende Texte haben. Wir wissen zwar, dass wir nix ändern können, aber ich als Sänger kann mir das wenigstens von der Seele schreien." Katharsis pur also beim lieben Onkel Tom (oder wahlweise beim bösen Angelripper). Und was kann man von "War and pieces" musikalisch erwarten? Gibt es Parallelen zu anderen Sodom-Veröffentlichungen? Tom unterbricht mich jäh: "Nö, ich mache das also grundsätzlich nicht: Alben von Sodom untereinander zu vergleichen. ,War and pieces' klingt eben nicht wie ,Agent Orange' oder ,Masquerade in blood'. Aber ich sag mal, mit Bernemann haben wir schon unseren eigenen Stil gefunden und viele sagen, dass wir wieder zurück zu unseren Wurzeln gegangen sind. Uns ist es aber immer sehr wichtig, dass wir gute Refrains schreiben. Man muss den Song ein- oder zweimal hören und dann darf man ihn nicht wieder vergessen. Dann ist der Refrain gut. Das ist sehr wichtig!" Beispiele gibt es davon laut Tom Angelripper genug: "Den Titelsong würde ich nennen. Und an zweiter Stelle vielleicht ,Hellfire', das ist ein Song, der ist richtig schön old school. Da haben viele gemeint, das klingt doch schon wieder wie '80er Jahre. Wir haben Nummern wie ,Nothing counts more than blood', das Stück hat meiner Meinung nach den besten Refrain der gesamten Platte. Ein Titel heißt ,God bless you'. Wir haben aber nicht nur schnelle Sachen auf der Scheibe. Von der Abwechslung her ist das die beste Platte, die wir je herausgebracht haben! Das liegt aber in erster Linie an dem Produzenten Waldemar Sorychta, der uns wirklich unter die Arme gegriffen hat. Wir haben alles mit ihm zusammen gemacht. Heute ist es ja so üblich, dass man jedes Instrument woanders aufnimmt. Das haben wir nicht getan. Im digitalen Zeitalter kannst du deine Gitarre ja auch im Wohnzimmer aufnehmen. Ob das dann immer so gut ist, das ist eine andere Frage. Waldemar Sorychta hat wirklich alles in die Hand genommen - er war schon so etwas wie ein viertes Bandmitglied." Mit "War and pieces" zeigen Sodom also der neuen Garde von Thrash Metal-Bands eindrucksvoll, wo der Hammer hängt. Tom macht nicht den Eindruck, als ob er die Konkurrenz argwöhnisch beobachten würde: "Nö, das verfolge ich gar nicht. Weißt du, Sodom hat einfach durchgehalten und immer weitergemacht, es gab gute Zeiten und es gab schlechte Zeiten. Aber wir haben nie aufgehört und sind dann wieder zurückgekommen. Deswegen will ich auch gar nichts von einem Thrash-Revival wissen. Das betrifft Sodom einfach nicht, denn wir waren ja nie weg!"
Referenz-DVD in Sachen Thrash Metal Teil 2
von Matthias Mader (25.06.2010)Lange, lange mussten die Fans auf den zweiten Teil der Sodom-DVD "Lords of depravity" warten. Immer wieder wurde der Veröffentlichungstermin verschoben. Doch wir wissen ja alle, dass Tom Angelripper ein absoluter Perfektionist ist und Ende Juni war e...
WeiterlesenLange, lange mussten die Fans auf den zweiten Teil der Sodom-DVD "Lords of depravity" warten. Immer wieder wurde der Veröffentlichungstermin verschoben. Doch wir wissen ja alle, dass Tom Angelripper ein absoluter Perfektionist ist und Ende Juni war es dann doch endlich soweit. Der schnieke Doppeldecker mit einer Gesamtspielzeit von über 360 Minuten wurde auf die Menschheit losgelassen. Und in der Tat ist "Lords of depravity - Part II" eine weitere Referenz-DVD in Sachen Thrash Metal geworden. Tom freut sich über dieses Kompliment: "Okay, danke. Wobei ich sagen muss, dass der erste Teil gar nicht so viel mit Thrash Metal zu tun gehabt hat, das war noch eher Heavy Metal, unsere Wurzeln. Das Schwerpunktthema waren die ganzen Besetzungswechsel. Bei der neuen DVD, dem zweiten Teil, war unser Anliegen, die Leute auch mal hinter die Kulissen blicken zu lassen, ihnen zu zeigen, was auf Tour so alles passieren kann, in Südamerika oder auch in den USA." Ton, Schnitt, Dramaturgie und Skript sind bei "Lords of depravity - Part II" wieder absolut herausragend. Ronald Matthes hieß auch diesmal der Produzent, also alles sein Verdienst? "Das ist auf jeden Fall sein Ding", verteilt Tom Angelripper ein Lob. "Das Material stammt aus meinem Archiv, den Rest hat der Ronald gemacht. Aber natürlich ist es nicht so, dass ich ihm eine Kiste Tapes hingeschmissen habe und er daraus eine DVD machen sollte. Der ist schon sehr engagiert und ist auch oft aus freien Stücken mit uns mitgefahren - nach Südamerika oder nach Japan. Der hatte schon den fertigen Film vor Augen, bevor er überhaupt angefangen hat zu drehen." Wie auch im ersten Teil sind es vor allem Toms Anekdoten, die auf der bandhistorisch angelegten DVD für Kurzweil und gute Laune sorgen. Auch wenn Herrn Angelripper selbst manchmal eher zum Heulen als zum Lachen zumute gewesen sein musste. So etwa im Falle der Einreiseverzögerung in die USA. Das Corpus Delicti? Eine leere Patronenhülse! Tom stöhnt: "Es ist immer schwierig, nach Amerika einzureisen. Dieser Vorfall stammt aus der Zeit unserer allerersten Show in Amerika - es hat nie so richtig geklappt mit Sodom in den Staaten. Die erste Tour hätte schon 1987 stattfinden sollen, ganze sechs Wochen waren geplant, wir saßen bereits auf gepackten Koffern. Auf einmal rief unser Manager Boggi Kopec an und teilte uns mit, dass die Tour nicht stattfindet. Damals fing unsere Pechsträhne mit den USA bereits an - das liegt aber nicht an uns. Mit der Patronenhülse, das war in dem von Dir erwähnten Fall der Ausschlag gebende Punkt. Die haben uns direkt am Zoll raus gewunken: Langhaarige, Tätowierte, Ausländer - erstmal an die Seite. Und dann wurden wir gefilzt. So kann man das schon sagen. Die Patronenhülse war für den Beamten nur der Aufhänger uns noch länger festzuhalten - die war leer, da konnte gar nichts passieren. Das Zündhütchen war zwar funktionstüchtig, aber selbst damit kann man nicht viel anrichten. So fingen die Probleme an. Daraufhin haben wir den Flieger verpasst, kamen zu spät und dazu kamen die generellen Unzulänglichkeiten auf dem Milwaukee Metalfest. Unfassbar. Man glaubt das kaum ..."
Schlicht und einfach Sodom
von Andreas Reissnauer (31.03.2006)Fast fünf Jahre nach der Killerscheibe "M-16" sind Sodom mit einem neuen Werk zurück. Die schlicht "Sodom" betitelte Scheibe ist ebenso ein Knaller vor dem Herrn und bietet Sodom-typischen Thrash Metal bester Qualität. Das Album hätte aber schon vor ...
WeiterlesenFast fünf Jahre nach der Killerscheibe "M-16" sind Sodom mit einem neuen Werk zurück. Die schlicht "Sodom" betitelte Scheibe ist ebenso ein Knaller vor dem Herrn und bietet Sodom-typischen Thrash Metal bester Qualität. Das Album hätte aber schon vor über einem Jahr erscheinen können. "Wir waren bei Achim Köhler im House Of Music. Er hörte dort aber auf zu arbeiten und bekam woanders eine Festanstellung angeboten. Also haben wir die Aufnahmen abgebrochen. Damals gab es für uns so kurzfristig keine andere Option." Habt ihr die Songs beiseite gelegt oder kam neues Material dazu? "Wir proben regelmäßig und entsprechend sind natürlich neue Nummern entstanden. Wir haben einiges von den alten Ideen verworfen und lieber neue Songs geschrieben." Im direkten Vergleich zu "M-16" fällt auf, dass auf dem neuen Album die Gitarrenarbeit - und hierbei insbesondere die Soli - wesentlich melodischer sind. "Stimmt, Bernemann hat sich enorm verbessert. Früher hatten wir ja eher diese quietschenden Slayer-Soli, während es diesmal richtige, klassische Soli sind. Überhaupt ist bei der Produktion die Gitarre etwas weiter im Vordergrund als noch bei den letzten Scheiben." Der Song "City of God" sticht mit seinen schnellen, schwedisch anmutenden Gitarrenläufen etwas heraus. "Das ist einer meiner Favoriten und hier gefällt mir das Solo besonders gut. Der Song ist natürlich vom gleichnamigen Film beeinflusst. Als wir in Brasilien gespielt haben, hat uns der lokale Veranstalter auch durch das Viertel gefahren, in welchem der Film spielt. Natürlich sind wir dort nicht ausgestiegen, um Fotos zu knipsen, ist ja viel zu gefährlich. Die Drogenmafia baut dort sogar die Kirchen und Kindergärten, weil vom Staat nichts kommt." Bei "Bibles and guns" dürfte hingegen klar sein, um was es geht. "Es gibt ja den Spruch in Amerika. Das einzige, was ein Mann braucht, ist eine Bibel und eine Knarre. Okay, der Spruch stammt noch aus dem Wilden Westen, ist aber zum Teil auch heute noch gültig, zumal er auch schon von George W. Bush zitiert wurde. Ziemlicher Blödsinn in meinen Augen und obendrein noch ein Widerspruch in sich."