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Schönes schwarzes Slipknot-Top mit dunkelgrünem Aufdruck auf Brust und Rücken. Vorne ist das Stern-Logo und der Slipknot-Schriftzug zu sehen, hinten das typische Slipknot S-Logo.
Interview
Hölle! Hölle! Hölle!
von Nicko Emmerich (02.07.2012)Über zwei Jahre ist der Tod ihres Bassisten Paul Gray her - nachdem die maskierten Extreme Metaller bereits im letzten Jahr auf ausgewählten Festivals öffentliche Trauerarbeit geleistet haben, erschien nun das fette 2-CD & DVD Best-Of-Package "Antenn...
WeiterlesenÜber zwei Jahre ist der Tod ihres Bassisten Paul Gray her - nachdem die maskierten Extreme Metaller bereits im letzten Jahr auf ausgewählten Festivals öffentliche Trauerarbeit geleistet haben, erschien nun das fette 2-CD & DVD Best-Of-Package "Antennas to hell". Rückschau Deluxe, von einer der aufregendsten Heavy-Bands der letzten Dekade. "Ich hasse Begriffe wie Best-Of- oder Greatest-Hits-Sammlung", erbost sich Percussion-Clown Sean Crahan, mit dem wir auf der US-Lesereise zu seinem gerade veröffentlichten Buch "The apocalyptic nightmare journey" sprachen. "Wenn ich diese Worte höre, kommen mir Bands in den Sinn, die kurz davor sind, auseinander zu brechen und unbedingt noch mal Geld brauchen. Mir tun diese Musiker Leid - sie sollten da draußen bei ihrem Publikum sein, sich den Arsch abspielen und wieder ein wenig Respekt vor ihren Fans, vor sich selbst und nicht zuletzt vor den Songs haben, die sie selbst irgendwann einmal mit Herzblut geschrieben haben, statt sich selbst so zu verramschen! Diese Compilation hat mit einer billigen Greatest Hits-Sammlung nicht das Geringste gemeinsam, sondern stellt eine Zusammenstellung von 19 Songs dar, die von uns ausgewählt und in eine spezielle Reihenfolge gebracht wurden. Stücke von verschiedenen Alben, die man so noch niemals hintereinander gehört hat und die in dieser Abfolge einen total anderen, neuen Sinn ergeben. Außerdem habe ich über zwei Monate mit den Arbeiten zum Artwork verbracht", mit dem Slipknot einmal mehr Akzente setzen, was künstlerisches Konzept und die visuelle Umsetzung ihrer längst zu einer eigenständigen Kultur entwickelten Vision betrifft. Ein kurzer Blick zurück, auch wenn der feste Blick nach vorne das erklärte Motto ist. Kein Ende, kein neuer Anfang, sondern eine nahtlose Fortsetzung. "Es ist absolut nicht das Ende eines Kapitels. Wir sind neun Leute bei Slipknot - Paul ist nicht mehr bei uns, aber er wird bis in alle Ewigkeit Nr. 2 bleiben. Ich muss mir keine Sorgen machen, ob es jemals einen neuen Bassisten in dieser Band geben wird. Jedenfalls im Moment noch nicht. Er wird auf die eine oder andere Weise immer Teil unserer Platten, unseres Artworks und auch unserer Konzerte sein. Er hat uns nicht verlassen, sondern ist und wird immer ein großer Teil in unseren Herzen und in unserem Leben sein." Dementsprechend darf man sich nach Release der "Antennas to hell"-Sammlung im nächsten Jahr vielleicht schon auf ein brandneues Slipknot-Studioalbum freuen; fest steht bisher definitiv die Veröffentlichung eines neuen Longplayers von Frontmann Corey Taylors Nebenprojekt Stone Sour. Clown: "Nachdem wir unsere Tour mit unserem eigenen Knotfest-Festival beendet haben, werden wir uns wieder Zeit für uns selbst nehmen und uns Gedanken über ein neues Album machen. Wir werden es schreiben, aufnehmen und veröffentlichen, als wäre Paul noch bei uns. Genau so, wie wir es bisher immer getan haben. Wir wollen, dass die Menschen wissen, dass es immer weiter geht mit Slipknot! Wir tun was wir wollen, wann wir wollen und vor allem: wie wir es wollen!"
Der vierte Streich
von Michael Hertel (14.07.2008)Corey Taylor ist heiß. Heiß darauf, wieder auf Tour zu gehen, sein Privatleben (frische Scheidung, zwei kleine Kinder, unaufgeräumte Wohnung) hinter sich zu lassen und sich - wie er sagt - in Bestform zu präsentieren: "Ich habe bei Slipknot nie so ge...
WeiterlesenCorey Taylor ist heiß. Heiß darauf, wieder auf Tour zu gehen, sein Privatleben (frische Scheidung, zwei kleine Kinder, unaufgeräumte Wohnung) hinter sich zu lassen und sich - wie er sagt - in Bestform zu präsentieren: "Ich habe bei Slipknot nie so gesungen, wie ich das eigentlich kann, sondern ganz bewusst viel schlechter. Eben, weil die anderen meinten, es dürfe nicht zu gut sein - sonst würde es nicht überzeugend klingen. Was ich unglaublich fand. Aber jetzt habe ich mich durchgesetzt. Und ich trainiere seit Wochen, um körperlich fit zu sein. Ich will da rausgehen und töten, man. Schließlich haben wir seit dreieinhalb Jahren nicht live gespielt."
Eine Phase, in der sämtliche Slipknot-Mitglieder diverse, mehr oder minder erfolgreiche Solo-Projekte verfolgten: Corey und Jim mit Stone Sour, der Clown mit To My Surprise, und Joey mit den Murderdolls - oder als Session-Drummer für Korn und Ministry. Wobei nicht allen die Rückkehr ins Bandgefüge leicht fällt. Schon gar nicht Corey, der eigentlich im Begriff war, ein drittes Stone Sour-Album aufzunehmen, bereits 45 neue Stücke hat und am liebsten alleine weitergemacht hätte. "Einfach, weil es bei uns so gut lief. Wir hatten all diese großartigen Angebote. Etwa von den Foo Fighters, die wollten, dass wir für sie im Madison Square Garden in New York eröffnen. Das mussten wir absagen, weil es zeitlich nicht passte, denn Joey wollte unbedingt mit dem Slipknot-Album anfangen, und hat alle zusammengetrommelt. Da konnte ich nicht nein sagen."
Wobei der 34-jährige, der in einer gut-bürgerlichen Wohngegend von Des Moines, Iowa, lebt, ohnehin ein richtiger Workaholic ist: Momentan versucht er sich als Produzent von Walls Of Jericho, managt die Lokalhelden Facecage und spielt in nicht weniger als fünf Bands gleichzeitig: Slipknot, Stone Sour, der Metal-Cover-Combo Dumb Fucks, dem Tenacious D.-Tribut Audacious P. sowie der Funk-Truppe JBKB (Junk Beer Kidnapp Band). "Ich brauche das, um all meine unterschiedlichen Interessen auszuleben", lacht der ganzkörpertätowierte Sänger. "Außerdem macht es riesigen Spaß - und ist ein guter Ausgleich zu Slipknot." Die ihn die letzten Monate mächtig auf Trab gehalten haben. So hat das Kollektiv 14 neue Stücke mit Produzent Dave Fortman (Mudvayne, Evanescence) aufgenommen, die am 22. August unter dem Titel "All hope is gone" erscheinen und eine Reihe von Änderungen im Sound der Metal-Monster bergen. Angefangen bei Coreys Gesang, der klarer und deutlicher ist, über starke Speed Metal- und Thrash-Anleihen, die sich in wieselflinke Gitarrensoli niederschlagen, bis hin zu einer stilistischen Vielfalt, die auf frühen Slipknot-Alben geradezu undenkbar gewesen wäre.
Eben, weil die Neun gerne das Tempo und die Gangart variieren, nicht immer nur knüppelhart, sondern auch mal atmosphärisch (also düster und bedrohlich) klingen, auf Keyboards, Piano und akustische Gitarren zurückgreifen, und dank der Percussions sowie Joeys Double-Bass-Drum einen unglaublich tighten Sound hinlegen, der seinen Hörer geradezu plättet. "Es ist unser bislang härtestes Album, aber auf eine ganz andere Weise als früher", erklärt Corey. "Es ist nicht mehr alles direkt und frontal auf Töten ausgerichtet, sondern es besitzt eine andere Klasse und Qualität. Die Songs sind reifer, erwachsener und durchdachter - und gerade das macht sie so gefährlich. Wir wissen jetzt, was wir tun und sind noch konzentrierter."
Was wie eine Kampfansage klingt - und auch so gemeint ist. Denn in den Texten, die weniger von Corey als von seinen aktuellen Amerika-Impressionen handeln, rechnet der Rotschopf mit Politikern, Managern, religiösen Fanatikern, reaktionären Patrioten und falschen Moralaposteln ab. "Ich lebe gerne in diesem Land", setzt er an. "Aber hier passiert so viel Mist, der nicht passieren dürfte. Der so arschkrank ist, dass es qualmt. Doch irgendwie scheint das niemanden zu stören. Einfach, weil die Leute total vollgepumpt sind mit rechter Propaganda, mit stumpfsinnigen Parolen und völlig unwichtigen Informationen. Man hat sie so lange mit Britney Spears, Paris Hilton und Lindsay Lohan gefüttert, dass sie die Dinge, die um sie herum passieren, gar nicht mehr wahrnehmen - und sich demzufolge auch nicht dagegen wehren können. Was unglaublich ist. Das hat etwas von George Orwells '1984'. Und es ist verdammt real." Weshalb er auf einen Wahlsieg von Obama hofft - statt von McCain, der ein zweiter George Bush wäre. "So weit darf es nicht kommen. Deswegen hoffe ich, dass die Kids da draußen auf die Texte achten und nicht nur auf die Masken."
Die inzwischen eigentlich nur noch ein Anhängsel sind. Etwas, an dem sie festhalten müssen, weil es sich verselbständigt hat, und weil sie ohne ihre Durchschlagskraft verlieren würden. "Natürlich haben wir oft das Gefühl, dass die Masken zu viel Aufmerksamkeit bekommen - mehr als die Musik. Und das ärgert uns. Aber ganz ohne würde es nicht funktionieren. Wir würden zu Kiss man, und das darf nicht passieren."
Wobei sie aber längst nicht mehr so viel Zeit und Geld auf die Outfits verwenden. So sind die Hälfte der neuen Masken einfach die alten. Der Rest der Mitglieder - darunter auch Corey - hat seine lediglich ein bisschen modifiziert. "Und zwar so, dass du meine Augen nicht mehr erkennst - was noch beklemmender wirkt." Dagegen waren die sogenannten Big Heads, die sich seit Wochen auf der Homepage der Band tummeln und an die Statuen der Osterinseln erinnern, lediglich ein Gag, um die Fans auf eine falsche Fährte zu führen. "Ich habe mich totgelacht über das, was ich im Netz gelesen habe, da das wirklich Ernst genommen wurde. Ich meine, wie willst du mit den Dingern headbangen - und wie soll ich damit singen? Lustigerweise haben es viele für bare Münze genommen. Was ich großartig finde." Die richtigen Masken - wie die neuen Songs - gibt es Ende August zu bewundern, wenn Slipknot das Area 4-Festival in Lüdinghausen heimsuchen und laut Corey in "Area 6 oder Area 9" verwandeln. Eine charmante Drohung...
Mittendrin, statt nur dabei
von Markus Wosgien (27.09.2006)Slipknot kündigen ein neues visuelles Werk an, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Auf ihrer neuen DVD "Voliminal: Inside the nine" ziehen sie erneut alle Register und präsentieren sich auf eine Art und Weise, wie sie noch niemand zuvor ges...
WeiterlesenSlipknot kündigen ein neues visuelles Werk an, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Auf ihrer neuen DVD "Voliminal: Inside the nine" ziehen sie erneut alle Register und präsentieren sich auf eine Art und Weise, wie sie noch niemand zuvor gesehen hat. Man bekommt einen Einblick in ihre Welt, wie sie nur aus Sicht von Bandleader Clown dargestellt werden kann. Eine brisante und ebenso faszinierende Sache, die für reichlich viel Zündstoff sorgen wird. "Wir leben in der Realität die wir uns selber geschaffen haben. Mit dieser DVD haben wir etwas abseits der Normalität geschaffen und es liegt nun an der Intelligenz des Zuschauers, wie er das aufnimmt", kommentiert ein gut gelaunter Clown, der von dem Ergebnis seiner langwierigen Arbeit für "Voliminal: Inside the nine" absolut überzeugt ist. "Es steckt ein hoher künstlerischer Anspruch dahinter und zeigt, wie großartig wir sind und was wir kreiert haben. Niemand konnte uns bislang in unsere Visionen reinreden, wir haben stets das gemacht was wir wollten und das ist die Realität. Alles ist so geschehen wie es sein sollte." Das Herzstück von "Voliminal: Inside the nine" ist ein 90-minütiger Film, in dem der Clown Einblick in das Denken und Handeln von Slipknot gewährt. "Man hat uns oft gefragt, ob wir darstellen können was in der Band vorgeht und was wir sind. Ich porträtiere den Kern unseres Geheimnisses, was in uns steckt und wie unser Gehirn arbeitet. Dinge, die sich kein normaler Mensch vorstellen kann. Die Arbeiten an diesem Film haben über drei Jahre gedauert und wer diesen Film gesehen hat, der wird verstehen warum Slipknot die großartigste Band auf diesem Planeten ist. Ihr werdet begreifen warum ich so handle, wie ich es tue. Diese DVD ist ein verdammter Krieg, deshalb solltet ihr vorsichtig sein." Mehrere hundert Tapes hat Clown dabei gesichtet und die Essenz herausgefiltert. "Wer das Ergebnis sieht, der wird den Unterschied zwischen uns und anderen Bands erkennen. Wir leben unsere Musik. Deshalb langweilen mich 99 % der ganzen Bands die Rock'n'Roll sein wollen und ihren Fans etwas vormachen." Trotz der intensiven Arbeit mit dem Medium Film, bevorzugt Clown letztendlich dennoch die Musik. "Mir ist die Musik wesentlich wichtiger, denn in ihr kann ich entfliehen, die Augen schließen und an einen besseren Ort gelangen. Beides zusammen ist jedoch wie ein Orgasmus." Gegen Ende des Jahres will man mit dem Songwriting für ein neues Album starten und auch sonst hat Clown jede Menge Pläne. "Ich werde eine eigene Bekleidungs-Firma starten und möchte irgendwann einmal selber einen Film machen und auch vor der Kamera stehen. Was mir sonst im Leben wichtig ist? Sex und meine Familie." Neben der Doku wird es auf der DVD noch jede Menge Live-Material, Video-Clips und Interviews geben. "Voliminal: Inside the nine" ist einmalig und wer dieses Spektakel versäumt, der hat ein Stück Rock'n'Roll verpasst.