EMP Redaktion
von Markus Wosgien(31.03.2006)Stolze zwanzig Jahre haben die New Yorker HC-Pioniere auf dem Buckel. Ihr Jubiläum feiern sie mit dem neunten Studioalbum "Death to tyrants", womit sie einmal mehr ihre Vormachtstellung untermauern. Das Album strotzt vor Aggression und Wut und weißt sämtliche Metalcore Jünglinge in die Schranken. 15 Tracks und keinerlei Verschnaufpause. Von der ersten Sekunde an wird geprügelt was das Zeug hält, als befinde man sich inmitten der wildesten Straßenkämpfe New Yorks. Ein Blatt haben die Brüder Lou (Gesang) und Pete Koller (Gitarre) noch nie vor den Mund genommen, so spricht man in Tracks wie "Machete", "Always war", "Leader" oder "Thin skin" erneut brisante Themen an und lässt entsprechend Dampf ab. Ähnlich wie ihre Kollegen von Agnostic Front klingen auch S.O.I.A. mittlerweile metallischer denn je. Nicht zuletzt hat man für den Mix den Dänen Tue Madsen hinzugezogen, was ein Garant für brachialen und druckvollen Sound ist. "Death to tyrants" ist ein deutliches Zeichen und mitunter einer der Höhepunkte in der Karriere der NYHC Legende.
Interview
Die geölte Maschine des New York City Hardcore
von Matthias Mader (18.03.2010)Sick Of It All aus dem New Yorker Stadtteil Queens kann man getrost als Hardcore-Institution bezeichnen. 1986 aus der Alleyway Crew hervorgegangen, einem losen Verbund von Musikern und Freunden, erschien 1989 ihr famoses Debut "Blood, sweat and no te...
WeiterlesenSick Of It All aus dem New Yorker Stadtteil Queens kann man getrost als Hardcore-Institution bezeichnen. 1986 aus der Alleyway Crew hervorgegangen, einem losen Verbund von Musikern und Freunden, erschien 1989 ihr famoses Debut "Blood, sweat and no tears" (damals noch über das US-Label In-Effect). Mit dem neuen Album "Based on a true story" untermauern Sick Of It All eindrucksvoll ihren Status als dienstälteste N.Y.C.H.C.-Band (neben Agnostic Front).
Drummer Armand Majidi kann sich über die Langlebigkeit seiner eigenen Formation aber nur bedingt freuen: "Ich finde das nicht erstaunlich, sondern eher befremdlich. Ich wünschte mir, es würden noch mehr Bands existieren, die zusammen mit uns gestartet sind, weil sie wirklich gute Musik am Start hatten. Ich finde es immer sehr schade, wenn Musiker unserer Generation die Musik an den Nagel hängen. Kreativität ist ein so wichtiger Bestandteil der menschlichen Existenz. Und die Alternative dazu, selbst kreativ zu sein, besteht leider nur darin, lediglich das zu konsumieren, was Andere anbieten."
Nun ja, malen wir mal nicht zu schwarz, ein oder zwei Lichtblicke gibt es zurzeit ja wieder am N.Y.C.H.C.-Horizont. Bloodclot zum Beispiel, die neue Band des ehemaligen Cro Mags-Sängers John Joseph. Armand ist sogleich Feuer und Flamme: "Bloodclot sind fantastisch. Sie sind sehr powervoll und die Texte treffen den Nagel genau auf den Kopf." Oder wie wär's mit der neuen Killing Time "Three steps back"? Hier teile ich die Meinung mit Armand: "Die neue Killing Time setzt dort an, wo ,Brightside' aufgehört hat. Leider ist die Produktion aber nicht besonders gut. Ich freue mich jedoch zu sehen, dass sie aktuelles Material am Start haben und sich nicht auf den Lorbeeren der 1980er Jahre ausruhen." Ein Vorwurf, den man Sick Of It All nie und nimmer machen kann. Auf "Based on a true story" läuft ihre Maschine wieder einmal wie geölt. Was ist denn ihr Rezept für diesen immensen, konstant hochklassigen kreativen Output? Armand Majidi hält den Ball flach: "Wir waren zu Zeiten von ,Blood, sweat and no tears' nur eine Band von vielen, die ihr Ding durchgezogen hat. Weder diesen Erfolg noch diese Langlebigkeit konnten wir voraussehen. Niemand hat erwartet, dass wir von unserer Musik würden leben können. Aber es hat sich eben so entwickelt und darüber sind wir natürlich sehr froh. Wir haben immer zu unseren bescheidenen Wurzeln gestanden, vielleicht macht das einen Teil unseres Erfolges aus. Vielleicht kann sich unser Publikum damit identifizieren." Ganz sicher; Sick Of It All sind immer mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben, davon zeugen auch erneut die Lyrics des neuen Albums: "Der Schlüsselsong nennt sich ,Death or jail (based on a true story)'. Hier besteht die offensichtliche Verknüpfung zum Titel der Platte. Es geht darin um Freunde von uns, die uns damals verlassen haben, um eine kriminelle Karriere einzuschlagen, die dann letztendlich verheerende Folgen nach sich gezogen hat. Der Albumtitel unterstreicht noch einmal unsere Bandphilosophie: Sick Of It All beschäftigen sich nur mit realen Themen."
Hardcore Superstars
von Markus Wosgien (03.04.2006)20 Jahre Sick Of It All, das bedeutet 20 Jahre Hardcore pur! Pünktlich zu ihrem Jubiläum meldet sich die New Yorker Hardcore Legende mit einem neuen Studioalbum zurück. "Death to tyrants" ist ein wahres Monster geworden. Keine Spur von Müdigkeit, im ...
Weiterlesen20 Jahre Sick Of It All, das bedeutet 20 Jahre Hardcore pur! Pünktlich zu ihrem Jubiläum meldet sich die New Yorker Hardcore Legende mit einem neuen Studioalbum zurück. "Death to tyrants" ist ein wahres Monster geworden. Keine Spur von Müdigkeit, im Gegenteil, hier gibt's richtig eins auf die Mütze!
"Wir sind unheimlich stolz auf das Ergebnis, denn es ist möglicherweise unser best produziertes Album! Der ganze Entstehungsprozess lief diesmal sehr entspannt ab und wir haben uns mächtig viel Zeit gelassen." Das Ergebnis bläst einen regelrecht gegen die Wand. Hinter den Reglern stand dabei der Däne Tue Madsen (Ektomorf, Mnemic u.a.) von dem Sänger Lou Koller in den höchsten Tönen schwärmt. "Es war großartig mit ihm zu arbeiten. Ich war auf dem letzten Album von The Haunted als Gast vertreten und als ich später die CD bekam, war ich von dem Sound komplett fasziniert. So kam es dass Tue zu uns nach Brooklyn kam, sich zuerst einige Shows von uns ansah, und dann ,Death to tyrants' produzierte." Es war die richtige Wahl. Dabei fällt auf, dass Sick Of It All ähnlich wie ihre Kollegen von Agnostic Front ein sehr metallisches Album am Start haben. "Es klingt genau so wie wir es haben wollen", pflichtet Lou bei. "Tue sagte von Beginn an, dass er uns nicht wie einen Hatebreed oder The Haunted Klon klingen lassen will, sondern die Power und die Kraft auf Tonband bringt, die wir unseren Fans Live vermitteln. Wenn es nach uns gehen würde, könnte Tue alle unsere vorigen Alben nochmals remixen!" Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Lou ist wahnsinnig stolz auf das was die Band inzwischen geschaffen hat. "Als wir unseren ersten Plattenvertrag unterzeichnet hatten, stand darin, dass wir uns für sieben Alben an das Label binden. Wir waren Teenager und haben uns damals gegenseitig angelacht, weil wir nicht dachten dass es uns länger wie ein Album geben würde." Man hat sein Lehrgeld bezahlt, doch dank ihrer Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und den Fans, stehen sie noch heute ganz oben auf dem Hardcore-Thron. Sick Of It All waren nie eine Band die ihre Meinung über das aktuelle Zeitgeschehen hinter dem Berg gehalten hat. Jeder Tag gibt genügend Inspiration für neue Stücke.