Sentenced Gründungsmitglied und Gitarrist Sami Lopakka über das Ende seiner Band, abstruse Fantasien und die Höhen und Tiefen des Musikerdaseins.
Sami, nach sechzehn Jahren Sentenced siehst du mit deinen langen, blonden Haaren und dem Düstero...
Sentenced Gründungsmitglied und Gitarrist Sami Lopakka über das Ende seiner Band, abstruse Fantasien und die Höhen und Tiefen des Musikerdaseins.
Sami, nach sechzehn Jahren Sentenced siehst du mit deinen langen, blonden Haaren und dem Düsteroutfit unverändert aus. Hast du keine Lust, jetzt, anlässlich der Trennung deiner Band, auch mal deinen Stil zu ändern?
"Wir haben uns in der Band nie viel Gedanken um unser Image gemacht. Solange ich noch volles Haar habe, werde ich wohl bis an mein Lebensende die gleiche Frisur behalten."
In einem offiziellen Statement erklärst du das Ende von Sentenced. Jedoch ohne Gründe zu nennen. Weshalb machst du so ein Geheimnis daraus?
"Das mache ich ja gar nicht. Mag sein, dass die Presseerklärung etwas unklar war, aber die Gründe sind so vielfältig, dass ich gar nicht wusste, welchen ich zuerst auflisten sollte. Wir denken schon seit einigen Jahren darüber nach, die Band aufzulösen. Das war also keine spontane Idee. Letzten Sommer dann haben wir uns endgültig dazu entschieden. Aber das Begräbnis sollte in Würde geschehen. Deshalb dieses Album und die nachfolgende Abschiedstour."
Offenbar ist es euch nicht leicht gefallen, eure gemeinsame Zusammenarbeit zu beenden.
"Nein, absolut nicht. Deshalb wirkt es auch so widersprüchlich, in ein Album noch mal soviel Herzblut hineinzulegen. Aber die Opfer die man bringen musste, wurden zuletzt immer mehr. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir einfach nicht mehr in der Lage sind, hundert Prozent für Sentenced zu geben. Und dann macht es auch keinen Sinn mehr."
Fühlst du dich ausgebrannt?
"Das auch. Nach dieser Tour werde ich mir auf jeden Fall eine Pause gönnen. Aber das allein ist es nicht. Wir sind einfach nicht mehr gewillt, monatelang von zu Hause weg zu sein. Ich habe mittlerweile einen Sohn und Ville (Laihiala, Sänger - Anm. d. Red.), unser Sänger, hat ebenfalls zwei Söhne."
War das auch einer der Gründe, weshalb es drei Jahre gedauert hat, bis ihr euer Album fertig hattet?
"Ja, wir haben, anlässlich unseres Albums 'The cold white light', sehr lange getourt. Das war eine schwierige Zeit. Als wir in Finnland aus dem Flugzeug gestiegen sind, waren wir mehr tot als lebendig. Genau zu dem Zeitpunkt ist meiner, als auch Villes Sohn geboren. Eine Pause war da mehr als nötig. Schon da haben wir über den Split nachgedacht. Aber da es ein offizielles Begräbnis werden sollte, wurde daraus ein sehr langer Prozess."
Wie hast du dich gefühlt, als du an "The funeral album" gearbeitet hast? Hast du beim Schreiben der Songs geweint?
"Um ehrlich zu sein, ich war kurz davor. Aber wir sind alle nicht so die Typen, die schnell weinen. Die neuen Songs waren noch mal eine Herausforderung für uns alle, weil wir ja wussten: Jetzt oder nie! Da wollte jeder natürlich sein bestes geben."
Ist das Album nun als Konzeptalbum zu sehen?
"Es ist auf jeden Fall näher an einem Konzeptalbum, als unsere anderen Platten. Aber natürlich haben wir auch andere Themen beackert: Liebe, Verlust und solche Dinge. Aber dieses 'Goodbye' schwebt eigentlich über fast allen Songs. Denn die Hälfte wurde mit dem Wissen geschrieben, dass es sich um das letzte Album handeln würde."
Über welche Themen hast du selbst geschrieben?
"Über den Tod. Dieses Thema fasziniert mich seit meiner Kindheit. Ich weiß selbst nicht, weshalb überhaupt. Ich bin schon eine ziemlich kranke Persönlichkeit."
Wie gehst du mit dem Tod nahe stehender Personen um?
"Für mich gehört der Tod zum Leben dazu. In der westlichen Welt ist er ein Tabuthema, aber ich sehe ihn als etwas ganz normales an. Natürlich ist es heftig, wenn Freunde sterben. Trotzdem ist es gut, dass es einen Anfang und ein Ende gibt."
Du glaubst also nicht an ein Leben nach dem Tod?
"Nein, um Himmels Willen! Wenn man stirbt, ist es vorbei und das ist auch gut so. Auf diese Weise, weiß man sein Leben wenigstens zu schätzen. Denn man hat ja nur dieses eine und muss deshalb tun, was man für richtig hält. Eine zweite Chance gibt es nicht."
Es ist offensichtlich, dass zumindest einige von euch auch weiterhin Musik machen werden. Kannst du schon etwas über die einzelnen Solopläne sagen?
"Ville wird im Herbst mit seiner Band Poisonblack ein Album veröffentlichen. Was danach sein wird, steht aber noch nicht fest. Miika (Tenkula, Gitarre - Anm. d. Red.) wird sicherlich auch eine neue Band gründen. Der Mann ist der talentierteste Musiker, den ich je gesehen habe. Ja, und Sami (Kukkohovi, Bass - Anm. d. Red.) spielt Gitarre in einer Death Metal Band namens Solution 13. Vesa (Ranta, Schlagzeug - Anm. d. Red.) arbeitet sehr erfolgreich als Fotograf für diverse Magazine. Aber ich bin sicher, auch er wird wieder Musik machen."
Und du selbst?
"Ich weiß noch nicht genau. Momentan fühle ich mich noch als Teil von Sentenced. Außerdem möchte ich ein Buch veröffentlichen. Die ersten hundert Seiten habe ich schon. Jetzt brauche ich nur noch einen Verleger."
Wovon handelt das Buch?
"Es ist Fiktion, basiert aber auf realen Dingen. Es handelt von einer vierwöchigen Europatour, die wir mal gemacht haben. Auf Tour erlebt man ja so einiges ..."
Es gibt Leute, die verarbeiten so was in Videofilmen ...
"Mag sein. Aber das kommt für mich nicht in Frage."
Könntest du dir vorstellen, noch mal ein Musikprojekt mit eurem ehemaligen Sänger Taneli Jarva aufzuziehen?
"Ja, das wäre durchaus denkbar. Wir sind ohnehin all die Jahre in Kontakt geblieben. Wir sehen uns zwar nicht sehr häufig, weil er 700 km von hier entfernt wohnt, aber wir sind immer noch befreundet."
Und wie schaut es mit deinen jetzigen Bandkollegen aus? Würdest du mit denen noch mal zusammenarbeiten?
"Ja, am ehesten mit Miika, weil er so unglaublich talentiert ist. Und mit Vesa. Die beiden sind, mit mir, ja auch die Gründer von Sentenced. Es war immer ein großes Vergnügen für mich, mit ihnen zu arbeiten."
Du machst dich häufig über die finnische Mentalität lustig. Schon mal darüber nachgedacht, das Land zu verlassen?
"Nein, das käme für mich gar nicht in Frage. Psychische Probleme sind an anderen Orten ja nicht plötzlich verschwunden. Man nimmt die mit. Egal, wohin man geht."