Interview
von (04.01.2011)Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich gerade im Flieger, auf dem Heimweg von den Aufnahmen in Colorado, wo wir die letzten Monate bei unseren Produzenten-Buddys Bill Stevenson und Jason Livermore verbracht haben. Diese Jungs standen schon öfte...
WeiterlesenWährend ich diese Zeilen schreibe, sitze ich gerade im Flieger, auf dem Heimweg von den Aufnahmen in Colorado, wo wir die letzten Monate bei unseren Produzenten-Buddys Bill Stevenson und Jason Livermore verbracht haben. Diese Jungs standen schon öfter für uns hinter den Reglern und es war klar, dass wir auch dieses Mal in ihrem Blasting Room Studio aufschlagen würden: Sie verstehen was von Punk, sie scheuen keine Experimente und sie sind solche ausgemachten Arbeitstiere, dass man mit ihrer Energie locker eine ganze Kleinstadt versorgen könnte. Unser neues Album heißt "Endgame". Ungefähr ein Dutzend Songs sind darauf und wir können es kaum abwarten, dass ihr sie endlich zu hören bekommt. Zwar gibt es durchaus eine Art roten Faden, allerdings ist die neue LP kein Konzeptalbum: Ein Albumtitel könnte niemals allen Stücken gerecht werden und die ganzen Themen widerspiegeln, die wir darauf ansprechen. Im Titelstück geht es um den Zerfall der Zivilisation: Kriege, Hungersnöte, die Finanz- und Umweltkrise bilden den Hintergrund, vor dem wir die Frage stellen, was an dieser Welt, die wir geschaffen haben, gut sein soll und ob es überhaupt sinnvoll ist, sie zu retten. Wie im Theater spielt jeder Song vor einem anderen Hintergrund: Mal befindet man sich im Auge von Hurrikan "Katrina", dann liegt man einen Augenblick lang mit Öl verschmiert im Golf von Mexiko oder man steckt plötzlich in der Haut einer Teenagerin, die sich fragt, was sie in einer Welt verloren hat, in der sie aufgrund ihrer Ansichten permanent aneckt. So hört man im Verlauf der LP ganz viele unterschiedliche Stimmen: den gefallenen Soldaten, einen Geist, der diese Welt verlässt und zig offene Fragen zurücklässt. Es sind unsere Stimmen, die Stimmen von allen, die das Gefühl kennen, nicht mehr weiter zu wissen oder seiner Rechte beraubt worden zu sein. Von uns allen, die wir schon mal unser Herz an etwas gehängt haben und enttäuscht worden sind. Was den Sound der neuen Platte angeht, bin ich momentan noch viel zu dicht dran, um darüber sprechen zu können. Trotzdem muss ich sagen, dass ich mich während der Arbeit zwischenzeitlich sogar in die Anfangstage der Band zurückversetzt gefühlt habe, in jene Tage, als wir "Revolutions per minute" und "Siren song of the counter culture" aufgenommen haben, um jedoch gleich im nächsten Moment auf vollkommenem Neuland zu stehen, schließlich haben wir auch mit neuen Ansätzen und Sounds herumexperimentiert. Natürlich klingt das jetzt widersprüchlich, aber anders kann ich es momentan nicht ausdrücken. Es passiert einfach zu viel auf dieser Platte. Mehr will ich jetzt auch gar nicht verraten, schließlich haben wir "Endgame" für euch aufgenommen und nicht, damit ich darüber große Reden schwinge. Dazu kommt, dass die neue LP eigentlich erst dann zu einem Abschluss kommt, wenn wir die neuen Songs live in eurer Stadt präsentieren. Sparen wir uns die knallenden Sektkorken also bis dahin auf - wir sehen uns dann beim Konzert!
Tim McIlrath & Rise Against
von Oliver Kube (30.09.2008)Beinahe zehn Jahre gibt es die Melodic-Hardcore-Stars Rise Against nun schon. Im Februar 2009 wollen die Chicagoer ihren sechsten Longplayer "Appeal to reason" live in Deutschland vorstellen. Das EMP Magazin sprach vorab mit dem erst 28-jährigen Fron...
WeiterlesenBeinahe zehn Jahre gibt es die Melodic-Hardcore-Stars Rise Against nun schon. Im Februar 2009 wollen die Chicagoer ihren sechsten Longplayer "Appeal to reason" live in Deutschland vorstellen. Das EMP Magazin sprach vorab mit dem erst 28-jährigen Frontmann/Bandgründer Tim McIlrath über Entstehung und Hintergründe des Albums.
Die neue CD ist die abwechslungsreichste und vielfältigste die ihr bisher gemacht habt. Habt ihr euch mit dieser Prämisse an die Aufnahmen gemacht oder hat sich das erst vor Ort so ergeben?
Tim: "Beides irgendwie. Wir versuchen immer ein möglichst breites Spektrum abzuliefern, schon allein, damit es uns selbst nicht langweilig wird. Aber dieses Mal hatten wir wirklich eine besonders kreative Phase erwischt. Wir haben gut 30 Nummern geschrieben, und das, was jetzt auf der Scheibe gelandet ist, sind die 13 besten Stücke, die wir auf Lager hatten. Erst hinterher haben wir bemerkt, wie unterschiedlich und streckenweise gegensätzlich diese ausgefallen sind."
Ihr geht also nicht mit einem festen Plan und fertig ausarrangierten Songs ins Studio?
Tim: "Nein, jedes Lied kann sich vom Proberaum bis zur endgültigen Album-Version noch extrem ändern, was Tempo, Arrangement und manchmal sogar die Melodien und Texte angeht. Das macht die Aufnahmen auch für uns selbst sehr spannend."
Ihr habt nun schon zum dritten Mal mit Produzent Bill Stevenson kollaboriert. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihm?
Tim: "Wir sind mittlerweile ein bestens eingespieltes Team und dennoch gelingt es ihm immer wieder uns mit neuen, streckenweise sehr abseitigen, aber durchgehend interessanten Ideen zu überraschen.
Seid ihr als Kids große Fans von ihm gewesen? Schließlich hat er nicht nur als Drummer der Descendents und All, sondern auch mit den legendären Black Flag Punkrock-Geschichte geschrieben...
Tim: "Wir alle sind noch immer große Fans seiner Arbeiten. Das schöne und erfrischende an Bill ist aber, dass er nie den Star raushängen lässt. Sein Studio liegt in Fort Collins, einer kleineren Stadt am Fuße der Rocky Mountains in Colorado und nicht mitten in L.A., Chicago oder New York. Die Räume dort sind nicht, wie bei vielen Producern und Musikern üblich, mit Devotionalien seiner Vergangenheit gepflastert, sondern ganz schlicht und funktional eingerichtet. Hier kann man sich prima konzentrieren, was für uns neben seiner immensen Erfahrung und des Umstandes, dass er ein mehr als liebenswerter Typ ist, einer der Hauptgründe ist, immer wieder auf Bill zurückzukommen.