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By The Way lautet der Titel der achten Red Hot Chili Peppers Platte, die vor allem eins ist "business as usual". Die Red Hot Chili Peppers haben einfach ihren Stil gefunden und das hört man auch auf By The Way. Die Spielfreude mit der sie dabei ans Werk gehen, überträgt sich dabei auch auf den Hörer - By The Way macht einfach Lust auf mehr Peppers-Sound.
EMP Redaktion
von Marcel Anders(07/02)Die Truppe mit Anthony Kiedis, Flea, John Frusciante und Chad Smith ist einfach unberechenbar. Entweder macht sie mit gigantischen Flops wie dem 95er "One hot minute" von sich reden - oder sie landet mit "Blood, sugar, sex, magik" und "Californication" die Rock-Klassiker der 90er. Aber genau das macht sie so spannend. Denn mal ehrlich: Wer wollte nach den Erfahrungen der Vergangenheit ernsthaft prognostizieren, wie es um das Potential des aktuelle Epos "By the way" steht? Wird das Ganze ein Bestseller oder ein weiterer Reinfall? Denn: Beides ist möglich. Auf der einen Seite enthalten die 16 Tracks nämlich viel gewöhnungsbedürftiges Experimentieren, auf der anderen aber auch so geniale Uptempo-Nummern wie "Don't forget me", "The zephyr song", "Can't stop" oder die erste Single "By the way". Da sind die Peppers die genialen Funk-Rap-Rocker, die mit pumpendem Bass, treibenden Drums und verspielten Licks ihren klassischen Sound zelebrieren. Nämlich druckvoll, dynamisch, funky und explosiv - aber auch mit viel Harmonie und eingängigen Refrains. Was die betrifft ist "Can't stop" vielleicht noch ein größerer Ohrwurm als die erste Single.
Interview
von Oliver Kube (22.06.2011)"I'm with you" ist das zehnte Studioalbum der Red Hot Chili Peppers. Es ist das erste seit dem vor fünf Jahren veröffentlichten "Stadium arcadium", das erste seit dem erneuten Ausstieg von Gitarrist John Frusciante und das erste mit dessen Nachfolger...
Weiterlesen"I'm with you" ist das zehnte Studioalbum der Red Hot Chili Peppers. Es ist das erste seit dem vor fünf Jahren veröffentlichten "Stadium arcadium", das erste seit dem erneuten Ausstieg von Gitarrist John Frusciante und das erste mit dessen Nachfolger. Joshua Adam Klinghoffer wurde 1979 in Los Angeles geboren und ist seit seiner Kindheit ein Fan der Band. Seinen ersten direkten Kontakt mit den Alternative-Rocktitanen hatte er als 20-Jähriger. Damals spielte er mit seiner ersten professionellen Combo The Bicycle Thief eine US-Tour im Vorprogramm der Peppers. 2007 tourte er dann erstmals als (zweiter) Gitarrist und Keyboarder der Gruppe, um Frusciante auf der Bühne mehr Raum für Experimente und Improvisationen zu geben. Der hatte Klinghoffer selbst dazu geholt, nachdem die beiden bereits an zwei seiner Soloalben sowie einem gemeinsamen Longplayer mit Electronica gearbeitet hatten. Als Frusciante - nach seinem 1992er-Ausstieg und der Reunion im Jahre 1998 - zum zweiten Mal die Peppers verließ, standen die verbliebenen Mitglieder vor der Frage, ob sie Ersatz suchen oder die Gruppe auflösen sollten, mit der sie nicht nur das Gesicht der modernen Rockmusik so entscheidend mitgeprägt, sondern auch beinahe ihr gesamtes Erwachsenenleben verbracht hatten. Frontmann Anthony Kiedis sagte einem US-Magazin dazu Folgendes: "Wir hatten das Gefühl, dass wir noch nicht wirklich fertig waren und als Band noch einiges zu sagen haben. Allerdings nicht um jeden Preis und nur dann, wenn es uns gelingen würde, dies auf eine Art zu tun, die unserer Geschichte und unseren eigenen Qualitätsansprüchen gerecht werden würde." "Es gab einige interessante Konversationen", so Kiedis weiter. "Wir überlegten, ob wir jemand komplett Unbekannten suchen sollten, bis wir merkten, dass wir die perfekte Besetzung bereits direkt vor unserer Nase hatten." Klinghoffer, der schon mit Künstlern wie Beck, Gnarls Barkley, PJ Harvey und Tricky getourt, geschrieben und aufgenommen hatte, war die ideale Lösung. Die Musiker kannten ihn und seine Fähigkeiten. Außerdem wussten sie, was sie zwischenmenschlich erwarten würde. Für den jungen Gitarristen stellt die Aufgabe eine große Herausforderung dar, der er sich allerdings gewachsen fühlt: "Ich glaube, dass ich die nötige Erfahrung mitbringe", sagt er. "Es ist ja nicht so, als müsste ich mich groß umgewöhnen. Ich spiele einfach meine Musik mit Leuten, die ich seit Jahren kenne und bewundere". Kiedis bestätigt diese Einstellung: "Josh hat es drauf. Sein Beitrag zur Platte ist exakt der gleiche wie der aller anderen". Und in der Tat, neben Gitarre, Keyboards und Backingvocals, war Klinghoffer bei sämtlichen Stücken als Co-Komponist involviert. In Form von "I'm with you" werden die Fans das Ergebnis ab dem 26. August in Händen halten und es selbst im Kontext mit dem Rest der Diskografie beurteilen können. Fakt ist, dass die Kalifornier alles getan haben, um 14 Songs zu kreieren, die den Erwartungen gerecht werden.
Rückkehr der Spaß-Guerilla
von Marcel Anders (15.07.2002)Er ist Ende 30, ein millionenschwerer Rockstar und nächtigt in den exklusivsten Hotels der Welt. Doch Michael Peter Balzary, alias Flea ist immer noch ein Punk, der mit türkisfarbenen Haaren, löcherigem Pullover und zerschlissenen Jeans rumläuft - un...
WeiterlesenEr ist Ende 30, ein millionenschwerer Rockstar und nächtigt in den exklusivsten Hotels der Welt. Doch Michael Peter Balzary, alias Flea ist immer noch ein Punk, der mit türkisfarbenen Haaren, löcherigem Pullover und zerschlissenen Jeans rumläuft - und verstörte Blicke kassiert. Doch an die hat sich der Bassist der Red Hot Chili Peppers längst gewöhnt:
"Ich bin halt ein Unikat", lacht der alleinerziehende Vater einer 14-jährigen Tochter. "Und ich trage, was mir Spaß macht. Es ist mir egal, was die Leute denken. Genau so halte ich es mit der Musik."
Wo der Fall jedoch ganz anders liegt. Schließlich sind die Peppers mit 40 Millionen verkaufter Einheiten ihrer bisherigen sieben CDs die Könige des Alternative Rock - und daran wird sich mit der neuen, die auf den Namen "By the way" hört, auch nichts ändern. Denn Sänger Anthony Kiedis, Drummer Chad Smith, Gitarrist John Frusciante und Bassist Flea kultivieren genau das, was sie reich und berühmt machte - ein explosives Gebräu aus knackigem Funk-Rock und getragenen Balladen. Ein Sound, der ihnen 1991 mit "Blood, sugar, sex, magik" den internationalen Durchbruch bescherte und seither als Markenzeichen gilt."Wir haben unsere Nische gefunden", so Flea. "Aber dafür haben wir einen hohen Preis gezahlt."
Womit der Bassist auf die turbulenten '80er anspielt, als die Peppers eine von unzähligen Underground-Bands in der kalifornischen Musikszene waren, kein Geld, keine Perspektive und kein Publikum hatten, und einem ungesunden Lifestyle mit Alkohol und Drogen frönten."Das war eine Reaktion auf unsere verkorkste Karriere. Wir fühlten uns wie Underdogs - und die Drogen waren ein Weg, darüber hinwegzukommen."
Bis ihr Gitarrist Hillel Slovak an einer Überdosis starb. Seitdem schwören Flea und Co. auf Obst, Gemüse, frisches Wasser und Yoga."Ich fing mit Kundalini an und mache mittlerweile Astanga. Das dauert etwa eine Stunde - jeden Morgen nach dem Aufstehen."
Laut Flea die beste Art, um den Stress des Musikgeschäfts zu kompensieren - den Jetlag, den Druck der Plattenfirmen und den Fanatismus der Fans. Die nehmen inzwischen selbst die weiteste Anreise in Kauf, um zu den raren Gigs der Band zu pilgern. Zur Live-Präsentation von "By the way" spielten die Peppers etwa auf dem Dach eines Hamburger Parkdecks. Und das hat dem Bassisten so gut gefallen, dass es demnächst noch mehr ungewöhnliche Gigs geben soll."Ich liebe es, Musik zu machen, an der frischen Luft zu sein und in den Himmel zu gucken. Am liebsten würde ich an einem Fluss oder auf einem Berg spielen - aber ohne Zuschauer. Die machen alles kaputt. Ich wünschte, sie wären sich etwas bewusster, was sie da anstellen."
Was nicht nur naiv klingt, sondern auch ist. Aber Flea, der ein kunterbunt lackiertes Mercedes Cabrio fährt und am liebsten über das Universum und den Weltfrieden sinniert, ist tatsächlich ein bisschen abgedreht. Das äußert sich auch in seinem Nebenjob als Gelegenheitsschauspieler in Filmen wie "My Private Idaho" oder "The Big Lebowski"."Da habe ich einen durchgeknallten Deutschen gespielt", lacht Flea. "Und ich liebe die Cohen Brüder. Das sind die witzigsten Film-Leute, die ich je getroffen habe. Ich hoffe, ich werde in Zukunft noch öfter mit ihnen drehen."
Wozu es die nächsten Jahre aber kaum kommen dürfte. Denn die Peppers sind auf Welttournee um "By the way" zu promoten. Und wenn das Album nur halb so gut läuft, wie Experten voraussagen, ist die Nachfrage riesig."Das fürchte ich auch", lacht Flea.