Information
1988 liefen Prong noch unter Hardcore/Metal-Crossover. Heute würde man sie wohl zu den Königen des Nu Metal krönen. Das neue Album "Carved into stone" reicht durchaus an Klassiker wie "Beg to differ" oder "Force fed" heran.
EMP Redaktion
von Matthias Mader(06.03.2012)Prong sind bekanntlich die Erfinder des Nu Metal. Die Sache hat nur einen Haken: Als 1988 "Force fed" erschien, gab es diesen Begriff noch nicht. Dennoch wilderten Dekaden später Bands wie Korn, Limp Bizkit oder Slipknot völlig ungeniert in Tony Victors Gefilden. Sei's drum - Prong werden trotzdem immer einen Platz in meinem Herzen haben. Und nach dem Wechsel zu SPV war es nun auch wieder Zeit für ein neues Album. "Carved into stone" heißt der Monolith und natürlich drängt sich die Frage auf, ob die elf Stücke wirklich für die Ewigkeit geschaffen sind (wie es der Albumtitel anzudeuten vermag)? Ich für meinen Teil kann das nur bejahen. "Eternal heat" oder "Keep on living in pain" sind keinen Deut schlechter als etwa "Beg to differ" oder "Unconditional". Prong sind aber keineswegs der Nostalgie verfallen. Sie haben sich lediglich auf ihre ureigenen Stärken zurückbesonnen. Victors Songwriting mit den vielen Stop-And-Go-Parts, Killer-Riffs und düsteren Vocals ist immer noch eine Klasse für sich. Prong sind eben einfach größer als Nu Metal oder andere kurzlebige Trends!
Interview
In Stein gemeißelt
von Matthias Mader (01.03.2012)Es war der 11. Februar 1989. An diesem Tag sah ich Prong zum ersten Mal live. Im völlig überfüllten Ecstasy-Club im Berliner Schmuddelbezirk Schöneberg. Die Band nächtigte gleich um die Ecke in einem mehr als zwielichtigen Stundenhotel. Ihr Auftritt ...
WeiterlesenEs war der 11. Februar 1989. An diesem Tag sah ich Prong zum ersten Mal live. Im völlig überfüllten Ecstasy-Club im Berliner Schmuddelbezirk Schöneberg. Die Band nächtigte gleich um die Ecke in einem mehr als zwielichtigen Stundenhotel. Ihr Auftritt war legendär. "Primitive origins" sowie der Longplayer "Force fed" waren zu jenem Zeitpunkt die einzigen beiden erhältlichen Tonträger der New Yorker Kultcombo. Viel Zeit ist seitdem vergangen. Prong gibt es immer noch (oder besser gesagt wieder). Und Tommy Victor ist für mich immer noch ein verkanntes Genie. Nu Metal kam und ging. Fear Factory, Machine Head, Nine Inch Nails, White Zombie, Korn, Limp Bizkit, Slipknot - alle haben sich (bewusst oder unbewusst) bei Prong bedient. Victor selbst ereilte Anfang der 2000er eine Sinnkrise. Er schloss sich Ministry und Danzig an. Doch mittlerweile sind die einzigartigen Prong wieder zurück in der Spur. Mit einem neuen Album namens "Carved into stone". Ein Plattentitel wie ein Monolith. In Stein gemeißelte Lebensauffassung. More than just music! "Ja, darauf ist der Titel in der Tat eine kleine Andeutung", holt Tommy Victor ein wenig aus. "Ich glaube, dass unser neues Album die Seligsprechung durch die Rockgötter erhalten hat." Wurde ja auch langsam Zeit, denn laut Aussage des Prong-Chefs ist seine Band "zur Langlebigkeit verdammt", will sagen, Prong waren der Konkurrenz schon immer (mehr als) einen Schritt voraus: ",Snap your fingers, snap your neck' hat damals einen kleinen Trend gesetzt. Und ich bin wirklich froh, dass viele meiner Kompositionen die Jahre überdauert haben. Der Schritt hin zu ,Beg to differ' war damals eine bewusste Entscheidung. Wir ahnten, in welche Richtung sich Metal und Hardcore entwickeln würden und haben daraus unsere Schlüsse gezogen. Das war ein massiver Einschnitt. Aber am Ende geht es wirklich nur um die Songs. Wenn man einen guten Song schreibt, dann ist der für die Ewigkeit - egal wo er stilistisch angesiedelt ist. Ich habe kürzlich einen Typen gesehen, der Reggae-Adaptionen von Tom Petty und AC/DC gebracht hat. Und die Kompositionen haben immer noch funktioniert." Gut, d'accord! Aber wie viel "Beg to differ" steckt denn nun wirklich in "Carved into stone"? "Sehr viel", gibt Tommy Victor zu Protokoll. "Aber es ist quasi ,Beg to differ' mit dem Verstärker auf 11 gedreht. Der Powertrio-Vibe ist klar zu spüren, doch die Drumparts sind wesentlich intensiver. Ich muss nochmal auf den massiven Einschnitt zu ,Beg to differ' zurückkommen. Hätten wir damals nicht reagiert, würde ich heute nicht deine Fragen beantworten. Prong wären wie zahllose andere Hardcore- und Post-Industrial-Bands den Bach hinuntergegangen. Als ,Beg to differ' erschien, haben die Presse und die Fans es in der Luft zerrissen. Wie konnte eine Hardcore-Band wie Prong nur plötzlich so ein Album herausbringen? Nun, die Songs waren gut, das Album hat einige Barrieren niedergerissen und später haben das die Leute auch kapiert. Dasselbe passierte mit ,Cleansing' und mit ,Rude awakening', das zum Erscheinungszeitpunkt auch jeder gehasst hat. Es hat fünf lange Jahre gedauert bis jemand zu mir kam und sagte: ,Oh, mein Gott, diese Platte hat so viel verändert, bla, bla, bla.'" Nun, hoffentlich wird es nicht wieder fünf Jahre dauern, bis die Hörer dort draußen "Carved into stone" verstehen ...
Ein New Yorker in L.A.
von Oliver Kube (18.09.2007)Zuletzt machte Prong-Sänger und -Gitarrist Tommy Victor zumeist als Mitglied von Ministry von sich reden. Sofort im Anschluss an deren Abschiedsalbum "The last sucker" wurde allerdings auch das neue Werk seiner eigenen Band eingespielt ...
Hallo Tom...
WeiterlesenZuletzt machte Prong-Sänger und -Gitarrist Tommy Victor zumeist als Mitglied von Ministry von sich reden. Sofort im Anschluss an deren Abschiedsalbum "The last sucker" wurde allerdings auch das neue Werk seiner eigenen Band eingespielt ...
Hallo Tommy, du hast sowohl am neuen Ministry- als auch am Prong-Longplayer in Al Jourgensens Privatstudio vor den Toren El Pasos gearbeitet. Bist du mittlerweile selbst nach Texas umgezogen, oder wohnst du noch immer in Los Angeles? "Ich lebe weiterhin mitten in Hollywood, obwohl es zuletzt tatsächlich klüger gewesen wäre -zumindest zeitweise - umzusiedeln. Ich habe mich aber mittlerweile so sehr an Kalifornien gewöhnt, dass ich hier wohl nicht mehr wegziehen werde." Und das sagt ein waschechter New Yorker? "Ja Mann (lacht), das hätte ich mir als junger Typ sicher auch nicht träumen lassen. Für einen New Yorker ist L.A. im Grunde so ziemlich der letzte Platz, an dem er tot überm Zaun hängen möchte. Ich wohne allerdings auch in L.A., weil dort die Musiker-Szene viel größer und vielschichtiger ist. Und nicht zuletzt bin ich hier, weil ich so meine Tochter, die bei ihrer Mutter in Arizona lebt, viel näher bin." Prong veröffentlichen neuerdings auf Al Jourgensens eigenem 13th Planet-Label. Al gilt ja als Kontroll-Freak und als nicht zu bremsen, was seinen Enthusiasmus angeht. Wie oft war er im Studio und hat Änderungen verlangt oder sogar selbst vorgenommen? "Davor hatte ich zunächst wirklich Angst. Aber Al hat sich total herausgehalten und uns sowohl beim Komponieren als auch im Studio freie Hand gelassen. Er sagte: ,Du bist Prong und weißt am besten, wie die Band klingen sollte.' Das fand ich großartig. Nur bei seinem Lieblingssong ,The banishment' wollte er unbedingt dabei sein. Damit hatte ich natürlich kein Problem!" Das neue Album ist deutlich näher an den Sound der klassischen Prong-Werke aus den '80ern und '90ern angelehnt, als "Scorpio rising" - euer Comeback von 2003 - es war. War das eine bewusste Entscheidung? "Ja und nein. ,Scorpio rising' ist erst in letzter Sekunde ein Prong-Album geworden. Die Band ruhte zu dieser Zeit; und ich war nicht einmal sicher, ob es sie überhaupt jemals wieder geben würde. Die darauf enthaltenen Songs hatte ich teilweise für Leute, mit denen ich arbeitete, wie Glenn Danzig, Marilyn Manson und Rob Zombie geschrieben. Aber alle möglichen Typen quatschten auf mich ein, boten mir Geld für eine neue Prong-CD. Und ich ließ mich leider dazu überreden. Die Platte war wirklich nicht schlecht, aber eben nicht das, was die Fans - und schon gar nicht ich selbst - von Prong erwarteten. ,Power of the damager' hingegen ist nun exakt das, wofür die Band immer gestanden hat - vielleicht mit einem etwas moderneren Touch versehen. Ich bin extrem happy mit dem Resultat unserer Arbeit."