Primordial Sprachrohr und Poet Alan hat sich nicht geirrt, der Sturm vor der Ruhe - vielleicht der endgültigen der Gattung Mensch - hält nicht nur an, er hat noch an Stärke gewonnen. Somit war "Storm before calm" ein nicht zu hoch gegriffener, prophe...
Primordial Sprachrohr und Poet Alan hat sich nicht geirrt, der Sturm vor der Ruhe - vielleicht der endgültigen der Gattung Mensch - hält nicht nur an, er hat noch an Stärke gewonnen. Somit war "Storm before calm" ein nicht zu hoch gegriffener, prophetischer Albumtitel. Mit dem Erschaffen neuen Materials haben sich die Iren die benötigte Zeit gelassen und ganz nebenbei noch den Wechsel zum Traditionsstall Metal Blade vollzogen, für den sie nunmehr mit "The gathering wilderness" ihren Einstand zelebrieren. Kaum jemand lebt Heavy Metal in seinen vielen Facetten so konsequent wie Alan, und somit ist dem passionierten Sänger natürlich Skyclads "Tracks from the wilderness" ein Begriff. Wenngleich er die Nachbarn von der größeren Insel nicht als direkten Einfluss für Primordial benennt, so sieht er dennoch die geistige Verbindung zum intellektuellen Heidentum jener Band, welches vor allem von ihrem Gründer Martin Walkyier geprägt wurde."Ich habe seine alte Band Sabbat 1989 in Dublin gesehen, was mich enorm beeindruckt hat. Zuvor traten alle mir bekannten Bands in Jeans und Shirts auf, sangen über Kriege und den Treibhauseffekt, und plötzlich war da eine Gruppe im traditionellen, aber nicht zu dick aufgetragenem Metal Image, die über kulturelle Themen sowie Paganismus gesungen hat, und das gerade für eine Thrash Band auf einem intelligenten Niveau. Auch wenn z.B. Bathory wesentlich wichtiger für uns alle waren, gehören Sabbat definitiv zu dem Stilgebräu, aus dem wir unsere Inspirationen ziehen. Skyclad selbst habe ich nur die ersten beiden Alben lang verfolgt, wobei ich 1992 auch einem Gig von ihnen beigewohnt habe, der ebenfalls großartig war. Ich respektiere und bewundere Martins Energie und die Verbundenheit mit seinen Glaubensinhalten. Allerdings habe ich ihn nur kurz persönlich getroffen und diese Themen nicht detailliert mit ihm diskutiert. Generell denke ich, wir brauchen intelligente Persönlichkeiten im Metal, die etwas zu sagen haben, und dazu gehört er. Der Albumtitel von uns bezieht sich auf Entfremdung, Verzweiflung. Einen verzweifelten Kampf gegen alle möglichen Widerstände. 'Wilderness' wächst in aller Menschen Herzen, wir leben in einem sehr dunklen Zeitalter. Tatsächlich erscheint die Erde ein finstererer und noch mehr zu Verzweiflung hinreißender Planet zu sein, als ohnehin zu Zeiten unseres letzten Albums. Man muss erfahren, dass man seiner persönlichen Freiheiten beraubt wurde, die eigene Kultur verkauft und die eigene Geschichte umgeschrieben wird, ohne das man viel dagegen unternehmen kann. 'The gathering wilderness' handelt von dieser Verzweiflung angesichts dieser sich in Massenproduktion ergehenden, wurzellosen Welt."
Jene in jedem von uns enthaltenen Wurzeln freizulegen und zu pflegen ist am Beispiel der eigenen kulturellen Bande das Anliegen von Primordial, und so halten sie fest an einem Sound, der einerseits untrüglich auf ihre Heimat verweist, andererseits durch und durch individuell in seiner Ausgestaltung ist. Obwohl an wüsten, Adrenalin durch den Körper des Hörers schießenden Passagen gespart wurde, ist die eigene Identität eindeutig.
"Alle Songs sind neueren Datums. Es war ein sehr schnelles Stück in Arbeit, aber während der Aufnahmen konnten wir die einzeln komponierten Teile nicht stimmig zusammenfügen, also haben wir die Vervollständigung vertagt. Jedes unserer Alben ist eine andere Reise, aber sie alle sind Teil der selben Saga. Wie Kapitel eines Buches. Bei uns gibt es keine Mitsing-Refrains in kurzen, knackigen Songs mit gängigen Mittelparts oder Soli, wir spielen eine Form von Metal, die keine andere Band für sich beansprucht. Dabei hatten wir schon immer diesen hypnotischen, tranceähnlichen Mantra Ansatz. Bei Primordial werden keine Riffs aneinander geklatscht. Ein Song ist wie eine durchgehende Bewegung, ein dramatisches Thema. Wir geben nicht vor, eine easy listening Band zu sein; so viel Musik ist heute nur dazu gedacht, schnell ins Ohr zu gehen. Wir spielen Musik, weil wir es einfach müssen, es liegt uns im Blut, ist Teil unserer Kultur und Geschichte."
Bathory wurden als Labsal bereits genannt, und in der Tat gibt es noch mehr Anknüpfpunkte an die Philosophie von Quorthon als zuvor. Da wäre zum einen der veränderte, weitaus rohere und weniger kristallene Sound, der die aktuelle Produktion in die Nähe von "Hammerheart" rückt und zum anderen Alans eindringliche Stimme, die im eigentlichen Sinne nach gängigen Maßstäben sicher keinen schönen Gesang bietet, dafür aber originell, eigenständig und von immenser Ausdruckskraft ist.
"Haha, vorsichtig! Es geht darum, zu meinen, was man singt und zu singen, was man meint. Man muss in diesen Songs leben, um ihre Atmosphäre zu ergründen. So viele Bands scheinen über nichts zu singen, ich wundere mich, woraus sie im Studio Inspiration ziehen. Bei mir soll jedes Wort so klingen, als könnte es mein letztes sein. Es war unsere Idee, von Triggern und Kompressoren bewusst Abstand zu nehmen und dadurch einen roheren, schwereren und old schooligeren Klang zu erreichen. Alle bewegenden epischen Alben haben diese eigenwillige Persönlichkeit, nimm dein Beispiel, 'Into glory ride' oder 'Epicus doomicus metallicus'. Echte Instrumente, die sich nicht hinter Technik verstecken. Dieses Gefühl wollten wir auch vermitteln."
Womit sich Alans Tipp an alle DJs, in welcher Gesellschaft er seine eigenen Tracks gerne antreffen würde, fast schon von selbst ergibt.
"Man kann sich im angedunkelten Zimmer zurücklegen und unserer Musik lauschen, sich aber auch in einem Headbanging Anfall dazu bewegen. Der neue Opener 'The golden spiral' oder das Titelstück wären die besten Kandidaten, von unserem alten Material hat sich 'Gods to the godless' als Hymne hervorgetan, speziell in Deutschland. Am besten untergebracht wären die Stücke irgendwo zwischen 'A fine day to die' von Bathory, 'Black stone wielder' von Candlemass, dem Manowar Opus 'Battle hymns' und 'The opposite bank' von Rotting Christ, nicht zu vergessen Thin Lizzys 'Emerald'."