Auf Primal Fear ist Verlass. Wie ein präzises Uhrwerk liefern die Schwaben um Mat Sinner brillante Scheiben ab. Mit "Seven seals" steht ihr sechstes Langeisen in den Startlöchern um der Metalwelt zu zeigen wo der Hammer hängt. Die Messlatte wurde dur...
Auf Primal Fear ist Verlass. Wie ein präzises Uhrwerk liefern die Schwaben um Mat Sinner brillante Scheiben ab. Mit "Seven seals" steht ihr sechstes Langeisen in den Startlöchern um der Metalwelt zu zeigen wo der Hammer hängt. Die Messlatte wurde durch die Vorgängeralben sehr hoch gelegt, aber Primal Fear wären nicht Primal Fear wenn sie nicht noch zu einer weiteren Steigerung fähig wären. "Seven seals" ist ein überraschendes, ein unerwartetes, ein höllisch vielseitiges Metalbrett geworden. Um mehr über diesen tonnenschweren Klassiker zu erfahren klingelten wir bei Mat Sinner durch.
Mat, "Seven seals", das neue Album, wurde in Deutschland aufgenommen, aber in Vancouver/Kanada von Mike Fraser (AC/DC, Metallica, Coverdale/Page, Slipknot, etc.) gemixt. Was waren die Beweggründe auf Mike Fraser in Kanada zurückzugreifen, der sicherlich nicht gerade billig ist?
"Wir wollten diesmal wirklich viele Dinge radikal ändern, die sich in der Vergangenheit zum Selbstläufer entwickelt hatten. Ein ganz wichtiger Faktor für uns war, dass wir zum Mix jemanden verpflichten, der unser vollstes Vertrauen hat und nicht aus der typischen europäischen Metalecke kommt. Wir haben mit sechs bekannteren Mischern der USA und Kanada verhandelt und konnten uns schließlich mit Mike Fraser auf einen zeitlich und finanziell halbwegs erträglichen Deal einigen. Dazu kommt, dass Mike vorzugsweise in Vancouver arbeitet und dies Randy Black's (Primal Fear Drummer) Heimatstadt ist. Bryan Adams Warehouse Studio ist weltweit eines der absoluten Topstudios. Alles was Fraser in der Vergangenheit angepackt hat, klang Top und dass dies unsere teuerste Produktion wird, war uns natürlich von vornherein klar. Aber diesmal wollten wir einfach andere Wege gehen und waren auch bereit zu investieren. Vom ersten Ton der Pre-Production zum finalen Produkt!"
"Seven seals" klingt überraschend anders und doch sind die Primal Fear Trademarks konstant präsent. Man hat sich deutlich von der Härte des Vorgängers "Devil's ground" gelöst und mehr Groove und Melodie mit eingebracht. Wie kam es zu diesem Wandel?
"Das war unser Focus von Beginn an. Keiner in der Band wollte ,Devil's ground' Part 2 aufnehmen, sondern wir wollten diesmal die Messlatte und unsere musikalischen Ambitionen von Anfang an höher legen. Wir haben schon das Songwriting anders angepackt, mit ganz anderen kreativen Zielen. Wir haben viel mehr Musik in die einzelnen Songs gepackt und es war uns einfach egal ob ein Song nun drei oder neun Minuten lang ist, Hauptsache der Song ist interessant und verlangt uns alles ab! Wir haben verstärkt mit orchestralen Parts gearbeitet. Randy konnte sich an den Drums viel mehr in die Songs einbringen und hat sehr viele variable, für das Endergebnis wichtige, Drum-Arrangements angeboten. Natürlich spielt auch eine Rolle, dass wir mit einem komplett neuen Team gearbeitet haben welches optimal aufgestellt war. Ich habe diesmal mit Charlie Bauerfeind co-produziert. Charlie hat einen Mörderjob abgeliefert, war wirklich sehr kooperativ und hat unsere Vision auch unterstützt. ,Seven seals' sollte auch keine Platte werden, die man nach dem ersten hören komplett kapiert hat und in den Schrank packt. Wir wollten eine Platte produzieren, die auch beim zehnten Mal hören noch interessant ist."
Ralf Scheepers singt wesentlich variabler, nicht mehr so Judas Priest-orientiert. Er wirkt richtig entspannt. Worauf ist das zurückzuführen?
"Schön, dass Du das sagst. Ralf hat wohl noch nie im Studio so hart gearbeitet wie an ,Seven seals' und die ganzen Vergleiche mit Priest saugen auf Dauer. Klar wird er immer eine vergleichbare Stimme wie Rob haben, und das ist ja grundsätzlich ein Kompliment, aber die Musik der Bands ist jetzt fast nicht mehr miteinander vergleichbar. Ich habe diesmal mit Ralf noch intensiver an den Songs gearbeitet weil der Tiefgang der Songs auch einfach mehr Atmosphäre und Flexibilität erforderte, als auf den Platten zuvor. Insgesamt konnte ich auch meinen Teil dazu beigetragen und habe hier und da einen Part selbst gesungen, bzw. mit Ralf zusammen gesungen, was sicherlich auch dazu beiträgt, dass die Vocals noch abwechslungsreicher klingen. Aber Hut ab, was Ralf auf der Platte gesungen hat, ist eine absolute Top-Performance, die viele Fans positiv überraschen wird!"
Mit "Evil spell" gibt es die volle Attacke, wogegen man mit dem Titeltrack eine wunderbare Halbballade ins Rennen schickt. Auch der Rauswerfer "In memory" ist eher ruhiger ausgefallen. Gab es einen Masterplan wie das komplette Album in seiner Gesamtheit zu klingen hat?
"Wir hatten weit über 20 Songs komponiert und dann immer wieder gefiltert. Aufgenommen haben wir dann zwölf Songs und gemeinsam entschieden, welche zehn Songs letztendlich auf das Album kommen und im Gesamtbild am besten die Produktion ,Seven seals' repräsentieren. Für mich hatte Priorität, dass wir mit diesem Album nicht auf der Stelle treten, sondern Primal Fear runderneuern. Das Album klingt frisch, powervoll und positiv anders als die Vorgänger, ohne die Identität zu verlieren. Wir haben viele neue Elemente in der Musik und haben uns mutig nach vorn bewegt. Wir haben vom bislang schnellsten Primal Fear Song bis zur melancholischen Ballade das gesamte Spektrum des Metals auf die Platte gepackt. Dazu haben unsere zwei Soundpartner ihre Visionen so in die Produktion integriert, dass es uns optimal getunt hat, ohne die Band grundlegend zu verändern. Du kannst erahnen, dass wir mehr als rundum zufrieden mit unserem Werk und Schaffen sind."
Wenn mich nicht alles täuscht ist "Question of honour" doch ein älterer Sinner Song, oder? Wer kam auf die Idee diesen Song zu covern? Verbindet dich mit diesem Song eine bestimmte Erinnerung?
"Der Song passt optimal zu Ralf's Stimme und zur Gesamtatmosphäre von ,Seven seals'. Dazu ist der Song bei Sinner ein wenig untergegangen, weil wir zu wenig Live gespielt haben. Jetzt wird der Song sicherlich auch auf der Bühne seine Position in unserem Set bekommen und es ist nach wie vor einer der besten Songs die ich zusammen mit Tom Naumann geschrieben habe."
Zum Filmstart von "Doom" und dem Release des neuen Primal Fear Albums kommt es zu einer großen Verlosungsaktion auf eurer Homepage. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
"Nuclear Blast hat eine sehr rege und kompetente Pluggerin in Berlin, die uns die Coop vorgeschlagen hat. ,Doom' ist eines der bekanntesten Games und der Film wird sicherlich ultrafett werden. ,Doom vs. Primal Fear' mit ,Seven seals' passt doch auch vom Thema perfekt zusammen. Heutzutage muss man wirklich schauen, dass man alle effektiven Promo-Tools zieht, um auch an ein möglichst großes Publikum heranzukommen. Für mich ist z.B. unser Titelsong ,Seven seals' auch nicht unbedingt ein purer Metalsong, sondern ein Titel, der wirklich allen Rockfans gefallen kann und sogar für Gothic Fans ein Thema sein könnte. Deswegen müssen diese Leute auch die Möglichkeit bekommen, den Track überhaupt mal zu hören und das ist nicht nur auf Deutschland oder Europa beschränkt, sondern gilt für die ganze Welt!"
Das neue Album wird es noch als Limited Edition mit Bonustracks und ultrafetter Aufmachung geben und Primal Fear werden im Dezember 2005 und Januar 2006 mit Helloween Europas Bühnen beackern. So watch out!