EMP Redaktion
von Björn Thorsten Jaschinski(28.03.2009)Die Wölfe haben sich alleine durch die Qualität ihrer Bühnenshows und ihre, im traditionellen Metal kaum mehr mögliche, Originalität innerhalb weniger Jahre zu einer der wichtigsten deutschen Bands entwickelt. Da könnten Teile der albernen Gründungslegende eigentlich abgestoßen werden. Durch die Choräle und das Einbinden von kirchenorgelähnlichen Keyboards, haftet ihrem Stil etwas feierlich sakrales an, welches im kultig gereimten "Raise your fist, Evangelist" (eins von vielen vorzüglichen Wortspielen voller Querverweise) noch besser als in der Vergangenheit zum Tragen kommt. Die Sabaton-Vergleiche in den Strophen fallen dadurch gar nicht so stark ins Gewicht und der befremdliche Dschingis Kahn-Anstrich (nicht nur von "Moscow after dark") ist dank Attila Dorns theatralischem Gesang nicht zu penetrant. Auch bei flockigen Up-Tempo-Nummern, wie z. B. "Panic in the pentagram" mit seinen göttlichen Harmonien, brillieren die Saarländer mit dem Schalk im Nacken. Niveau- und Humorvoll!
Interview

Wächter des sakralen Stahls
von Markus Wosgien (16.05.2013)Powerwolf ist die Heavy Metal Band der Stunde - Punkt. Wer gedacht hat, dass mit dem gefeierten Opus "Blood of the saints" der Zenith bereits erreicht wäre, der wird mit dem neuen Geniestreich "Preachers of the night" eines Besseren belehrt: Hier rei...
WeiterlesenPowerwolf ist die Heavy Metal Band der Stunde - Punkt. Wer gedacht hat, dass mit dem gefeierten Opus "Blood of the saints" der Zenith bereits erreicht wäre, der wird mit dem neuen Geniestreich "Preachers of the night" eines Besseren belehrt: Hier reiht sich Hit an Hit, Hymne an Hymne - und der Suchtfaktor steigt nahezu ins Unermessliche. "Wie ein guter Wein, so reifen auch wir mit den Jahren", eröffnet Gitarrist und Leitwolf Matthew Greywolf schmunzelnd das Gespräch, der sich der Klasse seines jüngsten Sprösslings durchaus bewusst ist. "Es hat einfach ein Rädchen ins andere gegriffen. Angefangen vom Songwriting, über die Choraufnahmen - übrigens in der ältesten Kirche Saarbrückens - bis hin zum Mix in Schweden bei Mr. Fredman." Der Erfolgsdruck und die hohen Erwartungen waren den Musikern durchaus bewusst, dominanter jedoch war der Anspruch, den die Wölfe an sich selbst stellten. "Das Entscheidende ist, gute Songs zu schreiben", erklärt Organist Falk Maria Schlegel nüchtern. Als erster Track wurde "Amen and attack" komponiert und legt somit die Marschrichtung der gesamten Scheibe vor, die von Schlegel mit den Worten "schneller, härter und noch mehr Metal" kernig umschrieben wird. "Wir haben direkt am Tag nach unserer letzten Show mit dem Songwirting begonnen, denn wir wollten das Live-Feeling, das Raue und Unbändige auf Platte bannen. Ich bin überzeugt, dass uns das gelungen ist!" Auf die Frage nach der Hauptinspirationsquelle, kommt es bei Saitenhexer Greywolf wie aus der Pistole geschossen: "Die Bibel, denn diese ist böser als jeder Horrorfilm. Im Ernst; wir sehen uns als Berichterstatter über religiöse Ereignisse und Sachverhalte. Da hat der persönliche Glaube des Einzelnen eher weniger Einfluss. Dieses Mal waren es die Kreuzzüge, die es uns angetan haben. Wir bleiben dabei wertfrei, aber was im Namen des Kreuzes an Unheil über die Menschheit gebracht wurde, ist kaum in Worte zu fassen. Dennoch versuchen wir es auf ,Preachers of the night'." Dies gelingt dem Quintett mit Bravour und hinterlässt nachhaltig Eindruck. Dabei gehen Lyrik und Musik Hand in Hand, angetrieben von der sakralen Opulenz ihres komplexen Sounds. "Faszinierend ist einfach der geschichtliche Aspekt im Zusammenhang mit Religion. Es ist unfassbar, wie teilweise unter dem Deckmantel des Guten großes Unheil über die Menschheit gebracht wurde." Als Ohrwurm und garantierte Live-Hymne entpuppt sich das komplett in Deutsch gesungene "Kreuzfeuer". "Den Refrain hatte ich schon sehr lange im Kopf und während mir die Melodie einfiel, schoss mir der Titel "Kreuzfeuer" durch die Gedanken. Dieser Song braucht einfach die kantige deutsche Sprache; auch wenn wir von deutschen Texten wirklich kein Fan sind, doch er funktioniert mit seiner Härte und Kraft nur so." Ebenso mischen sich abermals lateinische Phrasen ins sakrale Gesamtkunstwerk. "Ich habe das große Latinum", verrät der Organist lächelnd, "doch wer hätte gedacht, wie nützlich das später mal sein kann? Aus der Schulzeit hat sich der Spruch ,Cuius regio eius religio' in mein Gehirn gebrannt. Das bedeutet soviel wie: ,Wessen Gebiet es ist, der bestimmt die Religion'. Jetzt übertrage das mal auf unser Leitmotiv; ,Metal is religion'..."
Das Blut Jesu und seiner Märtyrer
von Markus Wosgien (14.06.2011)Es war eine Passage aus der Offenbarung des Johannes, die Powerwolf den Anstoß dazu gaben, über das Blut der Heiligen zu schreiben. Eine kontroverse Erzählung, die jeher für Zündstoff sorgte und bei den Wölfen bestens aufgehoben ist. "Blood of the sa...
WeiterlesenEs war eine Passage aus der Offenbarung des Johannes, die Powerwolf den Anstoß dazu gaben, über das Blut der Heiligen zu schreiben. Eine kontroverse Erzählung, die jeher für Zündstoff sorgte und bei den Wölfen bestens aufgehoben ist. "Blood of the saints" ist ihr nunmehr viertes Album und unter Garantie der endgültige Durchbruch jener faszinierenden Formation. Trotz der immer aufwändigeren Produktionen in unterschiedlichen Studios, mit Chören und viel Liebe zum Detail, gehen Powerwolf auf ihrem neuen Opus ein Stück zurück und vermeiden zu viel Pathos und Bombast. "Unsere vorige LP ,Bible of the beast' war ein sehr starkes Album", beginnt Gitarrist Matthew Greywolf zu Beginn, "aber es hat den Hörer mit all seinem Bombast teilweise erschlagen. Mittlerweile haben wir gelernt, die verschiedenen Elemente - wie den Kirchenchor oder Orchestrierungen - wesentlich gezielter und effektiver einzusetzen. Auf ,Blood of the saint' sind diese zwar nach wie vor vorhanden, aber wir benutzen sie nicht permanent. Dadurch wirkt das Ergebnis viel dynamischer und spannender. Wenn du ständig einen Chor hörst, verliert er an Effekt. Auf ,Blood of the saints' gibt es beides, opulente Arrangements, aber auch viele straighte Abschnitte, die ohne jeden Bombast auskommen und das in den Vordergrund stellen, was wir sind: eine Metalband." Der Vorgänger "Bible of the beast" knackte erstmalig die deutschen Albumcharts auf einem respektablen 76. Platz. Doch von Druck will der Gitarrist nichts wissen, "schließlich entsteht der Druck alleine dadurch, dass man als Künstler bestrebt ist, ein noch besseres Werk aufzunehmen. Das ist der Anspruch, den wir an uns selbst haben und den wir unseren Fans schuldig sind. In den Charts zu sein ist toll und zeigt, dass der Wolf ein immer größeres Gefolge hat, aber in dem Moment, in dem du einen Song schreibst, denkst du nicht an einen Charteinstieg. Alles was dann zählt, ist die Nummer selbst! Wenn wir spüren, dass das Stück, das wir gerade schreiben, auf der Bühne ein Kracher sein wird und es kaum erwarten können, dieses endlich live zu spielen, dann wissen wir, dass er auf das Album gehört und unserem Anspruch gerecht wird." Greywolf ist überzeugt und hörbar stolz auf sein jüngstes Wolfsbaby. "Es gibt viele eingängige, hymnische Songs; es gibt viele coole old school-Parts, die einfach Spaß machen und wir haben erneut mit der Kirchenorgel und dem 40-köpfigen klassischen Chor Elemente auf der CD, die den typischen Powerwolf-Sound ausmachen. Wir zelebrieren mittlerweile unseren ganz eigenen Stil - dem sind wir einerseits treu geblieben, haben uns aber trotzdem mehr denn je innerhalb unseres Sounds ausgetobt. Dadurch klingt es sehr ehrlich, variabel und natürlich. Die Zeiten, in denen alles lauter, härter, größer und weiter klingen musste sind vorbei. Ich will eine echte Band erleben, wenn ich mir ein Album anhöre - und das ist bei ,Blood of the saints' der Fall." Ein grandioser Longplayer, magisch hypnotisierend wie der Blick in die Augen eines Wolfes. "Der Wolf verkörpert den Heavy Metal wie kein zweites Lebewesen; er ist wild, gefährlich, mystisch und nicht zu zähmen. Ein Wolf ist ein Außenseiter, aber immer erhaben und stolz. All das charakterisiert für mich die Musik, die wir alle lieben und leben: den Heavy Metal."
Wolfszeit
von Björn Thorsten Jaschinski (02.04.2007)Statt nach "Return in bloodred" mit einer weiteren Vampir-Geschichte daher zu kommen, haben Powerwolf ihren Taufpaten in den Mittelpunkt gestellt - und vertreten anders als andere wölfische Metal-Bands eine pro-christliche Position. Mit dem "Tiger of...
WeiterlesenStatt nach "Return in bloodred" mit einer weiteren Vampir-Geschichte daher zu kommen, haben Powerwolf ihren Taufpaten in den Mittelpunkt gestellt - und vertreten anders als andere wölfische Metal-Bands eine pro-christliche Position. Mit dem "Tiger of Sabrod" huldigen die deutschen Power-Metaller dem 1904 in Hoyerswerda erschossenen, vorerst letzten heimischen Wolf: Er erwacht des Nachts von den Toten und nimmt schreckliche Rache an seinen Jägern. "Der Song symbolisiert im Albumkontext die Auferstehung", beginnt Gitarrist Matthew Greywolf seine Ausführungen. "Für Attila ist der Wolf ein Symbol von Stolz und der Macht der Natur. In Rumänien sieht man ihn nicht als Feind - außer er reißt das Vieh." Attila Dorn stellt in seinen Texten immer wieder religiöse Analogien auf. Trotzdem ist der neue Albumtitel "Lupus dei" keine Anspielung auf den konservativen katholischen Orden "Opus dei". "Der Wolf hadert mit Gott und dem Teufel, um am Ende im Titelsong zu erkennen, dass er ein Werkzeug Gottes ist. Der Wolf bekommt seine Macht von Gott im Gebet - und genau dies ist auf dem Cover visualisiert. Wir haben sehr viel Wert auf genau dieses Bild gelegt, und mit Niklas Sundin sehr detailliert über das Konzept gesprochen, um genau diesen Ausdruck hin zu bekommen." Die vermeintliche Beschimpfung der Gottesgebärerin Maria hat ernste Hintergründe. " In ,Mother Mary is a bird of prey' erkennt der Wolf die weitverbreitete Götzenverehrung vieler Religionen. Der Titel entstand durch den Spruch ,Ich hau dir eine, dass du denkst die Mutter Gottes ist ein Greifvogel', der bei uns weit verbreitet ist." Die Vergleiche mit Dream Evils Klischeedichte bei der Huldigung des Heavy Metals stören Mathew nicht - schließlich hat deren Gründer Fredrik Nordström an beiden Powerwolf Alben mitgearbeitet. "Es gibt für uns zwei Seiten: Einmal die sakrale, mystische, diese gewisse Atmosphäre, die unsere Songs benötigen, um nach Powerwolf zu klingen - andererseits aber auch der eingängige Partyfaktor. Gerade auf ,Lupus die' ist es uns gut gelungen, musikalischen Anspruch und eine düstere Atmosphäre mit diesem Mitsingfaktor zu verbinden. Ein guter Metal-Song verlangt eben manchmal nach einem ,Ohoho'-Chor. Und dass ein schmissiges Halleluja jedem Song gut tut, weiß man aus dem Liederbuch in der Kirche." Amen!