Interview

In voller Blüte
von Björn Thorsten Jaschinski (01.03.2012)Nichts gegen "In requiem" und "Faith divides us - death unites us", aber das dreizehnte Studiowerk "Tragic idol" stellt diese beiden Back to the roots-Alben noch in den Schatten. Gitarrist Gregor Mackintosh hat seinen Koffer vom Abstecher zur Finish ...
WeiterlesenNichts gegen "In requiem" und "Faith divides us - death unites us", aber das dreizehnte Studiowerk "Tragic idol" stellt diese beiden Back to the roots-Alben noch in den Schatten. Gitarrist Gregor Mackintosh hat seinen Koffer vom Abstecher zur Finish Metal-Expo in Helsinki gar nicht erst ausgepackt: Kurze Zeit nach dem Interview geht es, zum ersten Mal seit vielen Jahren, auf zu einer ausgiebigen Festivaltour nach Australien. "Wir haben nur um die 40 Minuten für unser Set und werden somit eine Best-Of-Zusammenstellung spielen, garniert mit ,Honesty in death', der kommenden Video-Auskopplung. Dabei haben wir wieder eine Geschichte verfilmt und sind als Band gar nicht so sehr präsent. Allerdings ist der Clip noch nicht geschnitten." Im Vorfeld der Veröffentlichung hat Greg verlautbaren lassen, dass neue Album sei stark vom traditionellem Metal und Doom beeinflusst. "Als Teenager haben wir sehr extreme Underground-Sachen gehört, vor allem Death Metal. Wir haben uns also nicht dahingehend zurückorientiert, sondern zur Essenz des frühen Doom: Trouble, Saint Vitus und die jungen Black Sabbath. Dazu viel Mercyful Fate und bodenständigen, nicht überproduzierten Heavy Metal. Musiker, die sich auf gute Songs verließen. Ghost haben uns auf einer der letzten Touren begleitet, aber ich stehe mehr auf die riffbetonten Bands." Aus dem alten Peaceville-Doom Death Dreier mit Paradise Lost und My Dying Bride sind es nur Anathema, die zum Verrecken ihre Wurzeln kappen wollen. "Wir existierten schon einige Jahre vor den beiden anderen Bands und als wir anfingen zu experimentieren, geschah das aus der Langeweile heraus, damit wir den Enthusiasmus als Musiker bewahren konnten. Allerdings bekommt man den Metal letztlich nicht aus den Musikern heraus. Aber ich verstehe auch Anathema. Vor "In requiem" begann ich mich plötzlich wieder mehr für das Gitarrenspiel an sich zu interessieren als dafür, die Klampfe nur als Songwriting-Werkzeug zu nutzen. Von "One second" an benutzte ich das Instrument für einige Alben eher, um damit eine Textur zu erstellen, aber es war keine Gitarrenmusik." Die Besetzung mit durchgehend vier von fünf Gründungsmitgliedern nach einem Vierteljahrhundert ist definitiv etwas ,Worth fighting for', um einen neuen Titel zu zitieren. "Wir erinnerten uns wieder, warum wir diese Band gegründet hatten: Als Hobby und weil wir Freunde sind. Wichtiger als alles andere ist uns heutzutage, dass wir genießen können, was wir tun. Wir waren nie so kurz vorm Zerreißen wie Metallica, aber 2000/2001 hatten wir unsere Tiefphasen und überlegt, ob wir überhaupt weitermachen sollen. Es gab Probleme mit dem Label, mit Menschen in unserem Umfeld und wir waren unschlüssig, welche Richtung wir einschlagen sollten." Zuerst mit kleinen ("Symbol of life" und das selbstbetitelte 2005er Album), dann ausgreifenden Schritten befreiten sich die Briten aus dem Schlamassel und präsentieren sich derzeit in der Form ihres Lebens.
Paradies zurückerobert
von Björn Thorsten Jaschinski (13.03.2008)Seit "In requiem" zeigen sie ihre Zähne wieder wie zuletzt Mitte der '90er. Auf der aktuellen Tour als Vorgruppe von HIM, konzentrieren sich die britischen Gothic Metal Pioniere - die sich ob der Entwicklung des Genres wie Frankensteine fühlen - dage...
WeiterlesenSeit "In requiem" zeigen sie ihre Zähne wieder wie zuletzt Mitte der '90er. Auf der aktuellen Tour als Vorgruppe von HIM, konzentrieren sich die britischen Gothic Metal Pioniere - die sich ob der Entwicklung des Genres wie Frankensteine fühlen - dagegen auf die sanfteren Verlockungen ihrer letzten Alben. "Wir haben überall kleine Inseln von unseren Fans, aber mehr als 15% des Publikums kennen uns nicht", freut sich Gregor Mackintosh. "Würden wir härtere Songs als ,Requiem' bringen wäre die Irritation groß. Ohnehin sind wir einigen HIM Fans zu düster, aber die Mädels bleiben höflich und klatschen trotzdem" Zu besagtem Quasi-Titelsong von "In requiem" erzählt er "Es ist ein Privileg, als Künstler reisen zu dürfen. So war das schon vor unserem Debutalbum, als wir vor 20 Jahren einige Auftritte auf dem europäischen Festland hatten und die meisten von uns das erste Mal aus England rauskamen. Die Leadgitarren zu ,Requiem' habe ich in Marokko geschrieben, nachdem ich an einer Hotelbar eine einheimische Folk-Truppe gehört hatte. Wahrscheinlich gab es bei uns schon früher unbewusst orientalische Einflüsse." Was erklärt, dass Bands wie Septic Flesh und Orphaned Land ausgehend von ihren Paradise Lost-Wurzeln mit Hilfe von arabischen und teilweise klassischen Einflüssen neue Territorien erschließen. Seth, Sänger der erstgenannten, ist nun Coverkünstler seiner Idole, die Israelis Orphaned Land tourten bereits mehrfach mit Mackintosh's Jungs. Diese geben sich als gestandene Mannsbilder und Familienmenschen mittlerweile sehr ruhig und funktionieren fix jeden Backstage-Raum zum "Internetcafe Paradise Lost" um. Als die aktuelle "The Anatomy Of Melancholy" DVD am 12. April 2007 mitgeschnitten wurde war dies jedoch nicht nötig. Das Best Of-Programm geizt nicht mit Griffen in die Mottenkisten - "Pity the sadness", das unsterbliche "Eternal" und der Titelsong von "Gothic" stellen auch alte Fans zufrieden. Nur auf Material vom Doom Death-Monolithen "Lost paradise" wurde verzichtet. "Unser früheres Label Peaceville hat immer noch die Masterbänder unserer beiden Demos. Mit unserer Erlaubnis werden diese remixt und mitsamt einigen raren Live-Aufnahmen noch in diesem Jahr für Sammler veröffentlicht", überrascht Greg die Anhänger der ersten Stunde. Immerhin befindet sich mit "Drown in darkness" ein bis dato gänzlich unveröffentlichter Song darunter. "Bei den Konzertmitschnitten soll sogar ,Plains of desolation' dabei sein - der war eigentlich als Titelsong unseres Debuts geplant."
Drakonische Gothic Metal-Ikonen
von Markus Wosgien (03.04.2007)Die Begründer des Gothic Metal kehren einmal mehr zurück zu ihren Wurzeln und haben mit "In requiem" ein astreines Metal-Opus geschaffen, das jeder Fan von Klassikern wie "Gothic", "Icon" und "Draconian times" lieben wird. Es ist düster und mystisch,...
WeiterlesenDie Begründer des Gothic Metal kehren einmal mehr zurück zu ihren Wurzeln und haben mit "In requiem" ein astreines Metal-Opus geschaffen, das jeder Fan von Klassikern wie "Gothic", "Icon" und "Draconian times" lieben wird. Es ist düster und mystisch, ebenso magisch und fesselnd.
Frontmann Nick Holmes ist glücklich und präsentiert sich selbstbewusst: "Wir haben ein ganzes Jahr an den Songs gearbeitet und hatten eine exakte Vorstellung davon wie es klingen sollte. Alles wurde genauso umgesetzt und lief wie am Schnürchen, weshalb wir mit dem Ergebnis sehr glücklich sind. Es war uns wichtig, dass es zum einen sehr düster wird, aber auch melodisch ausfällt, was die beiden wichtigsten Komponenten in unserem Sound sind. Die Gitarren sind dieses mal richtig schön heavy ausgefallen und dominieren gewaltig." Die Produktion gab man erneut in die Hände von Rhys Fulber, während man den Mix mit dessen kanadischem Landsmann Mike Frazer vornahm, was sich bezahlt gemacht hat. "Mike kam uns bereits in England im Studio besuchen. Er ist großartig, auf dem Boden geblieben und hat einen erstklassigen Job abgeliefert. Wir sind sehr stolz auf die Zusammenarbeit mit ihm, denn er hat ebenso wie Rhys verstanden worauf es uns ankommt." Den Songwriting-Prozess vergleicht Nick mit Joggen. "Es braucht seine Zeit bis man den Ball wieder am Laufen hat und in den Prozess reinkommt. Greg und ich schreiben die Songs zusammen, dabei korrespondieren wir in erster Linie über das Internet und tauschen Ideen aus. Das gibt jeden die Möglichkeit zu experimentieren und sich Zeit zu nehmen. Wir rennen im Grunde beide los und schauen was passiert." Als erste Single hat man das harte, sakrale "The enemy" gewählt, das äußerst repräsentativ für das gesamte Album ist. "Es ist eine wuchtige Nummer, die all unsere Trademarks besitzt. Ich tendiere allerdings dazu nicht zu sehr an Singles zu denken, für mich zählt das Album immer als Ganzes. In dem Song selbst geht es um die unterschiedlichen Stufen des Hasses bzw. die Art wie man diesen Begriff interpretieren kann." Generell hält man die Texte bewusst zweideutig und verschlüsselt. "Jeder Song hat seine Bedeutung und Aussage, die jeder doch für sich selbst auslegen kann. Ich versuche sie beim Schreiben immer sehr kryptisch und offen zu halten; allerdings müssen sie im Einklang zur Musik stehen."