Ozzy Osbourne
Metal Master, Metal-Picasso, Unkaputtbar
vom 09.10.01
von Marcel Anders
Beweisen braucht er längst nichts mehr - weder sich noch seinen Fans. Der Madman ist das Witzigste, Skurrilste und Genialste, was der internationale Hardrock-...
Ozzy Osbourne
Metal Master, Metal-Picasso, Unkaputtbar
vom 09.10.01
von Marcel Anders
Beweisen braucht er längst nichts mehr - weder sich noch seinen Fans. Der Madman ist das Witzigste, Skurrilste und Genialste, was der internationale Hardrock-Zirkus zu bieten hat. Ein Ziehvater mit Größe, Würde und Humor. Einer, der für jeden Mist zu haben ist, der als Vorbild für ein ganzes Genre gilt und der auch mit stattlichen 52 noch Massstäbe in Sachen Horror, Härte und Hartnäckigkeit setzt. Etwa auf seinem 13. Solo-Album "Down to earth", mit der Altmeister nicht nur seine ganze Klasse unter Beweis stellt, sondern auch eine neue Schaffensphase einleitet: Das 21. Jahrhundert steht im Zeichen des Ozz. Er hat gesoffen, gekokst und gefeiert, als gäbe es kein Morgen und dabei mehr Hymnen geschmettert, als jeder andere Sänger seines Genres. Die Rede ist von Unikum Ozzy Osbourne, der mit 52 Jahren vor allem seinen eigenen Mythos lebt - und auch das, wie kein Zweiter. Eben als unumstößlicher König des Heavy Metal, den es im Kino, als Actionfigur, Computerspiel, auf Damen-Slips, T-Shirts, Geschirr, Handhaltern und Wandtellern gibt - alles käuflich zu erwerben über seine wohlorganisierte Homepage (www.ozzy.com).
"Das ist doch nur was für die ganzen Idioten da draußen. Eben die, die nicht wissen, wohin mit ihrer ganzen Kohle",
lacht der Mann, dessen Jahresumsatz ins Siebenstellige geht.
"Ich selbst war noch nicht einmal auf der Seite - das überlasse ich alles meiner Frau Sharon."
Und die weiß, wie sie ihren Göttergatten vermarkten muss. Nämlich als lebende Ikone. So plaziert sie ihn nicht nur regelmäßig in Hollywood-Filmen wie "Little Nicky" oder in Videos von Coal Chamber oder Rob Zombie, sondern hat ihm auch ein eigenes Festival geschaffen: Das Ozzfest, längst eines der erfolgreichsten Open Air-Spektakel der Welt.
"Ich weiß bis heute nicht, wie sie auf diese verrückte Idee gekommen ist",
schnauft Ozzy.
"Aber vor fünf Jahren beschwerte sie sich plötzlich, dass ich immer in den gleichen Hallen spiele. Sie wollte es mit einem "Ozzfest" versuchen, und ich meinte nur: "Was soll das sein?" Schließlich verstehe ich unter einem Fest immer noch das Bierfest in München. Meine erste Befürchtung war also, dass ich wieder mit dem Saufen anfangen müsste. Aber sie meinte nur, ich solle sie gefälligst ernst nehmen. Und Scheiße, sie hatte Recht: Jetzt ist das Ganze eine etablierte Sache und findet einfach kein Ende."
Also steht Ozzy nun jeden Sommer auf den größten Bühnen der USA, krächzt seine größten Hits, schreit "Fucking louder", spritzt mit Wasserwerfern und zeigt den Nu-Metal-Bands, wo der Hammer hängt. Und weil ihm selbst das schnell zu langweilig wurde, hat ihm Sharon vor drei Jahren auch noch eine Reunion seiner alten Band beschert: Black Sabbath. Die hatte der Ozz Anfang der 80er im Streit verlassen, doch jetzt, mit Anfang 50 und dicken Konten, ist das natürlich alles Schnee von gestern.
"Stimmt! Wir verstehen uns besser denn je, haben jede Menge Spaß und können gar nicht genug von einander kriegen."
Was sich auch daran erkennen lässt, dass sie ihre '99er Farewell-Tour unter dem Titel "The Last Supper" schon in diesem Jahr widerriefen und noch einmal auf US- und UK-Tour gingen.
"Ich weiß bis heute nicht, wer auf die Schnapsidee mit den Abschiedskonzerten gekommen ist. Wir hatten definitiv nie vor, uns zu trennen."
Doch bei aller Sympathie und alter Männerfreundschaft: Aus dem angestrebten neuen Sabbath-Album ist bis heute nichts geworden.
"Es ist zum heulen",
mault Ozzy.
"Wir haben es zwei, drei Mal probiert und das Ergebnis war einfach Scheiße. Eben nichts, was man veröffentlichen könnte. Aber wir versuchen es weiter, irgendwann wird es schon klappen."
Bis dahin betätigt sich Ozzy - man höre und staune - als Hobby-Maler, der in seiner Freizeit großformatige Aquarelle pinselt. Meistens in ziemlich blassen Farben und über ziemlich unspektakuläre Dinge - Selbstportraits, Landschaften, Stilleben.
"Ich bin nun mal kein Picasso",
rechtfertigt sich der Parttime-Künstler.
"Es ist nur so, dass ich einfach etwas machen muss, was mich wach hält. Beim Lesen penne ich nämlich immer ein, im Fernsehen läuft eh nur Mist und mit so etwas wie Fitness brauchst du mir gar nicht kommen. Das Sport-Studio, das mir Sharon im Keller unseres Hauses eingerichtet hat, habe ich schon vor Jahren zur Bar umfunktioniert."
Doch selbst in der kann er sein kühles Bier nicht mehr richtig genießen. Sei es, weil sein neuer Nachbar Country-Schnulzer Pat Boone ist und
"mich ständig zum Grillen einladen will. Dabei geht mir der Typ total auf den Keks."
Oder aber, weil Ozzys mondänes Anwesen in Beverly Hills seit neuestem auf den gefürchteten Starmaps vertreten ist - Stadtpläne von LA, auf denen die Privatadressen sämtlicher Showbiz-Größen verzeichnet sind. Die Osbournes inklusive.
"Mann, neulich sass ich im Schlafanzug vor dem Fernseher, habe mir nen Fickfilm angesehen, als es plötzlich an der Tür klingelt. Weil kein anderer reagierte, musste ich selbst aufmachen und da waren diese beiden jungen Japaner mit einer Kamera. Ich dachte, sie wollten zu meinen Töchtern und habe sie durchgewunken - wie man das halt so tut. Doch nach etwa einer halben Stunde fiel mir ein, dass die Kids ja in der Schule sind. Stell dir vor: Diese Wichser haben in aller Seelenruhe meine Wohnung fotografiert und sich dann durch die Hintertür verzogen."
Seitdem lässt ihn Sharon nicht mehr allein, sondern spannt ihn ein, so gut sie nur kann. Etwa, in dem sie ihn direkt nach dem letzten Ozzfest mit Gitarrengott Zack Wylde ins Studio schickte, elf neue Songs schreiben und ordentlich Krach machen ließ. Und unter derartiger Obhut funktioniert das Unikum immer noch bestens.
"Down to earth" ist solider Hardrock mit bleiernen Riffs und
typischen Ozzy-Texten über fiese Dämonen, Zombies, Teufel und Monster.
"Alles, was dazugehört",
lacht der selbsternannte Madman. Und genau diese Mischung soll er im nächsten Frühjahr auch wieder auf europäische Bühnen bringen.
"Natürlich dann, wenn es bei euch richtig arschkalt ist",
schimpft er.
"Hauptsache, ihr gebt mir genug Bier, sonst fliege ich gleich wieder nach Hause."
Ein Mann mit Prinzipien.