"Slowly we rot" oder "Cause of death" kennt heutzutage jeder Death Metaller. Die Florida-Boys um Frontgrunzer John Tardy haben Death Metal-Geschichte geschrieben und gehören zu den einflussreichsten Todesblei-Kapellen überhaupt. Doch nach dem '97er A...
"Slowly we rot" oder "Cause of death" kennt heutzutage jeder Death Metaller. Die Florida-Boys um Frontgrunzer John Tardy haben Death Metal-Geschichte geschrieben und gehören zu den einflussreichsten Todesblei-Kapellen überhaupt. Doch nach dem '97er Album "Back from the dead" war zunächst mal Schicht im Schacht und die Band verschwand in der Versenkung. Diverse Live-Auftritte kündigten im letzten Jahr bereits die Rückkehr der einstigen Death Metal-Könige an. Jetzt ist es soweit. Das schlicht "Frozen in time" betitelte neue Album, steht in den Startlöchern. Wir klingelten bei John Tardy durch, um für euch brandaktuelle Informationen zum neuen Studioklopfer einzuholen.
John, wie geht's, seid ihr noch im Studio?
"Mir geht's blendend, das Album ist im Kasten, und wir müssen jetzt die Scheibe nur noch mastern."
Ihr habt "Frozen in time" in den Red Room Studios mit Mark Prator und Scott Burns aufgenommen. Wie viele Wochen habt ihr im Studio verbracht?
"Einen ganzen Monat lang. Wir haben uns richtig Zeit gelassen, damit alles nach unseren Vorstellungen klingt."
Wie fühlt es sich an, wieder im Business zu sein und was hat sich in all den Jahren geändert?
"Oh Mann, es ist echt interessant, zu beobachten, wie sich die Metal-Szene ständig weiterentwickelt. Wir haben das Gefühl, dass das Interesse an Obituary größer ist, als vor der Pause, und dass wir uns gerade in der Mitte unserer Karriere befinden. Die Metal-Szene scheint eine Art Zeitschleife zu sein, wo alles irgendwann mal wiederkommt."
Hast du im Laufe der Jahre auch die Entwicklung bei eurem Stammlabel Roadrunner Records verfolgt? Was hat sich da geändert?
"Oh ja, da hat sich auch einiges getan. Sie sind expandiert und haben Bands wie Slipknot auf dem Markt etabliert, was eine Veränderung bedeutet. Nach dem 'Frozen in time'-Album läuft unser Vertrag mit Roadrunner aus, und wir müssen mal sehen, wie es dann weitergeht."
Wie nervös seid ihr momentan, denn nicht nur die Presse erwartet viel vom neuen Album, sondern auch eure Fans?
"Ich bin nicht sonderlich nervös. Alles, was ich tun kann, ist, eine Platte aufzunehmen, mit der die Band und ich zufrieden sind. Und das haben wir getan. Alles andere ergibt sich von selbst."
Was hast du in all den Jahren ohne Obituary eigentlich getrieben, wie sah ein typischer Tag im Leben des John Tardys aus?
"Ich habe ein Studio in meinem Haus und die anderen Obituary-Jungs kamen ab und an vorbei, um ein wenig zu jammen. Abgesehen davon habe ich in der Computer-Branche gearbeitet; ein Freund von mir besitzt eine Firma, und da habe ich ein wenig ausgeholfen. Ansonsten gibt es nichts wirklich Spektakuläres zu berichten, hahaha."
War die Pause, die ihr mit Obituary nach dem "Back from the dead"-Album eingelegt habt, ein großer Fehler, der euch zu viel an Boden gekostet hat?
"Nein, ich glaube nicht, dass es ein Fehler war, diese Pause einzulegen. Es hat nicht mehr funktioniert mit der Band, die Probleme untereinander waren zu groß geworden. Eigentlich sollte die Pause kürzer ausfallen, aber jeder einzelne war so sehr mit seinen privaten Dingen beschäftigt, dass daraus mehr als sechs Jahre wurden. Irgendwie haben uns der Anreiz und die wirklich guten Angebote gefehlt, Obituary wieder aufleben zu lassen. Jetzt haben wir das Gefühl, dass die Metal-Szene einen Schlenker gemacht hat, die Zeichen der Zeit wieder gut stehen und das Interesse an Obituary groß ist. Der Kick ist wieder da, und wir haben für 'Frozen in time' die besten Songs aufgenommen, die es jemals von uns zu hören gab."
Hast du mitverfolgt, was in der Metal-Szene in Zeiten eurer Abwesenheit abging, welche Bands kamen und gingen?
"Nicht wirklich, obwohl Trevor mit Catastrophic am Start war und auch die anderen Obituary-Jungs Projekte am Start hatten. Ich hatte mich etwas zurückgezogen und mehr Wert auf die privaten Dinge des Lebens gelegt. Erst jetzt verfolge ich das Geschehen wieder und höre mir die ein oder andere neue Band an."
Wie läuft zurzeit der Death Metal in den USA, nachdem ja der Metalcore die Macht ergriffen hat? Siehst du nach wie vor eine Chance für Obituary, dass ihr euch auf dem Markt etablieren könnt?
"Ja, natürlich. Gestern haben Slipknot bei uns gespielt, und ich habe viele Kids mit Slayer- und Obituary-Shirts gesehen. Wir sind also auch dem Nachwuchs ein Begriff, hahaha. In der Pause der Slipknot-Show haben wir ein paar Songs vom neuen Album durch die PA gejagt und die Kids sind richtig cool abgegangen. Ja, ich glaube, wir können immer noch was bewegen in der Szene."
Wann habt ihr mit dem Songwriting für "Frozen in time" begonnen, wie alt oder neu sind die aktuellen Songs?
"Wir haben vor etwa zehn Monaten mit dem Songwriting angefangen und sind dann direkt ins Studio gegangen, um die Songs einzuspielen. Unsere Fans können also brandneues Material erwarten."
Zwischen "Back from the dead" und "Frozen in time" liegen satte acht Jahre, eine halbe Ewigkeit im Musikbusiness. Was können wir musikalisch erwarten? Verwurstet ihr neue Einflüsse oder klingt "Obituary" wie Obituary?
"Das Album wird definitiv wie Obituary klingen. Der Stoff ist verdammt heavy und einige Songs erinnern mich tatsächlich an 'Slowly we rot'. Andererseits haben wir auch ein paar modernere Einflüsse mit an Bord, was 'Obituary' auch einen leichten 'World demise'-Touch verleiht, verstehst du? Das neue Album ist stilistisch breit gefächert, was die Sache überaus interessant macht. Ich bin überzeugt davon, dass unsere Fans die Scheibe lieben werden."
Kannst du bereits ein paar Songtitel verraten?
"Oh ja, da gibt es 'Blind sided', 'Denied', 'Mindset', 'Lockjaw', 'Slow death' und noch ein paar andere."
Was gibt es zu den Lyrics zu sagen? Du bist älter geworden, schreibst du jetzt Texte mit Sinn?
"Hahaha, natürlich nicht. Als wir mit Obituary angefangen haben, ist es zu einem Markenzeichen geworden, dass meine Texte keinen Sinn ergeben und sie auch nicht im Booklet abgedruckt werden. Warum sollte ich daran was ändern? Meine Texte sollen sich gut anhören, die Leute sollen sie spüren und nicht darüber grübeln, ob sie einen Sinn ergeben. Sie ergeben keinen Sinn, hahaha."
Wenn du zurückblickst auf deine Karriere mit Obituary. Was hast du gelernt und welches waren die größten Fehler, die du begangen hast?
"Die Fehler beziehen sich größtenteils auf geschäftliche Dinge, weil man als junge Band daran nicht denkt und die Verantwortung in andere Hände legt. Das Einzige, was ich mir diesbezüglich vorwerfen kann, ist, dass ich mich in der Vergangenheit stets zu sehr um unsere Live-Shows gekümmert habe und den Business-Bereich links liegen ließ. Mittlerweile sind wir reifer geworden, haben aus unseren Fehlern gelernt und erachten es als wichtigsten Punkt, dass man immer die Kontrolle über seine Angelegenheiten behält. Mit diesem Wissen gehen wir einer soliden Zukunft entgegen, da bin ich mir sicher."
Abschließende Frage: Was war der schönste und der schlimmste Moment, den du mit Obituary erlebt hast?
"Der schönste Moment war wahrscheinlich, als wir unsere erste Platte 'Slowly we rot' aufgenommen haben. Wir sind damals aus der Schule heimgekommen und direkt in den Proberaum gestiefelt, um Songs zu schreiben. Wir haben weder an ein Demotape noch an einen Plattenvertrag gedacht, alles ist uns irgendwie in den Schoß gefallen. Da haben wir uns wie die Könige der Welt gefühlt. Der schlimmste Moment? Keine Ahnung. Schlimm fand ich es immer, wochenlang auf Tour zu sein, und jeden Tag dasselbe machen zu müssen. Dieser Tour-Automatismus, er killt dich irgendwann."