1993 war es, als Nuclear Assault ihr fünftes Studioalbum "Something wicked" veröffentlichten und sich kurz danach auflösten. Nahezu exakt zehn Jahre später spielten die New Yorker erste Re-Union Shows, und Ende August diesen Jahres gibt es endlich ne...
1993 war es, als Nuclear Assault ihr fünftes Studioalbum "Something wicked" veröffentlichten und sich kurz danach auflösten. Nahezu exakt zehn Jahre später spielten die New Yorker erste Re-Union Shows, und Ende August diesen Jahres gibt es endlich neue Songs der Urgesteine zu hören. "Third world genocide" knüpft nahtlos an "Handle with care" an und bietet abwechslungsreichen Thrash Metal der alten Schule.
Zum Zeitpunkt des Interviews ist Basser und Kultfigur Danny Lilker beschäftigt.
"Wir fliegen morgen nach Europa, um ein paar Festivals und Clubshows zu spielen. Es ist zwar schade, dass die Platte noch gar nicht draußen ist, wir werden aber trotzdem ein, zwei neue Nummern spielen."
Geprobt für die Tour haben die New Yorker nicht.
"Wir proben nie, da wir mittlerweile viel zu weit voneinander entfernt leben. Es ist schlichtweg unmöglich, sich bei dermaßen großen Distanzen regelmäßig zu treffen."
Bis die Maschine geölt ist, dauert es laut Danny
"drei, vier Shows. Dumm nur, dass bereits die zweite Show das Graspop ist " ein sehr großes Festival. Na ja, wird schon schiefgehen."
Nach ihrer Re-Union im Jahre 2002 war das das klassische Line-Up beisammen, doch mittlerweile ist Gitarrist Anthony Bramante leider ausgestiegen.
"Es waren die klassischen Gründe er hat einen sehr guten Job und konnte nicht ständig Urlaub für unsere Gigs nehmen. Also zog er seine Konsequenzen."
Weiter schlimm findet Danny das aber nicht.
"Natürlich ist es schade, aber in der Essenz sind Glenn, John und ich der Kern der Band, da wir uns auch immer schon um das Songwriting gekümmert haben."
Legt man "Third world genocide" ein, kommt einem gar keine andere Band als Nuclear Assault in den Sinn. Ihr habt definitiv euren eigenen Stil.
"Das passiert eben, wenn wir Songs schreiben. Klar, ich habe auch andere Einflüsse, aber ich weiß, wo ich die Grenze zu ziehen habe. John klingt auch sehr charismatisch und sein Songwritingstil ist ebenfalls sehr originell. Wir wollen wie keine andere Band klingen."
Das schnelle Debut "Game over" ist ein Klassiker des Genres am ehesten daran anschließen konnte "Handle with care", ein versierteres, ausgereiftes Scheibchen mit zahlreichen tollen Songs. Das neue Album erinnert am ehesten an jene Phase.
"Genau das habe ich Journalisten gesagt, die das Album noch nicht gehört hatten. Der Nachfolger "Out of order" war eine ordentliche Scheibe, aber mein Herz war nicht mehr mit voller Schlagkraft dabei, da ich schon Brutal Truth am Anlaufen hatte. "Handle with care" ist wesentlich besser und genau dort knüpfen wir mit "Third world genocide" an."
Man vermisst allenfalls den ein oder anderen schnellen Song.
"Ich weiß was du meinst, das ist uns auch schon aufgefallen. Wir hatten nun mal keinen bestimmten Plan, nach welchem wir vorgegangen sind, sondern haben einfach drauflos geschrieben. Ich bin aber trotzdem sehr zufrieden mit dem Album."
Der bandtypische Humor ist auch nach so vielen Jahren nicht verloren gegangen, wie die Country-Nummer "Long haired asshole" beweist.
"Wir wollten uns schon immer von diesen ernsthaften Bands unterscheiden, die auf Photos und in Interviews so gestellt rüberkommen. Eine witzige Note darf nicht fehlen, sie gehört einfach zu Nuclear Assault. John hat bekanntermaßen ein Faible für Country-Musik."
Schon viele Comebacks sind mangels Perspektive nach einem Album zu Ende gewesen.
"Erst einmal betouren wir Europa, dann werden wir zahlreiche Wochenendtrips in den Staaten unternehmen und alles Weitere wird man sehen. John muss noch weiterstudieren, das wird ihn in Anspruch nehmen. Wir planen aber, eine aktive Band zu bleiben und werden ein weiteres Album aufnehmen."