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Kann es angehen, dass diese göttliche Band ewig ein Underground-Tipp bleibt? Die Griechen von Nightfall prägen seit über 20 Jahren eine eigene Handschrift zwischen ihren Doom/Death-Wurzeln, melodischem Dark und orchestralem Black Metal.
EMP Redaktion
von Björn Thorsten Jaschinski(27.12.2012)Selbst die Vielfalt an Klangfarben im skandinavischen Melo-Death kann auf Dauer ermüden. Warum also nicht einmal den Horizont erweitern und eine altgediente Band aus einem anderen Teil Europas entdecken? Nightfall sind Pioniere im griechischen Doom/Death, die sich schrittweise weitere Subgenre erschlossen haben. 2013 hat die Band ihren Wiedererkennungswert nicht verloren: Die Stimme von Efthimis und seine kompositorische Handschrift sind auch auf dem zweiten Album seit dem Comeback unverkennbar. Wie schon "Astron Black..." 2010 setzt "Cassiopeia" bei der "Athenian echoes"-Phase an: Atmosphärisch-orchestraler Dark/Death Metal, dessen mediterranes Blut von romantischen Momenten in Black Metal-Raserei hochkochen kann. Die virtuosen Melodien des Teams Evan Hensley/Constantine - mal sanft, mal das volle Shred-Brett - sind denen der schwedischen und finnischen Elite absolut ebenbürtig. Wer dem Sextett einmal verfällt, erlebt bei der Erkundung des üppigen Backkatalogs weitere Glücksräusche.
Interview
Sirenenresistente Philosophen
von Björn Thorsten Jaschinski (28.12.2012)Von der Urbesetzung, die 1991 das Demo "Vanity" veröffentlichte und danach als erstes Signing jahrelang dem französischen Ausnahmelabel Holy Records treu blieb, ist nur noch Efthimis Karadimas dabei. 2010 erweckte er die Band mit dem starken achten A...
WeiterlesenVon der Urbesetzung, die 1991 das Demo "Vanity" veröffentlichte und danach als erstes Signing jahrelang dem französischen Ausnahmelabel Holy Records treu blieb, ist nur noch Efthimis Karadimas dabei. 2010 erweckte er die Band mit dem starken achten Album "Astron black and the thirty tyrants" aus dem Totenreich. Nightfall hatten sich schon im ersten Leben aus einer kargen Doom/Death-Band zu einem experimentierfreudigen Ensemble entwickelt, welches Folk, Black Metal, Gothic und sogar Elektro-Spielereien gegenüber aufgeschlossen war. Ähnlich den zwischenzeitlich auch auf Abwegen suchenden Landsleuten Rotting Christ und Septicflesh repräsentieren sie heute eine Update-Version ihrer Wurzeln. Der deutsche Drummer und Produzent Jörg Uken (Soundlodge-Studiobesitzer) und der amerikanische Gitarrenvirtuose Evan Hensley sind ebenso wie Keyboarder Stathis Cassios auch bei "Cassiopeia" wieder mit an Bord. Hinzu kamen der griechische Shredder Constantine (u.a. Mystic Prophecy, Primal Fear-Livemusiker) und Basser Stathis Ridis. Als Bandgründer und Visionär ist Efthimis Mittelpunkt der internen Kommunikation. "Es gibt Regeln und eine Bandpolitik, die jeder zu respektieren hat. Ich bin da keine Ausnahme. Speziell, wenn eine Diskussion bei den Mitgliedern mit einem anderen kulturellen und ethnischen Background die Verteidigungsmechanismen aktiviert, können Probleme aus dem Ruder laufen. Meine Aufgabe ist es, im Namen der Kreativität und Kooperation das Wohl aller zu erkennen, anstatt darauf zu pochen, das letzte Wort zu haben, nur weil ich die Band in grauer Vorzeit gegründet habe." Sänger Efthimis, der als Multiinstrumentalist abseits der Drums bereits alle Posten der Band innehatte, kann den US-Posten der Band nicht genug loben - und muss bei dessen Nachnamen wegen Hammondgott Ken Hensley auch immer an Uriah Heep denken. ",Lady in black' ist eins meiner ewigen Lieblingslieder", bekundet er. "Evans Leads haben unserer Musik eine neue Dimension eröffnet. Aber Evan ist auch als Charakter herausragend. Fest in der Realität verankert nutzt er die Kunst, um jene spirituelle Balance zu erlangen, die für jeden Menschen wichtig ist. Dabei lässt er sich nicht von den Sirenen ablenken, welche die Coolness eines Rock-Helden besingen, der den mythologischen Sex, Drugs and Rock 'n' Roll-Bullshit lebt. Er verbrachte mit unserem Keyboarder einige Zeit in Schweden und lernte dort Nightfall und unsere Einstellung zur Musik als Kunst kennen. Evan lebt weiterhin in den USA und ist der Magie von Nashville, Tennessee vollständig verfallen." Wie schon der Albumtitel, verweisen auch viele Songtitel auf "Cassiopeia" auf zwei Ebenen in den Texten von Efthimis: Eine astronomische und eine mythologische. Somit ist "Phaeton" keineswegs ein Tribut an das gleichnamigen VW-Modell. "Auch wenn dessen Motor in meinen Ohren wie Musik klingt, würde ich definitiv für Porsche votieren, wenn wir jemals einen Sponsoringdeal mit einem Autohersteller angeboten bekämen", lacht der Bandkopf. Auch ein Philosoph kann dem Weltlichen zugewandt sein.
Inspiration und Weisheit
von Björn Thorsten Jaschinski (26.06.2010)Die griechische Black/Death Metal Szene wird in ihrer Individualität und der prägenden Rolle für den weltweiten Underground gerne unterschätzt. Dabei sind es nicht nur Primordial, die z.B. Rotting Christ ihren Tribut zollen - auch Persönlichkeiten wi...
WeiterlesenDie griechische Black/Death Metal Szene wird in ihrer Individualität und der prägenden Rolle für den weltweiten Underground gerne unterschätzt. Dabei sind es nicht nur Primordial, die z.B. Rotting Christ ihren Tribut zollen - auch Persönlichkeiten wie der ermordete Mayhem-Kopf Euronymous wussten den extremen Metal aus dem Süden Europas schon vor 20 Jahren sehr zu schätzen. Neben den niemals Toten, aber wiedererstarkten Rotting Christ sind nicht nur Septic Flesh wieder an vorderste Front zurückgekehrt, sondern endlich auch Nighfall. Nach Besetzungsproblemen und einigen stilistischen Verschiebungen steht Mastermind Efthimis mit einer jungen Mannschaft auf "Astron black & the thirty tyrants" wieder voll im Saft. "Für dieses Album habe ich Inspiration und Weisheit in mich aufgesogen. Nightfall waren noch nie die Band, die jedes Jahr ein neues Album herausbringt und intensiv tourt. Ich gehöre zu den Personen, die sich zurückziehen und schweigen, wenn sie gerade nichts zu sagen haben. Nicht zuletzt der Kollaps des letzten Labels Black Lotus gab mir die Chance zu einer Auszeit - und genau das brauchte die ,Band' damals. Wir mussten uns gemeinsam hinsetzen, unsere Ziele und Gründe für das Dasein als Künstler und nicht als Huren überdenken. Die anderen Musiker waren wesentlich jünger, ihnen gelüstete es nach den Früchten, die Nightfall in der Urbesetzung kultiviert hatten. Sie wollten in einer anderen Konstellation Alben aufnehmen und auf Tour gehen - und ich wünschte ihnen viel Glück und lies sie ziehen." Efthimis fühlt, dass die Band ihren Zenith noch nicht überschritten hat - und das Album, welches auf progressive Weise viele verschiedene bisherige Nightfall-Stilepochen mit Neuerungen verbindet, gibt ihm Recht. "Nach 19 Jahren fühlt sich diese Besetzung mehr nach einer Band an, als alle anderen zuvor", ist er erleichtert. "Stille ist nicht nur in der Musik, sondern im ganzen Leben ein essentieller Bestandteil. Die sechsjährige Pause ist die Grenze zu einer neuen Ära, der Beginn des qualitativ hochwertigsten und pompösesten Schaffens dieser Band." Ein Blick auf das Cover, die Songtitel und in die Texte lässt vermuten, dass Efthimis mit dem neuen Werk ein metallisches Gegenstück zur "Odyssey" seines antiken Landsmanns Homer erschaffen hat. "Planeten, Sterne, rote Zwerge... Die Navigation ist eine der aufregendsten Techniken und Künste, die wir Menschen entwickelt haben, um unseren Standort zu Lande, auf See und auch von uns selbst im großen Ganzen des Universums zu bestimmen. Das Album berichtet auch von primitiven Ängsten der Menschheit und Wegen, diese zu besiegen. Es beschreibt, wie der Himmel das Meer des Weltalls ist und alles in seiner ewigwährenden Bewegung aufs Perfekteste abgestimmt ist", gerät der Musiker und Philosoph ins Schwärmen. ",Astron black' ist das Individuum, ein Partikel der menschlichen Rasse, das Raum und Zeit bereist um Antworten jenseits der irdischen Logik zu erhalten."