Nevermore haben harte Zeiten hinter sich. Für "Enemies of reality" hagelte es Kritik wegen der katastrophalen Produktion und musikalisch war das Werk vielen zu komplex. "This godless endeavor" entschädigt aber für alles. Warrel Dane, Jeff Loomis und ...
Nevermore haben harte Zeiten hinter sich. Für "Enemies of reality" hagelte es Kritik wegen der katastrophalen Produktion und musikalisch war das Werk vielen zu komplex. "This godless endeavor" entschädigt aber für alles. Warrel Dane, Jeff Loomis und Co. haben es geschafft, ein grandioses Werk einzuspielen, das die Stärken der beiden Vorgänger bündelt.
"Natürlich war das eine harte Zeit für uns. Century Media wussten nicht, ob wir den auslaufenden Vertrag bei ihnen verlängern würden und gaben uns für die Produktion von 'Enemies of reality' nur 20.000 Dollar",
bestätigt Gitarren-Wizard Jeff Loomis.
"Damit konnten wir unseren Wunschproduzenten Andy Sneap nicht anheuern, so dass wir mit Kelly Gray in Seattle aufnahmen. Nach zwei Monaten im Studio stellten wir aber fest, dass es ein Fehler war, da er mit unserem komplexen Material einfach nicht zurecht gekommen ist. Zu dem Zeitpunkt war aber das Budget schon aufgebraucht und wir saßen in der Tinte."
Der Fehler wurde vor wenigen Monaten ausgebügelt.
"Wir haben das Album von Andy Sneap remixen und remastern lassen. Wir wollten diesen Schönheitsfehler nicht in unserer Diskographie haben, da es musikalisch eines unserer besten Alben ist."
Der Aufwand hat sich gelohnt, ist die neue Version doch um ein vielfaches besser. Dennoch hat es viele erstaunt, dass ihr trotz der immensen Probleme wieder bei Century Media unterschrieben habt.
"Das haben schon viele gesagt, aber Fakt ist, dass ihr Angebot - welches in letzter Sekunde kam - die anderen um einiges überboten hat. Ihnen ist wohl bewusst geworden, was sie an Nevermore haben und ich kann dir versichern, dass die Zusammenarbeit mit ihnen sehr gut ist."
Bei "This godless endeavor" saß dann auch wieder der bewährte Andy Sneap an den Reglern.
"Darüber sind wir natürlich sehr glücklich, da wir Andy fast schon als sechstes Bandmitglied bezeichnen. Er holt das Beste aus uns heraus und zaubert uns immer einen Bombensound aufs Band."
Die Gitarrenarbeit auf "This godless endeavor" ist phänomenal und insbesondere die Soli sind die besten, die es bislang auf einen Nevermore Werk zu hören gab.
"Das ist der entscheidende Vorteil, wenn man einen permanenten Gitarristen an seiner Seite hat. In der Vergangenheit haben wir ja auch schon mit Sessionsmusikern gearbeitet, was aber nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Steve Smyth (u.a. ex-Testament) ist ein hervorragender Gitarrist, der ein ähnliches Spiel wie ich pflegt und zahlreiche tolle Ideen zu Tage fördert. In der Vergangenheit war es so, dass Warrel die Texte und ich die Musik geschrieben habe. Steve schreibt aber auch Songs und so entsteht viel facettenreichere Musik, was einem Album nur gut tun kann."
Die Scheibe enthält sehr viele Soli, wie geht ihr bei der Aufteilung vor?
"Wir versuchen, dem Metal die Soli zurückzubringen",
muss Jeff lachen.
"Es gibt ja kaum noch Bands, die sich trauen, Soli zu spielen. Die Aufteilung erfolgt je nach Gefühl. Wir experimentieren beide mit den Songs und entscheiden dann gemeinsam, wer das bessere Solo hat bzw. es gefühlvoller spielen kann. Das ist natürlich ab und zu etwas schwierig, da wir beide Gitarristen sind und ein Stück vom Kuchen abhaben wollen - aber letzten Endes sind wir Männer genug, um faire Kompromisse zu finden."
Trotz aller Komplexität schaffen es Nevermore - zumindest in 90 Prozent aller Fälle - ihren Songs noch unverkennbare, einprägsame Melodien zu verpassen.
"Frag mich nicht, wie wir das machen, da wir unsere Musik nach keiner Formel komponieren. Die besten Ideen kommen mir, wenn ich ganz entspannt auf meiner Gitarre spiele. Klar ist es wichtig, auch eingängige Passagen zu haben, aber diese entstehen ganz natürlich. Selbstredend ist Warrel mit seinen Gesangslinien eine entscheidende Komponente in diesem Prozess."
Im Herbst kommen Nevermore auf Headlinertour. Be there!