EMP Redaktion
von Björn Thorsten Jaschinski(27.03.2009)"Armamentarium" stieg nach dem Schema der Bolt Thrower-Walze ein: Unendlich fett und alles zermalmend - Qualitäten, denen wir heuer erst bei "The wretched of the earth" begegnen. Das Nachfolgealbum startet nämlich mit "I loathe" wie ein technisches Death Metal-Opus: Hektisch, im ersten Moment wirr. Aussagen, die auch auf "Caesura" zutreffen. Diese Aggression kultiviert Benny und trägt sie beim nachfolgenden "Prey to anguish" mit fiesen Black Metal-Schreien in den Chorus - einen kommenden Live-Burner. Schwarzmetallischer denn je - auch in der Instrumentierung - schlägt "Grave new world" zu Buche, während das Titelstück ein Zwitter ist. Klar, dass zwischendurch etwas mit mehr Groove und einem Schuss Moderne in Form von "Age of hunger" angesagt ist - mit einem Amon Amarth-artigen Melodieteil, der in einen coolen Hardcore-Part mündet. Der Wechselgesang zwischen kernigen Growls und markerschütterndem Kreischen klingt zu keiner Zeit aufgesetzt, ein großes Plus gegenüber vielen Konkurrenten.
Interview
Gut strukturiert: funktioniert!
von Markus Eck (07.01.2013)Echt irre was die rabiaten Münsteraner Melodic Deather auf ihrem neuen und sechsten Studioalbum so alles abziehen! Auch rein musikalisch bewegt sich "Ours is the storm" auf allerhöchstem Level, mitsamt den für Neaera schon obligatorischen Metalcore-B...
WeiterlesenEcht irre was die rabiaten Münsteraner Melodic Deather auf ihrem neuen und sechsten Studioalbum so alles abziehen! Auch rein musikalisch bewegt sich "Ours is the storm" auf allerhöchstem Level, mitsamt den für Neaera schon obligatorischen Metalcore-Breitseiten und schön eingängigen Melodien. Ganz egal ist es also, ob es auf "Ours is the storm" psychotisch, schizoid oder anmutend zugeht: Die verdammt fitte Zertrümmer-Combo hat ihr vollauf zweckdienlich komponiertes Repertoire jederzeit voll und ganz im spieltechnischen Griff. "Wir haben beim Schreiben von ,Ours is the storm' versucht, mehr Struktur in die Songs zu bringen. Es sollte an gewissen Stellen eingängiger werden. Was nicht heißen soll, dass wir die Aggressivität oder Brutalität runtergefahren hätten. Es sollte einfach mehr Hooklines als auf den Vorgänger-Alben geben. Weil wir alles im Proberaum komponieren, merken wir immer auch schnell, was live funktionieren wird und was nicht", erläutert Gitarrist Tobias Buck. Flugs darauf angesprochen, worin er persönlich die speziellen Stärken der kommenden Scheibe sieht, erfährt man: "Ich denke, wir haben gerade beim Schreiben viel gelernt. Gerade was funktioniert und was nicht zu uns passt. Eine Stärke ist auf jeden Fall, dass es auf der Platte viele Überraschungen und Höhepunkte gibt. Jeder Song hat meiner Meinung nach etwas Spezielles. Wir haben versucht, alle Tracks so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Ich finde auch, dass wir gerade beim Gesang Fortschritte gemacht haben. Benny hat noch nie so gut geklungen, wie auf diesem Album. Wir haben inzwischen sowieso unseren eigenen und ganz speziellen Weg gefunden, wie wir am effektivsten für die Band arbeiten. Das heißt, Stefan und ich schreiben zuhause die Riffs, dann treffen wir uns mit Drummer Sebbes im Proberaum und arrangieren die Songs. Höhen und Tiefen dabei? Das kann ich eigentlich gar nicht eindeutig sagen. Es ist auf jeden Fall auch für uns zuweilen frustrierend, wenn man an einem Song arbeitet und einfach nicht weiterkommt. Die Texte für ,Ours is the storm' wurden jedenfalls von unserem zweiten Gitarristen Stefan zusammen mit Bassist Benny geschrieben. Das ist bei uns immer der allerletzte Schritt, dann gucken wir, welcher Text zu welchem Song am besten passt."
Eigenverantwortung statt Fatalismus
von Björn Thorsten Jaschinski (14.09.2010)Nach der Bauhaus-Phase des letzten Artworks sind Neaera für "Forging the eclipse" graphisch wieder mehr in Richtung "Armamentarium" gegangen. Wieder wird nur mit suggestiven Schemen gearbeitet, die abgebildete Person sieht austauschbar und leer aus. ...
WeiterlesenNach der Bauhaus-Phase des letzten Artworks sind Neaera für "Forging the eclipse" graphisch wieder mehr in Richtung "Armamentarium" gegangen. Wieder wird nur mit suggestiven Schemen gearbeitet, die abgebildete Person sieht austauschbar und leer aus. Das Ideal von Manowar mit dem muskelbepackten Helden, dessen Gesichtslosigkeit dem Fan die Identifikation mit dem Anabolikahelden erleichtern soll, ist hierbei nicht gefragt. "Im Vergleich zum Manowar-Maskottchen verwenden wir einen aus unserer Sicht realen, echten Menschen, der einen bedauerlichen Ist-Zustand der modernen Industriegesellschaft versinnbildlicht. Seine Schemenhaftigkeit beleuchtet zwei Probleme: zum einen das der Ersetzbarkeit, der Austauschbarkeit, der Bedeutungslosigkeit; zum anderen das der Anonymität und Orientierungslosigkeit", greift Gitarrist Stefan Keller den Vergleich auf und präzisiert, "Das ,Armamentarium'-Artwork spielte sich auf sozialer Ebene ab. Da ging es um gesellschaftlichen Zerfall, Dekadenz und das Überleben im beschnittenen Sozialstaat. ,Omnicide' symbolisierte die globale, vom Menschen verübte Selbstzerstörung. ,Forging the eclipse' sollte etwas Individuelles bekommen. Jetzt soll es um die eigene Verdunkelung gehen." Nun gibt es das Sprichwort, dass der Mensch seines eigenen Glückes Schmied sei (to forge heißt zu dt. schmieden). Eine Sonnenfinsternis (engl. Eclipse) hingegen sorgte und sorgt immer noch für globale Panikattacken, weil der Mensch sich der Natur ausgesetzt fühlt. "Es geht ganz genau um diesen Gegensatz. Da ist der Gedanke, dass wir nicht nur für das verantwortlich sind, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun. Die Sonnenfinsternis, die Verdunkelung, etwas Übermächtiges, geschieht nicht einfach - wir produzieren das selbst. Das kann man auf sein ganz eigenes Leben beziehen, aber auch auf die menschliche Entwicklung im Allgemeinen oder den Gesundheitszustand unseres Planeten. Je weniger Schicksal und Fatalismus, umso mehr Eigenverantwortung gibt es. Das klingt erst mal schlecht. Aber es schafft auch Handlungsmöglichkeit." Ihr (Teil) Produzent Ali hat mit Heaven Shall Burn gerade erst wieder in Headlinerposition beim Summer Breeze abgeräumt. Sind Neaera in einigen wenigen Jahren auch so weit? "Jeder, der ihre Show auf dem Summer Breeze gesehen hat, wird gespürt haben, wie unglaublich mächtig das war. Aber auch wie bedeutend und besonders! Ich habe noch nie so viel Attitude und Idealismus auf einer so großen Bühne gesehen. Es schien wie eine sehr mutige Abrechnung und eine sehr konsequente Umsetzung ihrer lyrischen, inhaltlichen Seite. Wir selbst wären nie so naiv zu glauben, ein solches Niveau erreichen zu können." Bedächtige und bescheidene Worte, die zu dem Intro "The forging"- einer Art Ruhe vor dem Sturm - passen. "Das Intro hat tatsächlich Ali geschrieben und eingespielt. Er hat ein Side-Project namens Erode, in dem er sich allein ruhigeren Klängen und atmosphärischen Soundflächen verschreibt."
Nussknacker
von Björn Thorsten Jaschinski (04.07.2007)Die Münsteraner Neaera haben nicht im Traum ein Problem damit, ihre Einflüsse offen zulegen: Und die sind auf dem dritten Album "Armamentarium" (todes) metallischer denn je! Der Opener "Spearheading the spawn" ist bereits eine Hommage an Bolt Thrower...
WeiterlesenDie Münsteraner Neaera haben nicht im Traum ein Problem damit, ihre Einflüsse offen zulegen: Und die sind auf dem dritten Album "Armamentarium" (todes) metallischer denn je! Der Opener "Spearheading the spawn" ist bereits eine Hommage an Bolt Thrower, wie Sänger Benny nach dem gefeierten WithFullForce-Auftritt begeistert bestätigt. "Von unseren Gitarristen ist gerade der Tobi absoluter Fan, der vergöttert Bolt Thrower! Das wollten wir dieses Mal auch umsetzen: Walziger und trotzdem irgendwo Melodien. Die Breakdowns zurückschrauben. Gerade unserem Drummer war wichtig, dass dieses Album nicht so klinisch klingt, sondern Wumms hat. Auf der Hinfahrt hierhin dachte ich plötzlich: Ist unser ,Tools of greed' nicht ziemlich Carcass? Tobi ist schon im Studio die rhythmische Anlehnung an deren ,Tools of the trade' aufgefallen." Die im Titel anklingende Kapitalismuskritik war dabei auf dem Vorgänger "Let the tempest come" präsenter. "Durch das Album zieht sich etwas von allem: Politisches, Ungerechtigkeit, die Überflussgesellschaft, Alltägliches. ,The orphaning' ist ein Umwelttext, ,Synergy' dagegen soll ein Dankeschön an diejenigen sein, die uns in letzter Zeit unterstützt haben. Wobei ich das Wort Fans nicht mag." Wer diese "Unity" Philosophie alleine dem Hardcore umschreibt, sollte das beinahe 30 Jahre alte "United" von Judas Priest oder Overkills "In union we stand" hören. "Im Hardcore ist der Gedanke natürlich über die Straight Edge-Schiene besonders gegeben", grinst Benny in Erwartung einer Extraration Wodka. Stunden später enttarnt er die Promillehostessen und ihre Arbeitsgeräte als billigen Party-Gag: Das Energiebündel, welches gerade erst im Backstage-Bereich At The Gates "Slaughter of the soul" abgefeiert hat, muss locker ein Vielfaches von den angezeigten 0,5 Promille intus haben. Zuvor charakterisiert er nüchtern die aktuelle Bandsituation: "Man merkt, dass die Anfragen mehr werden und etwas Taschengeld abfällt. Jeder hat noch ein Auge auf sein Studium, nimmt aber z.B. für die Musik in Kauf, noch zwei, drei Semester anzuhängen und dafür Gebühren zu zahlen. Entweder jetzt oder nie. Wenn dann Vollgas!" Scherzhaft setzt er nach: "Unser zweiter Gitarrist Stefan Keller ist die Person, die den Schuss Bildung reinbringt. Das lateinische ,Armamentarium' bedeutet Rüstzeug oder Bewaffnung. Die Musik ist noch mehr die Keule und Eisenfaust. Es ist ein starker, aussagekräftiger Titel: Leute, macht euch auf etwas gefasst: Jetzt gibt es was auf die Nuss!"
ZITAT
"Leute, macht euch auf etwas gefasst: Jetzt gibt es was auf die Nuss!"