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Dieses Re-Release von Napalm Death' "Utopia banished" kommt mit vier zusätzlichen Bonustracks.
Interview
Die reine Seele des Extreme Metals
von Jürgen Tschamler (27.12.2011)Wenn es um Extreme Metal-Bands geht, dann gibt es für die große Mehrheit der Fans dieses Genres eigentlich nur eine Band, welcher der Thron zusteht: Napalm Death. Die Institution des Extreme-Genres hat sich musikalisch, textlich wie politisch fest et...
WeiterlesenWenn es um Extreme Metal-Bands geht, dann gibt es für die große Mehrheit der Fans dieses Genres eigentlich nur eine Band, welcher der Thron zusteht: Napalm Death. Die Institution des Extreme-Genres hat sich musikalisch, textlich wie politisch fest etabliert und scheut auch unangenehme Aussagen nicht. Im neuen Jahr steht das vierzehnte Album der Band an. "Utilitarian" ist erneut ein überdeutliches Statement der Engländer. Zum Smalltalk hatten wir Basser Shane Embury vorm Mikro. 14 Alben hat die Band mittlerweile auf dem Buckel. Könnt ihr überhaupt noch etwas Neues machen, was die Napalm Death-Fans bisher noch nicht gehört haben? "Wir spielen, was wir fühlen und sind der Meinung, dass wir als Band mehr fokussiert sind als jemals zuvor. Auf dem Album herrscht eine große musikalische Vielfalt und ich denke, es bewegt sich von da ab weiter, wo der Vorgänger logischerweise aufgehört hat. Wenn jemand Napalm Death mag, dann kann ich nichts finden, was ihn auf diesem Album enttäuschen wird. Wenn ich mich heutzutage in der Szene umsehe finde ich, dass wir mehr zu bieten haben als andere." In "Everyday pox" können wir einen total verrückten Saxophon- Part hören. Wer kam mit der Idee an? "Der Song hat viele schräge, musikalische Wechsel. Ich wollte was total anderes und abgefahrenes in dem Song und ich finde, dass ein Saxophon so ziemlich eines der verrücktesten Instrumente überhaupt ist. Avantgarde Sax-Player John Zorn hat die Passage eingespielt. Unser alter Drummer Mick Harris hatte mit ihm in Painkiller gespielt und war der Meinung, er ist der Richtige. Über Mike Patton bin ich dann an ihn rangekommen und er hat sich dafür bereit erklärt." Die Band hat niemals ihre Ideale aufgegeben oder hat Kompromisse akzeptiert. Ist das vielleicht ein Faktor, dass die Fans so hinter der Band stehen? "Auch wir haben Kompromisse einzugehen, je nachdem, um was es sich handelt. Es gibt sicher Dinge die wir nicht tun werden und hoffen, die Fans erkennen das und unsere Message. Wir geben immer 100 Prozent." Interessanterweise ist heutzutage selbst "Extreme Metal" ein Teil des Business. Was macht heutzutage eine Extreme Metal-Band zu einer Extreme Metal-Band? "Das weiß ich nicht. Irgendetwas, dass man bisher nicht gehört hat oder vielleicht etwas Frisches, dass man zu einem eingefahren Stil hinzufügt!? Ich hasse diese Terminologie heutzutage in der Musik. Es ist unvermeidbar, aber ich versuche es zu vermeiden wo ich es nur kann. Wenn es gut ist, dann ist es gut und reißt Barrieren ein, dann sollte man es wagen, auch wenn man dabei seine sichere Fährte verlässt, denke ich." Die Band geht im Frühjahr auf eine ausgedehnte Europatour. Können wir was Spezielles erwarten? "Eine Menge Schweiß und Zorn wird sich mit vielen neuen Songs auf der Bühne vereinen. Getoppt von alten Klassikern, manche die wir bisher nicht live gespielt haben. Lasst euch überraschen." Erneut gehen eure Texte sehr kritisch mit allen gesellschaftlichen Konventionen um. Was ist für dich heutzutage eines der größten Missverständnisse der sozialen Welt? "Ich denke nicht, dass es ein Missverständnis ist, aber können wir es ändern? Können wir unsere Gesinnungen ändern, wie wir über diesen Planeten und die Menschen darauf denken? Sind wir schon verurteilt? Vielleicht nein, vielleicht ja!" Wie denkst du über die UK-Entscheidungen hinsichtlich der europäischen Finanzpolitik? Müssen sich die Briten nun Sorgen machen? "Wer kann das schon sagen? Es ist viel Unruhe in England, aber von meiner limitierten Sichtweise aus, muss man immer besorgt sein. Und je älter du wirst, umso mehr erkennst du das Missverhältnis der politischen Aussagen zum realen Leben. Ich bin immer bis zu einem gewissen Maße besorgt, aber manchmal musst du dann einfach abschalten."
Antireligiöse Manifestationen
von Markus Eck (25.09.2006)So, jetzt ist es erst mal wieder vorbei mit all den langweiligen Tagen, an denen Weichspüler-Klänge die Hirnwindungen ausgefüllt haben. Denn jetzt gibt es wieder anständig was auf die Glocke. Napalm Death, das gnadenlose britische Grindcore-Quartett ...
WeiterlesenSo, jetzt ist es erst mal wieder vorbei mit all den langweiligen Tagen, an denen Weichspüler-Klänge die Hirnwindungen ausgefüllt haben. Denn jetzt gibt es wieder anständig was auf die Glocke. Napalm Death, das gnadenlose britische Grindcore-Quartett aus der Nähe von Birmingham, verpasst seinen zahlreichen Fans mit der neuen CD "Smear campaign" einen glühend heißen Einlauf aus allen schmackhaften Zutaten, welche dieses bizarre Genre so zu bieten hat. Ich erwischte Tieftoner Shane Embury glücklicher Weise in allerbester Erzähllaune.
Die überraschende gesangliche Beteiligung von The Gathering-Frontfrau Anneke van Giersbergen an "Smear campaign" erscheint eigentlich verwunderlich - Shane hingegen freut sich darüber wirklich sehr. Er erzählt mir: "Wir benötigten eine Sängerin für den Track ,In deferance', ein Freund von uns im Studio empfahl uns daraufhin Anneke beziehungsweise ihre Stimme. Wir hielten dies vom Fleck weg für eine einzigartige Idee für eine Band wie Napalm Death. Wir sendeten den Song dann via Email in ihr Studio, woraufhin sie uns das Ganze dann einige Tage später zurückschickte. Sie hat gute Arbeit für uns gemacht, und ich glaube, Anneke mag unsere Musik wirklich - denn so was hat sie bisher noch nicht gemacht." Prägendes Ziel der Grind-Veteranen für das neue Album war es laut Aussage von Shane, Napalm Death damit als Ganzes zu definieren. "Wir wollten primär eine Platte aufnehmen, welche unsere gesamte musikalische Bandbreite adäquat repräsentiert. Und ich denke schon, dass wir das entsprechend gut hinbekommen haben." "Smear campaign" behandelt zudem auf lyrische Weise religiöse Unterdrückungen, so Shane. "Wir stellen dem Hörer die Frage: Sind Religionen wirklich notwendig in der heutigen Zeit? Denn es scheint, als ob sie die Ursache von so viel Schmerz auf dieser Welt sind." Zum Zeitpunkt des Interviews befanden sich Napalm Death gerade auf US-Tour mit Hatebreed, The Black Dahlia Murder und Exodus. Shane hierzu: "Heute ist die vierte Show der Tour und alles läuft nach Plan. Eine ganze Menge unterschiedlicher Besucher fallen zu den Konzerten ein - darunter viele, welche uns zuvor noch nie gesehen haben. Insgesamt also eine verdammt gute Sache, diese Tour. Wir freuen uns auf weitere Gigs." Vorbildliche Arbeitsdirektive, kann man da nur noch sagen.