Interview

Teuflischer Heavy Metal
von Markus Wosgien (24.09.2007)Sie haben als Kinder bereits ihre Seele an den Teufel verkauft und missionieren nun in dessen Namen, um die Heavy Metal-Gemeinde vollends in denn Bann des Bösen zu ziehen. "Satanic curses" komplettiert den Fünfzack von Mystic Prophecy und stellt ein ...
WeiterlesenSie haben als Kinder bereits ihre Seele an den Teufel verkauft und missionieren nun in dessen Namen, um die Heavy Metal-Gemeinde vollends in denn Bann des Bösen zu ziehen. "Satanic curses" komplettiert den Fünfzack von Mystic Prophecy und stellt ein wahrlich heißes und diabolisches Eisen dar. Es ist die härteste, schnellste und dennoch vielseitigste Scheibe der Süddeutschen Combo um den griechischen Ausnahmesänger R. D. Liapakis. Es ist das Fegefeuer aus der Hölle und schlichtweg fantastisch.
"Unsere Songs besaßen schon immer ein mystisches Feeling", beginnt der sympathische Familienvater. "Das gehört zu uns und ist wie eine eigene Duftnote. Aber keine Angst, ich bin ein braver Hellene der nur an die zwölf Götter glaubt", sagt es und schmunzelt verschmitzt. "Der Teufel ist eine Erfindung der Kirche, um die Menschen fürchten zu lehren. Natürlich hat jeder Mensch eine positive und negative Seite in sich, die ab und zu in den Vordergrund kommt. Doch das ist bestimmt nicht der Teufel mit den Hörnern, sondern der eigene kleine Dämon, der in dir lebt und ab und an raus will." Der Volksmund sagt, dass Heavy Metal Teufelsmusik ist, womit auch der charismatische Sänger in seinem beschaulichen Dorf im Allgäu so seine Erfahrungen hat. "Mich fragen oft ältere Leute oder Kollegen im Betrieb, ob ich Satanist bin. Daraus mach ich mir gerne einen Spaß und erzähle, dass ich in meinem Keller auch kleine Babys opfere und Voodoo-Rituale praktiziere, um dem Teufel zu begegnen. In einer konservativen und streng katholischen bayrischen Gemeinde erhält man dafür sehr unterschiedliche Reaktionen. Aber ich höre Heavy Metal nun seit 30 Jahren, das kann im Grunde doch auch nur durch Voodoo und Magie passieren." Während viele Bands im Vergleich zu ihren Frühwerken meist etwas gediegener werden, ist bei Mystic Prophecy hingegen das Gegenteil der Fall. "Man wird merken, dass die Band zwar schneller und heavier geworden ist, die Melodien aber dennoch nicht zu kurz kommen, und die Songs noch abwechslungsreicher sind. Das ist eine Entwicklung die zu uns passt und uns sehr aggressiv rüber kommen lässt. Das ist was wir am besten können, Heavy Metal voll in die Fresse! Unsere Wurzeln stecken in der Bay Area Thrash-Phase der Achtziger und ich liebe es wenn einem die Gitarren und Drums das Hirn wegblasen." Roberto selbst ist seit jeher Fan geblieben, ist stolz auf seine 4.500 Vinyl-Scheiben und rund 2.000 CDs die er hegt und pflegt. "Bei uns ist alles Metal, mein kleiner Sohn Patrik besitzt jetzt schon zehn Metal-Shirts und schreit jedes Mal AC/DC wenn ich Musik spiele." Momentan schwört er auf die neuen Alben von so unterschiedlichen Bands wie Exodus, Shatter Messiah und The Poodles. Die Stimmung im Mystic Prophecy-Camp ist jedenfalls euphorisch. In Griechenland hat man mit "Dark forces" sogar eine Single aus dem neuen Album ausgekoppelt, die auf einem sensationellen 15. Platz gelandet ist. Die Zeichen stehen also auf Sturm!
Ein teuflisches Imperium
von Markus Wosgien (03.01.2006)
Mystic Prophecy
Ein teuflisches Imperium
von: Markus Wosgien
vom: 03.01.2006
Mystic Prophecy haben sich mit ihrem neuen Album "Savage souls" ihr eigenes Denkmal gesetzt. Es gibt uns die Antwort auf die Frage warum wir Heavy Metal lieben, de...
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Mystic Prophecy
Ein teuflisches Imperium
von: Markus Wosgien
vom: 03.01.2006
Mystic Prophecy haben sich mit ihrem neuen Album "Savage souls" ihr eigenes Denkmal gesetzt. Es gibt uns die Antwort auf die Frage warum wir Heavy Metal lieben, denn es vereint Macht, Magie und eine unbeschreibliche Power in sich. Musikalisch ist es eine grandiose Mixtur aus traditionellem US-Metal, Speed und Bay Area Thrash. Es ist die stärkste Veröffentlichung des Quintetts und es müsste sprichwörtlich mit dem Teufel zugehen, wenn dieses Meisterwerk nicht einschlägt wie eine Bombe.
Nach der Veröffentlichung ihres letzten Opus "Never ending" gab es im Hause Mystic Prophecy einige Veränderungen in der Besetzung. Gitarrist Gus G. (Firewind) und Schlagzeuger Dennis Ekdahl (Raise Hell) nahmen ihre Hut, um sich wieder mehr auf ihre eigenen Acts zu konzentrieren. Für den griechischen Saitenflitzer holte man mit Markus Pohl (Symphorce) und Martin Grimm (ex-Headstone Epitaph) gleich zwei neue Leute ins Boot, während die Drumsticks fortan Matthias Straub (Sacred Steel) schwingt. "Ich denke, dass wir uns die richtigen Leute ins Boot geholt haben", beginnt Frontmann Lia voller Freude zu erzählen. "Die Scheibe klingt aggressiver und interessanter als die letzten beiden Alben, nicht zuletzt dadurch dass frisches Blut in die Band kam. Das Songwriting war dieses mal ganz anders, jeder steuerte seine Ideen dabei und wir hatten einen super Lauf. Die neuen Songs klingen frischer und bissiger, jeder wollte sein Bestes geben und es steckt sehr viel Herzblut von allen Beteiligten drin."
Die elf Tracks entstanden innerhalb von vier Monaten und wurden erneut im bandeigenen Studio aufgenommen und von Lia selbst produziert. Für den Mix ging man jedoch erstmals nach außen und ließ das Meisterwerk von Fredrik Nordström (Dream Evil u.a.) veredeln. "Ich wollte allerdings nicht den Standart-Sound vom Fredman-Studio bekommen, weshalb ich mich im Vorfeld mit Fredrik zusammengesetzt habe und ihm erklärte was wir uns vorstellen. Der Sound hört sich nun leicht kommerziell an, ist aber dennoch sehr heavy. Unsere alten Scheiben waren etwas rauher und nun klingen wir frischer. Ein Tapetenwechsel hat noch keinem geschadet und wir wollten dadurch über unseren Schatten springen." Das Experiment ist geglückt und Mystic Prophecy können sich mit "Savage souls" definitiv international messen.
Generell standen Mystic Prophecy immer schon für die düstere und dunkle Seite des Heavy Metals. Auf dem neuen Opus fällt dies noch extremer ins Gewicht, Songtitel wie "Evil empires", "In the darkness" oder "Nightmares of demon" sprechen dabei eine deutliche Sprache. "Zwar sehe ich die Welt nicht nur negativ, aber ich stelle mich darauf ein. Um so mehr freue ich mich, wenn etwas positiv ausfällt. Aber ich lebe nun mal in dieser Welt und beschäftige mich mit den Dingen die geschehen und diese sind nun mal nicht immer erfreulich. Dieses düstere, depressive hört man unserer Musik natürlich an. Man kann nur leider als einzelner Mensch nicht die Welt verändern, da müssten alle gemeinsam mit anpacken und versuchen etwas zu bewegen. Man muss nur an die ganzen Glaubenskriege denken, oder die Imperien, die sich mächtig fühlen und Länder überfallen. Nimm die Globalisierung, oder die Politiker die heute versagen, was noch unsere Kinder ausbaden dürfen, wenn die Verantwortlichen bereits in Rente sind und von hohen Abfindungen leben. Die Zukunft sieht leider nicht rosig aus. Ich kann deshalb keine fröhliche Musik machen und behauten dass alles wunderbar ist, während um mich herum alles zusammenbricht."
Lohnenswerte Denkanstöße, die wir leider selbst gerne verdrängen oder nicht sehen wollen. Hinter "Savage souls" steckt jedenfalls sehr viel Energie, die letztendlich die Heavy Metal Gemeinde wieder vereint.