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Motörhead satt bekommt ihr mit dieser Doppel-CD der britischen Band, bestehend aus den Scheiben 1916 und March Or Die. Harte Riffs, satter Sound, tolle Melodien - das ist man von Motörhead gewohnt. Und diese Erwartung wird auch auf dem CD-Set 1916 / March Or Die nicht enttäuscht.
Interview

Rock out
von Jürgen Tschamler (24.06.2008)Motörhead sind ein grundlegender Bestandteil der Metalszene. Über den Status von Lemmy und Co. braucht, und muss man nicht diskutieren. Live tritt das Trio Arsch, auf CD ballern sie immer noch locker aus der Hüfte. Jedes neue Motörhead Album wird mit...
WeiterlesenMotörhead sind ein grundlegender Bestandteil der Metalszene. Über den Status von Lemmy und Co. braucht, und muss man nicht diskutieren. Live tritt das Trio Arsch, auf CD ballern sie immer noch locker aus der Hüfte. Jedes neue Motörhead Album wird mit Sehnsucht von den Anhängern herbeigebetet, obwohl man größtenteils weis was einen erwartet. Dennoch, ohne Motörhead wäre der Metal langweilig. Gegen Ende des Sommers steht ein neues Motörhead Album an, "Motörizer". Allerdings gibt Band und Plattenfirma keinen Ton raus. Eine zwar schlechte Ausgangssituation für den Fragesteller, aber Drummer Mikkey Dee versuchte weitgehendst aufzuklären:
"Sicher eine unbefriedigende Situation, was verschiedene Gründe hat: Zum einen sind die Songs nicht fertig gemastert, zum anderen hat Lemmy bis zum Schluss noch nicht alle Songtitel entgültig zusammengehabt, bzw. festgelegt. Ich weiß also noch nicht einmal wie welcher Song in der endgültigen Fassung nun heißt. Elf Songs haben wir eingespielt. Wie immer eben: Rein ins Studio, aufgenommen, fertig. Wir sind keine Band die Monate an den Songs rumwerkelt, das war nie unser Ding. Ich mag das persönlich auch nicht sonderlich, monatelang an irgendwelchen Songs rumprobieren ob sie passen oder nicht. Je länger man an Songs arbeitet umso mehr stellt man sie in Frage. Musikalisch ist ,Motörizer' ein recht vielseitiges Album geworden. Von 'ner Powerballade, schnellen, typischen Rock'n'Roll Songs, groovy Nummern, bis hinzu einem Deep Purple-/Thin Lizzy-ähnlichen Rocker ist alles dabei. Schwer zu sagen ob man das Album eher mit ,Kiss of death' oder ,Inferno' vergleichen kann. Es ist eher ein Mix aus beiden und sogar eher bisschen variationsreicher. Ich mag es echt. Der Albumtitel stammt übrigens von mir, nachdem meine Ideen für die letzten beiden Alben immer abgelehnt wurden. Der Titel hat keine besondere Bewandtnis, es ist nur ein verdammt cooler Begriff der perfekt zur Band passt. Man muss da also nichts hinterfragen oder rein interpretieren."
Aufgenommen habt ihr wieder mit Cameron Webb als Produzenten?
"Ja haben wir. Ich habe in Dave Grohl's Studio 606 in Kalifornien den Drumpart aufgenommen. Dave hatte mir das angeboten während Lemmy und Phil in einem anderen Studio aufgenommen haben. Das was du auf dem Album hörst ist alles ziemlich schnell vor den Aufnahmen geschrieben worden. Das Album stellt eine wirklich klassische Momentaufnahme von Motörhead dar. Wir nehmen auch nur auf, wenn wir alle drei mit den Songs zufrieden sind. Und da ist es auch egal was der Produzent denkt. Wir sind die Band, wir entscheiden wie wir klingen wollen."
Ihr werdet im August zusammen mit Judas Priest, Heaven and Hell und Testament auf große US-Tour gehen. Das ist ein verdammt starkes Tourpackage das auch für Europa passen würde!
"Ja, die Tour wird bestimmt klasse. Alles coole Bands und wir haben jetzt auch schon eine zeitlang nicht mehr so oft in den USA gespielt. Dio ist ein klasse Typ, die Testament Jungs sind nett und wir sind die lauteste Band in der Welt, ha, ha, da kann nichts schief gehen. Die Tour wird sicherlich ein ziemlicher Erfolg werden."
Unkaputtbar
von Marcel Anders (06.07.2006)60 und kein bisschen leise: Ian Fraiser Kilmister, besser bekannt als Lemmy, gibt auch auf seinem 23. Album "Kiss of death" wieder das unverwüstliche Rock-Animal. Eine Rolle, die keiner besser beherrscht als der baumlange Brite. EMP traf das Berufsun...
Weiterlesen60 und kein bisschen leise: Ian Fraiser Kilmister, besser bekannt als Lemmy, gibt auch auf seinem 23. Album "Kiss of death" wieder das unverwüstliche Rock-Animal. Eine Rolle, die keiner besser beherrscht als der baumlange Brite. EMP traf das Berufsunikum in London - zur Tea-Time mit Whiskey-Cola und Filterzigaretten.
Blues, Rock, Metal, Punk. Für ein Motörhead-Album ist "Kiss of death" ungewöhnlich vielseitig geraten - wie kommt's?
"Weil wir mittlerweile ganz brauchbare Musiker sind. (lacht) Und, weil wir ein paar Gäste dabei haben. Etwa C.C. Deville von Poison, der das Solo auf ,Under the gun' spielt. Oder Mike Inez von Alice In Chains."
Die du wahrscheinlich in deinem zweiten Wohnzimmer, dem Rainbow Club in L.A., getroffen hast?
"Ganz genau. Wir haben einen getrunken, und dann fragte ich ihn: Hör mal, willst du auf dem Album mitmachen? Er meinte: Aber sicher. Er war aufgeregt, wie ein kleiner Junge. Und am nächsten Tag schaute er halt bei uns im Studio vorbei. Er hat seinen Part in drei Versuchen eingespielt. Er war also ziemlich gut. Obwohl: C.C. hat es in einem Rutsch geschafft."
Welchen Platz nimmt "Kiss of death" im Gesamtwerk von Motörhead ein?
"Es ist Nummer 23, oder nicht? (lacht) Und es ist besser als ,Inferno', was ja das beliebteste Motörhead-Album der letzten Jahre ist. Es hat die besseren Songs, die besseren Arrangements und meine Stimme klingt auch viel besser. Genau wie die Gitarre von Phil. Auf einigen Stücken spielt er wirklich toll."
War es eine bewusste Entscheidung, mal etwas anderes zu machen und ein bisschen mehr zu riskieren?
"Wir haben einfach gemacht, was uns gefällt, und das schmeißen wir jetzt auf den Markt. Wenn du es ebenfalls magst - cool. Aber es ist eigentlich nicht so, als ob wir für dich spielen. Wir spielen für uns. Das haben wir schon immer getan. Und ich finde, das ist die beste Art, das zu handhaben. Du musst machen, was du magst. Denn wenn du es schon bis ans Ende deines Lebens spielen musst, ist es wichtig, dass du selbst damit glücklich bist. Logisch, oder?"
In den Texten portraitierst du dich einmal mehr als einsamer Wolf, in dessen Adern elektrisches Blut fließt und der auf Kriegsfuß mit Gott steht ...
"Weil er mich komplett ignoriert, dieser Gott. Aber ,God was never on your side' handelt ja nicht von mir, sondern das ist eine Botschaft, die sich an die Leute richtet. Für den Fall, dass sie immer noch an Gott glauben. Ich meine, Scheiße, was machen die bloß mit ihrem Leben? Gott hilft dir einen Scheißdreck. Und er beantwortet auch keines deiner Gebete. Du kannst dein ganzes Leben beten, aber du wirst nie erhört. Gott ist taub, blind und dumm. Obwohl: Den Teufel mag ich auch nicht. Die können sich also beide ins Knie ficken. Ich bin immer noch selbst verantwortlich für das, was ich da tue. Ich brauche keine Ausreden."
Spricht der Sohn eines Priesters ...
"Ach, der hat doch keinen Einfluss auf mein Leben gehabt. Der Arsch hat mich und meine Mutter verlassen, als ich drei Jahre alt war. Ich habe ihn nie kennen gelernt. Er spielt also auch keine Rolle in meinem Leben."
Was ist mit dem Song "Kingdom of the worm"? Ein Seitenhieb auf's verhasste britische Königreich?
"Nein, da geht es um den Tod. Der Tod ist das Königreich des Wurms. Und der Wurm gewinnt jedes Mal. Er bekommt dich immer irgendwie zu fressen."
Ist das etwas, was dich beschäftigt: Das Alter und der Tod?
"Natürlich! Selbst Leute um die 30 denken ja schon, dass sie alt werden, oder nicht? Es dreht sich alles um das Alter."
Wie hast du deinen 60. Geburtstag gefeiert?
"Ich habe mich nach Vegas verzogen. Für den Fall, dass sie sich irgendwelche Überraschungen für mich einfallen lassen. Und ich meine, den ganzen Tag an den Automaten zu sitzen, ist doch eine genauso gute Art, seinen Geburtstag zu feiern wie jede andere. Jetzt geht es steil auf die 70 - und das ist wirklich Angst einflössend."
Achtest du mittlerweile auf deine Gesundheit?
"Nein. Warum sollte ich auch? Bei mir funktioniert alles bestens. Ich war erst vor ein paar Tagen beim medizinischen Check in Berlin. Und der Typ hat gesagt, ich hätte die Leber eines Neugeborenen, und auch meine Lungen wären prima. Unglaublich, oder? Mach mir das erst mal nach!"
Ist es leicht, immer nur Lemmy zu sein?
"Keine Ahnung - ich war ja nie jemand anders. (lacht) Aber ich komme ganz gut damit klar. Eine Menge Leute haben ein Riesenproblem damit, berühmt zu sein. Aber mir macht das nichts. Ich mag es sogar. Und ich habe mich längst daran gewöhnt. Obwohl ich weiß, dass es mal eine Zeit gab, in der ich nicht bei Motörhead war, kann ich mich doch nicht daran erinnern, wie das war - wie sich das angefühlt hat. Nach 31 Jahren ist das halt zu meinem Leben geworden."
Hast du nie das Bedürfnis nach einem Tapetenwechsel?
"Wie sollte das funktionieren? Klar, du als Schreiberling kannst das vielleicht. Du machst dieses Interview, und dann schaltest du ab und bist, wer immer du sein willst. Aber ich bin immer nur Motörhead, 24 Stunden am Tag - für immer und ewig. Selbst, wenn ich morgen aufhöre zu spielen, wäre ich immer noch Lemmy von Motörhead. Genau wie McCartney immer noch Paul von den Beatles ist. So etwas wird man nie los. Aber zum Glück bin ich ganz zufrieden damit. Eine Menge Leute sagen: Ich brauche meine Privatsphäre. Fickt euch - die habt ihr in dem Moment aufgegeben, als ihr zum ersten Mal auf die Bühne gerannt seid. Und ich muss lachen, wenn ich Leute höre, die so einen Blödsinn erzählen. Mann, dann hört doch auf, Musik zu machen, ihr Weicheier. Werdet wieder einfache, schlecht bezahlte Metallarbeiter. Das macht bestimmt mehr Spaß. Was für ein Bullshit!"
Hast du noch Ziele oder Träume, die du dir erfüllen willst?
"Ja, ich hatte zum Beispiel noch keinen Sex mit Halle Berry. Und ich möchte noch einen Hit in Amerika haben, bevor wir den Löffel abgeben. Und wenn möglich auch noch einen in England. Gott sei Dank gibt es ja Deutschland. Da haben wir immer Hits. Die sind richtig gut zu uns. Eben sehr loyal und treu. Eine tolle Charaktereigenschaft der Deutschen. Die hören die neuen Sachen genauso gerne wie die alten, während die Leute in England immer nur das neue Zeug wollen - als ob das irgendwie besser wäre."