Vor zwei Jahren verkündete Dave Mustaine offiziell den Split seiner
Band Megadeth. Als Grund nannte er damals eine Nervenverletzung seines linken
Arms und die Tatsache, dass er mehr Zeit mit seiner Familie verbringen wolle.
Doch schon vo...
Vor zwei Jahren verkündete Dave Mustaine offiziell den Split seiner
Band Megadeth. Als Grund nannte er damals eine Nervenverletzung seines linken
Arms und die Tatsache, dass er mehr Zeit mit seiner Familie verbringen wolle.
Doch schon vor dieser Verletzung schien bei der einst erfolgreichen Thrash Metal-Combo
einiges im Argen zu sein. Die ehemaligen Megadeth-Gitarristen Al Pitrelli,
David Ellefson und Marti Friedman, als auch Schlagzeuger Jimmy
DeGrasso dachten laut über eine eigene Band nach. Um so überraschter war
man über die Nachricht, es würde nun doch ein Comeback geben.Dave, eine Versöhnung mit deinen ehemaligen Bandmitgliedern hat offensichtlich
nicht stattgefunden. Abgesehen von Chris Poland (g), hast du für das
neue Album "The system has failed" ausschließlich Session Musiker engagiert.
"Als ich beschloss diese Platte zu machen, wollte ich die ,Rust in peace'-Besetzung
bitten, das Material einzuspielen. Ich hatte mir überlegt, mit Hilfe der Session
Musiker das Album zu schreiben und die "alten" Mitglieder die Sachen spielen
zu lassen, um mal zu sehen, was passiert. Doch die Verhandlungen sind den Bach
runter gegangen."
Wieso denn das?
"Es ist einfach passiert. Als wir damals ,Countdown to extinction' veröffentlichten,
gab es innerhalb der Band auch Spannungen. Die sind durch den Druck Hits zu
schreiben und Platten zu verkaufen entstanden. Wenn man eine Platte macht und
diese nach wenigen Tagen Platinstatus erreicht, dann ist das zwar gut für den
Erfolg, aber nicht für das Ego eines Menschen. Zweifeln die Personen, mit denen
du in einer Band spielst, plötzlich deine Führungsqualitäten an, so ist das
nicht mehr tragbar. Ich freue mich jedoch darüber, dass Nick (Menza
- ex-Schlagzeuger, Anm. d. Red.) und ich mittlerweile alles klären konnten."
Ist Chris Poland denn nun wieder ein festes Bandmitglied?
"Nein, ist er nicht. Ich habe ihn nur als Session Musiker verpflichtet und
er hat das getan, was ich ihm aufgetragen habe."
Wird er denn mit dir zusammen Konzerte spielen?
"Nein."
Dann hast du wahrscheinlich auch kein festes Line-Up für die anstehenden
Shows zusammen?
"Richtig. Ich habe Nick engagiert und Jimmy Sloas wird Bass spielen.
Sofern nicht irgendetwas dazwischen kommt, wer weiß. Was die Gitarristen angeht,
ich habe mit Jeff Waters von Annihilator und einigen anderen in
Kalifornien gesprochen. Mal schauen, was daraus wird."
Du hast bereits bekannt gegeben, keine Tour mehr machen zu wollen. Bleibst
du dabei?
"Ich werde einige Konzerte spielen und ein paar Auftritte absolvieren, aber
in den Bus zu steigen und sechs Monate aus dem Koffer zu leben, das kommt für
mich nicht mehr in Frage. So was ist kein Leben. Schon deshalb nicht, weil ich
eine sechsjährige Tochter habe, die ich heranwachsen sehen möchte. Bei meinem
zwölfjährigen Sohn habe ich das nämlich schon verpasst. Ich bin im Leben der
Beiden momentan sehr präsent und ich möchte, dass das so bleibt."
Marti und Dave erklärten vor einiger Zeit, sie hätten
Pläne eine eigene Band auf die Beine zu stellen. Was hältst du davon?
"Diese Idee hielt sich nur drei Sekunden. Ich wollte ihnen erst ein Tape schicken.
Aber dann habe ich mir gedacht, dass sie es gar nicht wert sind, ihnen einen
Streich zu spielen. Zusammenfassend lässt sich dazu nur sagen, man kann nicht
ein paar einzelne Stücke zu einem Ganzen verarbeiten. Das funktioniert nicht.
Man muss eine Person in der Gruppe haben, die für die ganze Packung steht und
einzelne Komponenten drum herum setzen. So ist das bei erfolgreichen Bands immer.
Sieh' dir AC/ DC an, da ist Angus diese Packung."
Die Texte zum neuen Album hast du wegen deiner krankheitsbedingten Auszeit
geschrieben. Sind sie aus diesem Grund weniger politisch als persönlich?
"Ich denke schon, dass sie eher politisch sind. Natürlich haben mich viele
persönliche Dinge beeinflusst: Meine Beziehung zu Gott und zu meiner Familie,
die Trennung der Band, die Tatsache, clean zu sein, aber auch der ganze Business
Kram. Megadeth schuldete sehr vielen Leuten Geld und ich musste meine
ganze Ausrüstung verkaufen, um die Rechnungen bezahlen zu können. Traurigerweise
war ich die einzige Person, die sich um so was gekümmert hat. Alle anderen haben
ihre Ausrüstung mit nach Hause genommen. Doch das sind alles Dinge, die ich
nicht durch Songwriting verarbeiten kann. Bei mir läuft so was schrittweise."
Du gehörst bekanntlich zu den Leuten, die nicht genug von dem Rummel um
ihre Person haben können ...
"Es ist ja auch spaßig! Und genau wie jeder andere auch, gefällt es mir, geliebt
zu werden."
... normalerweise jammern Rockstars über ihre Popularität.
"Eben! Diese Leute sollten uns den Gefallen tun und aufhören! Wir brauchen
nicht noch mehr Schlagzeilen von Britney Spears, die sich erst darüber
beschwert, dass man ihre Privatsphäre nicht respektiert, nur um dann für sechs
Stunden zu heiraten. Sie hat das ohnehin nur getan, weil sie nicht damit zurecht
kam, nicht mehr auf jedem Titelblatt zu sein. Ihr Manager meinte, dieses Problem
ließe sich durch eine Heirat lösen. Allerdings war das ein Scherz von ihm. Als
sie das ernstnahm, war der Mann außer sich! Britney hat als wirklich
talentierte Sängerin angefangen, aber jetzt ist sie nur noch ein Flittchen."
Was bedeutet dir das Rockstartum?
"Ich mag es, von Leuten wahrgenommen zu werden. Es ist schön, Menschen um sich
zu haben, die man glücklich machen kann. Das bedeutet mir wesentlich mehr als
einen dicken Scheck zu bekommen oder eine gute Show zu spielen. Gestern zum
Beispiel hat mich ein Mädchen am Flughafen abgefangen. Sie erzählte mir, dass
sie in letzter Zeit viel Schlechtes erlebt hätte und sie sich freuen würde,
von mir ein Autogramm zu bekommen. Gestern Abend war ich noch mal auf meiner
Website, um nach ein paar Dingen zu sehen und stellte fest, dass sie etwas gepostet
hatte. Sie schrieb, wie sehr sie sich gefreut habe, mich getroffen zu haben
und dass es ihr nun sehr viel besser gehen würde, weil ich mich an sie erinnert
habe. Es sind die einfachen Dinge, die einen sehr glücklich machen können."