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Marduk are back with class! So gefestigt und so voller unbändigem Tatendrang wie hier auf dem neuen Album "Serpent sermon" hat man diese schwedischen Satansbraten noch nicht erlebt.
EMP Redaktion
von Markus Eck(22.05.2012)Dermaßen gefestigt, und dennoch so voller unbändigem Tatendrang wie hier auf dem neuen Album, hat man diese schwedischen Satansbraten noch nicht erlebt. Denn an unverbraucht erscheinenden Song-Ideen und zündenden kompositorischen Einfällen ist dieser sehr abwechslungsreiche neue Silberling eindeutig nicht arm. Man höre sich nur mal den übermächtigen Opener und Titelsong an - so voller Wucht, Wut und Weisheit wie selten! Oder z.B. der dritte Zerstörer-Track "Souls for belial", sicherlich eines der flüssigsten und homogensten Marduk-Stücke, die man jemals von der Formation gehört hat. Oder auch "Into second death", echt irre. Irre gut. Auf "Serpent sermon" jagt ein herausragender Black Metal-Höhepunkt den anderen. Marduk zeigen sich als beachtlich stilsicher agierende Routiniers, diesen dominanten Trumpf spielen sie hier deutlich und wissend aus. Doch es pulsiert auf diesem für die Band sehr wichtigen neuen Manifest auch die große rohe Lust an taufrischem Songwriting. Letzteres bringt eine verdammt massive Dosis an reiner Musikalität mit sich. Und genau diese giftige Rezeptur verleiht "Serpent sermon" herrlich beißendes Schwarzmetall-Niveau der allerhöchsten Klasse.
Interview

Anhaltend aufrecht
von Markus Eck (18.05.2012)Zur endgültigen Klärung der Frage, ob das Spielen der Stilistik Black Metal tatsächlich unheilbar süchtig macht, braucht man keinerlei schlaue Wissenschaftler. Die definitive Antwort darauf lautet nämlich schlicht und einfach: Marduk! Denn die schwed...
WeiterlesenZur endgültigen Klärung der Frage, ob das Spielen der Stilistik Black Metal tatsächlich unheilbar süchtig macht, braucht man keinerlei schlaue Wissenschaftler. Die definitive Antwort darauf lautet nämlich schlicht und einfach: Marduk! Denn die schwedische Höllen-Gesandtschaft, die dieser Musikrichtung bereits seit 1990 so extrem entschlossen huldigt, wird wohl erst damit aufhören, wenn die Beteiligten dereinst kalt unter der Erde liegen. Mit dem neuen und mittlerweile zwölften Album "Serpent sermon" unterstreicht die vierköpfige Formation ihren Ruf gleich meterdick.
Wie Gitarrist und Gründungsmitglied Morgan Steinmeyer Håkansson dazu verlauten lässt, durchziehen ihn beim Gedanken an das neue Werk Gefühlsregungen wie Stärke und auch Stolz. "Mich erfüllt es daneben auch mit großer Genugtuung, ein solches Monument auf die Menschheit loszulassen, welches für all das steht, was den Black Metal ausmacht. Die überaus diabolische Essenz von ,Serpent sermon' und die darin enthaltene hohe Kraft bringt mir sogar noch mehr Inspiration, auf unserem Pfad weiter zu marschieren." Und der Mann geht gleich weiter in die Vollen: "Wir verfügen als Band auch aktuell wieder über genau die lichterloh brennenden Ambitionen, welche vielen anderen musikalischen Konkurrenten meines Erachtens nach merklich fehlen. Wir waren schon immer eine Truppe, die genau weiß, was Loyalität zum eigenen Stil und zur Band an sich bedeutet. Deswegen haben wir auch immer weitergemacht, ohne Niederlagen oder Auflösung von Marduk. Unsere Stärken sind unsere Hingabe, unsere Kreativität und unsere Willenskraft. So pumpten wir auch in die neue Veröffentlichung sehr viel Blut, Schweiß und eben Hingabe. Wir sind daher auch alle sehr stolz auf ,Serpent sermon'." Wie Morgan im Weiteren wissen lässt, entstanden auch die neuen Songs auf jeweils unterschiedliche Weise. "Wir folgen dazu keinem bestimmten oder bewährten Muster. Manchmal entsteht ein Marduk-Song schon, wenn ich nur einen bestimmten Titel dafür im Kopf habe, und der Rest kommt mir dann ganz natürlich. Zuweilen reicht es mir auch aus, ein spezielles Riff im Sinn zu haben, welches mir nicht mehr aus den Gedanken geht. Wir setzten uns auch für das neue Album nicht einfach hin und begannen damit, Stücke zu schreiben. Es ist vielmehr ein Prozess, der ständig stattfindet. Die Arbeit an den Songs nährt sich aus einem kontinuierlichen Ideenfluss von uns allen, welchen wir dann stets aufs Neue in unserem Rehearsal-Bunker zusammenfließen lassen."
Bibelfest
von Björn Thorsten Jaschinski (02.04.2007)Alle Wege führen nach Rom? Die schwedische Black Metal-Bastion Marduk hat ihre Panzer verlassen und sich für das zehnte Studioalbum "Rom 5:12" auf eine Zeitreise ins Barock begeben. Nicht zum ersten Mal schlägt der geschichtsinteressierte Morgan Haka...
WeiterlesenAlle Wege führen nach Rom? Die schwedische Black Metal-Bastion Marduk hat ihre Panzer verlassen und sich für das zehnte Studioalbum "Rom 5:12" auf eine Zeitreise ins Barock begeben. Nicht zum ersten Mal schlägt der geschichtsinteressierte Morgan Hakansson seine Zelte im 17. Jahrhundert auf. "Selten wurde zuvor packender über das Leben und den Tod gedichtet, als in dieser Epoche", führt der Gitarrist aus, "In einigen Texten habe ich mich besonders von deutschen Autoren inspirieren lassen, wie Christian Hoffman von Hoffmanswaldau. ,Vanity of vanities' verfolgt den damals bestimmenden Gedanken von der Nichtigkeit - lateinisch vanitas - des irdischen Seins bis ins Absolute. Andere Songs wie ,Through the belly of damnation' wiederum sind direkt von der Bibel beeinflusst. Der Hass von Marduk bezieht sich auf das Christentum als organisierte Religionsform mit großem politischen Einfluss, nicht auf ein aus vielen unterschiedlichen Kapiteln bestehendes Buch." Der Abschluss-Song "Voices from Avignon" befasst sich dennoch nicht mit der religionspolitischen Geschichte der französischen Stadt, in der u. a. die beiden Gegenpäpste zum Vatikan residierten. "Nein, darin greife ich ein Motiv auf, welches das Cover zu unserem letzten Album ,Plague angel' illustriert hat: Der Tod greift sich ein kleines Kind." Ein Thema, welches Morgan schon seit längerem fasziniert: 2003 bereits war eine englisch/schwedisch betitelte Single namens "Portraits of dead children" angedacht, die bislang nicht fertiggestellt wurde. Marduks beinahe wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Christentum - im ernsthaften Black Metal, der nicht nur auf ein Schock-Image fixiert ist, nicht ungewöhnlich - erklärt die mehrfach erklingenden pastoralen Gesänge und Mönchschoräle. Speziell in der zähen Staubwolke von "The leveling dust", dem Opener, erinnern diese Passagen an das Debut der beinahe gänzlich unbekannten schwedischen Black-Doomer von Tristitia. "Den Namen kenne ich nicht, aber wenn er der Sänger von Pagan Rites ist, können sie nicht schlecht sein. Von welchen Tonträgern wir die betreffenden Stellen ausgeliehen haben, erwähne ich aber aus urheberrechtlichen Gründen nicht", grinst Morgan. Freimütig gibt er indessen an, woher das Artwork stammt. "Die Darstellung des dreifaltigen Todes, der über die Menschen triumphiert, haben wir von einem alten Kirchengemälde. Das rechte Skelett zielt mit einer alten Flinte in die Menge, das linke hält direkt drei Pfeile auf seiner Bogensehne gespannt - der Tod ist eben vielbeschäftigt." Wobei gerade der mittlere Sensenmann recht fröhlich dreinblickt. Beinahe automatisch denkt man bei den agilen Knochen an "Roll the bones" von Rush. "Unser Basser Devo ist ein großer Fan von ihnen, mir dagegen bedeuten sie nichts. Dafür habe ich in letzter Zeit zu einer anderen Band aus den Siebzigern gefunden, die ich zuvor für ihre elenden Balladen immer gehasst habe: Die frühen Scorpions Alben mit Michael Schenker und Uli Jon Roth als Gitarristen sind echte Perlen."