Letzte Instanz
Ins Licht
von: Sonja Angerer
vom: 03.01.2006
Selten hat ein Titel so gut gepasst wie beim neuen Album der Letzen Instanz: Pleite des Vertriebs, massiver Line-Up Wechsel, das volle Programm. Die Crossover/Gothic-Rocker haben s...
Letzte Instanz
Ins Licht
von: Sonja Angerer
vom: 03.01.2006
Selten hat ein Titel so gut gepasst wie beim neuen Album der Letzen Instanz: Pleite des Vertriebs, massiver Line-Up Wechsel, das volle Programm. Die Crossover/Gothic-Rocker haben sich davon trotzdem nicht entmutigen lassen und wollen 2006 wieder durchstarten.
"Bald nach der Veröffentlichung von ,Götter auf Abruf' (2003) und der Tour kam im Dezember 2003 eine E-Mail von unserem ehemaligen Sänger Robin, in der er seinen Ausstieg bekannt gab. Wir waren erst mal vor den Kopf geschlagen", so Drummer Specki beim Interview in München. "Immerhin hatten wir große Pläne - für eine kleine Band ohne viel Budget war Platz 81 der Albumcharts ja eine Position, die wir gerne ausgebaut hätten. Alle Versuche, doch noch eine gemeinsame Basis zu finden scheiterten, so dass wir zwischenzeitlich ernsthaft überlegten, ganz aufzuhören oder unter neuem Namen weiterzumachen. Denn im Zuge der Suche nach einem neuen Sänger verließ uns auch noch der Bassist, der zweite Gitarrist wurde Vater und setzte neue Prioritäten ... letztlich entschieden wir uns aber trotzdem, uns nicht entmutigen zu lassen und uns als Letzte Instanz auf die Suche nach einem neuen Sänger zu machen." 120 Zuschriften erhielt die 1996 in Dresden gegründete Band für die Position des Frontmanns, nach einer Handvoll Tests im Proberaum entscheid man sich für den vom Silbermond-Produzenten Bernd Wendlandt empfohlenen Berliner Holly (ex-The Comuvnics). Bald darauf kam noch der Würzburger Bassist Michael Ende hinzu, man entschied sich außerdem, den vakanten Posten der zweiten Gitarre nicht wieder zu besetzen. Glücklicherweise hatten die verbliebenen Instanzler schon während der Suche den Kopf nicht hängen lassen und fleißig an neuen Songs gebastelt. Logistisch übrigens keine ganz leichte Aufgabe, da die Band über ganz Deutschland verteilt lebt! "Da ist schon einige Disziplin nötig, man kann sich nicht jede Woche mal zum Jammen treffen", erklärt Specki grinsend. "Wir bearbeiten die Stücke am Computer und schicken sie per E-Mail weiter. Alle paar Wochen trifft man sich dann mal, um sie gemeinsam auszuprobieren, denn was auf dem Computer gut klingt, muss noch lange nicht im Proberaum funktionieren." So waren die meisten Stücke des aktuellen Albums schon in ihren Grundzügen fertig, bevor das neue Line-Up überhaupt feststand. "Texte und Vocals stammen aber natürlich von Holly", so Specki.
Interessanterweise stand die Letze Instanz nicht mal für die Album-Aufnahmen zusammen in einem Studio. Specki erzählt: "Die Rhythmusgruppe nahm ihren Part bei Sigi Bemm (The Gathering, Tiamat) in den Woodhouse Studios in Hagen auf. Holly und die Streicher (Benni Cellini und M. Stolz, Anm. d. Red.) arbeiteten in Berlin." Dort trugen auch Eric Fish (Subway To Sally), Thomas Lindner (Schandmaul) und Sven Friedrich (Zeraphine) ihren Teil zu dem Track "Das Stimmlein" bei. "Die Szene in der wir unterwegs sind, hat es schwer genug - für viele hört deutsche Rockmusik bei Herbert Grönemeyer auf. Deshalb ist es wichtig, dass die Musiker untereinander kein Konkurrenzdenken entwickeln, sondern sich wenn möglich ein bisschen unter die Arme greifen. Das schafft Öffentlichkeit und nutzt letztlich allen," erklärt der Drummer zu den Gastauftritten.
Die fertigen Album-Bänder gingen dann ins Woodhouse Studio, wo sie gemischt und gemastert wurden. Knapp zwei Monate dauerte die Produktion. "Der Zeitplan war sehr straff, weil wir das neue Album unbedingt noch vor der Festivalsaison auf dem Markt haben wollten, damit wir im Sommer 2006 ein paar schöne Open Airs spielen können", erläutert er. Für den Siebener sind Live-Auftritte eine wichtige Einnahmequelle, "wir haben wahrscheinlich schon jeden Live-Club in Deutschland und Österreich beackert, jetzt kommen gerade die Schweiz und Benelux dran", grinst Specki, der als Berufsmusiker und Lehrer an der Landsberger Musikschule arbeitet. "Damit konnten wir uns über die Jahre eine solide Fanbasis erspielen. Trotzdem ist es nicht leicht - inklusive Crew sind wir mit 15 Mann unterwegs, das ist aufwändig und verschlingt viel Geld." Verschärfend kommt hinzu, dass die Abrechnung des Vorgängeralbums in der Insolvenzmasse des Indie-Vertriebs EFA festhängt. "Wie haben bis jetzt für das Album noch keinen Pfennig gesehen", er zuckt resigniert mit den Schultern, "der Vorgang ist noch in der Schwebe, aber wir machen uns keine großen Illusionen, dass wir dadurch noch reich werden. Wir haben das Ganze jedoch weitgehend abgehakt - inzwischen gibt es eine neue Plattenfirma, ein neue Management, ein neues Album. Der Albumtitel kommt ja nicht von irgendwo, wir wollen all dies hinter uns lassen, die ganze harte Zeit, die Unsicherheit, und nach vorne schauen. Einen Cut machen. Die Letzte Instanz gibt es nach wie vor - aber ganz anders." Dass die Band diese Tiefschläge tatsächlich halbwegs unbeschadet überstand, hat seiner Meinung nach vor allem einen Grund: "Eine Band, die sich persönlich nicht so gut verträgt wie wir, hätte sich längst aufgelöst. Ende 2003 sind die positiv denkenden Leute übrig geblieben. Wir haben einfach ein Wahnsinnsklima in der Band, wenn wir auf Tour fahren, dann geht es nicht darum, einfach Arbeit zu verrichten, es ist schon beinahe wie ein Familienausflug - wir sehen uns ja nicht so oft, auch wenn wir in täglichem Telefon- oder E-Mail-Kontakt stehen. Besonders die Sommerfestivals sind eine Riesengaudi." Zum Zeitpunkt des Interviews ist der Track "Sonne" als Single ausgekoppelt, jedoch nur über die bandeigene Homepage sowie bei Konzerten zu erwerben. Ein Video ist nicht geplant. Specki: "Es ist schwierig, nachdem das Musikfernsehen kein besonders offenes Ohr mehr für kleinere Bands hat. Wenn Viva und MTV sich nur noch auf Riesennamen einlassen, macht die Produktion eines Videos nicht viel Sinn - es ist vielleicht sogar rausgeworfenes Geld, wenn es schließlich nur bei den Bandmitgliedern im DVD-Schrank steht."