Information
Die Böhse Onkelz Cover-Crew aus Hamburg.
EMP Redaktion
Hierbei handelt es sich um eine Coverband, die ihren Helden den Böhsen Onkelz Tribut zollen. Live aufgenommen im Headbanger's Ballroom in Hamburg am 21.01.2005.
Ja, ja, der gute Jörn von Remedy Records, dem Kultplattenladen aus der Hansestadt Hamburg ... Nicht, dass er genug damit zu tun hätte, mit Lemmy um die Häuser zu ziehen, oder seine eigene Band Torment zu organisieren. Nein, des weiteren unterhielt er u.a. mit Ace Of Spades sowie Motörment diverse Tribute-Acts ... neuerdings eben auch die Kneipenterroristen. Das Timing hätte wohl nicht besser sein können, denn just in diesem Sommer sagten die bö(h)sen Jungs aus Frankfurt (für immer?) Adios. Was bleibt den Hunderttausenden von Fans? Eben, sich zu Hause die Tonträger (des Originals) anzuhören oder zu einem Konzert einer der zahlreichen Tribute-Bands zu pilgern. So etwa zu den Kneipenterroristen, die mit "Made in Hamburg" eine Anfang des Jahres aufgezeichnete Doppel-CD präsentieren, die Liedgut von "Mexiko" und "Bomberpilot" bis zu "Terpentin" präsentiert, alles sehr rough und mit böser Miene eingespielt, eben zu 100 % live (inklusive zahlreicher Mitsing-Parts) - so wie es sein muss! (Matthias Mader - Juni 2005)
Interview
Nacht ohne Morgen
von Matthias Mader (10.03.2011)Nun, Faulheit kann man dem guten Jörn nun wahrlich nicht attestieren. Er ist so etwas wie der heimliche Szenepabst der harten Musik, in der wunderschönen Hansestadt Hamburg. Neben den Kneipenterroristen spielt er noch in zwei weiteren Bands (nämlich ...
WeiterlesenNun, Faulheit kann man dem guten Jörn nun wahrlich nicht attestieren. Er ist so etwas wie der heimliche Szenepabst der harten Musik, in der wunderschönen Hansestadt Hamburg. Neben den Kneipenterroristen spielt er noch in zwei weiteren Bands (nämlich Torment und Motörment) und betreibt mit Remedy Records sein eigenes Label und seinen eigenen Plattenladen. Aber weil das noch nicht abendfüllend ist, organisiert er zusätzlich jedes Jahr im Frühsommer mit dem "Metal Bash" ein kleines aber sehr feines Festival. Wie bekommt man das alles eigentlich unter einen Hut? Jörn stöhnt: "Es ist teilweise schon etwas stressig, aber ich arbeite inzwischen viel von unterwegs, wenn ich mit den Kneipenterroristen auf Tour bin, und habe mir auch zuhause ein Büro eingerichtet. In Zeiten von Internet und E-Mails fällt sowieso 80 % der Arbeit auf dem Computer an. Ich bin aber montags, dienstags und donnerstags auch noch bei Remedy Records und kümmere mich um Laden und Label. Mittwoch ist mein Band-Tag, da schreibe ich Texte für die Kneipenterroristen und Torment und kümmere mich um alle anderen Bandbelange. Und am Wochenende geht es mit den Kneipenterroristen auf Terrortour. Sollten wir mal keine Kneipenterroristen-Auftritte haben (was sehr selten vorkommt), geht's mit Torment oder Motörment on the road. Zusätzlich mache ich noch beim 'Metal Bash' Open Air das Booking der Bands und da kommt mir natürlich zu Gute, dass ich selbst seit knapp 30 Jahren Musik mache und ich viele Bands kenne. Der Vorteil ist also, dass man die bestmögliche Kontrolle hat. Der Nachteil ist, dass man deutlich mehr zu tun hat." Tja, und mit den Kneipenterroristen zu touren, das ist kein Pappenstiel, denn die Hamburger Jungs haben sich über die Jahre hinweg zu einer der fleißigsten (und begehrtesten) Formationen der gesamten Republik entwickelt. Jörn erläutert nicht ohne Stolz: "Wir werden dieses Jahr unser tausendstes Konzert spielen. Wir spielen fast jedes Wochenende, dazu kleinere Tourneen und auf Festivals, da kommt schon einiges zusammen. Das ist eigentlich von Jahr zu Jahr immer mehr geworden aber seit 2005 sind wir ungefähr auf gleich hohem Niveau. Im Moment sieht es aber so aus, als ob 2011 unser persönliches Rekordjahr wird!" Wer so oft spielt, der kommt sicherlich hier und da vielleicht mal in Gefahr, im falschen Club zu landen oder sich mit einer falschen Band die Bühne zu teilen. Haben die Kneipenterroristen dahingehend schon Erfahrungen sammeln müssen? Jörn stellt unmissverständlich klar: "Wir haben grundsätzlich keinen Bock auf irgendwelche politisch motivierte Scheiße, egal ob aus der rechtsextremen oder der linksextremen Ecke. Genauso wenig wollen wir mit irgendeiner Form von Religion zu tun haben. Wir wollen mit unseren Fans feiern und Spaß haben und wenn meine Texte die Leute berühren, ist das großartig. Ich will niemanden bekehren oder von irgendetwas überzeugen!" Na, von einem vielleicht aber doch, nämlich der Qualität der neuen Scheibe "Das jüngste Gericht": "Die Platte ist auf jeden Fall die Essenz aus 13 Jahren Kneipenterroristen. Der Gesang klingt einerseits härter und geht ein wenig in Richtung Kevin oder Lemmy von Motörhead, andererseits ist er aber kontrollierter und einen Tick melodischer als früher und erinnert teilweise sogar an Haudegen. Die Texte sind wieder eine gute Mischung aus Sauf- und Partysongs."
Reifeprüfung
von Matthias Mader (19.09.2008)Spätestens mit ihrer bärenstarken neuen Scheibe "Die Ersten werden die Letzten sein" treten die Hamburger Kneipenterroristen endgültig aus dem Schatten einer Coverband der Böhsen Onkelz. Die zwölf Stücke haben genug Substanz und Originalität, um die ...
WeiterlesenSpätestens mit ihrer bärenstarken neuen Scheibe "Die Ersten werden die Letzten sein" treten die Hamburger Kneipenterroristen endgültig aus dem Schatten einer Coverband der Böhsen Onkelz. Die zwölf Stücke haben genug Substanz und Originalität, um die Gruppe auf eigenen Füßen stehen zu lassen. Dabei ist die Bandbreite des Songmaterials größer geworden, was gleich der stark nach AC/DC klingende Opener "Unsere Welt" beweist. Sänger Jörn pflichtet mir bei: "Unsere erste Platte ist sehr spontan zustande gekommen. Die Songs hatten wir während des Soundchecks geschrieben. Vor den Recordings haben wir höchstens drei- oder viermal im Übungsraum geprobt und sind dann direkt ins Studio gegangen. Die Scheibe war am Ende deutlich erfolgreicher, als wir eigentlich angenommen hatten. Insofern haben wir uns für die neue CD bewusster ans Songwriting gemacht. Da kamen dann zwangsläufig individuelle musikalische Vorlieben durch. Bei mir persönlich sind das in erster Linie Motörhead, AC/DC und Rose Tattoo." Der aufmerksame Hörer wird im textlichen Bereich ebenfalls den einen oder anderen Querverweis zu oben genannten Gruppen entdecken. Wie z.B. bei "Geld verdirbt die Welt". Jörn erläutert: "Die Lyrics beruhen auf ,Just cos you got the power'. Ich fand diesen Text von Lemmy schon immer supergeil. Bei Motörhead ist er leider untergegangen, weil er irgendwo auf 'ner B-Seite versteckt wurde. Zusammen mit ,Orgasmatron' ist das einer der besten Texte von Lem überhaupt. Ich bin der Meinung, dass man den Kids seine alten Helden ein wenig nahe bringen sollte. Ich bin verwundert, wie viele Kiddies heutzutage wieder auf Motörhead, AC/DC und Rose Tattoo abfahren." Vielleicht bald auch auf die Kneipenterroristen, wer weiß? Deren Zweitling ist nicht nur musikalisch reifer und abwechslungsreicher als das Debut, sondern auch textlich erwachsener. Mit "Schuld haben immer nur die Anderen" hat sich sogar eine Nummer eingeschlichen, die man sozialkritisch nennen könnte. Darin fällt auch das Wort "Gesellschaftsparasit", was mich ein wenig an das umstrittene "Public assistance" von Agnostic Front erinnert. Jörn dazu: "Oh, nein, so extrem bin ich nicht drauf. Wenn jemand aus irgendwelchen Gründen keine Arbeit findet, z.B. aus gesundheitlichen Gründen, dann steht ihm natürlich Hartz IV zu. Es gibt aber Leute, die sind der Meinung, es sei ihr gutes Recht, nicht zu arbeiten, weil die Gesellschaft für ihr Einkommen sorgen muss. Ich bin wahrlich kein Freund von staatlichen Geschichten. Wenn ich könnte, würde ich mich da komplett raushalten. Aber dann sollen sie mich auch mit der Steuer und sonstigem Kram in Ruhe lassen. Das Wort ,Gesellschaftsparasit' ist auf die ganz harten Fälle gemünzt, die es ja auch einfach gibt. Ich finde, dann darf man so etwas auch ansprechen."
Auf eigenen Füßen
von Matthias Mader (02.07.2007)Mit ihrem neuen Album "Härter als der Rest" wagen die Kneipenterroristen ihren ersten ernsthaften Schritt, den Schatten der Onkelz-Coverband hinter sich zu lassen. Nicht eine einzige Nummer der Frankfurter findet sich auf der CD. Ganz ohne Fremdkompo...
WeiterlesenMit ihrem neuen Album "Härter als der Rest" wagen die Kneipenterroristen ihren ersten ernsthaften Schritt, den Schatten der Onkelz-Coverband hinter sich zu lassen. Nicht eine einzige Nummer der Frankfurter findet sich auf der CD. Ganz ohne Fremdkompositionen ging es aber dennoch nicht, auch wenn man schon genau hinhören muss, um die deutschsprachigen Versionen von Uriah Heep ("Lady in black"), Cock Sparrer ("England belongs to me") sowie Running Wild ("Chains and leather") zu enttarnen. Eine explizite Fußball-Referenz bei "Hamburg wir stehen zu dir" haben sich die selbst ernannten "Holstenritter" wohl bewusst verkniffen, um nicht dieselben Probleme wie einst Slime bei "Block E" zu bekommen, stimmt's Jörn? "Genau, wir haben das nicht auf einen bestimmten Verein gemünzt", meint der oberste Kneipenterrorist und gleichzeitig Label/Shop-Inhaber von Remedy Records. "Die Nummer ist ja eigentlich auch keine reine Fußball-Hymne, sondern ein Song über die Stadt Hamburg. Natürlich spielen da Saufen und Fußball auch eine gewisse Rolle, aber eben nicht ausschließlich." Und wie hat Rolf Kasparek eure Version von "Chains and leather", alias "Ketten und Leder" gefallen? "Eine Demo-Fassung des Songs war bereits früher schon einmal auf einem Tribute-Sampler von Running Wild vertreten und laut Rolf war das die geilste Nummer der Doppel-CD", bleibt Jörn Rüter hanseatisch unaufgeregt. Nanu, so viel Humor hätte man dem Chef-Piraten gar nicht zugetraut. "Ich auch nicht unbedingt", sagt Jörn, der Rock'n'Rolf noch aus gemeinsamen Schulzeiten kennt. "Gerade bei den Fans hatten wir Bedenken, das ist ja nicht immer so einfach mit den True Metal-Leuten, aber bei einem Voting auf der Fanseite wurde ,Ketten und Leder' mit weitem Abstand zum besten Cover gewählt." Rein musikalisch besitzt "Härter als der Rest" massive Motörhead-Anleihen, besonders der Titelsong, der wie ein Störtebeker'scher Zwilling von "Ace of spades" klingt. Kein Wunder, ist Jörn doch ein sehr enger Freund von Lemmy Kilmister: "Da kommen in der Tat meine frühen Einflüsse durch, die Scheibe ist sehr direkt, rau und spontan. Ich werde Lemmy auf jeden Fall 'ne CD von uns unterjubeln, mal gucken, was er sagt. Ich hätte es wirklich unsinnig gefunden, eine alte Onkelz-Platte noch einmal neu aufzunehmen - die gibt's doch alle schon. Trotzdem denke ich, dass auch unser eigenes Material für Onkelz-Fans kompatibel ist. Für uns war aber klar, dass wir was Eigenes machen wollten, die Leute sollen sehen, aha, das sind die Kneipenterroristen und nicht irgendeine Combo, die so klingt wie die Onkelz. Das wäre absoluter Schwachsinn gewesen."