King Diamond
Master of Puppets
von: Andreas Reissnauer
vom: 10.10.2003
Es ist kaum zu glauben, aber wahr. Mit "The puppet master" hat King
Diamond mal eben sein bestes Album seit zig Jahren veröffentlicht und lässt
damit das streck...
King Diamond
Master of Puppets
von: Andreas Reissnauer
vom: 10.10.2003
Es ist kaum zu glauben, aber wahr. Mit "The puppet master" hat King
Diamond mal eben sein bestes Album seit zig Jahren veröffentlicht und lässt
damit das streckenweise zu komplex wirkende "Abigail II" Machwerk vergessen.
Die Stücke des neuen Albums sind geradliniger, das Gesamtwerk abwechslungsreicher
und vielschichtiger und das Konzept brutaler denn je. Der alte Däne will es
anscheinend noch mal wissen!
"Meines Erachtens repräsentiert das neue Album sämtliche positiven Seiten von
King Diamond. Es hat mehr Melodylines als sein Vorgänger, aber auch mehr
rohe Riffs. Dennoch ist die Scheibe theatralischer als die letzten Alben und
die Konzeptstory ist die krasseste, die ich je geschrieben habe."
Die Story von dem Puppenmeister, der gemeinsam mit seiner Frau Puppen aus
echten Menschen herstellt, ist in der Tat nichts für schwache Nerven.
"Diesmal gibt es auch kein Happy-End und King Diamond wird ausnahmsweise
nicht seine sonst übliche Rache nehmen. Die Story ist theatralisch, traurig
und brutal vom Anfang bis zum Ende. Schließlich gibt es wohl kaum etwas Schlimmeres,
als lebendig tot zu sein und mit ansehen zu müssen, wie seine Geliebte - welche
ebenfalls zu einer Puppe gemacht wurde - in eine andere Stadt verschleppt wird."
Auf die Idee zur Story um den "Puppet master" ist der König bereits
vor einigen Jahren gekommen.
"Es war während der Tour von Mercyful Fate mit Metallica im Jahre
1999, als wir auf einigen Festivals und Konzerten zusammen gespielt haben. Wir
sind durch Budapest gelaufen und mitten in der Stadt habe ich dieses Puppenmuseum
entdeckt. Es muss ein Sonntag gewesen sein, jedenfalls war es geschlossen und
ich habe meine Nase an die Schaufensterscheibe gedrückt. Der Ort mit den vielen
Puppen war absolut furcheinflößend und ich habe am Abend damit begonnen, mir
erste Ideen zu notieren. Danach habe ich die Geschichte erst mal ruhen lassen,
weil ich 'Abigail II' schreiben wollte, aber direkt danach habe ich den
Faden zu 'The puppet master' wieder aufgenommen."
Für die Fans hat sich der King diesmal etwas Besonderes einfallen
lassen. Der Erstauflage des Albums wird eine Bonus-DVD beiliegen, auf welcher
er die komplette Story zum Besten gibt.
"Stimmt, das Ganze ist eine etwa 40minütige Dokumentation. Im ersten Moment
mag es sich langweilig anhören, dass ich einen solch langen Monolog halte, allerdings
gibt es einiges zu beachten. Zum einen trage ich das Ganze selbstredend im kompletten
Make-Up vor, außerdem gibt es drei Kameraperspektiven und wir haben das Ganze
mit dazu passenden Sounds unterlegt. Glaubt mir, das Teil wird euch erschrecken
- ich habe mich selbst etwas gegruselt und bei mir war es 11:00 Uhr morgens,
als ich die DVD in den Schacht gelegt habe!"
Als weitere Premiere enthält ein King Diamond Album erstmals auch
eine weibliche Stimme.
"Kurioserweise stammt die junge Dame sogar aus Ungarn. Sie hat im Zuge der
'Abigail II' Promotion ein Interview mit mir für den dortigen Metal
Hammer geführt, wobei sich herausgestellt hat, dass sie eine Sängerin ist.
Sie hat mir dann eine Demo-CD von sich geschickt und das Teil hat mich aus den
Socken gehauen. Sie hat überhaupt keine Ausbildung und das mag ich so an ihrer
Stimme, da sie absolut natürlich, aber nichtsdestotrotz großartig klingt. Ich
hatte ja auch nie eine Gesangsausbildung und bin Autodidakt. Jedenfalls habe
ich beschlossen, ihr den weiblichen Part der Konzeptstory zu überlassen. Ob
ich nicht probiert habe, selbst diesen Part einzusingen? Nein, nein, das wäre
eine Spur zu weit gegangen. Ich kann ja viele verschiedene Stimmen interpretieren,
aber eine junge Frau zu imitieren ist unmöglich. Wenn ich das gemacht hätte,
wäre es den Fans erlaubt gewesen, über mich zu lachen",
prustet der seit Jahren im Großraum Dallas beheimatete Däne los.
"Sie wird übrigens auch mit uns auf Tour gehen und die entsprechenden Parts
singen. Zusätzlich wird sie bei dem ein oder anderen Song Background-Vocals
beisteuern."
Die Musik stammt wie gehabt von Zaubergitarrist Andy La Rocque und
dem King selbst.
"Ich schreibe sehr viele Riffs und Songs zu Hause und Andy schreibt
bei sich zahlreiche Stücke. Wir schicken uns permanent Tapes hin und her und
arbeiten die Kompositionen so weiter aus. Ich habe bei mir zu Hause ein kleines
Studio, mit welchem ich Demoaufnahmen mache. Dazu benutze ich auch einen Drumcomputer,
den ich ganz gut bedienen kann. Allerdings nehmen wir später natürlich alles
noch mal richtig auf - die einzigen Parts, welche von meinen Demos direkt übernommen
werden sind die Keyboardpassagen, da ich die sowieso selbst einspiele."
Die Rezession in der Musikszene hat aber auch vor King Diamond nicht
Halt gemacht.
"Viele Leute laden sich unsere Platten aus dem Internet herunter und durch
die Verkaufseinbußen der Plattenfirmen werden in letzter Konsequenz den Bands
die Budgets zusammengekürzt. Dadurch konnten wir nicht in unser Lieblingsstudio
gehen - alternativ haben wir Andys Studioequipment von Göteborg nach
Dallas verschifft und es bei mir im Wohnzimmer gemütlich gemacht. Hier haben
wir einen Großteil der Aufnahmen erledigt. Natürlich hat auch das Verschiffen
einiges an Geld gekostet, es war aber immer noch wesentlich günstiger als jede
erdenkliche Alternative. Der Sound des Albums hat unter den Kürzungen aber nicht
gelitten, ich bin mit der Produktion voll und ganz zufrieden."
Letztmals in Europa hat sich die King Diamond Band vor gut zwei Jahren
gezeigt. Man spielte unter anderem in Rußland und der Türkei, Deutschland speiste
man aber mit ganzen drei Shows ab.
"Ich weiß, dass das etwas wenig war, allerdings lag es auch hier am lieben
Geld",
erzählt der König.
"Die deutschen Veranstalter haben zu jener Zeit keine Festgagendeals gemacht
und alles andere ist mir zu risikoreich. Eine King Diamond Tournee ist
ja keine Punkshow, der Aufwand ist wesentlich größer und entsprechend steigen
die Produktionskosten. Wir haben auch bei diesen letzten drei Shows der Tour
draufgelegt und hätten - aus kaufmännischer Sicht betrachtet - gar nicht spielen
dürfen, sondern direkt nach Hause fliegen sollen. Allerdings ist es natürlich
unmöglich, eine Europatournee zu spielen und deutsche Shows einfach außen vor
zu lassen. Das ist mir völlig klar und das würde ich unseren loyalen Fans in
Deutschland auch niemals antun. Wir werden immer wieder nach Deutschland kommen,
auch wenn wir dabei Geld verlieren sollten. Ich bin aber guter Dinge, dass es
mit diesem Album wieder wesentlich besser laufen wird."
Davon ist auszugehen, schließlich sind die ersten Reaktionen von Fans und
Presse absolut überschwenglich! Man mag sich schon die Frage stellen, wie der
King dieses Meisterwerk überhaupt noch toppen will.
"Diese Frage wurde mir schon bei vielen Vorgängeralben gestellt und bis jetzt
ist es uns noch immer gelungen, einen draufzulegen. Ich habe noch einige interessante
Ansätze für Konzeptstories in der Schublade liegen, die Ideen werden mir also
garantiert nicht ausgehen. Natürlich ist 'The puppet master' mein bislang
brutalster Plot, allerdings könnte ich selbst das noch überbieten, indem ich
beispielsweise wieder etwas mehr auf das Stilmittel der psychologischen Qual
zurückgreife."
Man darf gespannt sein, was der König da schon wieder ausheckt!