Raue Spree 2005 [Live] - In Extremo - CD
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| Artikelnummer | 428441 |
| Erhältlich seit | 10.02.2006 |
| Format/Produkt | CD |
| Kategorie | CDs |
| Genre | Mittelalter / Folk Rock |
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Tracklist
In Extremo - Raue Spree 2005 [Live]
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Interview

Siebenfache Laut-Stärke!
von Nicko Emmerich (21.05.2012)Siebenzack
von Henning Richter (20.12.2010)Die Ritterrocker In Extremo sehen Sterne, finden mit dem Heptagramm das passende Symbol für ihre Band und legen das eingängigste Album ihrer Karriere vor. Es war ein Geistesblitz aus heiterem Himmel, der In Extremo den Titel des aktuellen Albums brachte. "Sonst haben wir uns immer bis zur letzten Sekunde gestritten. Dieses Mal war von Anfang an klar, wie die Platte heißen sollte", wundert sich Sänger Michael Rhein (alias Das Letzte Einhorn). "Der Titel hat mit Romantik und Härte zu tun, er passt perfekt zu uns, er ist das Nonplusultra." Der Nachfolger ihres Nummer-Eins-Albums "Sängerkrieg" von 2008 heißt "Sterneneisen". Was ist das?, wird sich jeder fragen, der kein Metallurgie-Experte ist. Antwort: Bestimmte Meteoriten, die zur Erde stürzen, enthalten Eisen. Um das Metall aus dem All ranken sich allerlei Mythen und Sagen. So heißt es, berühmte Schwerter seien aus diesem Metall gefertigt worden, sie machten ihre Besitzer unbesiegbar. "Excalibur" von König Artus etwa, das berühmteste aller Schwerter, sei aus Sterneneisen geschmiedet. Im Titelsong schlagen die Ritterrocker die Verbindung zu ihrer Band: "Dieser Stern hat sieben Zacken / sieben Funken / sieben Macken". Dazu fiel ihnen auch noch das richtige Symbol in die Hand. "Irgendwann fand ich im Internet das Heptagramm, den siebenzackigen Stern. Es steht in der griechischen Mythologie für Liebe, Weisheit und Zusammenhalt", berichtet Dr. Pymonte, Dudelsackbläser und Harfenist der Band. Zum neuen Werk der Berliner haben alle Mitglieder Texte und Musik beigetragen, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war. "Es macht Sinn, wenn alle mitarbeiten, das stärkt das Gruppengefühl", weiß Gitarrist Sebastian Lange (alias Van Lange). Zudem macht sich der Einstieg des neuen Trommlers Specki T.D. (früher Letzte Instanz) ausgesprochen positiv bemerkbar. Der Schlagwerker beherrscht krachendes Metal-Drumming genau wie punktgenauen Hard Rock und marschierende Mittelalter-Rhythmen. "Ich spiele, was der Song braucht", kommentiert der Bayer aus Landsberg seine erfreuliche Leistung. Die gesamte Band hat ihre stilistischen Kreise erheblich erweitert, neben metallischer Härte entwickelt sie schmissigen Hard Rock, melancholischen Folk und widmet sich auch mal leisen Tönen. Vor allem verfügt das neue Werk über packende Refrains, die sofort zum Mitsingen anstiften. "Früher haben wir die Chorusse vernachlässigt, heute haben wir beim Komponieren mit den Refrains angefangen", beschreibt Bassist Kay Lutter ihre neue Kompositionstechnik. Ein Aspekt des lebenslustigen Hauptstadt-Septetts soll hier nicht verschwiegen werden, die selbsternannten Nachfolger mittelalterlicher Spielmänner haben einen Hang zu Partys. "Bevor wir die Platte angefangen hatten, waren wir sehr viel unterwegs. Wenn wir auf Tour sind, machen wir gerne die Nächte durch", erzählt Dr. Pymonte. "Dann siehst du morgens die Sterne kreisen und bewegst dich in anderen Sphären. Als Band wollen wir auch über uns selbst erzählen, da haben wir mit ,Sterneneisen' einen Begriff gefunden, der uns gut charakterisiert. Er ist kraftvoll, heiß und eine Materie aus einer anderen Welt."
Offener Horizont
von Henning Richter (25.03.2008)Warum habt ihr für "Sängerkrieg" die metallischen Breitseiten zugunsten von rundem Rock zurück genommen?
"Metal ist noch vorhanden, aber es ist sicher ein Rockalbum geworden, auf dem wir alle Bestandteile gut verbunden haben. Diese Entwicklung hatten wir jedoch nicht geplant, bei uns ergibt sich vieles, wenn wir zusammen sind."
"Sieben Köche" etwa rockt und rollt wie man es von Euch nicht erwarten würde.
"Das ist die alte Schule, sie funktioniert immer (lacht). Jeder von uns hört viel Musik und trägt zum Songwriting bei. Ich stehe beispielsweise auf orientalische Musik, mag Chansons und auch Reggae. Wenn du das Glück hast - so wie wir - in der Welt herum zu kommen, merkst du, dass dein Horizont sich öffnet."
Wo liegen eure Wurzeln?
"Unsere Wurzeln liegen in der Mittelaltermusik, keine Frage. Wir brauchen uns keine Identität zu suchen. Inzwischen denken wir aber breiter gefächert und suchen neue Wege."
Mir scheint, dass euer Gitarrist Basti Lange für das Songwriting sehr wichtig ist.
"Mit Sicherheit! Der Mann war für uns ein Sechser im Lotto, wir haben durch ihn enorm an Professionalität gewonnen. Ohne unseren alten Gitarristen (Thomas der Münzer) runter machen zu wollen, schon "Sünder ohne Zügel" wäre mit ihm kaum möglich gewesen. Zu "Sängerkrieg" hat Basti sehr viel Vorarbeit im Proberaum geleistet. Bei uns beteiligt sich jeder am Songwriting, der eine mehr, der andere weniger. Das gilt für Musik und Texte gleichermaßen. Früher war ich auf dem Ego-Trip und hab' gesagt: Es wird so gemacht wie ich das will. Heute akzeptiere ich Vorschläge und bin sehr dankbar dafür."
Ebenfalls fällt auf, dass euer Schlagzeuger Reiner Morgenroth grooven und sogar Double-Bass-Drum spielen darf.
"Das hat er alles drauf. Auf dem letzten Album hat er eher einfach gespielt, für einen Rocksong brauchst du einen Break, auch er hat dazu gelernt."
Gibt es textlich einen roten Faden?
"Eine Grundidee für ein komplettes Album hatten wir noch nie. "Mein rasend Herz" hatte viele Lieder die sich um Meer und Seefahrt drehten, aber das war Zufall."
Worum geht's in "Sieben Köche"?
"Wir sind ein Septett. Der Song handelt davon wie bei uns Sieben eine Platte entsteht. Manchmal steigt einer mal kurz zum Chefkoch auf und schwingt die Kelle, aber im Prinzip brauchst du eine gut eingespielte Mannschaft in der Küche, um ein wohlschmeckendes Menü zuzubereiten."
Du hast wieder mal einen Zauberspruch ausgegraben.
"Stimmt. Der Song heißt auch "Zauberspruch". Er stammt aus Estland, ist ein sehr alter, kurzer Text, der aber nur von Mund zu Mund weiter gegeben wurde. Anfang des 19. Jahrhunderts hat man ihn aufgeschrieben. Ich wollte unbedingt wieder einen Zauberspruch auf der Platte, wir hatten bereits die "Merseburger Zaubersprüche" und das "Wesserbronner Gebet" gemacht. Die Musik war bereits vorhanden, durch einen Zufall bin ich auf diesen Spruch aus Estland gestoßen. Für das Lied kann ich in einer Tonlage singen, die ich vorher nicht beherrschte. Der Spruch richtet sich gegen alle Krankheiten, er soll sowohl unsere Fans als auch mich schützen."
Als wäre man dabei gewesen ...
von Olaf Plotke (10.01.2006)Ihre neue DVD "Raue Spree" markiert einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung der Band. Dr. Pymonte spricht im Vergleich zur ersten DVD aus dem Jahr 2002 selbst von einem Quantensprung: "Es ist nicht so, dass mir unsere erste DVD in der Rückschau nicht mehr gefällt. Es hat sich nur technisch in den vergangenen Jahren so viel getan, dass uns heute ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung stehen." Und so erscheint die DVD "Raue Spree" im 16:9-Format und im Dolby Surround-Sound. Dr. Pymonte: "Wenn man bei dieser DVD zum Angucken einen Beamer und eine gute Musik-Anlage benutzt, dann ist man eigentlich mittendrin. Dann ist es, als würde man das Konzert richtig miterleben."
Damit dieser Effekt sich beim Zuschauer einstellt, verzichtete die Band auch darauf, mehrere Auftritte zu einem Konzert zusammen zu schneiden. "Raue Spree" enthält den kompletten, zweistündigen Auftritt der Band in der Columbia-Halle in Berlin im vergangenen Jahr. "Es war ein toller Auftritt. Es gibt diese Konzerte, wo einfach alles passt. Dieses war so eines. Als wir uns nachher die Aufzeichnung angesehen haben, waren wir wirklich alle begeistert. Da musste man nichts wegschneiden oder verändern. Das hätte dem Gesamterlebnis nur geschadet", sagt Dr. Pymonte, der im richtigen Leben André Strugala heißt.
Bei den Extras haben sich In Extremo etwas Besonderes einfallen lassen: Alle Bandmitglieder präsentieren sich einmal von ihrer privaten Seite. Sie ließen sich von einer Kamera in ihrem privaten Alltag begleiten. So kann man André auf Segeltour begleiten oder Michael beim Fischen zugucken. Boris Pfeiffer (Yellow Pfeiffer) lässt sich sogar bei der Ausübung seines extravaganten Hobbys filmen: der experimentellen Archäologie! "Wir sind eine Band, die sehr nahe an den Fans ist. Wir kapseln uns nicht ab. Und da fanden wir es einfach mal interessant, die Bandmitglieder von einer anderen, von der privaten Seite zu zeigen. Das ist so ein Bonus, den ich mir als Fan von meinen Lieblingsbands eigentlich immer gewünscht habe", erklärt André.
Außerdem finden sich auf der DVD noch ein Making of, Interviews mit den Bandmitgliedern und eine Instrumenten-Schule. Dr. Pymonte: "Die einzelnen Mitglieder erklären hier mal ihre Instrumente. Natürlich nicht die Gitarre und das Schlagzeug, aber unsere exotischen Instrumente. Neben Funktionsweise und Historie gibt es natürlich auch Kostproben des Klangs. Da gibt es viel zu entdecken und macht die Auseinandersetzung mit unserer Musik und der Musik des Mittelalters noch mal interessanter."
Verstreut in alle Welt
von Stefan MüllerBemerkenswert ist nicht nur die breite Akzeptanz, auf die In Extremo stoßen, sondern auch schon die Tatsache, dass es der Truppe gelingt, alle zwei Jahre eine neue Platte zu veröffentlichen und regelmäßig auf Tour zu gehen, obwohl die einzelnen Bandmitglieder mittlerweile eine gehörig lange Anreise zum Proberaum in Berlin auf sich nehmen müssen.
Sänger Michael, das Letzte Einhorn, wohnt in der Nähe von Köln und Bassist Kay hat es inzwischen dauerhaft nach Malaysia verschlagen.
"Wie wir das machen, wissen wir eigentlich gar nicht",
antwortet Sebastian alias der Lange.
"Das funktioniert alles sehr komprimiert",
ergänzt Marco, auch bekannt als Flex der Biegsame,
"da sind wir dann drei Wochen alle zusammen und dann geht jeder seiner Wege. Anders geht es nicht."
In der übrigen Zeit sammeln die Bandmitglieder die Ideen, die bei der nächsten gemeinsamen Probenphase dann ausgearbeitet werden.
Dazu Marco: "Das hat den Vorteil, dass man sich in Ruhe durch den Kopf gehen lassen kann, was alles entstanden ist und was beim nächsten Mal auf jeden Fall geändert werden muss."
Wie gehen die sieben Musiker mit dem Erfolgsdruck um, der sich im Laufe der Jahre durch massiv gestiegene Verkaufszahlen unzweifelhaft ergeben hat?
"Meiner Meinung nach haben wir mit dem aktuellen Album etwas komplett Neues geschaffen",
meint Multi-Instrumentalist Flex,
"es ist zu hören, dass es sich um In Extremo handelt. Die bekannten Elemente sind vorhanden, aber der Stil hat sich wesentlich geändert."
Im Laufe der Jahre haben die Mittelalterrocker vor allen Dingen die Herausforderung des Arrangierens nahezu perfektioniert. Sebastian erläutert:
"Es ist schon eine kleine Kunst. Wenn wir als normale Rockband funktionieren würden, dann könnten Band und Gesang recht einfach an einander angepasst werden. Wir müssen allerdings immer noch die Melodien der Dudelsäcke mit unterbringen. Es ist uns inzwischen klar, dass da auch noch Platz für Erholungsphasen sein muss. In diesen Parts können wir die akustischen Instrumente dann etwas weiter in den Vordergrund stellen."
Wer jetzt allerdings denkt, dass sich die Vertreter der alten Instrumente in den Reihen von In Extremo an den Rand gedrängt fühlen, hat sich getäuscht.
"Früher haben wir ganze Melodien mit mehreren Teilen gespielt",
lässt Marco noch einmal die Entwicklung Revue passieren,
"jetzt wirken unsere Anteile manchmal zum Beispiel wie Ska-Bläsersätze. Durch diesen gezielten Einsatz setzen wir mehr Akzente. Außerdem wachsen Gitarre und Dudelsack insgesamt stärker zusammen."
Gerade die Klampfe des Langen scheint durch den dezenteren Sound der mittelalterlichen Instrumente an Durchschlagskraft gewonnen zu haben. Das müsste den Gitarristen doch erfreuen.
"Es wirkt oft so, dass sich der Gitarrist mit seinem Instrument durchsetzen möchte, aber ich bin auch ein Liebhaber der Mittelalterinstrumente",
winkt Sebastian ab,
"im Gegenteil, manchmal habe ich sogar vorgeschlagen, die Gitarre im Mix an manchen Stellen ein wenig leiser zu machen. Aber wir sind schon eine Rockband."
Doch nicht nur in musikalischer sondern auch in textlicher Hinsicht versuchen In Extremo Balance zu halten, wie Flex zu berichten weiß:
"Die Texte müssen eigentlich immer zur vergangenen Zeiten passen, weil die Dudelsäcke für das Mittelalter oder die Vorzeit als Epoche stehen. Trotzdem müssen sie aber auch noch in die Gegenwart übertragbar sein."
So bedient sich das Letzte Einhorn bei seinen Texten häufiger einer sehr bildhaften Sprache.
"Das haben die Spielleute in früheren Zeiten ebenfalls gemacht. Die Könige, die sie unterhielten, sollten nicht mitbekommen, dass sie beispielsweise mit Wölfen oder Löwen gemeint waren. Wir spielen mit den gleichen Elementen, so dass die Texte auch von den Menschen der Gegenwart verstanden werden können."
Diese Herausforderung endet beim Schaffensprozess des Öfteren in ausgiebigen Wortklaubereien.
"Manchmal sitzen wir stundenlang und klönen, ob wir ein bestimmtes Wort, das auch heute noch aktuell ist, verwenden oder nicht",
schildert der Lange,
"denn ein Text soll zwar authentisch wirken, aber nicht nur nach 1250 klingen. Das ist eine Herausforderung für uns."
Mit den Worten zu "'Liam" beschritt Sänger Michael neue Wege wie Marco erzählt:
"Micha schrieb einen Text, der auf einer alten Seemanns-Ballade basierte und ließ diesen dann ins Gälische, eine Sprache, die auch nicht mehr gesprochen wird, übersetzen. Es war ein Experiment, einen eigenen Text in eine alte Sprache zu übertragen. Das hat super funktioniert. Vorher haben wir alte Texte entweder im Original übernommen oder in das Hochdeutsche überführt."
Angesichts der zahlreichen Sprachen, die In Extremo verwenden (mit "Fontaine la jolie" befindet sich zum Beispiel noch ein bretonischer Text auf "Mein brennend Herz") muss die Herausforderung für das Letzte Einhorn, die unterschiedlichen Sprachen korrekt auszusprechen, nicht immer einfach zu bewältigen sein.
"Er hat sich daran gewöhnt",
lacht Flex und Sebastian ergänzt:
"Bei ''Liam' war es so, dass Marco mit einem neuen Dudelsack ankam. Als wir das Instrument hörten, war uns klar, dass ein Text mit irischem Einschlag nötig war. Da es eine alte Sprache sein sollte, landeten wir schließlich beim Gälischen."
Eine Tour im keltischen Kulturkreis scheint aber noch in weiter Ferne zu sein.
"Es ist nicht unser vordergründiges Ziel, spanisch zu singen, um in Spanien erfolgreich zu sein",
erklärt Marco,
"es ist schön wenn so etwas funktioniert, aber wir setzen uns da keinem Zwang aus. Da müssten wir mexikanisch, englisch und noch in vielen weiteren Sprachen singen. Unser Geschmack bestimmt unsere Musik. Wir spielen das, was uns selbst gefällt. Wenn sich eine Sprache gut sprechen lässt und schön anhört, dann ist sie natürlich gleich ein Favorit für einen Text."
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