Fast zwölf Jahre hat er keinen einzigen neuen Song veröffentlicht - jetzt ist er wieder da: Billy Idol, der Wasserstoffoxid-gefärbte Platin-Punk aus Los Angeles. Der Superstar der '80er und frühen '90er, dessen Alben wie "Rebell yell" (1984), "Wiplas...
Fast zwölf Jahre hat er keinen einzigen neuen Song veröffentlicht - jetzt ist er wieder da: Billy Idol, der Wasserstoffoxid-gefärbte Platin-Punk aus Los Angeles. Der Superstar der '80er und frühen '90er, dessen Alben wie "Rebell yell" (1984), "Wiplash smile" (1986) und "Charmed life" (1990) als Klassiker gelten, und der 1994, nach Erscheinen seiner letzten CD "Cyberpunk", wie vom Erdboden verschluckt schien.
"Das war einerseits freiwillig, andererseits hatte ich aber auch gar keine andere Wahl",
so der Mann, der eigentlich William Broad heißt.
"Meine frühere Plattenfirma hat mein letztes Album gehasst, und wollte, dass ich doch bitte wieder mehr von diesen netten, kleinen Popsongs schreibe, mit denen sie die große Kohle scheffeln konnten. Nur, dass ich darauf keinen Bock mehr hatte - ich wollte was Anderes, Neues machen, mich weiterentwickeln und nicht einfach selbst kopieren. Aber dazu hat man mir keine Gelegenheit gegeben. Also bin ich in den Streik getreten. Und zwar so lange, bis sie mich endlich aus dem Vertrag entlassen haben."
Was erst Anfang 2001 der Fall war - nach unzähligen "Greatest hits" und "Best of"-Kopplungen, die sich zwar blendend verkauften, Billys Karriere aber nicht wirklich dienlich waren.
"Weißt du, was das für ein Gefühl ist, wenn du nicht in der Lage bist, den Beruf auszuüben, den du wirklich liebst? Wenn dich die Leute langsam vergessen, und dir zudem noch das Geld ausgeht?",
so der inzwischen 49jährige.
"Ich habe ein paar verdammt harte Jahre hinter mir, in denen ich sehr bescheiden und sehr zurückgezogen gelebt habe. Ich habe zwar weiterhin Songs geschrieben, konnte sie aber nicht veröffentlichen und bin nur noch ganz selten live aufgetreten. Obwohl das natürlich auch seine guten Seiten hatte: Ich konnte mich intensiv um meine beiden Kinder kümmern, die jetzt 15 und 18 sind, und endlich mal meinen Hobbys nachgehen, wofür vorher nie Zeit war."
Darunter versteht Billy vor allem das Studium alter Geschichtsbücher, aber auch extensive Trips auf seiner Harley Davidson.
"Das ist mein Ding: Ich setze mich auf die Karre, lasse den Motor heulen und brettere bis zu 18 Stunden durch die Wüste. Das ist das Größte. Es hat etwas Spirituelles, und ist fast so etwas wie mein Zen. Es balanciert mich aus."
Deswegen ist er heute auch ein ganz anderer, ruhigerer Mensch, als in den '80ern, in denen er es ähnlich wild getrieben hat, wie seine einstigen Busenkumpel von Mötley Crüe.
"Es war das volle Programm",
lacht er.
"Eben richtige Orgien, riesige Sauf-Gelage und wüste Drogen-Exzesse. Zwischen 1982-1992 gab es kaum eine Nacht, in der ich mal richtig geschlafen habe. Es war eine einzige Party, und im Nachhinein bin ich wirklich froh, dass ich sie überlebt habe."
Genau wie seinen schweren Motorradunfall von 1990, der ihn um ein Haar für immer an den Rollstuhl gefesselt hätte. Und der so etwas wie einen Schlussstrich unter den ersten Teil seiner über 30jährigen Karriere zog. Denn Idol ist schon seit 1976 im Geschäft. Zuerst als Frontmann der semi-legendären Generation X, die zwischen 1977-81 drei Alben veröffentlichten und zum Ur-Kern der Londoner Punk-Bewegung zählten - wenn auch mit mittelprächtigem Erfolg. Das änderte sich schlagartig, als Idol 1981 eine Solo-Laufbahn einschlug, nach New York zog, mit Kiss-Manager Bill Aucoin und Gitarrist Steve Stevens arbeitete, und einen Hit nach dem anderen landete: "White wedding", "Eyes without a face", "Flesh for fantasy", "To be a lover", "Sweet 16", und, und, und.
"Das war die perfekte Mischung aus Punk-Rock, Disco und tollen Videos. Ich meine, schau dir die Clips an: Die hatten alles, was die Kids der damaligen Zeit geliebt haben - jede Menge Harleys, riesige Kreuze, schwarzes Leder und die schärfsten Bräute. Die pure Rebellion."
Und an die will er heute, zwei Dekaden später, mit seinem Comeback-Album "Devil's playground" anknüpfen. Eine Kollektion von 13 Songs, die einerseits lupenreinen Punk Rock alter Schule, andererseits aber auch die Quintessenz seiner bisherigen fünf Alben bieten.
"Es ist eine Art Werkschau mit neuen Songs",
lacht Billy.
"Ich habe mich hingesetzt und nachgedacht, was die Leute an mir mögen. Und das sind eben mehrere Sachen - die Punk-Nummern, die Rock'n'Roll-Stücke, die Balladen und die Pop-Songs. Also habe ich ein bisschen was von jedem gemacht, und ich hoffe, dass diese Mischung ankommt. Es ist also nichts vollkommen Neues, sondern einfach das, was ich am besten kann."
Und das hat er mit einer Crew aus vielen alten Bekannten umgesetzt. Etwa Produzenten-Legende Keith Forsey, mit dem er schon "Billy Idol" und "Rebel yell" aufgenommen hat, oder auch Gitarren-Gott Steve Stevens, ohne den Idol - und das gibt er offen zu - nur die Hälfte wert ist.
"Er ist der beste Gitarrist, den ich mir vorstellen kann. Und er macht den typischen Billy Idol-Sound aus. Ohne ihn klingt das einfach nicht nach mir, und das ist schon eine verrückte Sache. Seit wir wieder zusammenarbeiten, läuft alles viel besser."
Was auch für seine übrige Band gilt. Die besteht aus gestandenen Studio-Cracks wie Bassist Stephen McGrath, Keyboarder Derek Sherinian und Drummer Brian Tichy, der auch als Co-Autor beinahe sämtlicher Tracks agiert.
"Es ist eine tolle Truppe, mit der ich wahnsinnigen Spaß habe, und die vor allem richtig rockt. Wir sind keine langweiligen, fetten Säcke, die nur die alten Kamellen runterreißen und dabei lustlos auf den Fußboden starren. Nein, wir wollen es wirklich wissen. Wir wollen das Publikum in Rage bringen, die Weiber in den ersten Reihen abschleppen und richtig geile Shows hinlegen. Das ist unsere Mission für 2005."
Und das meint er genau so, wie er es sagt: Ende Februar gehen Billy und seine Jungs auf ausgedehnte Welttournee - die erste seit 1990. Deutschland-Gigs stehen für Mai und August auf dem Plan.
"Wir sind bei den großen Festivals dabei",
so Billy.
"Und ich kann es wirklich kaum erwarten. Eben das Bier, den Schweiß und das süße Parfüm der Frauen - das ist es, wofür ich lebe, und was ich so lange vermisst habe. Das hole ich mir jetzt zurück."