Interview

No sleep til Limassol
von Matthias Mader (13.03.2013)Die Ära der großen Live-Alben liegt ohne Frage bereits vier Dekaden zurück. In den 1970ern erschienen Klassiker wie "Alive I" und "Alive II" von Kiss, "Live at Budokan" von Cheap Trick, die "Tokyo tapes" der Scorpions oder Judas Priests "Unleashed in...
WeiterlesenDie Ära der großen Live-Alben liegt ohne Frage bereits vier Dekaden zurück. In den 1970ern erschienen Klassiker wie "Alive I" und "Alive II" von Kiss, "Live at Budokan" von Cheap Trick, die "Tokyo tapes" der Scorpions oder Judas Priests "Unleashed in the east". Aber auch in der Folgezeit gab es immer wieder vereinzelte Highlights, wie etwa "No sleep til Hammersmith", Motörheads einziges Nummer-Eins-Album in Großbritannien. Auch "Alive in Athens" (1999 aufgenommen) von Iced Earth zählt für mich zu den "modernen" Klassikern der Sparte Live-Mitschnitte. Das Artwork der Scheibe stammte seinerzeit vom ehemaligen Century-Media-Hauszeichner Axel Hermann (der gerade seinen ersten Bildband veröffentlicht hat). Iced Earth waren seit jeher eine Band, die sehr viel Wert auf ein qualitativ hochwertiges Artwork (im Verbund mit einer schlüssigen Außendarstellung) gelegt hat. Mit der neuen Scheibe "Live in Ancient Kourion" schließt sich für Iced Earth jetzt quasi der Kreis. Wieder führte sie der Weg ins griechischsprachige Ausland, diesmal in das 6.000 Jahre alte Amphitheater von Kourion in Limassol (auf Zypern). Jon besitzt durchaus lebhafte Erinnerungen an die schon jetzt legendäre zweieinhalbstündige Show bei über 40 Grad im Schatten: "Das war wirklich einmalig. Wir hatten niemals zuvor in einem so historischen Setting gespielt. Ich habe bereits am Tag zuvor Gänsehaut bekommen. Als wir das Equipment für den Mitschnitt in das Amphitheater transportiert haben, wurde mir klar, wie einzigartig die Show werden würde. Aus Sicherheitsgründen durften nur 1.500 Tickets verkauft werden und das Theater war wirklich direkt an den Klippen zum Meer - das war schon fantastisch. Dem zuständigen Ministerium ist das wohl einfach so durchgerutscht. Die haben erst nachher gemerkt, dass sie eine Heavy Metal-Show in einem 6.000 Jahre alten Amphitheater genehmigt hatten (obwohl unsere Fans sich sehr diszipliniert verhalten haben und nichts kaputt gegangen ist). Jedenfalls musste der Promoter im Nachhinein eine Konventionalstrafe bezahlen und auf lange Sicht wird es wohl das einzige Rockkonzert an diesem Ort bleiben." Ein Live-Mitschnitt in Athen und einer auf Zypern - das lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Das alte Hellas ist so etwas wie die zweite Heimat für die amerikanische Band. Stimmt das? "Ja, obwohl Zypern natürlich ein eigenständiger Staat ist und nicht per se ein Teil Griechenlands", bestätigt Jon. "Aber es stimmt. Aus irgendeinem Grund haben uns die Fans aus Griechenland bereits von der ersten Scheibe an besonders in ihr Herz geschlossen. Und dafür sind wir natürlich unendlich dankbar." An zweiter Stelle kommen dann aber wohl hoffentlich die deutschen Fans, oder? "Kann gut sein", grinst Herr Schaffer ins Telefon. "Diese Liebesbeziehung geht sogar noch weiter zurück. Als wir noch gar keinen Vertrag hatten, haben wir 400 bis 500 Demos nach Deutschland verkauft. Auch dank des Supports des Rock Hard. Die waren komplett überrascht von diesem Erfolg und als Resultat unterbreitete uns Century Media ein Vertragsangebot. Bedinvt durch diese Historie, ist Deutschland natürlich ein ganz starker Markt für Iced Earth."
Das Feuer lodert wieder
von Markus Wosgien (19.09.2011)Hand auf's Herz: In den vergangenen Jahren waren Iced Earth nur noch der Schatten ihrer selbst und sorgten eher durch interne Querelen und kontroverse Statements ihres Sprachrohrs Jon Schaffer für Schlagzeilen. Doch ausgerechnet mit dem Debut ihres n...
WeiterlesenHand auf's Herz: In den vergangenen Jahren waren Iced Earth nur noch der Schatten ihrer selbst und sorgten eher durch interne Querelen und kontroverse Statements ihres Sprachrohrs Jon Schaffer für Schlagzeilen. Doch ausgerechnet mit dem Debut ihres neuen Frontmanns Stu Block (Into Eternity) gelingt dem US-Metalflaggschiff ein bärenstarker Longplayer und damit das Comeback des Jahres. "Mir gefiel die Leidenschaft in seinen Augen", erklärt Schaffer den abermaligen Glückstreffer bei der Besetzung des vakanten Sangespostens. "Ich verlasse mich gerne auf meinen Instinkt und nachdem ich Stu einige alte Songs singen lies und mit ihm begann, an neuen Tracks zu arbeiten, bekam er augenblicklich den Zuschlag. Er hat viele Texte und Gesangsmelodien selbst geschrieben, einiges haben wir zusammen komponiert. Er hat mir viel Last und Verantwortung abgenommen und die Zusammenarbeit hat tierisch viel Spaß gemacht." Die positive Energie ist hörbar. "Dystopia" strotzt vor Power und erstklassigen, hymnischen Tracks, wie sie Iced Earth seit einer Dekade zu schreiben nicht mehr fähig waren. "Wir sind gerade erst warm gelaufen", so der zufriedene Gitarrist. "Wenn wir unsere Köpfe zusammenstecken, kommen verdammt gute Ideen dabei raus. Matt Barlow war ein guter Sänger, ebenso waren seine Texte klasse. Aber Stu hat die Gabe, Melodien zu erkennen und meine Gedanken fortzuführen. Man ist zum Songwriter geboren oder eben nicht." Jon Schaffer fühlt sich rundum pudelwohl. Er ist mit sich selbst im Reinen, was das positive Feeling auf "Dystopia" untermauert. "Es geht mir gut und ich blicke mit Freude nach vorne. Das war in der Vergangenheit nicht der Fall, alleine schon weil ich in der Phase von ,Framing armageddon' und ,The crucible of man' drei Familienmitglieder verloren habe: meinen Vater, meinen Bruder und meine Schwester. Alle innerhalb eines Jahres. Nach dieser brutalen Erfahrung hatte ich eine Art der Wiedergeburt durchlebt und fühle mich heute besser denn je. Daher scheint mir "Dystopia" nur allzu natürlich. Es ist eine epische, sehr intensive, harte und melodische Scheibe, mit sehr viel Herzblut." Über die Zukunft von Stu Block und der Akzeptanz bei den Fans, macht sich Schaffer keine Gedanken. "Mir war es wichtig, dass er auf seinen eigenen Beinen steht und keinen seiner Vorgänger kopiert. Daher mache ich mir keine Gedanken darüber, wie er die alten Songs live singen wird, denn ich bin mir sicher, dass es verdammt cool sein wird. Sicher wird es Kritiker geben, doch ich habe unsere Karriere noch nie nach der Meinung anderer gerichtet." Für den neuen Vokalisten hingegen ging ein Traum in Erfüllung. "Ich mach mir vor Aufregung noch immer fast in die Hose", erklärt Block lachend. "Ich bin unheimlich aufgeregt und sehe den Job als eine große Herausforderung an, der ich mich stellen möchte. Bis dato hatte ich noch gar keine Zeit alles zu verarbeiten, da mich Jon so eingespannt hatte. Aber auf das Ergebnis bin ich unheimlich stolz."
Spirituelles Wachstum
von Björn Thorsten Jaschinski (19.06.2008)Die Sensation war perfekt, als Jon Schaffer Ende 2007 die Rückkehr von Matt Barlow zur Band ankündigte. Eine richtige Entscheidung, wie die ersten Konzerte bekräftigen: Viele Fans konnten sich nie mit dem technisch perfekten, irgendwie seelenlosen Ge...
WeiterlesenDie Sensation war perfekt, als Jon Schaffer Ende 2007 die Rückkehr von Matt Barlow zur Band ankündigte. Eine richtige Entscheidung, wie die ersten Konzerte bekräftigen: Viele Fans konnten sich nie mit dem technisch perfekten, irgendwie seelenlosen Gesang von Tim "Ripper" Owens anfreunden. Da jedoch zu jenem Thema bereits alles gesagt wurde, wenden wir uns der Zukunft zu. Diese sieht den zweiten Teil der "Something wicked" Trilogie vor, deren Grundstein (und Ende) vor über zehn Jahren gelegt wurde. ",Revelation abomination' ist zum Zeitpunkt des Gesprächs nur ein Arbeitstitel", wie Schaffer angibt. "Die Lyrics und die Story sind zwei grundverschiedene Dinge. Es ist sehr schwierig, das Fundament einer epischen Erzählung in Songs zu pressen, so dass gleichzeitig jeder von ihnen auch losgelöst vom großen Ganzen genießbar ist. Dieses Konzept ist definitiv die größte und schwierigste Herausforderung meines Künstlerlebens, weil die ursprüngliche Geschichte so viel Tiefe besitzt. Ein Song soll keine bloße Nacherzählung sein - ich will, dass die Fans sich persönlich mit den Inhalten identifizieren können." Mit dem Nachfolger von "Framing armageddon" muss die Erzählung nicht abgeschlossen sein. "Sie ist nur in der Gegenwart angekommen. Die Story gibt inhaltlich so viel her, dass ich sie bis an mein Karriere-Ende weiterführen könnte." Schaffer fühlt sich mit der Band ausgelastet und künstlerisch nicht im Mindesten eingeengt. Es gibt zwar eine Iced-Earth-Formel, "aber diese Fromel ist die Essenz von mir. Ich habe keinerlei Ambitionen, andere Musik zu machen. Ehrliche Kunst kommt von einer Persönlichkeit, die spirituell wächst. Ich habe kaum Zeit, neue Musik zu hören - aber Wolfmother und Coheed And Cambria beispielsweise sind ziemlich cool. Doch ich will mich von meiner Lebenserfahrung, nicht von der Musikindustrie beeinflussen lassen." Matt Barlow ist nicht nur als Performer zurück, sondern auch als kreativer Teilhaber. "Vier oder fünf der neuen Texte sind von ihm, was toll ist, weil ich zu dem Zeitpunkt etwas ausgebrannt war." Wie schon auf vorherigen Alben kooperierte ein Arrangeur mit der Band. " Für das ,In sacred flames' Intro hatten wir vor ein paar Tagen einen 16-köpfigen Chor hier, der von Howard Helm instruiert wurde. Auf ,Framing...' mussten wir 10 000 Jahre abdecken, jetzt ist Set Abominae geboren und die Songs können fokussierter sein. Der letzte Song ,Come what may' ist wahnsinnig episch. In ,A gift or a curse' singe ich einen Vers und Harmonien mit Matt."
12.000 Jahre
von Andreas Reissnauer (04.07.2007)Jahre des Wartens haben endlich ein Ende, wenn Iced Earth Ende August Teil 1 ihres sich über zwei Alben erstreckenden Konzeptwerkes veröffentlichen. "Framing armageddon (Something wicked part 1)" hat dabei all das, was man von solch einem Mammutwerk ...
WeiterlesenJahre des Wartens haben endlich ein Ende, wenn Iced Earth Ende August Teil 1 ihres sich über zwei Alben erstreckenden Konzeptwerkes veröffentlichen. "Framing armageddon (Something wicked part 1)" hat dabei all das, was man von solch einem Mammutwerk erwartet. Eine intelligente Story, viel Pathos und komplexe Songstrukturen. Die Idee zu dieser ausgefeilten SciFi-Geschichte schwebt Mainman Jon Schaffer schon seit einer halben Ewigkeit durch den Kopf. "Ich weiß nicht einmal mehr, wie ich darauf gekommen bin. Auf einmal war diese Idee da und Bumm! Los ging es mit der Songtrilogie des ,Something wicked this way comes'-Albums. Daraufhin wollte ich gleich ein Doppelalbum veröffentlichen, doch da mein Vertrag mit Century Media auslief, habe ich die Idee auf Halde gelegt und ,Horror show' vorgezogen. Jetzt war es aber an der Zeit, die Geschichte vollends auszuarbeiten. All die Geschehnisse in zwei Alben wiederzugeben, war dabei das größte Problem, schließlich umfasst die Geschichte 12.000 Jahre an Lebenszeit." Dabei sind 30 Songs entstanden, wobei Teil 2 bereits im Frühjahr nächsten Jahres spruchreif sein wird. "Das Album ist fertig geschrieben und ein Großteil eingespielt. Wir werden die Scheibe nach der Europa-Tour im Herbst fertig stellen." Dabei hat Jon kein wirkliches Skript entworfen. "Das war gar nicht nötig, weil ich alles in meinem Kopf habe. Ich weiß, welcher Part als nächstes dran ist und habe die Musik entsprechend komponiert. Erst danach habe ich mich an die jeweiligen Texte gemacht. Das gesamte Album ist auf meinem Mist gewachsen, lediglich eine Gesangslinie stammt von Tim Owens und zwei Gitarrenparts von Tim Mills, dem Gitarristen, der kurzzeitig in der Band war." An ein Buch denkt Jon derzeit nicht. "Klar, falls jemand das Konzept verfilmen möchte, müsste ein Skript geschrieben werden. Allerdings würde das ein ziemlich teurer Film werden. Ich könnte mir eher eine Comic-Reihe vorstellen, aber selbst das würde noch etwas dauern, bis es spruchreif wäre." Auf dem Album ist Jon - wie eh und je - für die Rhythmusgitarren zuständig. "Die Soli wurden fast komplett von meinem neuen Leadgitarristen Troy Seele eingespielt. Ich habe jedoch zusätzlich zu den ganzen Rhythmusgitarren auch den Bass eingespielt, weil Dennis erst sehr spät zur Band gestoßen ist. Viele Fans wissen vermutlich gar nicht, dass ich auf sehr vielen Iced Earth-Alben den Bass eingespielt habe, weil im Booklet andere Namen aufgeführt sind." Die Aufnahmen gingen erstaunlich schnell vonstatten. "Insgesamt haben wir zweieinhalb Monate dafür benötigt, Teil 1 aufzunehmen, zu mischen und zu mastern und mit dem zweiten Teil sind wir auch schon zur Hälfte fertig. Für das Songwriting habe ich ziemlich genau ein Jahr benötigt und in der Zeit habe ich mir auch noch Protools angeschafft und gelernt. Manche Bands benötigen wesentlich länger, um eine Platte zu schreiben und aufzunehmen, doch da ich das Meiste im Alleingang mache, bin ich sehr zufrieden mit dem Tempo."
Große Pläne
von Andreas Reissnauer (27.03.2007)Großes kündigt sich im Hause Iced Earth an! Jon Schaffer steckt mitten in den Arbeiten zur Vollendung der "Something wicked this way comes" Album-Trilogie. Die gleichnamige CD ist vor Jahren erschienen und nach wie vor der beliebteste Iced Earth Long...
WeiterlesenGroßes kündigt sich im Hause Iced Earth an! Jon Schaffer steckt mitten in den Arbeiten zur Vollendung der "Something wicked this way comes" Album-Trilogie. Die gleichnamige CD ist vor Jahren erschienen und nach wie vor der beliebteste Iced Earth Longplayer aller Zeiten. Und jetzt dauert es gar nicht mehr lange, ehe es neues Material zu hören gibt. "Vorab werden wir eine Single mit dem Titel ,Overture of the wicked' veröffentlichen", berichtet der langmähnige Gitarrist. "Die EP wird vier Songs enthalten, wobei ,Ten thousand strong' der Schlüssel-Song ist. Zu jener Nummer werden wir auch einen Video-Clip abdrehen. Die anderen drei Songs sind nichts anderes als die Original-Trilogie vom ursprünglichen Album, aber natürlich haben wir die Songs neu eingespielt. Die Tracks klingen mit Rippers Stimme viel kraftvoller. Wir haben den Mix und das Mastering gerade beendet und ich bin hochzufrieden mit den Stücken." Erscheinen wird die EP Ende Mai. Das bedeutet natürlich noch lange nicht, dass es sich Iced Earth wieder gemütlich machen können, schließlich gilt es gleich zwei Alben zu vollenden. "Das erste Album wird ,Framing armageddon (Something wicked Part 1)' heißen und wir stecken noch Mitten in den Aufnahmen. Realistisch gesehen, werden wir wohl Anfang Mai mischen. Angepeilt ist jedenfalls eine Veröffentlichung für Ende August oder Anfang September. Teil 1 wird 18 Titel enthalten, Teil 2 dann 13. Diese zwei Alben sind die größte musikalische Herausforderung meines bisherigen Lebens, aber jetzt, da sich die Puzzleteile zusammenfügen, bin ich unglaublich stolz auf das bislang Erreichte. Die Fans können sich wirklich auf was gefasst machen!" Doch damit nicht genug, denn keine sechs Monate später wird bereits der nächste Longplayer in die Regale gewuchtet. "Ich denke, wir werden den zweiten Schlag - welcher sich ,Revelation abomination (Something wicked Part 2)' schimpft - direkt nach den Festivals und vor der Welt-Tournee fertig stellen. Natürlich haben wir einen Masterplan", grinst Schaffer. "Im Februar oder März 2008 wird es soweit sein und das zweite Album binnen kürzester Zeit erscheinen." Drei lange Jahre des Wartens haben ein Ende! Zählt die Tage rückwärts ...
von Matthias Mineur Nicht unbedingt die feine Art, mit der Jon Schaffer zurzeit seinen
früheren Weggefährten bei Iced Earth, Sänger Matthew Barlow, abqualifiziert.
Schaffer spricht von eklatanten Schwächen, von fehlender Motivation und
unprofessioneller Hal...
Weiterlesen Nicht unbedingt die feine Art, mit der Jon Schaffer zurzeit seinen
früheren Weggefährten bei Iced Earth, Sänger Matthew Barlow, abqualifiziert.
Schaffer spricht von eklatanten Schwächen, von fehlender Motivation und
unprofessioneller Haltung beim ersten Versuch, das neue Album "The glorious
burden" einzusingen. Er kann diese Kollegenschelte risikolos tun, steht
ihm doch seit wenigen Monaten der frühere Judas Priest-Interimssänger
Tim 'Ripper' Owens als Nachfolger Barlows zur Verfügung.
Mit einer solch anerkannten Sangesautorität fällt es natürlich leicht, sich
von der unliebsamen Vergangenheit zu distanzieren. Ob dies allerdings tatsächlich
dem Ruf von Iced Earth beziehungsweise Jon Schaffer zuträglich
ist, ob aufgrund dieses unschönen Nachtretens nicht irgendwann auch Barlow
selbst das Wort ergreift und zu den Vorwürfen Stellung bezieht, muss abgewartet
werden.Fakt dagegen ist: Mit "The glorious burden" veröffentlicht die amerikanische
Power Metal-Truppe ihr bis dato spektakulärstes Album. Ob es auch - wie allenthalben
angekündigt - das beste Werk der Gruppe ist, muss man erst noch abwarten und
dabei mit einkalkulieren, dass es diesbezüglich ganz unterschiedliche Geschmäcker
gibt. Was aber war geschehen? Schon seit Monaten kursierten Gerüchte um ein
ambitioniertes Albumprojekt, an dem Schaffer mit großem Engagement werkelt.
Es solle sich um die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs Mitte des 19.
Jahrhunderts drehen, munkelte man. Als Schaffer den Mantel des Schweigens
erstmals lüftete, kam ein Monumentalwerk über die tragischen Vorkommnisse bei
Gettysburg zum Vorschein, bei denen Tausende Soldaten in einem Krieg
zwischen den amerikanischen Nordstaaten und Südstaaten ihr Leben verloren. Der
Iced Earth-Boss war schon immer Fan von spannenden Fantasy-Szenarien
und daran interessiert, die Geschichte amerikanischer Bürgerkriege aufzuarbeiten.
"Die Gründungsväter der USA, die amerikanische Revolution, die Historie des
Militärs in Europa und Übersee haben mich schon als Junge fasziniert."
Dass diese früher auf Iced Earth-Alben immer nur angedeutet wurden,
habe er immer bedauert, erklärt er. Nun, auf "The glorious burden" erhält
das Thema endlich jenen Raum, den es nach Meinung Schaffers verdient,
speziell in dem 32minütigen Monumentalsong "Gettysburg (1863)", das unterteilt
ist in die Kapitel "The devil to pay", "Hold at all costs" sowie
"High water mark" (jeweils stellvertretend für die drei Tage der Schlacht)
und auf dem unter anderem auch man das Prager Philharmonie Orchester hören kann.
Dennoch gab es unerklärliche Verzögerungen in dem Entstehungsprozess des Albums.
Zunächst tappte die Öffentlichkeit im Dunklen bei der Frage, weshalb das schon
für Herbst 2003 angekündigte Werk nicht termingerecht erscheinen würde. Dann
überschlugen sich Meldungen und Ereignisse. Hinter vorgehaltener Hand sprach
man von einer geheimen Studiosession mit Tim Ripper Owens, Sänger bei
Judas Priest. Die Aktion galt als top secret, denn zum Zeitpunkt des
Treffens stand Owens noch bei der NWOBHM-Legende unter Lohn und Brot.
"Bis kurz vor der Reunion mit Rob Halford hatten Glen Tipton
und K.K. Downing mir signalisiert, dass ich auch das nächste Priest-Album
einsingen werde. Ich stand gewissermaßen auf Abruf, dachte über das eine oder
andere Soloprojekt nach. Irgendwie aber wusste ich in meinem Innersten, dass
es zu diesem Comeback kommen würde. Die Fans wollen es, Halford selbst
dokumentierte mit seinen traditionell ausgerichteten Soloscheiben die Bereitschaft
zur Rückkehr und für Glen und Ken ist es ohne Frage das Beste,
was ihnen passieren konnte. Mit dieser Wiedervereinigung wird ihre Karriere
noch einmal kräftigen Aufwind bekommen."
Mit der sensationellen Priest-Reunion war damit auch der Weg für
Owens frei, dem Werben seines Freundes Jon Schaffer nachgeben
zu können. Denn Schaffer hatte in nur fünf Tagen Studioproduktion mit
Owens gemerkt, welch Potential ein Zusammenwirken beider Kräfte haben
würde. Dennoch erbat sich Owens ein paar Tage Bedenkzeit.
"Ich gehöre nicht zu den Menschen, die aus dem Bauch heraus spontan entscheiden",
erklärt Owens.
"Ich musste für mich einige Dinge erst klären und darüber nachdenken, welche
anderen Möglichkeiten ich noch habe. Man muss allerdings dazu sagen, dass ich
mich tief im Inneren eigentlich schon für Iced Earth entschieden hatte."
Für Schaffer die einzig richtige Entscheidung. Früher war er bei
Iced Earth zumeist auf sich allein gestellt, mit Owens scheint
er den perfekten Partner gefunden zu haben, musikalisch wie menschlich.
"Tim ist nicht nur ein fabelhafter Sänger sondern auch ein echter Freund.
Wir passen perfekt zusammen, ich freue mich schon jetzt auf eine Zeit, in der
wir gemeinsam an Songs arbeiten. Ich weiß genau, dass uns eine grandiose Zukunft
bevorsteht"
Das kann man wohl sagen. Denn dass "The glorious burden" bei den
Fans wie eine Bombe einschlagen wird, daran bestehen nach menschlichem Ermessen
wohl nicht die geringsten Zweifel. Zumal es laut Schaffer die stärksten
Songs sind, die er je in seinem Leben geschrieben hat, Stücke die er bis zum
Ende seines Lebens lieben wird. Und die so oder so mit Owens als Sänger
veröffentlicht worden wären, auch wenn sich sein neuer Bandkollege vor Monaten
nicht Iced Earth komplett angeschlossen hätte.
"Wenn Tim sich gegen Iced Earth entschieden hätte, wäre ich jetzt
wohl auf Sängersuche",
gesteht er, gibt aber zu, dass er an der positiven Entscheidung Owens
nicht eine Sekunde gezweifelt hatte. Denn, so Schaffer, wer mit solcher
Leidenschaft Songs einsingt, will das Material anschließend auch auf Tournee
vortragen, sprich: will mit Iced Earth raus auf die Bühne, um den Lohn
für seine Darbietungen persönlich einzufordern. Und dazu wird Owens schon
in unmittelbarer Zukunft die Chance bekommen. Denn Iced Earth werden
ab März 2004 auf große Europatournee ziehen (übrigens mit Primal Fear
als special guest) und dabei weite Teile des neuen Albums vorstellen. Wie es
anschließend weitergeht, ob Schaffer zum ersten Mal in der Iced Earth-Historie
das Komponieren tatsächlich mit seinem Sänger teilt, muss abgewartet werden.
Heilige Schwüre diesbezüglich hat es ja bereits mehrfach gegeben.
"Tim ist ein talentierter Songschreiber. Warum also sollte ich diese Qualitäten
nicht nutzen",
fragt Schaffer. Die Frage wird er in ein paar Monaten beantworten müssen,
sich selbst und vor allem Owens, der auf seine Chance wartet, endlich
einmal selbst Hand an ein Album anlegen zu können.