Screamworks: Love in theory and practice - HIM - CD

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'80er Sounds treffen auf moderne Rhythmik, Düster-Metal auf Soulgesang und verschrobene Finnen auf die Glitzerwelt von Hollywood. Das neue Album von Ville Valo & Co. klingt ganz anders als seine ... Weiterlesen

Erhältlich seit12.02.2010
GenreGothic Rock
KategorieCDs
Artikelnummer164847

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Screamworks: Love in theory and practice von HIM

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Geschichten aus Finnland

Gut zwei Jahre nach dem harten Brocken „Venus Doom“ steht nun das mittlerweile siebte Studioalbum aus dem Hause der fünf Finnen von HIM in den Startlöchern. „Screamworks: Love in theory and practice“ nennt sich das gute Stück und verspricht laut Frontmann und Frauenliebling Ville Valo eine eingängige Platte mit echten Ohrwurmqualitäten zu werden. Gemeinsam mit dem Multitalent Matt Squire erschuf die Band aus dem kühlen Norden etwas völlig Neues, blieb dabei jedoch frei nach der Devise „wo HIM draufsteht, ist auch HIM drin“ ihren typischen Elementen treu. Eine Beruhigung also für alle, die befürchteten, dass durch den Erfolgsproduzenten, der u.a. schon mit The Used und Taking Back Sunday arbeitete, glatt polierter Emocore in HIM-Verpackung serviert wird.

Im Gegensatz zu dem doomlastigen und etwas sperrigen Vorgänger, der aus neun Liedern einschließlich einem 10-minütigen Opus („Sleepwalking Past Hope“) bestand, überschreitet auf „Screamworks“ kein Song die 5 Minuten Marke. „Die einzelnen Stücke erzählen alle eine abgeschlossene Geschichte, kommen dabei aber schneller auf den Punkt“ beschreibt Valo die neue Kreation. Leichtfüßiger und positiver als noch vor zwei Jahren kommen die Finnen daher, obwohl sich die Texte wiederum rund um die Liebe in all ihren Gestalten und Erscheinungsformen drehen. Donnernde und kreischende Gitarren sind also diesmal in sicherer Verwahrung geblieben, was jedoch bleibt, ist der melancholische Grundton, untermalt von den gewohnt poetischen Songwriterqualitäten. Locker-leichte Melodien begleiten also bitter-düstere Lyrics, ein Ohrenschmaus! „Let's fall apart together now“ fordert Valo den Hörer passend dazu fast schon fröhlich trällernd zu Beginn der Platte auf und los geht’s auf eine gut 45-minütige Reise durch die Gefühlswelt der Liebenden, Trennungsschmerz, Sehnsucht und Qual, denn nichts, wirklich gar nichts bleibt vor der talentierten Feder des sympathischen Finnen verschont. Mit wunderschönen Metaphern, Anspielungen und Ausflügen in eine längst ausgestorbene Sprache wird dabei nicht gegeizt; bereits im Opener „In venere veritas“ wird kurzerhand die lateinische Wendung „In vino veritas“ umgedichtet – in der Liebe liegt also die Wahrheit. Zeit zum Luftholen bleibt jedoch kaum, denn die Vorabsingle „Heartkiller“ beginnt mit einem nach 80s Synth-Pop klingenden Keyboard-Auftakt und schreitet ungewohnt zügig voran. Der „Dying Song“ und die todtraurige Ballade „Disarm me“ hingegen lassen wohl angesichts eines schmachtenden Ville Valos ein jedes Fanherz höher schlagen, wobei sich der Hörer einmal mehr durch die Poesie der Texte vom heimischen Sofa in eine andere Welt entführt sieht.
Ein Lied nach einer mittelalterlichen Foltermethode zu benennen, ist sicherlich mal etwas Neues, doch nicht zwingend etwas Negatives: „Katherine Wheel“ steigert sich zu einem wunderschönen Rocksong, in dem Valo sein ganzes Leid beklagt, während „In the arms of rain“ wie ein Hoffnungsschimmer inmitten der Dunkelheit der scheinbar ewig währenden Qualen des charismatischen Frontmanns glitzert („Lift the lid of your heart's casket“) und den Hörer einfach mit einem guten Gefühl umgibt.
Völlig untypisch und neu und doch wieder vertraut klingt „Ode to solitude“, einer der Höhepunkte der Platte mit herzzerreißenden Lyrics und einem mitreißenden Refrain, der die eben mühevoll geschöpfte Hoffnung sofort wieder im Keim ersticken lässt. Willkommen auf der Berg – und Talfahrt der Emotionen! Die großartige Ballade „Acoustic funeral“ legt dabei noch ein Schippchen drauf und lädt den Hörer zu einem knapp 4-minütigen Moment des Mitleidens ein, wobei der Song dem Klassiker „The funeral of hearts“ in nichts nachsteht. Anschließend schreit Valo sich bei „St. Valentine“ nach einem eingängigen Refrain scheinbar seinen ganzen Schmerz von der Seele, bevor das im wahrsten Sinne des Wortes überraschende Ende folgt: „The foreboding sense of impending happiness“ kommt komplett ohne Gitarren hochgradig ungewohnt und irgendwie spacig daher. Der Fokus liegt auf Valos Stimme und zeigt die experimentierfreudige Seite der Band, den Rahmen von allem bis dato Erschaffenen von HIM mit voller Wucht sprengend. Nicht schlecht, aber für alteingesessene Fans wohl zunächst etwas gewöhnungsbedürftig.

Fazit: Auch die schönsten Erzählungen müssen einmal zu Ende gehen und so wird nach dem 13. Kapitel das Buch zugeklappt und noch etwas benommen von der Schönheit der Geschichten andächtig und mit verträumten Blick in den Händen gehalten. Und erneut ist es HIM gelungen, die Fans in ihren Bann zu ziehen und mit „Screamworks“ etwas Neues zu erschaffen, ohne dabei jedoch Altbewährtes aus dem Blick zu verlieren. Die eingängigen Melodien fesseln den Hörer, prägen sich fest ein und lassen ihn besten willens nicht mehr ihrem Klammergriff entweichen. Ein großartiges Album, das einmal mehr zeigt, dass der Stern der fünf Romantikrocker noch lange nicht erloschen ist.

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