Interview
Düster und lebendig
von Markus Wosgien (14.03.2013)Nach einer kurzen Phase der Funkstille, kehren die finnischen Romantik-Rocker von HIM mit einem bezaubernden neuen Silberling zurück. Vorbei ist die Zeit tiefer Depressionen und experimenteller Selbstfindung. "Tears on tape" klingt vor allem eins: le...
WeiterlesenNach einer kurzen Phase der Funkstille, kehren die finnischen Romantik-Rocker von HIM mit einem bezaubernden neuen Silberling zurück. Vorbei ist die Zeit tiefer Depressionen und experimenteller Selbstfindung. "Tears on tape" klingt vor allem eins: lebendig! Und knüpft an die erfolgreichen und jene so einzigartigen HIM-Werke der Neunziger an. Der Sound und die Klasse einer neuen HIM-Veröffentlichung stehen und fallen mit der emotionalen Verfassung ihres Bandleaders Ville Valo. Diese scheint im Falle von "Tears on tape" blendend zu sein und in der Tat; "es geht uns allen prima", sprudelt es bestätigend aus dem charismatischen Frontmann heraus. "Wir sind enorm stolz auf unser neues Album, das meiner Meinung nach sehr organisch und natürlich klingt, aber ebenso voller melancholischer Momente steckt. Das mag daran liegen, dass der Großteil während der langen, finnischen Herbstmonate entstand. Diese gewaltige Jahreszeit nahm einen äußerst starken Einfluss auf die Stimmung der Songs." Zuvor lagen HIM ein knappes Jahr auf Eis, da Schlagzeuger Gas unter einer seltenen Krankheit an seinen Armen litt, die es erst einmal galt vollständig auszukurieren. "Heute ist er wieder ganz der Alte und trommelt, als wäre nichts gewesen", freut sich der 36-jährige Barde für seinen langjährigen Kameraden. "Unsere Lieder entstehen zumeist auf der Akustikgitarre", zeigt sich der charismatische Sänger gerne bereit, einen Blick hinter die Kulissen des Songwritings zu gewähren. "Um sie zu schreiben, benötige ich eine halbe Ewigkeit", lacht er, "und wenn dann alles Material steht, gehe ich damit zu den anderen in den Proberaum, wo wir ein paar Biere öffnen und den Rock 'n' Roll-Anteil integrieren." Dabei ist vor allem aller Anfang stets schwierig, "schließlich benötige ich nicht nur Inspiration, sondern auch eine gewisse Herausforderung", erläutert Ville. Als wichtigen Grundpfeiler nennt der finnische Mädchenschwarm die erneute Zusammenarbeit mit seinem Landsmann Hiili Hiilesmaa, mit dem HIM u.a. "Greatest lovesongs vol. 666" und "Love Metal" produziert haben. "Er ist großartig", lobt der androgyne Vokalist. "Uns war es sehr wichtig, dass wir in Punkto Sound einen Schritt zurück in unsere Vergangenheit gehen und dieses dynamische, düstere und dennoch melancholische Klangbild - zwischen Black Sabbath und Type O Negative - erzeugen." Entsprechend groß ist auch seine Vorfreude auf den bevorstehenden Black Sabbath-Longplayer: "Sie sind einer unserer wichtigsten Einflüsse und ich bin unheimlich gespannt darauf, welche Riffs Tony Iommi abermals im Stande sein wird zu kreieren." Die kreative Eingebung kommt auch bei einem Ville Valo oftmals unerhofft. "Der Grundriff von ,When love starts to die' fiel mir im Taxi ein. Ich musste ihn 20 Minuten lang immerzu wiederholen und den Taxifahrer um Ruhe bitten, ehe ich in unseren Proberaum sprinten konnte, um ihn dort direkt aufzunehmen." Eines ist klar: "Tears on tape" steckt voller Überraschungen und unerwarteter Wendungen, die das Leben jenes Ausnahmekünstlers in den vergangenen drei Jahren geprägt haben...
Ein guter Song ist ein guter Song
von Oliver Kube (22.12.2010)Anhand der Veröffentlichung von "Screamworks: Love in thoery and practice" überraschen die finnischen Gothic Rock Megastars HIM einmal mehr mit einem radikalen Kurswechsel. Frontmann Ville Valo erklärt im EMP Interview wie dieser zustande kam.
EMP...
WeiterlesenAnhand der Veröffentlichung von "Screamworks: Love in thoery and practice" überraschen die finnischen Gothic Rock Megastars HIM einmal mehr mit einem radikalen Kurswechsel. Frontmann Ville Valo erklärt im EMP Interview wie dieser zustande kam.
EMP MAGAZIN: Bei diversen Songs des neuen Albums sind eindeutige Referenzen an die großen Melodic Rock Bands der '80er auszumachen. Zufall oder gewollt?
VALO: "Wir alle, aber ganz besonders meine Wenigkeit, sind mit diesem Zeug groß geworden. Als ich mich zum ersten Mal mit unserem neuen Produzenten Matt Squire traf und wir Ideen für die damals noch sehr rohen, teilweise nur mit Akustikarrangement ausgestatteten Songentwürfe unterhielten, fielen immer wieder Namen wie Bon Jovi, Europe, Journey und speziell Van Halen in ihrer Sammy-Hagar-Ära."
Und offenbar auch die von A-ha, Depeche Mode etc.
"Klar, Synth-Pop fand doch zur gleichen Zeit statt. Damit bin ich ebenso aufgewachsen wie mit den Hardrockern. Damals war es für viele Leute undenkbar, dass jemand beides mögen konnte. Mir war das aber egal. Ein guter Song ist ein guter Song - egal ob es sich nun um Rock, Pop oder was auch immer handelt. Das wird ewig so bleiben."
Stilistisch ist dies aber schon ein großer Schritt nach dem doch deutlich härteren, düstereren Vorgänger "Venus doom"...
"Ich hoffe und denke, unseren Fans ist das nur recht. Warum sollten sie die gleiche Platte noch einmal wollen? Ich liebe es, wenn mich meine Lieblingskünstler mit jedem Album aufs Neue überraschen. Acts wie Led Zeppelin, David Bowie, Neil Young usw. waren immer sie selbst und dennoch unberechenbar. Das ist ein Status, den ich mit HIM ebenfalls anstrebe."
Wie seid ihr überhaupt auf den zuvor für u. a. Taking Back Sunday, Panic! At The Disco oder The Used tätigen Matt Squire aufmerksam geworden?
"Nach zwei Alben mit Tim Palmer, wollte ich mal jemand anderen ausprobieren und fragte herum. Als ich mit dem Writing fertig war, hat unser US-Labelmann dann Matt vorgeschlagen. Da ich für alles offen bin, habe ich mich mit ihm getroffen und es hat umgehend zwischen uns gefunkt. Wir sind im selben Jahr geboren und obwohl er in Amerika aufwuchs und ich in Finnland, gibt es musikalisch, aber auch sonst, extrem viele Parallelen. Außerdem war er von allen potenziellen Producern der einzige, der schon zum ersten Meeting mit konkreten Ideen und Vorschlägen zu meinen neuen Songs kam."
Es ist das erste Mal, dass ihr in den USA aufgenommen habt, oder?
"Ja. Matt lebt in L.A. und kennt sich dort bestens in der Studioszene aus. So machte es Sinn auch dort zu arbeiten. Falls wir dringend ein bestimmtes Gerät brauchten oder einen speziellen Sound erreichen wollten, wusste er sofort, wo wir hin mussten. Zum Aufnehmen eines Rockalbums ist die Stadt ein wahres Paradies."
Ist dir eigentlich klar, dass es nun schon zehn Jahre her ist, dass euch mit der Single "Join me" der große Durchbruch zuerst in Deutschland und dann im Rest der Welt gelungen ist?
"Ja. Das habe ich aber auch erst vor ein paar Tagen realisiert. Unglaublich (lacht). Mir kommt es überhaupt nicht so vor als wäre das schon 1999, sondern erst vor kurzem gewesen."
Wie wird 2010 für Euch verlaufen?
"Wir werden das Jahr mit einem großen Konzert in Helsinki eröffnen. Pünktlich um 0.00 Uhr gehen wir in der Nacht von Silvester auf Neujahr auf die Bühne. Dann werden wir um die Album Veröffentlichung herum einige Club-Shows in Deutschland, England, Frankreich, den Niederlanden und den anderen großen europäischen Märkten spielen - quasi als Release-Partys. Daraufhin geht es nach Australien, Japan sowie schließlich Nord- und Südamerika, bevor wir im Sommer so viele europäische Festivals wie möglich spielen werden. Im Herbst werden wir ganz sicher eine große Europa-Tour absolvieren mit jeder Menge Germany-Shows. Volles Programm also..."
Die neue Heavyness des jungen V.
von Oliver Kube (05.07.2007)Mit ihrer patentierten Mixtur aus düster-romantischer Gothic-Melancholie und unwiderstehlichen Pop-Melodien haben es HIM zu Weltruhm gebracht. Für ihr neues Album "Venus doom" legen die Finnen härtemäßig um einige Grade zu. Frontmann und Mädchenschwa...
WeiterlesenMit ihrer patentierten Mixtur aus düster-romantischer Gothic-Melancholie und unwiderstehlichen Pop-Melodien haben es HIM zu Weltruhm gebracht. Für ihr neues Album "Venus doom" legen die Finnen härtemäßig um einige Grade zu. Frontmann und Mädchenschwarm Ville Valo erklärt, wie es zu diesem recht radikalen Wandel kam.
Entstand euer neuer Sound bereits beim Komponieren oder erst, als ihr die Songs im Studio umgesetzt habt?
"Ich war noch mitten im Schreiben. Eines der ersten Stücke, die ich dem Rest der Band präsentierte, war ,Love in cold blood'. Dabei fiel mehreren von uns auf, dass der Song auch von unserem Freund Lee Dorian, von den britischen Doom-Kings Cathedral, hätte stammen können. Uns gefiel die Idee, härtere Lieder aufzunehmen. Die machen uns auf der Bühne eh am meisten Spaß. Außerdem waren Black Sabbath der vielleicht größte Einfluss auf uns alle, und wir hörten viel brutales Zeug im Tourbus.
Mit "Dark light" ist es erstmals auch in Amerika richtig gut für euch gelaufen. Wie hat denn euer US-Label auf die neuen Songs reagiert.
"Die waren erstmal ein wenig schockiert. (lacht) Offenbar sind sie es nicht gewohnt, dass ein Act, der gerade Gold verliehen bekommen hat, mit dem nächsten Album nicht versucht, exakt das gleiche noch einmal abzuliefern. Sie haben einfach Bedenken, dass wir nun nicht mehr von den großen Radiostationen gespielt werden. Aber worin liegt der Spaß, wenn man sich als Künstler immer nur wiederholt?"
Es dürfte in der Tat sogar hierzulande schwierig werden, die teilweise sehr langen und ziemlich harten Nummern im Radio unterzubringen.
"Nein, überhaupt kein Problem. Essenziell sind die Stücke immer noch typisch HIM, denn ich - und niemand sonst - habe sie geschrieben. Wir haben ein paar spezielle Single-Versionen angefertigt. Bei ,Kiss of dawn' z. B. lassen wir einfach das recht lange Instrumental-Intro weg. Dieses ist wichtig für den Stimmungsaufbau, wenn man das Album am Stück hört. Wer allerdings während der Autobahn-Fahrt einfach nur einen Song konsumieren möchte, kann diese Einleitung gar nicht gebrauchen. Mit derlei Dingen habe ich kein Problem, so lange die Kern-Identität des Songs nicht verloren geht."
"Summer wine", dein im letzten Winter veröffentlichtes Duett mit der Schauspielerin Natalia Avelon zu ihrem Film "Das wilde Leben", war ein Riesen-Hit. Interessiert dich das Film-Business?
"Nein, eigentlich nicht. ,Summer wine' ist die erste Aufnahme einer Kollaboration mit mir gewesen, an der ich weder am Songwriting noch an der Produktion beteiligt war. Die Filmtypen haben mich einfach angeschrieben, mir die Hintergründe der Story erklärt und gefragt, ob ich den alten Lee Hazlewood-Hit mit der Hauptdarstellerin einsingen würde. Da ich die Nummer immer toll fand, die Geschichte von Uschi Obermaier mich interessierte und Fräulein Avelon ein ausgesprochen hübsches Mädchen ist, sagte ich zu, für einen Tag zwecks Aufnahme nach Deutschland zu kommen."
Du hättest also nicht selbst Lust, mal zu schauspielern? Hat es wirklich noch keine Angebote in diese Richtung gegeben? Ein gut aussehender, junger Mann mit eingebauter, weltweiter Fan-Basis - das ist doch der Traum eines jeden Produzenten ...
"Klar, Angebote lagen mir schon vor, aber ich weiß nicht, ob ich das überhaupt könnte. Ich bin kein Performer im Sinne von Alice Cooper, der sein Leben lang auf der Bühne verschiedene Rollen gespielt hat. Wenn ich live auftrete, bin ich immer nur ich selbst."
Wie alt bist du eigentlich? Schon 30?
"Ja, im letzten November bin ich 30 geworden, wieso?"
Denkst du manchmal daran, eine Familie zu gründen?
"Ich liebe Kinder und hätte gern selbst welche. Allerdings schaffe ich es kaum eine Beziehung mit einer Frau aufrecht zu halten, weil ich acht bis neun Monate im Jahr unterwegs und nicht zu Hause bin. Wie soll das funktionieren? Wenn ich Nachwuchs in die Welt setzen würde, will ich dabei sein, wenn er aufwächst und nicht nur hin und wieder zu Besuch kommen. Das wäre schlimm und dem Kind gegenüber mehr als ungerecht. Geplant werde ich also vorläufig bestimmt kein Vater."
Ihr spielt dieser Tage ein paar Stadion-Shows als Special Guests von Metallica, bevor es mit Linkin Park und My Chemical Romance auf große Open Air-Tournee durch die USA geht. Wann können wir euch in Deutschland erwarten?
"Nach den US-Festivals betouren wir erst einmal Finnland, Skandinavien und Großbritannien, machen dann unseren eigenen, ausgedehnten Headliner-Trip durch Nordamerika, bevor kurz nach dem Jahreswechsel Australien und Japan dran sind. Deutschland und der Rest Europas folgen wohl im Februar und März. Das kann sich zwar noch ändern, aber so sieht im Moment die Planung aus. Vielleicht machen wir vorher schon ein paar kleinere Shows hier, aber für die große Tour sind wir dann bestens eingespielt, so dass ihr "Venus doom" in absoluter Top-Form präsentiert bekommen werdet. Ich freue mich schon jetzt darauf, unseren loyalsten Anhängern neben den finnischen Fans dieses mir persönlich sehr wichtige Album live zu präsentieren."
ZITAT
"Aber worin liegt der Spaß, wenn man sich als Künstler immer nur wiederholt?"
Liebeslieder Teil 666
von Markus Wosgien (25.09.2006)HIM-Frontmann Ville Valo ist nicht nur der Traum vieler Mädels, sondern ebenso eine Rock'n'Roll Persönlichkeit mit Charisma und in etwa der Jim Morrison der Gegenwart. Seine Musik hat das Gothic-Genre neu belebt und jeder einzelne Song ist ein Juwel ...
WeiterlesenHIM-Frontmann Ville Valo ist nicht nur der Traum vieler Mädels, sondern ebenso eine Rock'n'Roll Persönlichkeit mit Charisma und in etwa der Jim Morrison der Gegenwart. Seine Musik hat das Gothic-Genre neu belebt und jeder einzelne Song ist ein Juwel für sich. Eine der großen Stärken von HIM sind ihre düster romantischen Balladen und hymnischen Schmuse-Rocker. Auf der neuen Compilation "Uneasy listening Vol.1" geht es genau um diese, alles jedoch in veränderter, sprich akustischer oder remixter Form.
Ville ist guter Laune und erklärt den Hintergrund zu dieser tollen Zusammenstellung. "Eigentlich wollten wir zwei Alben zur selben Zeit veröffentlichen, sprich neben der Compilation mit Balladen, noch eine mit den härteren Nummern, die nun im Frühjahr erscheinen wird. So hat jeder einen Soundtrack für Samstagabend und Sonntag früh. Die Versionen stammen von raren B-Seiten und einige haben wir komplett neu aufgenommen." Ville selbst stellte die Tracklist zusammen, auch die Remixe nahm man sich komplett selbst vor. Es macht ihm Spaß die Nummern in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. "Einige Songs haben wir komplett verändert, andere wurden akustisch performt, oder wir haben uns einfach nur dabei ausgetobt um Spaß zu haben." Darunter sind einige ältere Tracks wie "It's all tears" oder "For you", die seit langem nicht mehr Live gespielt wurden und möglicherweise in Vergessenheit gerieten. "Es ist ein tolles Gefühl, denn wir sind auf alles was wir bisher getan haben sehr stolz. Alles geschieht für einen Grund und spiegelt eine bestimmte Phase von uns wieder." Eine Ballade ist stets etwas sehr persönliches, da meist die Liebe und sehr emotionale Gefühle dazu inspirieren. "Alle Nummern wurden für spezielle Personen geschrieben, oder über Erfahrungen die wir mit bestimmten Menschen gemacht haben", stimmt der charismatische Finne zu. "Das gilt aber auch für unsere rockigeren Nummern, da jeder Track von uns etwas Persönliches ist und auf unsem Umfeld beruht." Ville wird dieses Jahr noch seinen 30. Geburtstag feiern, für viele ein magisches Alter, nicht so für den Sänger. "Da mach ich mir ehrlich gesagt keine großen Gedanken. Es war spannender 27 zu werden, angesichts all der großartigen Legenden, die in diesem Alter gestorben sind.