Interview
Heaven Shall Burn wagen den Spagat zwischen Bildungsauftrag und Elsterglanz
von Peter Kupfer (12.03.2013)15 Jahre sind Heaven Shall Burn nun schon im Geschäft und quasi ihr halbes Leben in der Band aus dem Thüringer Städtchen Saalfeld zu Gange. Nach sechs Studioalben hat man sich vom Geheimtipp definitiv zu einer der wichtigsten deutschen Bands entwicke...
Weiterlesen15 Jahre sind Heaven Shall Burn nun schon im Geschäft und quasi ihr halbes Leben in der Band aus dem Thüringer Städtchen Saalfeld zu Gange. Nach sechs Studioalben hat man sich vom Geheimtipp definitiv zu einer der wichtigsten deutschen Bands entwickelt und dies wird sich mit dem neuen Album "VETO" weiter definitiv manifestieren. Heaven Shall Burn schaffen einen Spagat, der bei anderen Bands zum Scheitern verurteilt ist. Mit Witz und Humor auf der einen Seite, auf der anderen hält man den Bildungsauftrag in der Hand, der nur aus Regierungskreisen kommen kann. "Auf jeden Fall", ist die Antwort von Gitarrist Maik Weichert, als das Wort "Bildungsauftrag" fällt. "VETO" fährt erneut mit Themen auf, die zeitgemäß, aber auch historisch beeinflusst sind. Die Legende von Lady Godiva, die auch das Cover ziert, trifft auf die Abrechnung mit der Kirche oder der Unterstützung für Sea Shepherd. Mannigfaltiger kann man sich fast nicht aufstellen. Aber auch an die internationalen Brigaden, die während des Spanischen Bürgerkrieges im Jahre 1936 aus 53 beteiligten Nationen zusammengestellt wurden, wird erinnert. "Es gibt heutzutage einfach kein Gedenken mehr an diese Menschen", ist die simple, aber einleuchtende Antwort. "Die Liste mit Themen ist lang und Heaven Shall Burn war nie eine Band, die über die verlorene Freundin gesungen hat." Die Erwartungen waren im Vorfeld hoch, da "Invictus" sogar die Charts enterte und die Messlatte somit hoch ansetzte. "Natürlich ist der Druck da, aber es ist eine Art von Druck, die einen pusht, da bei uns keine wirtschaftliche Existenz dranhängt, wie es bei anderen vielleicht der Fall ist. Es ist eher ein Druck, der uns noch zwei Stunden mehr im Studio lässt und Kreativität erzeugt." Kreativität zeigen Heaven Shall Burn auch mit einem Studioreport der besonderen Art. Mit den Herren von Elsterglanz "liegt man auf einer Wellenlänge" und es verbindet beide Parteien eine Freundschaft, die nach dem With Full Force Festival 2012 noch inniger wurde. "Die Idee wurde immer dünner", so Maik, hinsichtlich des Einfalls, wieso man Elsterglanz als Produzenten-Team im bandeigenen Chemical Burn Studio zu Bad Kösen auflaufen ließ. Dort werden HSB in ihre Schranken gewiesen und die bisherigen Aufnahmen durch Elsterglanz kurzerhand gelöscht, da die Band zuerst gebrochen werden muss, um sie dann wieder aufzubauen. Drei Drehtage später und mit einem Drehbuch, welches ein "Notizblock in der Arschtasche" war, wurde ein Clip abgedreht, der mit jeder Menge Dialekt auffährt und eine Band zeigt, die witziger und sympathischer nicht hätte auftreten können. Rundum passt einfach alles bei "VETO" und im Lager von Heaven Shall Burn. Und dennoch nahm man sich der Kritik an, die zum letzten Mal kam. Zu brachial und laut sei man in der Vergangenheit gewesen und der Produzent wurde mit ,Du, das muss lauter' angespornt. "Es ist bewusst so gemacht, dass man es auch mal mit Kopfhörern hören kann." "VETO" kann man anhören wie man will, da es immer ein großartiges Stück Metal ist und bleiben wird.
Intellektuelle Spinner der Metal-Szene
von Matthias Mader (22.03.2010)Ohne Frage: Zusammen mit Caliban bilden Heaven Shall Burn aus Thüringen die Doppelspitze der bundesdeutschen Metalcore-Szene. Wobei Heaven Shall Burn die Nase vielleicht sogar einen Tick weiter vorne haben. Das liegt daran, dass sie vor gut zwei Jahr...
WeiterlesenOhne Frage: Zusammen mit Caliban bilden Heaven Shall Burn aus Thüringen die Doppelspitze der bundesdeutschen Metalcore-Szene. Wobei Heaven Shall Burn die Nase vielleicht sogar einen Tick weiter vorne haben. Das liegt daran, dass sie vor gut zwei Jahren mit "Iconoclast (Part I: The final resistance)" ein tolles Konzept an den Start gebracht haben. 2009 folgte mit "Bildersturm - Iconoclast II (The visual resistance)" die Fortsetzung. Und jetzt liegt, ihr habt es bereits geahnt, mit "Invictus" der (vorläufige) Abschluss der "Iconoclast"-Trilogie vor. Trotzdem ich Gitarrist Maik Weichert sehr kurzfristig ans Handy zitieren musste, ist der wie immer die Ruhe selbst: "Unser neues Album ,Invictus' ist der dritte Teil unserer ,Iconoclast'-Krieger-Story. Der Titel passt zur Scheibe, es ist ja schließlich keine Emo-Platte! Ich weiß noch nicht einmal, ob das jetzt der Abschluss des Konzepts ist oder ob es irgendwann in ferner Zukunft nicht sogar eine weitere Fortsetzung geben wird. Es war eigentlich auch nicht geplant, dass jetzt schon ,Iconoclast III' erscheint, aber es hatten sich einfach schon wieder so viele neue Ideen zu diesem Thema angesammelt. Es handelt sich wieder um eine lose Konzeptsammlung, die ein wenig bilderstürmerisch anmutet, wo bekannte aber auch unbekanntere Storys erzählt und aus einer anderen Perspektive analysiert werden. Es werden Heldenfiguren hinterfragt oder auch Helden vorgestellt, die bis jetzt im Schatten der Historie standen." Interessant! Nun, Napoleon oder Richard Löwenherz hatten Heaven Shall Burn dabei wohl kaum im Visier. Maik hebt den Titel "Return to sanity" heraus: "Da geht es um eine bestimmte Schlacht im 2. Weltkrieg, von der ich vorher noch nichts gehört hatte. Nämlich die Schlacht im Hürtgenwald. Bei der Recherche bin ich aber auf einen Bericht von Ernest Hemingway gestoßen, der dort als Kriegsberichterstatter tätig war. J. D. Salinger ebenfalls. Es handelt sich dabei um eine der längsten Schlachten, die die US-Army je gefochten hat. Und das auf deutschen Boden. Da gab es eben so Begebenheiten, dass ein deutscher Soldat versucht hat, einen verwundeten Amerikaner aus dem Minenfeld zu retten und dabei selbst ums Leben gekommen ist. In diesem Fall haben die Amerikaner dem deutschen Feind dort sogar einen Gedenkstein aufgestellt. Das fand ich als Begebenheit sehr bemerkenswert. Das ist z.B. so eine Heldengeschichte, von der vorher noch nie jemand etwas gehört hat." Nun ja, die deutsche Geschichte ist bekanntlich ein Minenfeld. Ich kann mir vorstellen, dass Heaven Shall Burn bei ihrer Recherche zu "Invictus" schon höllisch aufpassen mussten, nicht ins Fettnäpfchen zu treten. "Klar", Maik weiß natürlich sofort, wovon ich rede: "Gerade wenn es um Themen aus dem 2. Weltkrieg und deutsche sowie amerikanische Soldaten geht, muss die Recherche natürlich sehr tiefgehend sein. Wir wollen ja schließlich keinen Kriegsverbrechern huldigen. Da kann man ganz schön auf die Fresse fallen." "Invictus" beweist also wieder einmal, dass Heaven Shall Burn sich zunehmend ihre eigene Nische schaffen und keine konturlose Metalcore-Band sind. Maik zeigt Humor: "Meinst Du? Ja, vielleicht sind wir die intellektuellen Spinner der Metal-Szene. Da hast du schon mal eine schöne Überschrift für deinen Artikel."
Bayern München oder Energie Cottbus?
von Matthias Mader (19.12.2007)"Die wahre Kunst des Schreibens besteht doch im Auslassen", erhalte ich eine unerwartete Lektion im Grundkurs Creative Writing. Mein Lehrer: Leadgitarrist und Sprecher der Band Heaven Shall Burn, Maik Weichert. Mein Problem: Unser knapp 45-minütiges ...
Weiterlesen"Die wahre Kunst des Schreibens besteht doch im Auslassen", erhalte ich eine unerwartete Lektion im Grundkurs Creative Writing. Mein Lehrer: Leadgitarrist und Sprecher der Band Heaven Shall Burn, Maik Weichert. Mein Problem: Unser knapp 45-minütiges Telefongespräch auf den mir zur Verfügung stehenden Raum zu reduzieren. Reduktion ist alles andere als ein gutes Stichwort bezüglich "Iconoclast (Part 1: The final resistance)", einem bombastischen Meisterwerk des metallischen Hardcores. Zusammen mit Maroon und Caliban bilden H.S.B. das Trio Infernale des teutonischen Metalcores, nach diesen drei Marktführern kommt erst einmal eine ganze Weile nichts. "Das weiß ich nicht so recht", zögert Maik, "ich bin kein Marktanalyst." Aber Heaven Shall Burn spielen doch wohl in einer Liga mit Maroon und Caliban, oder etwa nicht? "Na, ich denke schon, dass das eine Liga ist", kommt Herr Weichert ein wenig mehr aus seiner Reserve, "aber Energie Cottbus und Bayern München spielen auch in einer Liga und sind natürlich nicht miteinander vergleichbar." Ha, gute Vorlage, da stellt sich bestimmt nicht nur mir die Frage, wer denn nun die Bayern des Metalcores sind und wer Energie Cottbus? Maik lacht: "Höhö, das wirst Du von mir auf keinen Fall hören, nur soviel: Ein Bayern-Fan bin ich ganz bestimmt nicht." Zudem arbeiten die Bands in der hiesigen Szene auch nicht gegeneinander, sondern miteinander. Mit Caliban etwa verbindet Heaven Shall Burn eine recht enge persönliche Freundschaft, trotz der großen räumlichen Entfernung besucht man sich gegenseitig regelmäßig und hat auch schon zwei gemeinsame Split-CDs eingespielt (2000 und 2005). "Ich bin bei Deiner Frage eben geradezu zusammengezuckt", berichtet Maik. Wieso? "Na, wir leben doch in einer globalisierten Welt, warum müssen wir uns dann nur mit Bands aus dem eigenen Land messen lassen und nicht etwa mit As I Lay Dying oder Unearth?" 1:0 für Herrn Weichert! In der Tat bemerkt dieser sehr treffend, dass meine anschließende Frage nach der Zugehörigkeit von Heaven Shall Burn zu einer bestimmten Szene völlig redundant ist: "Die Kids von heute interessiert es einfach nicht mehr, ob eine Band Metal ist oder Hardcore, die picken sich einfach das heraus, was ihnen gefällt. Da kann es durchaus sein, dass jemand gleichberechtigt nebeneinander Dimmu Borgir, Children Of Bodom und Heaven Shall Burn hört." Auch seien die Fans mittlerweile weniger auf Printmedien fixiert (weder aus dem Metal- noch aus dem Hardcore-Bereich), sondern kommunizierten vorwiegend über Internet-Portale wie MySpace oder YouTube. All das kann aber eines nicht verhindern, nämlich dass sich Qualitätsprodukte (wie Heaven Shall Burn) immer durchsetzen werden. You can't keep a good band down!
Nicht auf beiden Ohren taub
von Andreas Reissnauer (05.07.2006)
Heaven Shall Burn
Nicht auf beiden Ohren taub
von: Andreas Reissnauer
vom: 05.07.2006
Deutschlands größte Metalcore Band Heaven Shall Burn ist wieder da und hat einen Dampfhammer im Gepäck! "Deaf to our prayers" ist ein würdiger Nachfolger ...
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Heaven Shall Burn
Nicht auf beiden Ohren taub
von: Andreas Reissnauer
vom: 05.07.2006
Deutschlands größte Metalcore Band Heaven Shall Burn ist wieder da und hat einen Dampfhammer im Gepäck! "Deaf to our prayers" ist ein würdiger Nachfolger von "Antigone". "Im direkten Vergleich zum letzten Album haben wir diesmal den etwas hymnischen Passagen mehr Raum gelassen" beginnt Gitarrist Maik Weichert zu erzählen. "Das fällt aber im ersten Moment nicht so auf, weil sich all diese epischen Teile aus brutalen Songs heraus entwickeln. Ich denke, nach einigen Durchläufen weicht der zunächst kompakte Eindruck und man entdeckt die melodischere Seite der Platte etwas besser. Was den Mix angeht, so steht diesmal eher die Keule im Vordergrund, also die sägenden Klampfen." Woraus ziehst du dir Inspirationen für Texte? Hauptsächlich aus Büchern und Dokumentationen oder auch von Plätzen, an denen du schon gewesen bist? "Meist inspirieren mich die Biographien bestimmter Personen zu meinen Texten. Im Leben der Menschen spiegeln sich so viele Ereignisse wieder und es ist leichter, eine Geschichte über eine bestimmte Person oder eine Gruppe zu erzählen und dabei ein Ereignis oder eine Epoche zu beschreiben, als abstrakt eine Art Text-Dokumentation zu bringen. Zum Beispiel erzählte mir mein Kumpel Pat (Sänger von Sunrise) aus Polen von seinem Großvater, der bei der polnischen Heimatarmee kämpfte. Ich habe auch in Warschau das Museum und die Gedenkstätte für den polnischen Widerstand besucht. Das hat mich zu dem Song ,Armia' inspiriert." Ein anderes Stück nennt sich "Mybestfriends.com" - ist das ein Seitenhieb auf Leute, die myspace-süchtig, sind? "So in etwa. In dieser Beziehung geht ein tiefer Graben durch unsere Band, da sind einige, die sehr viel Zeit bei myspace verbringen und andere, die sich darüber eher lustig machen. Ich finde es einfach amüsant, wie sich die Leute quasi eine ganz andere Identität geben und so viel Zeit mit der Pflege ihrer Pseudofreundschaften verbringen. Im wahren Leben erkennst du einen Loser schon nach 10 Sekunden, bei myspace kann das Jahre dauern." Ihr wart letztes Jahr mit As I Lay Dying und anderen US-Bands auf Tour in Deutschland. Sieht man sich die Bands auch mal an und schaut, ob man sich da was abgucken kann in der Stage-Performance oder seht ihr so etwas locker? "Was die Bühne angeht, da ist bei uns fast alles erlaubt was Spaß macht. Wir sind ja auch schon als Judas Priest oder Truck Stop verkleidet auf die Bühne gegangen. As I Lay Dying haben mich schon sehr beeindruckt, gerade wie professionell sie arbeiten und wie sie tatsächlich jeden Abend Vollgas geben. Bei uns geht das immer etwas lockerer zu, eben weil wir den Spaß in den Vordergrund stellen. Das wird man auch auf der Bonus-DVD der neuen CD sehen und hören." Ihr habt euren Gitarristen Patrick verloren. Was war das für ein Gefühl, als ihr das letzte mal miteinander geprobt bzw. gespielt habt (z.B. bei der Farewell Show)? "Ich habe das alles ziemlich locker gesehen, weil wir ja auch noch mit Patrick im gleichen Proberaum sind, mit ihm feiern und er nur keine Zeit für die Shows mehr hatte. Als wir die letzte Show spielten, war es natürlich trotzdem hart, man denkt dann an die ganze Zeit, die ganzen Tourneen, die Trips und die vielen Erlebnisse. Es waren ja immerhin acht Jahre mit Patrick."