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Nachdem sich Haudegen mit ihrem Album "Schlicht & ergreifend" einen amtlichen Namen in der deutschsprachigen Rockmusik gemacht haben, legen sie nun mit "Schlicht & ergreifend - Live in der Passionskirche" eine berührende wie packende Live CD & DVD vor. Aufgenommen im Winter 2011 in der Passionskirche in Berlin-Kreuzberg gibt es mit "Schlicht & ergreifend - Live in der Passionskirche" Haudegen pur!
EMP Redaktion
von Oliver Kube(14.03.2012)Mit ihrem Debutalbum zählten die Berliner Hagen Stoll und Sven Gillert zu den wichtigsten und erfolgreichsten Newcomern des Jahres 2011 in Deutschland. Während sich die 2-CD zur einen Hälfte auf knackigen Alternative Rock und zur anderen auf ruhigere Akustiknummern konzentrierte, gab es bei diesem in der Berliner Passionskirche mitgeschnittenen Konzert vor allem Letztere zu hören. Was allerdings nicht heißt, dass das Ganze auf diesem mit abweichenden Tracklistings versehenen CD & DVD-Doppelpack kraftlos daher käme. Im Gegenteil: Begleitet von ihrer Band, aber auch Flügel, Streichern und einem kompletten Chor, werden die beiden bekehrten ex-Rapper ganz feierlich. Sichtlich berührt vom Ambiente und den emotionalen Reaktionen der Fans im proppevollen Gotteshaus, singen sich Haudegen durch grandios arrangierte Versionen von zwölf Stücken wie "Rot markiert", "Ein Mann, ein Wort" oder dem Stimmungsmacher "So fühlt sich Leben an". Und das in superscharfem Bild und mit glasklarem Sound. Ein echtes Erlebnis - auch vor dem TV- bzw. HiFi-Gerät.
Interview
Gossenpoeten ohne Druck
von Oliver Kube (30.08.2012)Haudegen alias Hagen Stoll und Sven Gillert zählten zu den Erfolgstorys des Jahres 2011. Bereits mit ihrer ersten CD gelang der große Durchbruch. Wir sprachen mit dem Berliner Deutschrock-Duo zur Veröffentlichung ihres neuen Albums "En garde".
EMP: ...
WeiterlesenHaudegen alias Hagen Stoll und Sven Gillert zählten zu den Erfolgstorys des Jahres 2011. Bereits mit ihrer ersten CD gelang der große Durchbruch. Wir sprachen mit dem Berliner Deutschrock-Duo zur Veröffentlichung ihres neuen Albums "En garde".
EMP: Nach dem sowohl künstlerischen als auch kommerziellen Erfolg der so besinnlich-ruhigen Live-DVD mit dem Passionskirchen-Konzert hätte man erwarten können, dass das zweite Album in eine ähnliche Richtung ginge.
Gillert (lacht): "Ja, hätte man, oder?"
EMP: Nun ist es aber noch deutlich rockiger, druckvoller als euer Debut "Schlicht & ergreifend" ausgefallen. Steckt da ein Plan hinter? Seid ihr mit dieser Intention an die neuen Songs herangegangen oder hat sich das einfach so entwickelt?
Stoll: "Beides irgendwie. Vor den Aufnahmen zu unserem Erstling waren wir als Haudegen ja noch kaum vor Publikum aufgetreten. Während der diversen Touren jedoch, haben wir gemerkt, dass wir tatsächlich eine echte Live-Band sind. Und zwar eine kernig rockende. So sehen wir uns, so mögen wir uns selbst am liebsten hören und so wollen bzw. werden wir uns auch auf unseren CDs präsentieren."
Gillert: "Die Akustik-Geschichte in der Passionskirche war ja auch mehr ein Seiten-Projekt. Das hat großen Spaß gemacht und wir werden garantiert bei Gelegenheit und zu bestimmten Anlässen weiterhin solche Konzerte spielen. Primär sind wir aber - Hagen hat es gerade gesagt - ein echter Rock-Act."
EMP: Die letzten zwei Jahre müssen für euch wie ein Rausch gewesen sein. Hattet ihr, als ihr mit Haudegen anfingt, eine Ahnung davon, was an Aufmerksamkeit und Erfolg auf euch zukommen würde?
Stoll: "Nein, überhaupt nicht. In dieser Branche kannst du nicht berechnen was passiert."
Gillert: "Umso schöner ist es dann, wenn das Publikum sich wirklich deiner annimmt und du Songs produzierst, die den Menschen offenbar viel bedeuten."
EMP: Habt ihr beim Schreiben und Aufnehmen den Zwang verspürt diesen Erfolg zu wiederholen?
Stoll: "Nein, wir haben uns keinen Druck gemacht oder machen lassen. Die Reaktionen auf unser Debut haben uns gezeigt, dass wir da draußen verstanden werden, so wie wir sind. Was uns viel Selbstvertrauen gegeben hat. Es wäre in dieser Situation doch fatal zu versuchen, irgendeine Erwartung zu erfüllen, anstatt weiterhin das zu machen, was man selbst als richtig empfindet."
Gillert: "Sogar wenn wir mit unserem Debut nicht diesen Zuspruch erhalten oder gar nicht erst einen Plattenvertrag bekommen hätten, würden wir jetzt exakt diese Musik machen."
EMP: Wann geht es auf Tour und was kann das Publikum erwarten?
Stoll: "Wir werden von Ende Oktober bis Mitte November auf Deutschlandreise gehen. Dann machen wir ein wenig Pause, bevor es im Frühjahr 2013 eine zweite Tour geben wird und wir danach so viele Festivals wie möglich spielen wollen."
Gillert: "Die Fans können erwarten, dass wir weiterhin alles für sie geben. Unsere Band ist mittlerweile sehr gut eingespielt und rockt noch deftiger als auf der letzten Tour."
EMP: Wie kam es denn zur Kollaboration mit Liedermacher-Legende Reinhard Mey?
Stoll: "Reinhard kenne ich bereits seit Ende der 90er. Ich war aber auch schon vorher ein großer Fan von ihm und seinem immensen Talent mit Worten umzugehen. Damals war ich noch Rapper und arbeitete im berühmten Berliner Hansa Studio, wo ja auch U2, David Bowie und viele andere einige ihrer großen Platten eingespielt haben. Ich hatte dort meinen eigenen kleinen Aufnahmeraum und erledigte im Gegenzug dafür einige Hausmeisterjobs wie durchfegen etc. Deshalb war ich beinahe jeden Tag dort. Reinhard nahm damals dort auf und in den Pausen redeten wir oft miteinander. Natürlich über Musik und Texte, aber auch sonst über allerlei. Wir haben uns einfach gut verstanden. Als wir dann ,Tintenfass und Feder' schrieben, dachten wir, dass Reinhards Stimme perfekt zum Arrangement passen könnte. Wir kontaktierten ihn, er erinnerte sich an mich und sagte sofort seine Mitarbeit zu. Das hat mich sehr happy und auch ein wenig stolz gemacht."
EMP: Trotzdem ist das Lied nur als Bonustrack dabei...
Stoll: "Wir wollten ihn unbedingt dabei haben, weil wir den Song lieben und Reinhard so sehr bewundern. Dennoch stand das Album im Prinzip schon ohne dieses Lied als Ganzes da und hatte eine homogene Dramatik. Das Stück nun irgendwie noch rein zu quetschen wäre falsch gewesen und hätte den Fluss gestört."
Nice to know
von (14.03.2012)Haudegen haben mit ihrem Debutalbum "Schlicht & Ergreifend" ein Manifest an poetischem Rock geschaffen, das die Szene im letzten Jahr mächtig aufgewühlt hat. Nach ausgedehnten Konzerten, stand Ende letzten Jahres dann das Konzert in der Passionskirch...
WeiterlesenHaudegen haben mit ihrem Debutalbum "Schlicht & Ergreifend" ein Manifest an poetischem Rock geschaffen, das die Szene im letzten Jahr mächtig aufgewühlt hat. Nach ausgedehnten Konzerten, stand Ende letzten Jahres dann das Konzert in der Passionskirche in Berlin an, zu der es jetzt das Live-Package als CD & DVD gibt.
Aus diesem Anlass haben es sich Hagen und Sven nicht nehmen lassen, mal ein bisschen über Gott und die Welt zu sprechen und darüber, dass Hagen weniger Bohnen vor den Gigs essen sollte, aber lest selbst...
1. Erstes Album, das du dir gekauft hast?
Hagen: Karat "Blauer Planet"
Sven: Das erste Album das ich mir gekauft habe war von Elvis Presley
2. ...und das letzte Album, dass du dir zugelegt hast?
Hagen: Everlast "Songs of the ungrateful living"
Sven: Das letzte Album war unser eigenes Haudegen "Schlicht & Ergreifend"
3. Wer ist deiner Meinung nach der größte Musiker aller Zeiten?
Hagen: Pete Steel (Type O Negative) ich glaube der war mindestens 2'20 Meter groß
Sven: Ich denke das war Wolfgang Amadeus Mozart
4. Liegen da auch eure musikalischen Wurzeln?
Hagen: Nein, aber groß werden wollen wir auch mal. Also wachsen
Sven: Nein meine Wurzeln liegen in einer Mischung aus Hip Hop, Billy Idol, & AHA
5. Über welches Thema kann man sich mit dir gut streiten?
Hagen: Ob der Blaumilchkanal ein sinnvolles Bauwerk war
Sven: Das wird schwierig da ich jedem seine Meinung lasse...
6. Erstes Konzert? (vor der bühne)
Hagen: Puhh, ich denke das war ein Jungpionier-Chor im Fez Wuhlheide
Sven: Mein erstes Konzert war Karat in der Wuhlheide
7. ...und auf der Bühne?
Hagen: 1997 Freestyle Battle
Sven: War mit meinem Besten zusammen auf seiner Tour zu Hip Hop Zeiten
8. Wie würdest du dich selbst mit nur drei Worten beschreiben?
Hagen: Eine dufte Type
Sven: Ein Mann ein Wort
9. Dein peinlichstes Bühnenerlebnis?
Hagen: ... ich habe gepupst und die anderen haben's gerochen
Sven: Das war bei dem Song "Ich war nie bei Dir" beim Singen lag mir eine weinende junge Frau im Arm
10. Wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben?
Hagen: Mein Vater und meine Mutter
Sven: Meine Kinder und mein bester Freund Hagen
11. Dein Lebensmotto?
Hagen: Habe mehr Träume in deiner Seele als die Realität zerstören kann
Sven: Der Sinn im Leben ist ganz einfach Du musst glücklich sein dann hast Du alles richtig gemacht
12. Was bringt dich auf die Palme?
Hagen: Wenn aus dem Tourbus ein Getränkehandel wird
Sven: Offensichtliche Falsche Weltanschauung, wenn man mich von Ober herab behandelt denn ich nehme jeden Menschen wie er ist. Wenn Menschen vorgeben etwas zu sein das sie nicht sind z.B. auf diesen schrecklichen "Promipartys" wo man sich fragt was manche Leute geleistet haben um sich derart feiern zu lassen...
13. ... und was holt dich wieder runter?
Hagen: Ruhiges monotones Durchatmen
Sven: Der Glaube an mich selbst und der Gedanke wo ich her komme und wie weit ich es geschafft habe
14. Welches Auto fährst du?
Hagen: Chevrolet Caprice Station Wagon 1994
Sven: Im Moment gar keins wenn ich dringend eins brauche Miete ich es zur zeit und dann ist es oft ein Audi A6 Kombi
15. Was war dein erster Job?
Hagen: Bauarbeiter
Sven: Mein erster Job war in der Schulzeit als Möbelträger
16. Was bringt dich zum Lachen?
Hagen: Meine Kinder
Sven: Comedy Street, Little Britain, wenn Menschen versuchen cool zu sein aber dadurch so dermaßen uncool rüber kommen...hahaaaa
17. Lieblingsessen / -Getränk?
Hagen: Roulade mit Klößen und Rotkohl / Pfirsichsaft mit Eis
Sven: Ich esse gern wie man sieht am liebsten mag ich Hausmannskost zb. gefüllte Paprikaschoten mit Kartoffeln und dunkler Soße...yam yam lecker und dazu ein frisch gezapftes Bier perfekt
18. Wolltest du schon immer Musiker werden?
Hagen: Ja
Sven: Es ist ein lang gehegter Traum von mir die Leidenschaft zur Musik Leben zu dürfen
19. Was ist das Beste an deinem Job?
Hagen: Das zu tun was man leidenschaftlich liebt
Sven: Das Beste an meinem Job ist die Emotionen zu sehen die sich direkt vor der Bühne in den Augen der Menschen abspielen. Sich künstlerisch komplett ausleben zu können und speziell in unserem Fall als Haudegen das Sprachrohr für so viele Menschen zu sein die oft kein Gehör in der Gesellschaft finden ich mach mich gern stark für den schwächeren gerade wenn es um den Kampf David gegen Goliath geht
20. ... und was ist das Schlechteste?
Hagen: Das einige Menschen kein Gespür dafür haben
Sven: Das schwerste an dem Job ist meiner Meinung nach von der Presse absichtlich falsch verstanden wird. Wir sind zu 100% authentisch und haben gutes im Sinn wir geben alles erdenklich mögliche und stehen unermüdlich hinter unserer Musik samt ihrer Einstellung und das wird sich auch niemals ändern auch wenn sich manche Leute das Gegenteil wünschen
21. Was können die Leute von eurer neuen Liveplatte erwarten und gibt es schon Pläne für ein neues Studioalbum?
Hagen: Die Liveplatte ist unser Wunschbaby, sie ist ein Traum der in Erfüllung geht.
sven: Ja eine Menge Pläne, das wird sehr grandios
Poetische Draufgänger aus dem Berliner Kiez!
von Matthias Mader (20.09.2010)Haudegen - ein Bandname der gleichermaßen poetisch wie draufgängerisch anmutet. Die Protagonisten Sven und Hagen kommen aus Berlin-Marzahn, sind seit 1983 Freunde und machen seit vier Jahren gemeinsam Musik. Und das kam so: "Wir haben viel Zeit bei m...
WeiterlesenHaudegen - ein Bandname der gleichermaßen poetisch wie draufgängerisch anmutet. Die Protagonisten Sven und Hagen kommen aus Berlin-Marzahn, sind seit 1983 Freunde und machen seit vier Jahren gemeinsam Musik. Und das kam so: "Wir haben viel Zeit bei mir im Studio verbracht und irgendwann sagte Svenne zu mir: ,Also ikke würde ditte jetzte so in etwa singen, ick wees ja nich watt du hast ... horch ma.' Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass wir zusammen diese Musik machen. Das war etwa 2006, davor haben wir zusammen an der Tür gestanden und uns durchs Leben geboxt." Und das kann in dem Bezirk, in dem Hagen und Sven zusammen zur Schule gegangen sind, manchmal durchaus wörtlich gemeint sein. Findet auch Hagen: "Die Gegend, in der wir aufgewachsen sind, macht sogar einen Großteil unserer Inspiration aus. Marzahn ist bis unters Dach voll mit Menschen in Plattenbauten. So viele Menschen auf einem Fleck liefern die unterschiedlichsten Geschichten für unsere Songs. Hier finden wir alles, was wir brauchen. Wir lieben unseren Kiez, seine Geschichten und seinen Charme - ein wahres Eldorado an Textideen. Wir verstehen uns als den Soundtrack dieser Gegend." Den Stellenwert ihrer Texte kann man nicht hoch genug einschätzen, meint auch Kollege Sven und drückt dies äußerst poetisch aus: "Wir haben ein gutes Rezept in der Küche, aber die Zutaten liefert am Ende das Leben. Wir maßen uns nicht an, den Zeigefinger zu heben und die Dinge zu dramatisieren. Der Hörer unserer Musik soll das Gefühl haben: ,Ja, so hätte ich das jetzt auch sagen können', dann passt das für uns und die Welt ist in Ordnung." Neuen, deutschsprachigen Shooting Stars wie Unheilig oder Frei.Wild gönnen die Haudegen zwar ihren Erfolg, fragen aber gleichzeitig vollkommen zu recht: "Wir vermissen eher die neue Generation der Liedermacher in Deutschland, wo sind die Rio Reisers oder Grönemeyers dieser Zeit?" Ebenso wie die Haudegen auf ihrer Debut-EP textlich vom rebellischen "Das Ende aller Tage (wir gegen den Rest)" bis zur lupenreinen Ballade "Großvater sagt" ein erstaunlich breites Spektrum abdecken, zeigen sie sich auch musikalisch als absolute Freidenker, deren Einflüsse laut eigener Aussage von Billy Idol über Pantera bis hin zu Klaus Lage und Everlast reichen! Hagen erklärt: "Wir mögen es eben mal etwas härter und mal etwas gediegener. Am Ende ergibt das alles eine gesunde Mischung. Wir mögen beispielsweise emotional geladene Songs wie Billy Idols ,Rebel yell', andererseits aber auch Balladen à la ,Fang neu an' von Klaus Lage." Ob sich Haudegen (deren Besetzung übrigens mit Gastmusikern wie Alex Dietz von Heaven Shall Burn angereichert ist) letztendlich nun als deutschsprachige Metal-Band oder als gradlinige Rockband mit deutschen Texten definieren, das ist laut Sven eher sekundärer Natur: "Wir sehen und verstehen uns als Band, die den Zeitgeist in verrückten Zeiten anspricht. Den Nagel auf den Kopf zu treffen, ist rein textlich unsere Intention. Die Band liefert den dazugehörigen Soundtrack der Geschichten, die das Leben schreiben. Alles in allem würde ich sagen, wir liefern deutschen handgemachten Rock in all seinen Farben und Facetten." Ein treffendes Schlusswort.