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Die Erstauflage dieses Death Metal-Hammers, der gekonnt die holländischen Gene seiner Besetzung mit der schwedischen Note von Dan Swanö (Mix) vereint, kommt inklusive Bonus-DVD (Summer Breeze 2008), Videoclip und Extratrack. All hail Hail Of Bullets!
EMP Redaktion
von Björn Thorsten Jaschinski(30.08.2010)Der WWII ist noch immer in den Köpfen und Hail Of Bullets skizzieren diesen größten Krieg der bisherigen Menschheitsgeschichte aus der japanischen Perspektive. Die holländischen Death Metal-Allstars mit den Asphyx, Pestilence, Thanatos und Gorefest-Wurzeln nährt sich mit "The eve of war" zunächst behutsam und soundtrackmäßig, bevor der Propellerlärm eines Jagdbombers beim Anflug auf Pearl Harbour den Übergang zu "Operation Z." markiert. Die Band ist weiterhin 100% auf der old school-Schiene unterwegs, aber an einigen Ecken bedeutend melodischer. Dadurch erinnern sie direkt im Opener an ihre Landsleute God Dethroned: Statt wie bei Asphyx eine einsame Leadgitarre wimmern zu lassen, spielen sie ihre doppelte Axtfront aus - und tauchen danach erst in einen großartigen Doom/Death-Part ab. Das Album ist schlicht etwas variabler und melodischer ("Unsung heroes") als der Vorgänger, aber keine Kapitulation vor dem Mainstream. Was mit Van Drunens perversem Röchelorgan auch unmöglich wäre.
Interview

Niederlage im Pazifik
von Björn Thorsten Jaschinski (01.09.2010)Die wörtliche Übersetzung von Kamikaze lautet "göttlicher Wind" und geht auf die Vernichtung mongolischer Invasionsarmeen durch zwei Taifune im 13. Jahrhundert zurück. Das holländische All-Star-Todesensemble Hail Of Bullets bezieht sich mit dem Titel...
WeiterlesenDie wörtliche Übersetzung von Kamikaze lautet "göttlicher Wind" und geht auf die Vernichtung mongolischer Invasionsarmeen durch zwei Taifune im 13. Jahrhundert zurück. Das holländische All-Star-Todesensemble Hail Of Bullets bezieht sich mit dem Titel seines zweiten Feldzugs "On divine winds" auf die japanischen Kamikaze-Piloten, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs einen Sieg der Amerikaner mit Selbstmordangriffen auf die US-Flotte verhindern wollten. "Für mich ist es unvorstellbar, wie viel Überzeugung von der eigenen Mission hinter so einer extremen Tat steckt", befindet Ed Warby, Schlagzeuger und weiterhin Hauptsongwriter der Allianz. Die Familie seines ehemaligen Mitmusikers bei Gorefest, Boudewin Bonebakker, wurde während der NS-Herrschaft verfolgt. "Meine Eltern wuchsen auch im Krieg auf, aber wir haben keine Helden in der Familie - sieht man davon ab, dass sie es schafften, zu überleben. Die Faszination für Kriegsthemen hat also keine Wurzeln in persönlichen Erfahrungen aus meinem direkten Umfeld." Wobei die lyrische Hoheit bei Martin van Drunen liegt. " Martins Texte sagen mir mehr zu, als die von Jan-Chris damals bei Gorefest, die mir teilweise zu politisch waren. Martin ist objektiver, aber grundsätzlich genau so links eingestellt. Beide sind sehr stolz auf ihre Lyrics und obwohl sie so extreme Stimmen haben, singen sie doch verständlich. Martin checkt sogar die Authentizität Flugzeugen oder anderen Waffensystemen bei der Covergestaltung. Auf unserem Debut "...of frost and war" hatten wir einige Probleme, lyrische Chronologie und musikalischen Fluss zu garantieren. Dennoch haben wir beim neuen Album nicht einfach bestehende Texte umverteilt. Die meisten Songs atmen ein Grundthema, welches man nicht umstürzen kann. ,Operation z' war der offensichtliche erste Song und mir war klar, dass er von Pearl Harbour handeln muss und nicht von dem Mukden Zwischenfall (Sprengstoffanschlag japanischer Offiziere in der Mandschurei 1931 - Anm. d. Verf.), der den Konflikt in dem Teil Asiens einleitete. Wir entschieden uns also, nach ,Operation z' rückwärts zu gehen und uns dann bis zur Kapitulation vorzuarbeiten. ,To bear the unbearable' ist das ,Berlin' dieses Albums, es beendet ,On divine winds' mit einer sehr elegischen Note. Für die Niederwerfung Japans musste es einfach ein Doom-Song sein, oder? Aber ich sehe keine großen Gemeinsamkeiten zu meinem Soloprojekt The 11th Hour - es ist immer noch mehr Death Metal mit einem traurigen Gitarrenthema." Die Ähnlichkeiten zu Asphyx, mit denen Hail Of Bullets Sänger und einen Gitarristen teilen, will Ed nicht überbewerten. "Hail of Bullets-Musik ist viel verworrener - auch wenn sie im ersten Moment ähnlich simpel und primitiv klingt. Asphyx gönnen ihrem archaischen Sound nur wenig Entwicklung und Melodie. Ich liebe sie, aber mein Songwriting-Ansatz ist komplett anders. Aber beide Bands verneigen sich vor der Macht und majestätischen Ausstrahlung von purem Death Metal."
Metal, saufen und lesen
von Björn Thorsten Jaschinski (26.03.2008)Kann man bereits jetzt das Death Metal-Meisterwerk 2008 ausrufen? Man muss es sogar: "...Of frost and fire" nagelt alles an die Wand, was in dieser Stilistik die letzten 20 Jahre geschehen ist. Die Leistung von Gorefest-Drummer Ed Warby als Hauptkomp...
WeiterlesenKann man bereits jetzt das Death Metal-Meisterwerk 2008 ausrufen? Man muss es sogar: "...Of frost and fire" nagelt alles an die Wand, was in dieser Stilistik die letzten 20 Jahre geschehen ist. Die Leistung von Gorefest-Drummer Ed Warby als Hauptkomponist relativiert neben der eigenen Hauptband auch das Vermächtnis seiner Mitmusiker bei Thanatos, Ashyx oder Pestilence. Endlich konnte Martin van Drunen sein Interesse für die Ostfront des zweiten Weltkriegs in ein Textkonzept fassen. Am Ende des Albums ist "Berlin" zerstört, der Krieg in Europa vorbei. "Das war einer der dreckigsten Kriege der Weltgeschichte." Vor allem "Stalingrad" fesselt den Holländer, der oft auf Flohmärkten deutsche Bücher zum Thema kauft und die Sprachkenntnisse aus seiner früheren Ehe damit aufrecht erhält. "Ich billige Gewalt nicht. Es ist aus den Texten erkennbar, das ich keine Kriegsverherrlichung betreibe. Mein Vater hat früher bei der holländischen Luftwaffe gearbeitet und z.B. die Bremsfallschirme der Flugzeuge gewartet. Er nahm mich oft mit und ich hatte natürlich Modellflugzeuge und Plastiksoldaten. Dann kam eine Zeit nur noch Metal und saufen, bis ich wieder angefangen habe zu lesen. Am Ende sind an der Ostfront nur so viele Menschen gestorben, weil die Generäle sich geweigert haben, Hitler gegenüber "nein" zu sagen." Der einzige deutsche Titel widmet sich einer emanzipatorischen Besonderheit. "Es gab eine russische Jagdfliegerinnenstaffel, bei der selbst das Bodenpersonal weiblich war. Die Deutschen nannten sie ,Nachthexen'." Dan Swanö, der den Mix auf Drängen von Perfektionist Warby immer wieder überarbeiten musste, hat diesen Job als Ritterschlag angesehen. "Seine alte Band Edge Of Sanity war damals bei einer schwedischen Pestilence-Show, davon hat er mir letztens Bilder geschickt", freut sich van Drunen in seinem lockeren, dem Ruhrpott-Slang ähnlichem Deutsch. Der Stolz auf die eigenen Wurzeln ist spürbar: "Celtic Frost, Hellhammer, Infernal Majesty und Necrovore. Es war einfacher, Pionier zu sein. Heute ist alles viel schwieriger, gerade auch bei den ganzen Reunionen." Auf den Party.San und Summer Breeze Festivals wird die jüngere Musikergeneration das zu spüren bekommen. Seine unglaubliche Stimme trainiert Martin immer noch eine Stunde täglich. "Ich hab eine Pilotenmaske, in die ich mein Maul reindrücke und brülle. Sonst würde die Nachbarschaft denken, dass hier ständig Schweine geschlachtet werden. Das ist aber verdammt schwer, man kann ja in dem Ding nicht atmen."