EMP Redaktion
von Patrick SchmidtAus unserem Nachbarland Holland kommen God Dethroned, die bereits 1992 mit ihrem Debut "Christhunt" (Huch!) Beachtung erlangen konnten. Nachdem Mainman Henri Sattler zwischenzeitlich die Thrash Band Ministry Of Terror formiert hatte, ist er jetzt mit seiner alten Liebe God Dethroned zurückgekehrt. Eine kluge Entscheidung, denn "The grand grimoire" ist ein absolutes Killeralbum geworden, das Liebhabern der besonders harten Musik wie Öl runtergehen wird. Das Quartett spielt eine gelungene Mischung aus Death, Thrash und Black Metal, wobei der Aggressivitätsfaktor schwindelerregende Höhen erreicht. "The grand grimoire" bietet einfach Alles, was das schwarze Herz verlangt. Neben den haßerfüllten Vocals überzeugen besonders die zahlreichen Death/Thrash Metal-Riffs alter Schule, die förmlich zum Headbangen einladen. Für Abwechslung sorgen gelegentliche Blast-Speed-Attacken, atmosphärische Parts und diverse Black Metal-Zitate. Wer sich eine Mischung aus (old) Death und Sepultura gepaart mit den besten Zutaten aus dem Black Metal vorstellen kann, der erfährt mit God Dethroned die Vollbedienung.
Interview
Old School Kriegsführung
von Björn Thorsten Jaschinski (01.09.2010)Henri Sattler schreibt bekanntlich kein Album zweimal: Mit "Under the sign of the iron cross" forciert er die Brutalität des direkten Vorgängers "Passiondale", der seinerseits nach einem ungewohnt zahmen Abschnitt wieder auf Blast und Attacke setzte....
WeiterlesenHenri Sattler schreibt bekanntlich kein Album zweimal: Mit "Under the sign of the iron cross" forciert er die Brutalität des direkten Vorgängers "Passiondale", der seinerseits nach einem ungewohnt zahmen Abschnitt wieder auf Blast und Attacke setzte. Musikalisch ist das neue God Dethroned-Opus noch direkter, zügelloser aber auch ein stückweit abwechslungsärmer - lyrisch hingegen dringt Henri wesentlich tiefer in die Materie des Ersten Weltkriegs ein. Und das aus gutem Grund. "Wenn die Menschen die Auslöser dieses Krieges und dessen Geschichte besser kennen würden, verstünden sie auch den Zweiten Weltkrieg wesentlich besser. Wie so viele, habe ich bis vor einigen Jahren nicht gesehen, wie sehr diese beiden internationalen Konflikte miteinander verzahnt waren. Heute bin ich der festen Überzeugung, dass der Zweite Weltkrieg hätte verhindert werden können." Die Schlüssel zum Verständnis: Bildung und freier Zugang zu Informationen. "Für mich ist es immer ein Kompliment, wenn ich jemanden mit meinen Texten fesseln kann und dazu bewege, sich selbst mit Geschichte zu befassen. Die Beschäftigung damit eröffnet jedem ganz neue Welten. Und ich habe nie das Töten glorifiziert", nimmt er möglichen Kritikern den Wind aus den Segeln. "Jeder Song beinhaltet einen anderen Aspekt: Den Stellungskrieg bei Verdun, den Schliefenberg-Plan oder in ,The red baron' Manfred Freiherr von Richthofen. Jeder kennt ihn, er durfte einfach dieses Mal nicht fehlen. Er war einfach ein sehr erfolgreicher Jagdflieger, der für Propagandazwecke missbraucht wurde. Wer würde in einem knallroten Flugzeug nicht aus Angst vor einem Abschuss sterben? Er wurde als Identifikationsfigur benötigt, um die Kampfmoral unter den normalen Soldaten aufrecht zu erhalten." "Through byzantine hemispheres" widmet sich dem Krieg im Osten Europas. "Der Song beschreibt den Kampf um Ölfelder, die Rückgewinnung alter Gebiete, ethnische Säuberungen. Ich beschreibe die Situationen von der Warte eines Beobachters, gebe aber nicht zu viel preis, um die Phantasie des Hörers nicht zu beleidigen. Ich versuche, das Ganze interessant und auf Fakten beruhend zu gestalten, aber nicht zu voreingenommen." Das Intro "The declaration of war" wurde mit einem Auszug einer Rede des deutschen Kaisers Wilhelm II aus dem August 1914 versehen. "Er beschört darin das Volk, dass die Armee den Krieg mit Vertrauen auf Gott und Kameradschaft zu einem guten Ende bringen würde. In den Worten finden sich viele Parallelen zu den Reden anderer Politiker, die ihre Männer in den Krieg schickten - wie zum Beispiel George Bushs Ansprache zum Einmarsch in den Irak." Bezüglich der menschlichen Natur macht sich Sattler wenig Hoffnung. "Krieg scheint in unseren Genen zu liegen, es gibt immer einen Grund, aufeinander loszugehen. Doch über die Jahrhunderte hat sich die Art der Kriegsführung gewandelt: Zwei Armeen, die sich ineinander verkeilen, gehören der Vergangenheit an. Die Zukunftsszenarien sind Guerillakrieg und Terror."
Wo ferne Länder locken
von Stefan Müller (25.09.2006)God Dethroned ist mit "The toxic touch" ein kleines Kunststück gelungen. Album Nummer Sieben der holländischen Death Metal Dauerbrenner vereinigt alle Stärken, die das Quartett in anderthalb Dekaden in der Szene etablierten: Nämlich eine einprägsame ...
WeiterlesenGod Dethroned ist mit "The toxic touch" ein kleines Kunststück gelungen. Album Nummer Sieben der holländischen Death Metal Dauerbrenner vereinigt alle Stärken, die das Quartett in anderthalb Dekaden in der Szene etablierten: Nämlich eine einprägsame Gitarrenarbeit, spielerische Klasse und brachiale Härte. Und doch ist dieses Mal etwas anders: "In der Vergangenheit hatten wir unglaublich viele Blastbeats in unseren Stücken. Dieses Mal verfolgten wir einen anderen Ansatz", erläutert Schlagzeuger Arien van Weesenbeek die groovigere Ausrichtung von "The toxic touch". Einen wesentlichen Anteil daran hatte auch das seit einiger Zeit stabile Line-Up, das Frontmann Henri Sattler als das bisher beste der Bandgeschichte betrachtet. Arien bestätigt das: "An den neuen Stücken waren wir alle Vier beteiligt, während zu Zeiten von "The lair of the white worm" lediglich Input von zwei Leuten kam. Wir waren zwei Jahre lang auf Tour, haben uns kennen und schätzen gelernt. Wir können uns gegenseitig kritisieren und auch Kritik einstecken." Dank des etwas gedrosselten Tempos der meisten Stücke kommt der fette Sound, mit dem "The toxic touch" versehen ist, richtig gut zur Geltung. Wider Erwarten zeichnet sich für das Klanggewand des Albums kein einschlägig bekannter Produzent verantwortlich. "Wir hatten die letzte Scheibe von Toxocara gehört. Die klang richtig gut. Wir wussten, dass diese Aufnahmen innerhalb von ein paar Tagen entstanden waren. Uns war klar, dass wir mit dem uns zur Verfügung stehenden Budget unsere bisher beste Produktion fahren konnten. Jörg Uken wird in den nächsten Jahre ein viel beschäftigter Mann sein." Die bisher besten Stücke, das stärkste Line-Up und ein hochwertiger Klang, da sind große Ambitionen nicht weit. Wenn es um geographische Ziele geht, die er auf Tour mit God Dethroned erreichen möchte, gibt sich Arien der Sehnsucht nach weiter Ferne hin: "Ich habe letztens mit jemandem gesprochen, dass es eine tolle Sache wäre, in China zu spielen. Aber Australien, Brasilien, Mexico und Japan wären auch schon was."