EMP Redaktion
von Starbuck(13.09.2007)So ganz hatte ich ehrlicherweise nicht mehr an Exodus geglaubt, nach all den Line-Up Querelen. Doch die Band um Gary Holt hat sich gefangen und präsentiert mit "The atrocity exhibition (Exhibit A)" ein gnadenloses Thrash-Monster. Acht Songs lang hat man das Gefühl irgend so ein Irrer jagt einem mit einem Bolzenschussgerät kleine Splitterbomben in den Körper. Extremst bissig, räudig hart und so was von fies platzen die Riffs aus den Boxen, dass einem das Esszimmer komplett aus der Verankerung fällt. Purer, gnadenloser Thrash ohne irgendwelche Trend-Einflüsse haben die fünf Amis aus dem Ärmel geschüttelt. Nehmen wir z.B. den Titeltrack, der zwischen fiesen Midtempo-Riffs und tornadoartigem Riff-Gewitter hin- und her pendelt. Den Gitarrenteppich den das Gespann Altus/Holt bei "Riot act" vorlegt könnte nicht mehr Thrash sein als die Riffs auf "Pleasures of the flesh". Zu "Iconoclasm" ist es fast unmöglich zu bangen; zu schnell! Rob Dukes röhrt sich seine Stimmbänder so was von blutig ... aber er klingt so was von cool! Kurzum, Exodus drittes Album nach der erfolgreichen Reunion bietet hochwertigsten Rübe-Ab-Thrash mit 120%-igem old school Faktor.
Interview
Die Kunst sich nicht zu wiederholen
von Jürgen Tschamler (24.03.2010)Exodus' Status in der Thrash Szene ist der einer Ikone. Die Band hat in jeder Phase ihres Bestehens Maßstäbe gesetzt. Seit der 2004er Reunion ist die Truppe um Flitzefinger Gary Holt mehr denn je aktiv. Konstant auf Tour, hauen die Jungs aus der Bay ...
WeiterlesenExodus' Status in der Thrash Szene ist der einer Ikone. Die Band hat in jeder Phase ihres Bestehens Maßstäbe gesetzt. Seit der 2004er Reunion ist die Truppe um Flitzefinger Gary Holt mehr denn je aktiv. Konstant auf Tour, hauen die Jungs aus der Bay Area auch noch brachiale Alben mit Klassikerfaktor aus den Hüften. Auf ihrem vierten Studioalbum "Exhibit B: The human condition" geht man seit der Reunion mehr denn je den Weg des Old School as fuck. Man nahm sich die Kritik einiger zu Herzen, die den Sound teils zu steril und teils zu modern fanden. Aber Stillstand war eh nie ein Ding im Hause Exodus. Gary Holt stand Rede und Antwort zum neuen Album.
Gary, das neue Album klingt weniger steril und überproduziert, eher erdig und klassisch. Wie siehst du den neuen Sound? "Deine Beschreibung entspricht dem was wir fühlen. Ich mag allerdings auch die Produktion des letzten Albums. Die neuen Songs haben jedoch einen veränderten Sound gebraucht, einen Sound der exakt zu den Songs passt. Was wir aber so gesehen auch schon auf den anderen Alben gemacht haben. Im Ganzen klingen wir old schoolig, was aber nicht heißen soll, dass wir unser Ziel verpasst haben. Wir haben genau das umgesetzt, was aus uns herauskam. Dieses Mal waren es mehr Melodien und fettere Hooks, was dem Ganzen dann ein heftiges Old School-Feeling verpasst hat, ohne dass wir übertrieben Retro klingen. Andy Sneap hat eine klassische Produktion abgeliefert und uns komplett überrascht." Ursprünglich sollte das neue Album "The atrocity exhibition - Exhibit B" heißen, also die Fortsetzung des letzten Albums. Jetzt hat man einen anderen Titel benutzt: "Exhibit B: The human condition". Was war der Grund für die Verwerfung des geplanten Titels? "Als wir die Songs schrieben und das Oberthema des Albums sich herauskristallisierte, da kam mir die Idee mit dem Titel. Bei dem Album geht es ja eher um die dunkle Seite der menschlichen Natur." Einer der Songs, "Hammer and life", handelt von eurem legendären Sänger Paul Baloff der 2002 leider verstarb. Wessen Idee war das?
"Ich habe nie jemanden davon erzählt, das war meine persönliche Ode für ihn. Ich wollte nie einen Song darüber schreiben wie Paul Poser killt, ich wollte über seine Seele und den Weg wie er lebte schreiben. Außerdem war das ein Titel den Paul und ich für einen Song verwenden wollten bevor er verstarb." Worum genau geht es bei dem Track "Burn, Hollywood, burn"? "Das ist meine Empörung über diese Reality Television Stars. Leute die nichts tun außer sechs Kinder auf einmal zu haben oder vermögend geboren zu sein. I fucking hate those people, you Paris Hilton's and the like"! Das Album soll erneut auch als Special Edition erscheinen. Was ist dieses Mal so "speziell" an dieser Edition? "Es ist wie beim letzten Mal, allerdings mit schwarzem Blut anstelle von rotem!" Das Artwork ist wieder einmal sehr eigenwillig und krass ausgefallen. Wieder deine Idee? "Das Artwork ist an Leonardo da Vincis Vorlage von Vitruvian Man angelehnt, aber im Exodus Stil umgesetzt und Colin Larks von Rainsong Design hat damit eine fantastische Arbeit abgeliefert. Das Image repräsentiert die Songs des Albums perfekt." In den USA werdet ihr in Kürze mit Testament und Megadeth auf fette Tour gehen. Shit, das ist ein höllisches Thrash Metal Package. Haben wir Europäer auch die Chance diese Thrash Attacke live zu sehen? "Ähm, leider existieren augenblicklich keine Pläne dafür. Wollen Dave und Company das jedoch durchziehen, wir wären liebend gerne mit dabei. Aber auch wenn das nicht in Europa stattfinden sollte, werden wir bei euch auftauchen. Also, ich hoffe, euch alle auf der Tour zu sehen!"
Thrash-Hymnen
von Jürgen Tschamler (20.09.2007)Exodus braucht man nicht vorzustellen. Sie gehören zu den Mitbegründern des Thrash Metals. Seit ihrer Reunion war die Band um Gitarren-Wizard Gary Holt konstant auf Tour und hat zwei brillante Thrash-Granaten in Form von "Tempo of the damned" und "Sh...
WeiterlesenExodus braucht man nicht vorzustellen. Sie gehören zu den Mitbegründern des Thrash Metals. Seit ihrer Reunion war die Band um Gitarren-Wizard Gary Holt konstant auf Tour und hat zwei brillante Thrash-Granaten in Form von "Tempo of the damned" und "Shovel headed kill machine" veröffentlicht. Aber was die Amis nun abgeliefert haben ist das "Bonded by blood" des neuen Jahrtausends. "The atrocity exhibition (Exhibit A)" ist die Mörderscheibe schlechthin und: Wir hielten Smalltalk mit Gary Holt ...
Drummer Tom Hunting ist wieder in der Band und Paul Bostaph (ex-Slayer) musste gehen. Warum? War Paul deswegen nicht angepisst? "Es war immer bekannt, wenn Tom in der Lage sein würde zurück zukommen, dann müsste Paul für ihn Platz machen. Paul wusste das, aber er war der Meinung, dies würde nie passieren. Nein, er ist nicht angepisst deswegen, er hat eh vor was anderes zu machen. Tom wieder in der Band zu haben ist großartig. Er ist einer der besten Thrash-Schlagzeuger, hat aber nie den Credit erhalten der ihm eigentlich zusteht. Außerdem ist er maßgeblich an unserem Sound beteiligt." Nach der Veröffentlichung eures Reunion-Albums "Tempo of the damned" war ich der Meinung, dies sei das "Bonded by blood"-Album des neuen Jahrtausend. Aber nachdem ich "The atrocity exhibition (Exhibit A)" gehört habe, muss ich meine Meinung revidieren. Das Album ist die Essence von allem was Exodus bisher gemacht haben! "Ha, ha, ha, cool, dass du das so siehst. Weißt du, ich wusste, dass dieses Album unglaublich wird. Ich fühlte es in meinem Herzen, wir alle haben uns den Arsch dafür aufgerissen. Ich denke das ist unser bestes Album aller Zeiten. Ich will ,Bonded by blood' nicht schlecht machen, dazu ist es zu wichtig, ohne Frage, aber das neue Album ist das Beste!" Irgendwo meine ich gelesen zu haben, dass dies der erste Teil eines Zwei-Album Konzeptes sei. Ist da was dran? "Ja, wir haben schon vier Songs für das nächste Album und sogar komplett fertig aufgenommen! Ich hoffe wir kommen gegen Ende des Jahres wieder ins Studio, aber bis dorthin müssen wir einen neuen Deal mit der Plattenfirma ausgehandelt haben. Wenn nicht, gehen wir erst wieder ins Studio wenn wir für dieses Album das Touren beendet haben." Gary, du hast kürzlich eine Instructional-DVD mit dem Titel "A lesson in guitar violence" veröffentlicht. Ein ungewöhnliches Unterfangen für einen Thrash-Gitarristen. Wessen Idee war das? "Eine Menge meiner Freunde die ebenfalls Gitarre spielen, haben mich regelrecht dazu gedrängt. So habe ich es eben gemacht. War ein hartes Stück Arbeit kann ich dir nur sagen. Aber es war eine coole Sache. Ziemlich lustig, denke ich. Allerdings hoffe ich auch, dass es informativ für den Interessierten ist." Gibt es ein Land in dem du auf jedem Fall noch einmal live spielen möchtest bevor du das zeitliche segnest? "Gute Frage. Ich war in so vielen tollen Ländern dieser Welt, aber ich würde zum verrecken gerne mal in Rumänien spielen." Seltsam, seltsam.
ZITAT
"Nein, er ist nicht angepisst deswegen, er hat eh vor was anderes zu machen."
Gegen alle Widerstände
von Jürgen Tschamler (01.09.2005)Mit ihrem Comeback Album "Tempo of the damned" haben die Bay Area Thrasher Exodus ein Comeback nach Maß vorgelegt. Selten war sich die weltweite Musikpresse so einig wie im Falle dieses Comebacks. "Tempo of the damned" gehört zweifelsohne zu den ganz...
WeiterlesenMit ihrem Comeback Album "Tempo of the damned" haben die Bay Area Thrasher Exodus ein Comeback nach Maß vorgelegt. Selten war sich die weltweite Musikpresse so einig wie im Falle dieses Comebacks. "Tempo of the damned" gehört zweifelsohne zu den ganz großen Momenten der Exodus'schen Releases und hat bewiesen, dass "Alte Säcke" immer noch in der Lage sind den jungen, euphorischen Thrash Bands den Stinkefinger in Sachen Songwriting und Intensität zu zeigen. Jetzt steht der sehnlichst erwartete Nachfolger aus dem Hause der Thrash Legende an, wirft jedoch zugleich eine Unmenge an Fragen auf, denn das was sich da im Vorfeld und während er Aufnahmen zu "Shovel headed kill machine" Line-Up mäßig an Problemen auftat hatte schon Katastrophencharakter. Kurzum, das einzig verbliebene Ur-Mitglied von Exodus heißt Gary Holt (G) und der hält die Zügel stramm in seinen Händen. Wir forderten Aufklärung von Herrn Holt, der auch gleich mit einer Flut von Erklärungen loslegte ...
",Shovel headed kill machine' ist ganz klar das bessere Album. Auf ,Tempo of the damned' hatten wir zwei alte Wardance Songs am Start und einen 21 Jahre alten Track, was gerade bei den alten Fans gut ankam. So gesehen ist das neu Album in seiner Gesamtheit was ganz Neues, denn wir haben nicht auf altes Material zurückgegriffen sondern zehn neue Songs vom Anfang bis zum Ende abgeliefert."
Aber während der Aufnahmen gab es massive Line-Up Veränderungen. Du bist das letzte echte Exodus-Mitglied, alle anderen wurden ausgewechselt. Was lief schief, woran hing es, wer ist schuld an dieser misslichen Lage?
"Ach, kurzum, mit Steve ,Zetro' Souza (Vocals) ist die Sache entgültig durch. He's done, thanx Satan for that! Mit diesem Typen werde ich niemals mehr zusammen arbeiten. Es war eine echte Erleichterung als der endlich den Abgang gemacht hat. Er hat alles und jeden schlechtgeredet und konstant miese Stimmung erzeugt. Bei Tom Hunting (Drums) sieht die Sache ganz anders aus. Ich habe mit ihm schon sehr viel durchgemacht und nun ist er eben mental komplett zusammengebrochen und nicht in der Lage weiterzumachen.
Was Rick Hunolt (Guitar) betrifft, er hat zwei Tage vor den Aufnahmen zum neuen Album das Handtuch geschmissen um mehr für seine Familie und seine Söhne da zu sein.
Klar war das alles ein enormer Druck, aber ich habe gezeigt, dass ich dem standhalte."
War es dann einfach für dich gleich- oder hochwertigen Ersatz zu finden, so kurz vor den Aufnahmen zum neuen Album?
"Mir kamen in der jeweiligen Situation immer schnell geeignete Namen als Ersatz in den Sinn, und es war letztendlich viel Glück, dass diese Leute immer gleich zusagten. Das war echt verdammtes Glück solch talentierte Musiker so schnell zu finden, die auch gleich in der Lage waren, das neue Album komplett mit einzuspielen."
Da hast du recht. Ein brillantes Thrashfeuerwerk fackelt ihr hier ab. Wurde das Album wiederum von Andy Sneap, wie letztes Mal, produziert?
"Nein, ich habe es selbst produziert! Andy war vorgesehen, aber das klappte zeitlich nicht und ehrlich gesagt weiß ich ziemlich genau wie ich die Songs gerne hätte. Ich wollte die Tracks dieses Mal etwas rauer haben und das ist gut gelungen. Wir haben die Songs in drei Wochen komplett eingespielt und im nachhinein muss ich sagen, dass es wirklich einfach war dieses Mal."