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Die alte Schwermütigkeit des Evergrey-Sounds ist auch nach der Rundumerneuerung des Line-Ups erhalten geblieben, aber mittlerweile treten Englund und Co. auch mal gehörig aufs Gaspedal. Rock meets Metal mit hohem Gänsehautfaktor!
EMP Redaktion
von Matthias Mader(01.12.2010)Hmm, war es die Midlife-Crisis, die Evergrey-Kopf Tom Englund dazu veranlasst hat, seine Band nach sieben Studioalben völlig umzukrempeln? Wie dem auch sei, neben dem Gitarristen und Sänger ist nur noch Keyboarder Rikard Zander auf dem Personenkarussel geblieben. Es hat also Gründe, warum "Glorious collision" so unverbraucht klingt - die erwähnte Frischzellenkur ist sicherlich einer davon. Englund selbst sieht in der neuen Scheibe die vielseitigste Evergrey-CD überhaupt, womit er definitiv recht hat. Die wunderbare Kollision unterschiedlicher Stilmittel macht Songs wie den vielschichtigen Opener "Leave it behind us", das balladeske "The phantom letters" oder "I'm drowning alone" zu einem wahren Ohrenschmaus. Klassischer Rock, der auf einem Metal-Format basiert. Klar, die alte Schwermütigkeit des Evergrey-Sounds ist ebenso erhalten geblieben wie die geschmackssichere Keyboard-Untermalung, aber mittlerweile treten Englund und Co. auch mal gehörig aufs Gaspedal (wie bei "It comes from within").
Interview
Kreativer Befreiungsschlag durch Frischzellenkur
von Matthias Mader (06.12.2010)Nun, ein gelungenes Comeback kann man die Scheibe "Glorious collision" eigentlich nicht nennen - denn Evergrey waren ja nie so richtig weg vom Fenster. Eine Wiedergeburt ist es indes schon, denn Gitarrist und Sänger Tom Englund hat bis auf den Keyboa...
WeiterlesenNun, ein gelungenes Comeback kann man die Scheibe "Glorious collision" eigentlich nicht nennen - denn Evergrey waren ja nie so richtig weg vom Fenster. Eine Wiedergeburt ist es indes schon, denn Gitarrist und Sänger Tom Englund hat bis auf den Keyboarder Rikard Zander die komplette Belegschaft ausgetauscht. Das hatte natürlich seine Gründe, wie der Evergrey-Chef verlauten lässt: "Die vorherige Besetzung der Band war am Scheideweg angekommen und wir waren einfach zu einer Entscheidung gezwungen, ohne Rücksicht auf die etwaigen Auswirkungen eines solch drastischen Einschnitts. Nach zehn Jahren gemeinsamer Arbeit war dies natürlich keine leichte Entscheidung. Aber Jonas und Henrik haben Verständnis für diesen Schritt gezeigt und unsere persönliche Freundschaft hat darunter nicht gelitten. Das Leben verändert sich halt und die Menschen auch. Henrik und Jonas haben mit ihrer neuen Band Deathdestruction bereits ein Album eingespielt und verhandeln jetzt gerade über einen Plattendeal." Im Anschluss stellt sich natürlich die Frage, ob denn die neuen Bandmitglieder in irgendeiner Form Einfluss auf das bärenstarke Songmaterial von "Glorious collision" gehabt haben? Tom Englund nickt heftig mit dem Kopf: "Natürlich haben sie einen großen Einfluss gehabt, denn sie spielen ja schließlich auf dem Album. Aber sie haben auch an den Songarrangements mitgefeilt und einige gute Verbesserungsvorschläge eingebracht. Es sind gerade diese kleinen Sachen, die sehr wichtig für die Entstehung einer guten Platte sind." Im Vorfeld hat Tom Englund "Glorious collision" bereits als das musikalisch vielseitigste Werk Evergreys bezeichnet. Was hat er damit genau gemeint? "Nun", überlegt er, "wir haben diesmal sehr viele unterschiedliche musikalische Einflüsse zugelassen. Das war eigentlich der Sinn meiner Aussage. Das war bei Evergrey natürlich vom ersten Tage an so, wir waren immer sehr vielseitig, aber diesmal ist es wohl für jeden absolut offensichtlich. Wie gut das letztendlich funktioniert, müssen die Hörer allerdings selbst entscheiden." Eine Sache, die sich absolut nicht geändert hat, ist diese melancholische Grundstimmung, die die Musik von Evergrey immer noch ausstrahlt, dieses magische Gänsehautfeeling. Tom Englund stimmt mir zu: "Das sehe ich genauso wie du. Es wäre den Fans gegenüber einfach nicht fair und würde auch dem Erbe der Band widersprechen, wenn wir uns von dieser düsteren Grundstimmung, von dieser Nachdenklichkeit, jetzt einfach verabschiedet hätten. Das gehört einfach zu Evergrey dazu." Ein bisschen erinnert mich das immer wieder an die mittlere Periode von Paradise Lost (zu "Gothic"-Zeiten) und auch da liege ich wohl richtig: "Ja, Paradise Lost stellten zu Zeiten von MTVs Headbangers Ball definitiv einen großen Einfluss dar. Sie waren eine wichtige Inspiration für mich persönlich, in der Hinsicht, wie ich die dramatische Romantik, die unsere Umwelt prägt, diese Finsternis, verschärft wahrnehme. Ja, du hast absolut Recht. Wir haben für ,Monday morning apocalypse' sogar das gleiche Produzenten-Team engagiert wie Paradise Lost für ihr ,Icon'-Album."
Musik ohne Kategorien
von Olaf Plotke (24.01.2003)Für Thomas Englund gibt es keine musikalischen Kategorien. Für ihn
gibt es nur gute und schlechte Musik. Und gut sind für ihn vor allem Pink
Floyd, Iron Maiden, Queensryche und King Diamond. So
unterschiedlich diese Bands, so vielfältig i...
WeiterlesenFür Thomas Englund gibt es keine musikalischen Kategorien. Für ihn
gibt es nur gute und schlechte Musik. Und gut sind für ihn vor allem Pink
Floyd, Iron Maiden, Queensryche und King Diamond. So
unterschiedlich diese Bands, so vielfältig ist auch der Sound von Englunds
Band Evergrey. Das schwedische Quintett hat gerade sein viertes Album
"Recreation day" herausgebracht und wird von der Plattenfirma als Progressive
Metal-Band angekündigt. Eine Kategorie, die ohne Zweifel zu kurz greift."Wir haben immer gespielt, woran wir als Musiker Spaß hatten, ohne Rücksicht
auf einen Stil. Das hat dann dazu geführt, dass man in der Musik von Evergrey
viele verschiedene Einflüsse und musikalische Farben hören kann. Wir schielen
auf keine Trends, sondern machen Musik, die uns herausfordert und uns gefällt.
Wenn es dann auch noch anderen Menschen gefällt, dann ist das großartig",
sagt Thomas Englund, Gitarrist und Sänger von Evergrey. King
Diamond-Gitarrist Andy Larocque hat die ersten drei Alben von Evergrey
produziert und auch schon mal ein Solo beigesteuert. So hat er sicher einen
entscheidenden Anteil am Erfolg der Band gehabt. Seine Arbeit wurde von der
Band auch immer in höchsten Tönen gelobt. Bei "Recreation day" taucht
er als Produzent aber nicht mehr auf. Krach?
"Nein überhaupt nicht. Nach drei Alben fühlten Henrik und ich uns nur
so sicher im Studio, dass wir dieses Album selbst produzieren wollten. Und so
wird es auch in Zukunft sein, denn wir haben uns für 350.000 Dollar unser eigenes
Studio gebaut. Wir wollen aber auch andere Bands produzieren und freuen uns
schon auf viele Produktionen in unseren Division One Studios",
erklärt Thomas. Der Vorgänger von "Recreation day" war ein
klassisches Konzept-Album. Diesmal haben Evergrey nur einen "roten
Faden" durch die Lieder gelegt.
Thomas Englund: "Die Lieder auf dieser Platte kreisen um den Tod und
das Danach. Dass sich alle Lieder um dieses Thema drehen würden, ist uns allerdings
erst während des Schreibens aufgefallen."
Auf die Texte legt Englund großen Wert. Sinnfreien Phrasen will er
in seiner Musik keinen Raum geben.
"Die Musik und die Texte stehen für mich gleichberechtigt nebeneinander. Dafür
müssen sie aber auch qualitativ gleichwertig sein",
sagt er. In diesem Jahr werden wir Evergrey auch auf deutschen Bühnen
erleben können, verspricht der Gitarrist:
"Wir haben schon viele Angebote für Festivals und Tourneen, deshalb könnt Ihr
Euch schon jetzt auf schwedische Qualitätsmusik freuen."