"Morning Star", das siebte Enbtombed Album - Compilations,
nachträglich veröffentlichte Live-Aufnahmen und eine ganze Latte an Singles
und EPs ausgenommen - wurde etwas vorschnell als die von Fans der ersten Stunde
langersehnte Rückkehr z...
"Morning Star", das siebte Enbtombed Album - Compilations,
nachträglich veröffentlichte Live-Aufnahmen und eine ganze Latte an Singles
und EPs ausgenommen - wurde etwas vorschnell als die von Fans der ersten Stunde
langersehnte Rückkehr zum alten Spirit gefeiert. Aggressiver und metallischer
war man immerhin bereits nach dem Abgang des ehemaligen Bandmotors Nicke
Anderson zu The Hellacopters geworden, hatte zudem nach der experimentellen
Selbstverortungsphase mit "The same difference" das alte Logo wieder
entstaubt. Jenes ziert im Zentrum als Blickfang auch "Inferno". In 13
knackigen und kompakten Episoden fahren die Schweden ihre gesamte stilistische
Bandbreite ab, rocken, rollen, schwingen bisweilen tatsächlich den Todesprügel
und wandeln nebenbei zusätzlich auf manchem bislang noch nicht betretenem Pfad.Jörgen Sandström, nun beinahe auch schon zehn gestandene Jahre für
die tiefen Frequenzen bei den Stockholmern zuständig (und zuvor bei Grave
aktiv), rührte beständig in seinem koffeinhaltigem Heißgetränk und las aus dem
Kaffeesatz.
"Auch wenn jeder sich an den Arrangements austobt, bekommt doch derjenige mit
der Basis-Idee die Credits. Allerdings hat auch nie jemand einen wirklich komplett
fertigen Track in Hinterhand gehabt. ,Children of the underworld' ist
meine Angelegenheit, Alex hat ;Nobodaddy' geschrieben, Uffe ,Thats
when I became a satanist' und Peter ;Night for day'. Diese Kreativität
in allen ist ein großer Vorteil und für die Identität als Entombed ausschlaggebend.
Während des Kompositionsprozesses üben wir meist ohne Gesang, auch wenn L.G.
immer anwesend ist und sich so mit den Stücken beschäftigt."
Der Opener ist mit "Retaliation" geschickt gewählt, leitet doch eine
sich immer wieder verändernde Riffwand den Song gebührend ein, bevor die Vocals
einsetzen. Für einen Videodreh hingegen ist er schon wieder eine ungewöhnliche
Entscheidung.
"Vor dem Studioaufenthalt für das Album haben wir ,Retaliation' bereits
einige male live gespielt. Die Jungs von der Video-Crew wollten eigentlich ,The
fix is in' umsetzen. Für uns war es aber zu sehr auf der gewohnten Entombed
Schiene, zu vorhersehbar. Grundlage des Clips ist schon die den Song spielende
Band, aber es werden fünf oder sechs unterschiedliche Szenen mit verschiedenen
Darstellern eingefügt sein."
Hierzulande im Sog der phänomenalen Klassiker "Left hand path" und
"Clandestine" der ersten kommerziellen (und durchaus auch kreativen)
Blüte des Death Metals nach wie vor in Metal Kreisen populär, haben sich Entombed
- wenn auch von vielen alten Fans als Verräter eingestuft - in der schwedischen
Heimat gerade auch durch Gigs mit stilistisch völlig anders orientierten Formationen
ein breiteres Publikum erspielt.
"Ich glaube, grundsätzlich kennt uns hier oben jeder. In Schweden gibt es einen
von MTV unabhängigen Sender, in dessen Metal Format unsere Videos häufig gezeigt
werden. Eine andere Show, Versus, ist musikalisch offener und richtet ihr Programm
nach dem Publikum, welches telefonisch bestimmte Songs wählen kann. Auch dort
sind wir ständig präsent."
Als mit der "Hollowman" EP und dem dicht auf den Fersen folgendem
"Wolverine blues" Album, noch vor Jörgens Einstieg in die Band,
ein deutlicher Bruch mit den eigenen Nihilist Wurzeln vollzogen wurde, wurde
in Interviews stets behauptet, so und nicht anders hat Death Metal in einer
zeitgemäßen Version zu klingen.
"Selbst wenn es kaum einer nachvollziehen kann, sehe ich unsere Mucke immer
noch als Death Metal an. Entombed haben mehr old school Elemente in den
Songs als viele der heute munter von sich hin grindenden Genre-Vertreter. Zwar
sind wir nicht mehr so schnell unterwegs, aber bestimmte charakteristische Noten
und Töne, die wir immer wieder benutzen, schlagen eine Brücke zur Vergangenheit
- natürlich vermischt mit einer gehörigen Portion Rock und Punk."
Am einfachsten nachvollziehbar ist dieser Standpunkt auf "Inferno"
sicherlich an Hand von "Young and dead".
"Nur, weil es schnell ist? Nein, es stimmt schon, die Gitarrenläufe sind wirklich
eng an den alten schwedischen Trademarks gehalten. Hierfür gehen die Credits
ganz klar an Peter."
Eine Zuweisung, die nicht überrascht, so man sich die Vergangenheit von
Herrn Stjärnvind bei Merciless ins Gedächtnis zurückruft. Gerade
in der markigen, im positiven Sinne von Klischees durchzogenen Metal-Welt mit
ihrem charakteristischen Vokabular bleibt es nicht aus, bei vielen Song- oder
Albumtiteln unterschwellige oder bewußte Referenzen an andere Bands und deren
Werke zu assoziieren. Urgesteine wie Entombed jedenfalls werden sich
bei "Retaliation" (Carnivore) oder "Incinerator" (Track
der kanadischen Legende Slaughter) - der Parallelen bewußt gewesen sein.
"Das kann ich kaum bestreiten; allerdings waren es keine Arbeitstitel, die
wir später übernommen haben. Der Titel ,Retaliation' ergibt sich zwangsläufig
aus der dort geschilderten Geschichte, Uffe hat auf den Namen bestanden.
Er scheint unser kleiner Ideenklauer zu sein, da 'Incinerator' ebenfalls
aus seinem Fundus stammt, ohne zunächst Slaughter auf dem Schirm zu haben.
Nachdem ich mit dem Text zu ,Children of the underworld' ankam und den
anderen im Proberaum die Gesangslinie vorstellte, bellte Peter plötzlich:
'Willst du mich verarschen? Du wirst doch keinen Deicide-Titel rippen?!?'.
Er ist das wandelnde Heavy Metal Lexikon in der Band. Jeder von uns vermittelt
durch eine Art Pilot-Gesangsspur L.G. ein Bild davon, wie er sich den
Song vorstellt. Ich glaube aber kaum, das solche Demo-Recordings jemals veröffentlicht
werden, da die Qualität dafür doch zu mies ist; schließlich soll nur eine grobe
Richtlinie fixiert werden. Das Bass Intro zu 'Children...' ist übrigens
kein Ausdruck meines übermäßigen Egos; ich wollte den Gitarren ursprünglich
den Raum überlassen. Eigentlich habe ich die Lyrics als eine kleine Horror-story
angelegt, im nachhinein aber kann man den Refrain 'We are the children of
the underworld and we're undead' auch auf uns als Charaktere ummünzen."