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Edguy haben alles richtig gemacht und legen mit "Age of the Joker" ihr umfangreichstes und musikalisch vielseitigstes Werk vor. Ein Freudenfeuer aus Power Metal und Classic Rock, bei dem jeder Track ein absoluter Volltreffer geworden ist.
EMP Redaktion
von Adam Weishaupt(29.06.2011)Wow! Als Edguy-Fan muss man immer mit Neuerungen im Sound seiner Superheroes rechnen, doch mit ihrem aktuellen Machwerk "Age of the Joker" haben sich die Mannen um Avantasia-Initiator Tobias Sammet einmal mehr selbst übertroffen. Dabei hat das Quintett überraschend viele Siebziger-Einflüsse verarbeitet, setzen angenehme Hammond-Orgeln ein und verzieren die durchweg langen Tracks mit einem Fantasy Flair á la Uriah Heep und Magnum. Dennoch, die musikalische Palette ist enorm umfangreich und besitzt Folk-Anleihen ("Rock of Cashel"), einen Country-Touch ("Pandora's box") oder brettert in bester Metallica-Manier ("Behind the gates to midnight world"). Ansonsten fällt auf, dass sich Edguy und Avantasia vor allem in den bombastischen Refrains sehr nahe kommen, was den Songs unheimlich gut tut und eine gewisse Wärme verleiht. "Age of the Joker" ist ein ambitioniertes Album, das vor Ideen und Grandiosität nur noch so übersprudelt. Alles richtig gemacht, setzen und weiterrocken.
Interview
Mehr als Hokuspokus
von Adam Weishaupt (13.06.2011)Auf dem neuen Edguy-Longplayer "Age of the joker" glänzen Vielfalt und Lebendigkeit. Abermals sprudelt das Quintett vor Ideen nur so über und würzt ihren metallischen Zaubertrank mit vielen neuen Zutaten. Dabei rockt die Scheibe an allen Ecken und Ka...
WeiterlesenAuf dem neuen Edguy-Longplayer "Age of the joker" glänzen Vielfalt und Lebendigkeit. Abermals sprudelt das Quintett vor Ideen nur so über und würzt ihren metallischen Zaubertrank mit vielen neuen Zutaten. Dabei rockt die Scheibe an allen Ecken und Kanten und mausert sich schnell zum kostbaren Juwel. "Nach den vergangenen beiden Avantasia-Alben, dachte ich nicht, dass es auf diesem Niveau weitergehen kann", erklärt Frontmann Tobias Sammet, der selbst von dem Ergebnis überwältigt ist. "Jeder Song auf der CD klingt anders und doch klingen alle nach Edguy. Ich bin sehr glücklich darüber, ein Teil der Band zu sein, denn diese Jungs sind einmalig. Du merkst bei jedem Song, um welche Band es sich handelt, egal ob die Nummer keltisch angehaucht ist, balladesk oder voll auf's Maul geht!" Musikalisch kommen sich Avantasia und Edguy auf "Age of the joker" jedoch immer näher, vor allem die bombastischen Refrains erinnern nicht selten an Tobis zweites Standbein. "Es wird immer Parallelen zwischen beiden Bands geben, das liegt auch am legendären Songwriting", scherzt der Vokalist. "Aber diese Chöre hatten wir schon auf den frühen Alben, nur sind sie dieses Mal wieder etwas ausgeprägter." Entstanden sind diese unter der Aufsicht von Sascha Paeth in der Wolfsburger Power Metal-Schmiede der Gate Studios, auf welche auch Kamelot und Rhapsody Of Fire schwören. "Sascha ist eine Allzweckwaffe und er ist genauso old school wie ich. Uns ist es scheißegal, ob etwas perfekt ist, es muss leben. Sonst ist es für uns keine Musik, sondern digitaler Müll." Die Einflüsse sind zahlreich, ganz oben stehen jedoch die traditionellen Siebziger Sounds mit Fantasy Flair. "Ich liebe die bombastischen Melodiebögen von Magnum und die geilen, kreischenden Hammond-Sounds von Uriah Heep. Was man liebt, beeinflusst einen unbewusst." So ertönen erstmalig Folk-Elemente, wie in dem hymnischen "Rock of Cashel". "Ich kann nicht sagen, warum der Song so klingt wie er klingt, es ist einfach so passiert", erklärt Sammet. "Der Song wurde von Gary Moore und meiner Liebe zu den britischen Inseln inspiriert. Wer auf diesem Berg in Irland steht, weiß welche Magie dieser Ort ausstrahlt." Selbst vor Robin Hood machen Edguy nicht Halt und widmen dem Rächer der Armen den Opener der neuen Scheibe. "Es gibt kaum eine historische Begebenheit mit Krieg und Rittern, die noch nicht von Männern in Fellhöschen besungen wurde. Nur Robin Hood blieb immer außen vor. Ich denke, dass liegt an der Komplexität des Stoffes." Zu guter Letzt bekommen noch die Medien einen Seitenhieb, denn in dem super melodischen "Two out of seven" geht es um die Punktevergebung bei CD-Kritiken der hiesigen Presse. "Der Text basiert einfach auf dem völlig idiotischen Prinzip, Punkte für Kunst zu vergeben und dabei am besten noch den Anspruch auf Objektivität vorzugaukeln." Das Fazit daraus wird schonungslos am Ende des Tracks klar formuliert: "Du lachst in Deinem Magazin und ich lache am Monatsende am Kontoauszugsdrucker, so sind wir alle glücklich!"
Sex und Ohrensausen
von Jürgen Tschamler (30.09.2008)Mit "Tinnitus sanctus" steht der von den Fans sehnlichst herbeigesehnte neue Edguy Opus an. Edguy wirken auf dem neuen Album direkter und werden auch diejenigen wieder zu überzeugen wissen, denen "Rocket ride" zu oberflächlich und vielseitig war. La...
WeiterlesenMit "Tinnitus sanctus" steht der von den Fans sehnlichst herbeigesehnte neue Edguy Opus an. Edguy wirken auf dem neuen Album direkter und werden auch diejenigen wieder zu überzeugen wissen, denen "Rocket ride" zu oberflächlich und vielseitig war. Lange Rede kurzer Sinn, wir überlassen das Wort dem umwerfenden Tobi Sammet....
Tobi, "Tinnitus sanctus" klingt im Vergleich zum Vorgänger weniger humorvoll, wesentlich heavier und vor allem direkter. War der zu hohe Funfaktor beim Vorgänger etwas überzogen? "Im Nachhinein mag das so erscheinen, aber trotzdem war "Rocket ride" absolut ehrlich und somit richtig, denn wir haben damals genau das gemacht, wonach wir uns fühlten. Das Problem ist, dass sich viele in unserer Szene selbst zu ernst nehmen, somit passiert es, dass Humor oft die wahre Qualität nebensächlich zu machen scheint. "Tinnitus sanctus" ist so ein großartiges Meisterwerk, es ist nicht schlecht wenn da der Fokus auf der Musik liegt. Die Scheibe klingt mystischer, direkter und auch erwachsener. Natürlich stecken da kleine Irrwitzigkeiten drin aber dennoch ist das Ganze eine zielstrebige, sehr starke Platte!"
"Speedhoven" und "Sex, fire, religion" stechen als Titel richtiggehend zwischen den anderen heraus. Klär mal kurz über die Hintergründe der Titel auf!
"Speedhoven" handelt vom Spirit eines großen Komponisten dessen Taubwerden eine Schutzmaßnahme der Evolution war, damit er die überflüssigen Kommentare seiner Kritiker nicht mehr ertragen musste. Komponieren und Musik spüren konnte Beethoven ja nachweislich auch ohne Gehör. "Sex, fire, religion" krönt Sex zu einer spirituellen, göttlichen Sache. Denn ich halte Sex für weit mehr als einen netten Zeitvertreib. Ich halte Sex für den besten Zeitvertreib der Welt. Du schaltest Dein Hirn aus und wirst zu einem göttlichen Wesen. Und wenn das Blut nachher wieder zurück in dein Hirn schießt bemerkst Du, dass Du gerade schon wieder mal eine Familie gegründet hast, die sich nicht mit Dir auf Deutsch unterhalten können wird, haha. Im Ernst, es geht einfach um das überwältigende Gefühl wenn Körper und Geist zweier Personen eins werden, das hat etwas tief Spirituelles für mich."
Im Vorfeld soll es keine EPs etc. wie sonst immer bei Edguy geben. Hat das Gründe? Zumal auf den EPs immer Material war das nie den Weg auf den regulären Release fand!
"Wir wollten einfach nicht die Zeit investieren, weiteres Material zu komponieren. Das hätte die Albumveröffentlichung nur unnötig verzögert. Wir wollen unseren Fans dieses neue Album aber so schnell es geht um die Ohren hauen und auf Tour gehen."
Leider muß ich sagen, dass das Coverartwork sehr langweilig ausgefallen ist. Wo ist die bunte Kreativität geblieben?
"Ich sehe keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Kreativität und viel Farbe. Jedenfalls halte ich den Kölner Dom rein optisch für ästhetischer als z.B. eine rot-gelb-grüne Hüpfburg. Letztlich ist das Geschmacksache, ich finde das Cover geil, alles andere ist egal."
In der letzten Zeit mal wieder bescheuerte Gerüchte über dich gehört?
Nein, ich halte mich inzwischen von Internetforen fern in denen Pseudo-Spezialisten unter Decknamen mit Scheiße um sich werfen. Meine Musik, meine Freunde und Familie sind alles was zählt, der Rest geht mir inzwischen am Arsch vorbei."
Das Beste kommt erst noch
von Jürgen Tschamler (03.01.2006)Edguy vorstellen zu müssen erübrigt sich. Kaum eine andere deutsche Band ist in den letzten Jahren furioser durchgestartet als die der Jungs um Frontzappelphilipp Tobias Sammet. Nie um einen Spruch verlegen, hat das konstant unter Hochspannung stehen...
WeiterlesenEdguy vorstellen zu müssen erübrigt sich. Kaum eine andere deutsche Band ist in den letzten Jahren furioser durchgestartet als die der Jungs um Frontzappelphilipp Tobias Sammet. Nie um einen Spruch verlegen, hat das konstant unter Hochspannung stehenden Goldkehlchen, nicht unerheblich mit dem Erfolg der Hessen zu tun. Mit ihrem letzten Album "Hellfire club" belagerten sie für Wochen die Charts, die anschließende Tour glich einem Triumphzug. Gerade kürzlich waren sie nun wieder in den Charts vertreten. Ihr Appetizer für das kommende Album, eine kunterbunte EP mit dem Titel "Superheroes", knatterte straight in die Charts. Dies wird wohl auch mit dem neuen Album "Rocket ride" geschehen. Herr Sammet, übernehmen sie ...
"Das neue Outfit unseres Harlequin auf dem Cover unseres Albums ;Rocket ride' ist nicht mein neues Bühnenoutfit! Das Cover und der Titel des Albums stehen einfach für kurzweiliges Entertainment und genau das ist es, was Edguy gerade live ausmacht. Natürlich ist es vielleicht irreführend, weil die Platte mit einem 8-minütigen Bombastsongs losgeht. Ein ganz ernsthafter Song, dieses ,Sacrifice'. Songs wie ,Wasted time', ,Save me' oder ,Matrix' sind keine Spaß-Metal Stücke, sondern ganz normale, ernsthafte Bombast Metal Tracks."
Und "Trinidad"?
"War ursprünglich mal ein Bonustrack, ebenso wie ,Fucking with fire'. Aber da haben wir uns gesagt, wieso nennt man so einen Track eigentlich Bonustrack? Wieso versteckt man solch einen Song auf einer B-Seite? Doch nur weil man Angst hat an dem Song gemessen zu werden und dass er besprochen wird und man dafür eine auf die Fresse kriegt. Da haben wir uns gesagt, nur Weicheier würden das jetzt als Bonustrack benutzen! Wir nehmen den ganz normal auf die Platte und haben das dann auch wirklich gemacht."
Lass uns mal kurz auf ein anderes Thema kommen. Du wurdest letztens für Tod erklärt. Hast du eine Ahnung wer solch einen Mist in die Welt gesetzt hat?
"Ich habe keine Ahnung! Das ging dann ganz schnell im Internet rum. Aber das war schon das zweite mal, dass ich für Tod erklärt wurde! Das einzig verräterische an der Sache war, dass ich an 20 Schlaftabletten gestorben wäre, ich hätte also Selbstmord begangen. Jeder der mich kennt weiß, dass, wenn ich 20 Schlaftabletten nehme würde, ich gerade mal das Level eines jeden normalen Menschen hätte, was meine Hyperaktivität angeht. Also 20 Schlaftabletten reichen nicht, ich müsste so viele nehmen, dass ich die wahrscheinlich rauskotzen würde. Also kann ich mich mit Schlaftabletten nicht umbringen!"
Es hatte ja auch zur Debatte gestanden, dass du dich umoperieren lassen willst um den Erfolg auszubauen. Das hast Du aber allem Anschein nach nun doch nicht gemacht!
"Ja, ich wollte mich umoperieren lassen, das war die ursprüngliche Idee. Du hast ja gesehen, dass bis vor kurzem Bands mit Sängerinnen das Non Plus Ultra waren. Gut, jetzt hat man gesehen, dass Tarja auch nicht von allem Unheil verschont bleibt. Wir haben mal überlegt warum die so viel Erfolg haben, das haben wir lange mit unserem Label bequatscht und wir kamen zu dem Schluss, dass es nur der Fakt ist, dass es eine Frau ist. Da habe ich mir gesagt, wenn es nur das ist, dann ab damit. Ich meine, dieses Ding da, bringt einem ja doch nur Ärger. Man kann nicht mehr klar denken, man läuft durch die Gegend und macht die dümmsten Sachen und verliebt sich dann auch noch in die falschen Frauen. Das macht alles keinen Sinn. Aber dann habe ich mir gedacht, ach, ich fühle mich ja eigentlich doch ganz wohl und habe es bleiben lassen. Es gibt ja Menschen die werden ohne dieses Dings da geboren und kommen auch durchs Leben. Sie können vielleicht nicht einparken, aber im Großen und Ganzen kommen sie klar."