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Als Vorbote zum neuen Longplayer, schickt Metal Queen Doro Pesch eine erste 4-Track Single vorab ins Rennen namens "Raise your fist in the air". Diese enthält mit dem Titeltrack "Raise your fist in the air" (sowie dessen französischer Version) und "Victory" zwei amtliche Headbanger-Hymnen mit 80er Charme sowie die Gänsehaut Ballade "Engel".
EMP Redaktion
von Adam Weishaupt(21.06.2012)Bevor Mitte Oktober die neue Studio-CD von Deutschlands Metal Queen Nummer 1 in die Läden kommt, schickt die gebürtige Düsseldorferin mit "Raise your fist in the air" eine erste Singleauskopplung vorab ins Rennen. Wacken-Besucher durften den Nackenbrecher "Raise your fist in the air" bereits anno 2011 live erleben, der nun in der Studioversion brilliert und mächtig knallt. Der Song besitzt diesen ganz speziellen Achtziger Charme - mit dem man Doro verbindet - der hierauf besonders authentisch rüberkommt. Dasselbe lässt sich auch über das ebenfalls sehr starke "Victory" sagen, das eine gewissen Led Zeppelin-Note besitzt und sich schnell zum Ohrwurm mausert. Doro schafft es jedoch, das Ganze noch mit der in Deutsch gesungenen Mammutballade "Engel" zu übertreffen. Es mag unglaublich klingen, doch "Engel" hat dieselbe Magie wie einst "Für immer". Gänsehaut pur! Abgerundet wird die Single mit der französischen Version des Titelsongs, in dem Falle unter dem Banner "Lève ton poing vers le ciel". Eines wird klar, wenn die gesamte CD diese Klasse besitzt, dann kann es Doro gelingen, ihr bestes Album seit dem Warlock-Klassiker "Triumph and agony" zu
veröffentlichen.
Interview

Die rastlose Kriegerin
von Jürgen Tschamler (07.09.2012)Mit "Raise your fist" belegt die im Metalgenre am längsten tätige Sängerin, dass sie auch im 29. Jahr ihres Musikerlebens Ermüdungserscheinungen keinen Platz zugesteht. Im Gegenteil, der neue Longplayer klingt äußerst frisch, musikalisch breit aufges...
WeiterlesenMit "Raise your fist" belegt die im Metalgenre am längsten tätige Sängerin, dass sie auch im 29. Jahr ihres Musikerlebens Ermüdungserscheinungen keinen Platz zugesteht. Im Gegenteil, der neue Longplayer klingt äußerst frisch, musikalisch breit aufgestellt und überzeugt mit hervorragenden Kompositionen, die den Status der Grande Madame des Metals deutlich untermauern. Die rastlose Metalsängerin sprudelt nur so vor Energie trotz eines stressigen Tagesablaufes kurz vor Albumveröffentlichung. Im 30-Minutentakt gibt Doro Interviews und verliert nicht im Geringsten die Geduld bei den immer gleichen Fragen. "Ich bin gerade aus der Schweiz zurückgekommen, wo ich bei den Dreharbeiten zum zweiten Teil von ,Anuk - Der Weg des Kriegers' dabei war. Da ging es gut zur Sache und ich bin irgendwie immer noch geschlaucht", beginnt Doro das Gespräch. Setzt aber, als man auf die Vielseitigkeit des neuen Albums "Raise your fist" zusprechen kommt, gleich nach: "Ja, ja, das Album hat viele Facetten. Ach, mit ,Victory' hatte ich am Anfang etwas Probleme? Das ist eigentlich eine richtige Sporthymne, die ich allerdings für die Olympiade nicht fertig bekommen habe. Leider hat Regina Halmich (ex-Boxerin), die ja eine sehr gute Freundin von mir ist, aufgehört. Zu ihr hätte der Track ganz toll gepasst. Ach, ich bin ja letztendlich so froh, dass die Aufnahmen alle so gut geklappt haben. Denn wir haben ja wieder in den verschiedensten Studios, u.a. L.A., aufgenommen und viele der Tracks wurden von Jacob Hansen (u.a.Volbeat....) abgemischt. Der hat einen wahnsinnig guten Job gemacht. " Die Ballade "It still hurts" mit Lemmy (Motörhead) ist überragend, muss ich gestehen und ich mag Balladen eigentlich nicht so. Lemmy singt großartig! "Ja, dabei wollte er am Anfang gar nicht singen, er war da gerade von einer Tour zurück nach L.A. gekommen und war etwas erkältet und nicht so gut drauf. Aber schon die erste Version, die er eingesungen hatte, war toll. Die haben wir dann auch letztendlich genommen. Mir persönlich hatte die von Anfang an auch am besten gefallen. Eine weitere Ballade ist ja "Engel" und das könnte die Fans von "Für immer" ansprechen. Den Text kann jeder dazu selbst interpretieren, ob für die Mutter, Freundin, Freund, das ist diesbezüglich ganz neutral gehalten. "2013 feierst du dein 30-jähriges Jubiläum. 30 Jahre Metal - eine unglaubliche Zeit. Du hast doch sicher schon Pläne, um das ordentlich zu feiern? "Ja, ja, da gibt es Ideen. Wir werden in Wacken was Ordentliches auf die Beine stellen. Eine richtig tolle 30-Jahre Show. Es sieht so aus, als würden wir dann den Donnerstag headlinen und dann gibt es was Spezielles im Dezember 2013 in Düsseldorf. Das 25-Jährige war schon ein großes Spektakel, dafür hatten wir eineinhalb Jahre gearbeitet. Ich weiß irgendwie gar nicht, wie wir das toppen sollen. Ach, ich werde mir schon was Schönes ausdenken." 30 Jahre im Metalbusiness, das ist fast 2/3 deines Lebens... "Unglaublich, oder? Dabei wollte ich nach der zweiten Platte ,Hellbound' schon alles hinschmeißen, weil ich ein totales Burnout-Syndrom hatte. Das war so stressig, ich dachte, ich kann nie wieder eine Platte machen. Hätte ich damals im Steinbruch gearbeitet, ich glaube, das wäre einfacher gewesen, ha ha. Aber die Jahre haben abgehärtet, man lernt mit dem Stress und der Belastung umzugehen und ehrlich, ich habe es nicht bereut." Nach der Veröffentlichung von "Raise your fist" geht es auch schon wieder auf Tour! "Genau, von Mitte November an sind wir in Europa unterwegs. Im Januar spielen wir dann u.a. die 70.000 Tons Of Metal und gehen danach mit Sister Sin in den USA auf Tour. Ach, und im Mai spielen wir auf der ersten Full Metal Cruise, die in Hamburg beginnt!"
Der Weg der Metalkriegerin
von Jürgen Tschamler (01.09.2010)Doro ist die Metal-Queen schlechthin - Punkt. Aus. Was die Frau nach 25 Jahren in der Szene noch an Enthusiasmus und Freude aufbringt, ist enorm. Ihre Fans sind für sie alles. So ließ sie es sich nicht nehmen, zu ihrem 25-jährigen Jubiläum im Metal-B...
WeiterlesenDoro ist die Metal-Queen schlechthin - Punkt. Aus. Was die Frau nach 25 Jahren in der Szene noch an Enthusiasmus und Freude aufbringt, ist enorm. Ihre Fans sind für sie alles. So ließ sie es sich nicht nehmen, zu ihrem 25-jährigen Jubiläum im Metal-Business, ins ISS Dome in Düsseldorf zu laden. Eine gigantische Metal-Party mit Freunden und Bekannten ging da über die Bühne. Dieser Event wird nun unter dem Titel "25 years in Rock" bei ihrem neuen Arbeitgeber Nuclear Blast Records in einem massiv-fetten Package veröffentlicht. Gerade aus England vom Bloodstock Festival zurück und auf dem Sprung ins Studio um die letzten Handgriffe an die erwähnte DVD anzulegen, schnappten wir uns die blonde Lady um kurz über die neue Veröffentlichung zu sprechen. "Ja, das war die beste Show überhaupt. Die Atmosphäre war grandios und für mich ist das unvergesslich. Knapp 10.000 Fans waren da und unglaublich viele Gäste wie Tarja Turunen, Klaus Meine, Rudolf Schenker, Axel Rudi Pell, Warrel Dane (Nevermore), Chris Boltendahl (Grave Digger), Blitz (Overkill), Holy Moses, Arch Enemy, Girlschool, meine alten Warlock-Kollegen von ganz früher waren fast alle dabei... es war einfach ein unglaublicher Abend. Auch das Bonusmaterial ist sehr vielfältig. Backstage-Szenen, Interviews oder auch Szenen unseres ersten Chinatrips, na ja, es gibt ziemlich viel zu gucken. Alleine die Show ging drei Stunden." War das dein ganz persönliches Konzert-Highlight oder gibt es noch andere Konzerte, die für dich zu den absoluten Highlights zählen? "Oh ja, gefühlsmäßig ist das vielleicht mit dem ersten Donington-Auftritt in England gleichzusetzen. Aber die Show zum 25-Jährigen war einfach eine unglaubliche Sache. Wir haben ja in einer Location gespielt in der normalerweise AC/DC und so auftreten. Die Vorbereitungen gingen ja fast ein ganzes Jahr. Ich wollte unbedingt einen echten Warlock auf der Bühne haben, normalerweise haben wir ja nur ein Backdrop mit auf der Bühne. Das waren alles so Sachen, die sehr viel Zeit benötigten. Alle Beteiligten waren mit so viel Herz und Liebe bei der Sache, dass war schon gigantisch. Und die Fans erst, ach, das war einfach der Hammer. Für mich war das Weihnachten, Geburtstag, Ostern, einfach alles zusammen. Wenn ich mir das jetzt im Nachhinein anschaue, bekomme ich immer noch Gänsehaut. Die Veröffentlichung kommt ja als 2-DVD plus einer CD und das Coverartwork wurde wieder von meinem Lieblingskünstler Geoffrey Gillespie gemacht. Da werden sich die Fans bestimmt wieder freuen, es ist ein ganz ausdrucksstarkes Cover geworden." Kürzlich hast du deine sage und schreibe 2.500ste Show gespielt. Wie war die Show im Burg-Wächter Castello in Düsseldorf? "Der Hammer. Bei der 2.500sten Show waren auch genau 2.500 Fans dabei! Und es gab 2.500 kleine Überraschungen. Die Fans kamen aus der ganzen Welt angereist! Das war auch ein sehr gelungener Abend, vor allem weil die Band so nahe am Publikum war und es recht übersichtlich zuging. Es war für die Band, die Gäste und vor allem die Fans eine schöne Party." Doro, du bist wohl die bekannteste weibliche Metalmusikern. Und bekannte Bands werden, so weiß man, gecovert. Gibt es Doro-Coverbands? Bist du schon mal auf welche gestoßen? "Ja, ja, gerade im alten Ostblock gibt es welche. Ich habe mal eine aus der Tschechei getroffen und wir haben uns sogar zusammen fotografieren lassen. Das war echt interessant, denn die sah mir aus einiger Entfernung schon sehr ähnlich. Sie war fast schon eine Doppelgängerin. Die habe ich auch schon mal live gesehen. Ganz lustig ist auch, da gibt es eine Coverband bei der ein Typ singt. Der verkleidet sich, nimmt die gleichen Haare und hat sich sogar meine Tattoos tätowieren lassen. Das ist schon krass."
She`s like thunder
von Jürgen Tschamler (08.01.2009)Sie ist die Grande Dame des Heavy Metal und hat kürzlich ihr 25-jähriges Jubiläum als Teil der Heavy Community gefeiert. Amtlich versteht sich. Ihre Fans sind ihr treu ergeben - und die Fans sind für Doro alles. Ein perfekter Schulterschluss, der sel...
WeiterlesenSie ist die Grande Dame des Heavy Metal und hat kürzlich ihr 25-jähriges Jubiläum als Teil der Heavy Community gefeiert. Amtlich versteht sich. Ihre Fans sind ihr treu ergeben - und die Fans sind für Doro alles. Ein perfekter Schulterschluss, der selbst Kritiker verstummen lässt, die Doro eine Polarisierung vorwerfen. Die rastlose Sängerin legt gleich zu Jahresanfang ein neues Album namens "Fear no evil" vor. Ein Album, das alte wie neue Fans zufrieden stellen wird, zumal Doro hier clever Tradition und Moderne ihres Stils vereint hat. Wir klingelten kurz durch bei der sympathischen Blonden aus Düsseldorf und gratulierten erst einmal artig nachträglich zum 25-jährigen. "Danke, ja, das Konzert zum 25-jährigen war ein unglaubliches Erlebnis, ein Höhepunkt für mich und die Band. Eines der schönsten Konzerte, das wir jemals hatten und auch unser längstes. Knapp dreieinhalb Stunden haben wir gespielt. Beim zwanzigjährigen kamen wir auf drei Stunden und zehn Minuten. Das war echt ergreifend. Die Show wurde komplett mitgefilmt und wir werden daraus sicher eine tolle DVD für unsere Fans machen. Wir haben ja auch noch tolles Filmmaterial von unseren ersten beiden Shows in China, die wir vor ein paar Wochen gespielt haben - das würde ich gerne mit verwenden. Das war auch der Hammer. Die erste Show war ein Open Air Konzert bei 30 Grad und der Veranstalter meinte noch vorher, dass wir nicht überrascht sein sollen über die reservierten Fans, die meist nur Höflichkeitsapplaus zwischen den Songs geben würden. Da haben wir natürlich von Anfang an Vollgas gegeben, und die Leute gingen echt total mit gegen Ende des Sets, selbst die Security hat getanzt! Der Warlock, den wir übrigens bei der Jubiläums Show auf der Bühne hatten, ist ja riesig, den werden wir auch bei unserer Show in Wacken aufbauen!" Vollgas haben die Band und du auch auf dem neuen Album "Fear no evil" gegeben, bei dem ihr die ganze musikalische Spannbreite von Doro abgedeckt und einen wunderbaren Kompromiss zwischen Tradition und Moderne eingespielt habt! "Ja, ja, genau, das hast du gut erkannt. Wir wollten auf dem Album alles machen was unsere Musik über all die Jahre geprägt hat. Dann bin ich ja ein riesiger Dio Fan und liebe die achtziger Jahre-Sachen und stehe auf diese ewig langen Intros, wie wir eines bei ,The night of the warlock' haben. Anderseits mag ich es ja auch recht hart wie bei ,Caught in the battle', der sicher auch einer der schnellsten Songs ist, den ich bislang geschrieben habe. Hymnen mag ich ebenso, dann bin ich ein total emotionaler Typ und so dürfen die Balladen ja auch nicht fehlen. Ja, das Album sollte sehr vielseitig und sehr traditionell ausgerichtet sein. Die ,Celebrate'-Single ist übrigens in Spanien bis auf Platz drei der offiziellen Charts geklettert. So hoch sind wir mit einer Single noch nie gekommen. Ach, ich freu mich riesig über solche Sachen. Von ,Fear no evil' soll es auch eine limitierte Box geben, für die wir extra Handabdrücke abgegeben haben. Ich habe die Box leider noch nicht gesehen, finde die Idee aber spannend und bin sehr gespannt, wie sie aussehen wird. Für Die-Hard Fans wird das ein tolles Ding sein." In den südlichen Ländern läuft es für dich ziemlich gut. Schon ungewöhnlich für einen deutschen Metal-Act mit Sängerin, oder? "Och, das finde ich nicht. Gerade in Spanien und Südamerika läuft es für uns sehr, sehr gut. Ich finde auch, dort ist die Mentalität und sind die Fans ganz anders. Ich fühle mich dort immer an die achtziger Jahre erinnert. Man fühlt eine gewisse Magie, Faszination bei den Fans. Ich finde das echt klasse, wie es dort abgeht und toure dort gerne. Es geht ja auch bald wieder los mit Gigs und so, da freue ich mich riesig drauf, all unsere Fans und viele nette Leute wieder zu treffen."
Requiem an den Vater
von Matthias Mineur (06.04.2006)Doro Pesch ist Deutschlands First Lady in Metal. Seit den glorreichen Jahren mit ihrer Band Warlock ist sie aus der hiesigen Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken. Ihre zahlreichen Solo-Scheiben haben bei Fans immer wieder Begeisterung hervorgerufen...
WeiterlesenDoro Pesch ist Deutschlands First Lady in Metal. Seit den glorreichen Jahren mit ihrer Band Warlock ist sie aus der hiesigen Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken. Ihre zahlreichen Solo-Scheiben haben bei Fans immer wieder Begeisterung hervorgerufen, ihre Konzerte gleichen Wallfahrten. Mit ihrem neuen Album "Warrior soul" zeigt Doro, dass sie nicht nur musikalisch ein Füllhorn an Ideen zur Verfügung hat, sondern auch in anderen Genres eine blendende Figur abgibt: Die Düsseldorferin spielt eine tragende Rolle in dem Film "Anuk - Der Weg des Kriegers" des Schweizer Autors und Regisseurs Luke Gasser. Hier nun die zurzeit brennenden Fragen an Deutschlands wichtigste Metal-Sängerin.
Doro, müssen die Fans sich Sorgen machen? Wirst du zukünftig von einer Musikerin zur Schauspielerin mutieren? "Nein, keine Angst. Musik wird in meinem Leben immer die Hauptsache bleiben. Ich will damit nicht sagen, dass weitere Filmprojekte ausgeschlossen sind. Aber sie werden immer nur nebenbei laufen. Mein Fokus liegt eindeutig in der Musik." Wie ist denn die Filmrolle überhaupt zustande gekommen?
"Ich habe auf meiner letzten Tournee den Schweizer Filmemacher Luke Gasser kennen gelernt. Er fragte mich, ob ich Lust zu einer Rolle in seinem neuen Film hätte. Er gab mir zwei Drehbücher, eins mit Dialogen und eines mit gezeichneten Filmszenen, die mich vollends überzeugten. Also habe ich zugesagt, ohne allerdings zu wissen, wie mühsam es ist, einen Film zu drehen." Weil es viel Stress am Set gab?
"Nein, das nicht, sondern weil ich oftmals bei Minusgraden barfuss in den Bergen herum kraxeln musste. Und das, obwohl ich doch so schnell krank werde. Erstaunlicherweise hat mir nicht einmal das Kentern eines Bootes in eiskaltem Wasser etwas anhaben können." Du hast auch Musik zum Film beigesteuert! "Stimmt, die wird wohl im Hintergrund zu hören sein und ist ebenso auf meinem neuen Album vertreten."
Das neue Album klingt scheinbar genauso erdverbunden wie die Geschichte des Films. "Ja, könnte man tatsächlich so sagen. Ich glaube, dass die Zeit wieder reif ist, richtig erdigen Metal, also ohne Computer oder digitale Hilfsmittel, zu machen. In den Neunzigern stand ich ja auf diese Computer-Sounds."
Ein Metal-Klassiker
von Lothar Landt "Ich habe nur 20 Minuten Zeit, denn ich muss gleich zum Flughafen. Es geht
heute noch nach Istanbul, wo die Auslandspromotion beginnt. Reicht das?",
fragt Doro gleich zu Beginn des Interviews in Ihrer typischen und
sehr sympathischen Art. Im...
Weiterlesen"Ich habe nur 20 Minuten Zeit, denn ich muss gleich zum Flughafen. Es geht
heute noch nach Istanbul, wo die Auslandspromotion beginnt. Reicht das?",fragt Doro gleich zu Beginn des Interviews in Ihrer typischen und
sehr sympathischen Art. Im Fokus der täglichen Medien stand sie fast nie, trotzdem
ist sie immer noch gefragt. Ihre jahrelange Arbeit hat ihr eine treue und große
Fanschar beschert, die es Doro ermöglicht auch so ambitionierte Projekte
wie jetzt das "Classic diamonds" Album anzugehen. Im Prinzip handelt
es sich hier um eine Art Best of-Album, bei dem Doro die 13 Songs mit
einem 40-köpfigen Orchester und ihrer Band gemeinsam umsetzt. Die Idee ist nach
Deep Purple, Metallica und vielen anderen zwar nicht neu, aber
die Umsetzung ist sehr gut. So stellt sich die Frage, wie Doro auf die
Idee zu diesem Projekt gekommen ist.
"Die Idee kam auf der 'Fight'-Tour 2002 auf. Da haben mich zwei Leute
vom Verein 'Tiere in Not' angesprochen, ob ich nicht etwas für sie machen
könnte. Die haben ein Orchester, das Metal Classic Night Orchestra, und
würden gerne mit mir arbeiten. Das hat sich für mich gut angehört, denn ich
hatte so etwas ja schon einmal 2001 in Düsseldorf gemacht, und das war ein so
schöner Abend. Und für einen guten Zweck bin ich sowieso zu haben. Wir haben
uns dann noch ein paar Mal getroffen und schließlich geprobt. Das Orchester
bestand aus ganz jungen Leuten, teilweise aus Korea, Russland und anderen Ländern,
aber auch aus dem Raum Bochum. Und viele von denen konnten sich auch mit dem
Metal identifizieren. Anfangs habe ich mit diesem Orchester eine Show gemacht,
die auch auf der 'Für immer'-DVD drauf ist. Die Show ist so gut, so was
Schönes werden wir nie wieder machen ... das wurde nur von Freunden mit einfachem
Kameraequipment aufgenommen, aber die Stimmung war überwältigender als bei allen
anderen. Es gab dann einige Shows, bei denen auch sehr viele Kuttenträger waren
und irgendwann wollten wir das dann mal professionell aufnehmen. Den endgültigen
Ausschlag dafür gab dann vor ein paar Monaten das Konzert in Bochum. Danach
haben wir dann alle zusammen im Teamwork die Arrangements geschrieben, Torsten
Wickert, dann der Dirigent und unser Keyboarder und Rhythmusgitarrist Oliver
Palotai. Der hat das alles richtig gelernt und wir haben immer gedacht,
das kann er bei uns nie gebrauchen, aber hier war das natürlich total super.
Und der kennt mich so gut, dass das alles passte."
Auch wenn Doro definitiv über eine gute Band verfügt, so ist es doch
ein Unterschied mit klassisch ausgebildeten Musikern zu spielen. Wie war die
Zusammenarbeit?
"Beim aller ersten Mal mit den Düsseldorfer Symphonikern, da war es
schon etwas komisch, denn die kannten sich im Metal nicht so aus, das war schon
eine andere Welt. Diesmal sind wirklich auch nur junge Musiker involviert gewesen,
das sind Leute in Tribal und Metal T-Shirts, da hatte ich das Gefühl, das das
alles cool ist. Die Musik kommt supergeil rüber. Es ist nicht so, dass das Orchester
die Musik weicher macht. Einige Nummern haben durch die Instrumentierung echt
gewonnen, 'Metal Tango', 'All we are' oder meine Lieblingsnummer
'Breaking the law'. Da geht es echt geil ab. Und die Balladen klingen
mit 20 Streichern tausendmal schöner als so ein mickriges Keyboard. Aber die
schnellen Sachen sind echt geil rausgekommen! Wir haben halt unsere Highlights
genommen und noch vier neue Songs gemacht. Bei der ersten Benefizveranstaltung,
da hatten die Initiatoren schon Arrangements für 'I rule the ruins',
'Metal Tango', 'Für immer' und 'All we are' gehabt. Das
hat mir sehr gut gefallen, die vier Songs hatten wir also schon. Die anderen
Songs haben wir nach den Konzerthighlights ausgewählt."
Vor der Albumveröffentlichung wird sogar eine Single veröffentlicht.
"Ja, die Ballade 'Let love rain on me' wird die neue Single. Die habe
ich auch auf Französisch und Spanisch gesungen. Den Song habe ich mit Gary
Scruggs geschrieben. 'I'm in love with you' ist nur mit Klavier und
kleinem Streichersatz, eine ganz gefühlvolle Ballade. 'Last goodbye'
hat unser Bassist Nick geschrieben und Kai Hansen spielt gerade
noch die Sologitarre im Studio ein. Und 'She's like thunder and lightning'
wird die neue Hymne von Regina Halmich. 'Fight' hatte sie bisher
genutzt und jetzt wollte sie was Neues haben. Und 'Breaking the law'
ist natürlich der Judas Priest-Klassiker, denn ich war ja immer der totale
Priest-Fan. Die Nummer ist übrigens im Duett mit Udo Dirkschneider",
gibt sie einen Ausblick auf die vier neuen Songs und die Coverversion. Doro
hat schon mit vielen prominenten Metallern gearbeitet: Pete Steele, Gene
Simmons, Lemmy. Auch wenn ihr alle Kooperationen viel Spaß gemacht
haben, so weiß sie doch, welche Zusammenarbeit rückblickend am beeindruckendsten
war.
"Das hat damals ja angefangen mit Gene Simmons 1990. Das war für mich
mindblowing, denn er war total cool und hat sich 150% reingehangen. Er wollte
nicht nur mit uns eine Platte machen, sondern dass wir auch was dabei lernen.
Ich hatte damals meinen ersten Blues geschrieben. Und da ich mich darin nicht
so auskannte, hat mich Gene mit allen möglichen CDs versorgt und in Konzerte
geschleppt wie Etta James. Das hat meinen Horizont total erweitert. Das
war für mich persönlich eine der tollsten Zeiten, denn Gene persönlich
hat ja noch einige Songs geschrieben und die Coverversion von 'Only you'
von 'The elder' gemacht. Und die Zusammenarbeit mit Lemmy vor
drei Jahren war auch wunderbar. Mit ihm habe ich mich ganz toll unterhalten.
Ich war damals in einem echten Tief, denn mein Vater war gerade gestorben. Am
Tag danach hat Lemmy angerufen und so auf einen Brief von mir, ob wir
nicht mal zusammen einen Song schreiben könnten, geantwortet. Ich war eigentlich
völlig verzweifelt, aber Lemmy meinte, vielleicht sei es gerade gut jetzt
was zu machen. Ich war dann zwei Wochen mit ihm in L.A., und er war wie ein
Engelchen zu mir. Und wegen dieses Hintergrunds hat die Zusammenarbeit eine
tiefe Bedeutung für mich. Alle anderen Kooperationen waren auch toll, aber diese
beiden waren besonders beeindruckend für mich."
Passend zur Veröffentlichung wird es für alle Doro-Fans 140 Seiten
Metal Heart-Special geben. Das zeigt durchaus, welche Bedeutung Doro
für die hiesige Metalszene seit Anfang der '80er Jahre hat.
"Ja, dieses Sonderheft erinnert mich auch an die '80er. Damals gab es noch
solche Hefte wie das Metal Attack wo einzelne Künstler abgefeiert wurden.
Es war total schön mal wieder die alten Fotos durchzuschauen und sich an die
Hochzeiten in den '80ern zu erinnern. In den '90er war es ja sehr schwer als
der Grunge alles weggeblasen hatte. Für die Recherche habe ich mich mal zurückgelehnt
und alle Erinnerungen noch mal durchlebt. Ich habe nicht viel bereut in meiner
Karriere, auch wenn es teilweise sehr harte Zeiten gab. Aber jetzt kommt der
Metal ja doch wieder, das hätte ja keiner gedacht",
sinniert sie abschließend. Im Gegensatz zu vielen Musikerkollegen hat Doro
aber auch international durchaus Erfolg. Gerade in Spanien, aber auch im ehemaligen
Ostblock ist Doro ganz groß angesagt.
"Ja, ich bin diese Woche zwei Tage in Spanien, da stehen 50 Interviews an.
Aber die Menschen dort haben mich seit meiner ersten Tour mit Judas Priest
dort phantastisch aufgenommen."